Tag Archives: Honig

Fior di Latte di Bufala

13 Dez

Gestatten: Gaumenporno

Stell dir vor, du wachst eines Tages auf und anstelle deines gewohnten Körpers findest du dich in der Form einer Geschmacksknospe wieder. Du bist rund, etwas ausgefranst, aber doch sehr kompakt und deine Haut ist übersät mit feinsten Rezeptoren…

Das erste, was dich frontal trifft und dich völlig aus den Socken haut, ist der brummende, nussige und etwas aufdringlich erotische Geruch von Kaffee, der dir Hühnerhaut auf deinem Knospenkörper zaubert.

Und dann geht eine völlig abgefahrene Achterbahnfahrt los: du stehst auf einem Sprungbrett vor einem riesigen Bassin voller Fior-di-Latte-Eiskrem und ehe du dich versiehst, tauchst du unter Jubelgeschrei und farbigen Bläschen durch die prickelnd sinnliche Masse und landest mit einem lauten „Krack“ auf einem Stück Karamellkrokant, den du gleich gierig zerkrümelst und dich in ihm wendest und drehst. Darauf folgen verschiedene kleine Schocks unglaublicher Kombinationen von säuerlich-cremig, erfrischend-kühl, honig-krokantig, buttrig-nussig und milchig-rahmig… So muss es sich im Schlaraffenland anfühlen. So fühlt sich dieses Eis hier an!

Oder wie sagte schon Oscar Wilde so schön: „Ich kann allem wiederstehen, ausser der Versuchung.“

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Schokolade bei die Fische!

18 Nov

What’s cooking, Colombia?

Kolumbien also. Drei Wochen Rucksackreise querlandein. Den Reise- und Kulinarikbericht schulde ich meinen interessierten Lesern noch, obwohl ich selbst gar nicht so recht weiss, wo ich eigentlich anfangen soll…

Fakt ist: Kolumbien ist grossartig! Vor mittlerweile fast acht Jahren zum ersten Mal den Fuss auf südamerikanischen Boden gesetzt, bin ich dem Zauber dieses wunderschönen Kontinents völlig erlegen und seit da zum notorischen Rückkehrer geworden. Nur Kolumbien, diesen äussersten, nordwestlichen Zipfel des Subkontinents durfte ich vor wenigen Wochen erst kennen- und liebenlernen.

Drogenmafia und Todesschwadronen, Guerillakrieg und Farc-Rebellen, Prostitution und Entführung: kaum ein anderes Land in Südamerika hat einen derart schlechten Ruf wie Kolumbien. Zu Unrecht, wie ich feststellen musste. Zwar sind oben genannte Probleme noch nicht restlos aus der Welt geschafft, aber wahr ist auch: kaum ein anderes Land hat im letzten Jahrzehnt einen bemerkenswerteren Turnaround geschafft. Kolumbien darf zu Recht als der Aufsteiger Amerikas bezeichnet werden.

Was Kolumbien ausmacht ist der natürliche Reichtum, die prächtige Flora und Fauna des Landes. Gerade, was die Natur anbelangt, ist Kolumbien schlicht paradiesisch schön! Da sind Karibikstrände, weiter weisser Sandstrand und unwahrscheinlich türkis Wasser. Zum Chill-Out vom Nichtstun ein Glas Rum mit frischem Limettensaft, braunem Zucker und ordentlich Eis – está es la vida que yo me merezco!

Da sind endlose Kaffeeplantagen, natürlich und unverbraucht, eine der ursprünglichsten und beeindruckensten Landschaften, die ich je erblicken durfte. Da sind schneebedeckte Andengipfel und tropischer Regenwald. Da sind Piratenstädte mit engen Gassen und bunten Häusern, Musik und Tanz, die vermutlich schönsten Frauen Südamerikas (okay, Argentinien nicht mitgezählt!) und vor allen Dingen: da sind Menschen, deren Fröhlichkeit, deren Unvoreingenommenheit und Offenheit mich über alle Masse beeindruckt haben.

Nicht zu unrecht lautet der Slogan von turismo Colombia: el unico riesgo es que te quieras quedar: das einzige Risiko ist, dass du bleiben willst!

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Hausgemacht: Knäckebrot ∣ Frischkäse ∣ Bärlauchblüten in Honig

24 Apr

Frühling ist, was auf deinem Teller passiert!

Und irgendwie nimmt dieser gerade wieder so richtig Anlauf, insbesondere in kulinarischer Hinsicht. Ein gepflegter Gang über den farbenprächtigen Gemüsemarkt im Nachbarsdorf erweist sich nicht nur als ideale Samstagvormittags-Erholungstherapie sondern bringt auch die geballte Wucht des Frühlings zum Vorschein.

Ich kaufe besonders gerne da ein, weil das Angebot einfach gnadenlos lokal und saisonal ist. Es scheint fast, als ob praktisch nix an Gemüsen zugekauft wird. Es gibt was es gibt sozusagen! Am besten, man schreibt erst gar keinen Einkaufszettel sondern lässt sich von dem inspirieren, was man vorfindet.
Damit hat man stets die besten Karten in der Hand.

Die ersten saftig-roten Rhabarberstangen wurden entsprechend bereits zu Likör verarbeitet und auch der Spargel, wohl DER Frühlingsbote schlechthin, braucht, zumindest in der weissen Variante, mittlerweile auch keine Landebahn auf dem Flugplatz mehr, sondern wird auf hiesigen Höfen bereits gestochen.

Nur einer jedoch, der kam während der letzten Frühlingswochen definitiv zu kurz: der liebe Bärlauch. Dabei hatte ich so sehnsüchtig auf das „scharfe Grün“ gewartet. Bis auf die vor einigen Wochen zubereiteten Gnocchi alla primavera hat er leider bis anhin auf meinen Tellern höchsten eine Statistenrolle übernommen. Aber der Zug ist abgefahren! Da die Bärlauchblätter mittlerweile schon ziemlich gross ergo bitter ergo penetrant im Geschmack sind, bleibt wohl nur noch die Vorfreude auf den nächsten Frühling. Glücklich, wer jetzt eine hausgemachte Bärlauchbutter im Tiefkühlfach sein Eigen nennt. Aber…

Viele denken ja, nur die Blätter von Bärlauch seien essbar. Tatsächlich kann man die Blüten aber genauso verwenden. Und für die ist der Zeitpunkt gerade ideal! Sie sind nicht nur bei Spaziergängen im Wald in diesen Tagen ein zauberhafter Blickfang sondern auch in der Vase auf dem Stubentisch daheim. Bärlauchblüten haben einen besonders feinen, leicht süßlichen Knoblauchgeschmack, der wesentlich milder ist als der Geschmack der Bärlauchblätter.

Besonders spannend, weil durchaus ungewöhnlich, aber köstlich mundend, sind in Waldhonig eingelegte Bärlauchblüten, welche exzellent mit Käse harmonieren. Im Honig drin verlieren die Blüten zwar ihre Schönheit, nicht aber ihren zarten Bärlauchgeschmack. Und der gesellt sich wunderbar zu Frischkäse. Wie der von Cheriechen, den ich heute endlich mal selber zubereite. Dazu hausgemachtes Knäckebrot und die Sonne strahlt direkt aus meinem Tellerchen! 10 out of 10! Weiterlesen

Hausgemachter Himbeersenf

7 Nov

Very berry

Wow! #auchhabenwill

Das waren meine ersten Gedanken, als ich vorletzte Woche über dieses Rezept gestolpert bin. Es stammt aus der Feder der Grande Dame der Schweizer Spitzenköchinnen, Tanja Grandit aus dem Stucki in Basel, und hat sofort meine ungeteilte Aufmerksamkeit erregt. Mein zweiter Gedanke: ein perfektes Geschenk für das schon bald anstehende Weihnachtsfest.

Ihr müsst wissen: Alljährlich zu Weihnachten erhalten meine Liebsten von mir ein kleines Körbchen mit vier bis fünf hausgemachten Leckereien aus meiner Küche. Das Prädikat „hausgemacht“ bringt dabei natürlich besonders viele Punkte auf den Zähler.

Ich mag Weihnachten. Sehr sogar. Ich steh total auf Plätzchen backen, Eierlikör schlürfen, Unmengen Lachsbrötchen vertilgen, auf Familienfestessen, Schneegestöber und fleissiges Glühwein trinken. Ganz zu schweigen von meiner langjährigen Tradition am Weihnachtsmorgen ein klassisches Rindstatar zuzubereiten – und ganz alleine nur für mich zu verspeisen!

Aber es gibt ja Leute, die könnten Weihnachten schon ganz prima im November feiern. Dann dröhnen Jingle Bells aus den Radiolautsprechern, die ersten übermotivierten Nachbarn beginnen mit dem Weihnachts-Roll-Out, hängen ihre Leuchtsterne an die Bäume vor dem Haus und verziehren ihre Fenster mit Sprühschnee.

Definitiv nichts für mich. Da bleibt ja kaum Zeit, um die schöne Herbststimmung zu geniessen. In meinen Mund wandert vor dem 1. Advent zumindest noch kein Lebkuchen. Wir feiern ja auch kein Sylvester Mitte Dezember, oder?

Trotzdem aber erwischt mich Weihnachten jedes Jahr wieder auf dem falschen Fuss. Da hat man ein ganzes Jahr Zeit und weiss mit Gewissheit, dass der Termin auch dieses Jahr wie gewohnt kommen wird. Und trotzdem ist urplötzlich Weihnachtsabend und die Geschenke fehlen an allen Enden. Da schadet es nichts, wenn ich ausnahmsweise mal schon im November mit den Vorbereitungen beginne. In der Hoffnung, es bleibt bis im Dezember noch etwas übrig… Weiterlesen