Tag Archives: Erbsen

Eisgekühlte Erbsli-Gazpacho

21 Aug

Urlaub auf dem Teller

Mein diesjähriger Sommerurlaub fand in Form eines vierwöchigen Roadtrips durch den entzückenden Norden Spaniens und die portugiesische Atlantikküste statt. Die Reise stand -wie könnte es auch anders sein- ganz im Zeichen der Kulinarik.

So kommt es auch, dass ich lauter kulinarische Urlaubserinnerungen mit nach Hause gebracht habe und mein Speiseplan zur Zeit (und weiterhin passend zur Saison) sehr spanisch und sommerlich daher kommt. Und weil auf magentratzerl’s Blog zur Zeit kulinarische Urlaubserinnerungen gross geschrieben werden, reiche ich das nachfolgende Rezept noch so gerne zum Blogevent Urlaub auf dem Teller ein.

Zu den Highlights im Gaumen gehörten der asturische Apfelwein sidra, pulpo a la gallega aus dem autonomen Galizien, frisch grillierte kantabrische Sardinen und knuspriges Spanferkel leitão aus dem grünen Hinterland der portugiesischen Westküste.

Absoluter Höhepunkt waren aber definitiv die leckeren Pintxos, welche insbesondere im Baskenland in beinahe jeder Kneipe erhältlich sind. Pintxos (ausserhalb der Baskenprovinz Pinchos genannt) bezeichnen eine kleine Mahlzeit, die im Regelfall zu einem Getränk konsumiert wird. Im Gegensatz zu klassischen Tapas handelt es sich dabei um echtes Finger-Food, meist auf einem Stück Weissbrot kalt serviert und individuell mit Gemüse, Käse, Fleisch oder Wurst und natürlich Fisch und Meeresgetier belegt. Eine Art Canapé, wenn man denn so will.

Die Hochburg der Pintxos ist die baskische Stadt Donostia-San Sebastián. Ohnehin wird die baskische Küche nicht selten als die beste in ganz Spanien bezeichnet. Nirgendwo auf der Welt versammeln sich so viele Michelin-Sterne auf engstem Raum. Zehn Restaurants in San Sebastián und Umgebung können zusammen 18 der begehrten Auszeichnungen aufweisen. Die renommierten Starköche setzen dabei vor allem auf zwei Dinge: erstklassige Zutaten aus der Region und einen ausgeprägten Perfektionismus bei der Verarbeitung. Die Basken lieben gutes, einfaches Essen. Hier fühlt man sich als Geniesser durchaus wohl. Mehr dazu gibt’s (hoffentlich) bald hier zu lesen…

Heute aber gibt’s was anderes. Denn obgleich die Baskenküche im ganzen Land gelobt wird, so gibt es doch einen Klassiker, den man auch über die spanischen Landesgrenzen hinaus in aller Welt geniesst: gazpacho andaluz! Die klassische Erfrischungssuppe für heisse Sommertage stammt aus der Kaltschalen-Hauptstadt Andalucía, findet sich aber auch im kühleren Norden Spaniens auf beinahe jeder Speisekarte.

Inspiriert vom spanischen Fernsehkoch José Andrés gibt es heute bei mir die grüne, eisgekühlte Doppelgängerin des Klassikers.

Weiterlesen

Advertisements

Märit-Wäie aka Marktblechkuchen

11 Jul

Backe, backe…

Kuchen? Oder Wähe? Oder wie ging das nochmal?

Was dem Franzosen die Quiche, ist dem Schweizer die Wähe, Wäje, Tuurte, Chueche, Fladä, Tünnä, Dunne, Datsche, Pitte… dieses Urschweizer Gericht hat in etwa so viele Namen wie Variationen. Gemeint ist immer dasselbe. Ein dünner, knusprig gebackener Kuchenteig mit einem schmackhaften, saftigen Belag. Es gibt sie süss, salzig, vegetarisch oder mit Fleisch und einige davon sind sogar richtige Klassiker. Allen voran natürlich die Basler Zibelewaie.

Eigentlich aber ist die Wähe als Abfallprodukt entstanden. Erfunden hat sie ein schlauer Bäckermeister, den es reute, wenn die Teigreste vom Brotbacken in den Sautrog wanderten. Er beschloss, den Teig auszuwallen und ihn mit den Resten, die er in der Küche finden konnte, zu belegen. Um das Auslaufen des Gusses und der Zutaten zu verhindern, formte er den Rand etwas dicker und höher, indem er den Teig dort zusammendrückte.

Auch heute noch gehört die Wähe zum festen Standortsortiment einer jeden guten Bäckerei in der Schweiz. Das Wichtigste dabei: frisch muss sie sein!
Eine Wähe darf den Tag nicht überleben.

Vorab aber ein Geständnis: ich habe fixfertig gekauften Kuchenteig verwendet. Das ist natürlich falsch, falsch, falsch. Aus verlässlicher Quelle weiss ich aber, dass nicht alle meine getreuen Leser mit gleichermassen viel Enthusiasmus selber einen Kuchenteig anrühren. Mein Rezept hier fungiert insofern als kleiner Ansporn, auch den grössten Küchenmuffel von simpler, schneller und erst noch gesunder Hausmannskost zu überzeugen.

Inspiration dazu fand ich beim allsamstäglichen Gang auf den kleinen, aber äusserst feinen Gemüsemarkt im Nachbardorf. Da türmen sich momentan Früchte und Gemüse in allen Formen, Farben und Varianten und machen richtig Appetit darauf, beladen mit Körben voller gesunder Rohkost kochlöffelschwingend die heimische Küche zu verdrecken.

Die leckeren Jungkarotten mit Grün waren leider bereits weg. Wer zu lange schläft, den straft das Leben, so ist das halt. Ist aber nicht so schlimm. Schliesslich wächst im heimischen Garten noch so einiges, was ebenfalls auf sinnvolle Weiterverwendung wartet. Und wie ihr gleich sehen werdet, mögen auch die künftigen Schmetterlinge Fenchel im Bauch… Weiterlesen

Sizilianische Arancini

9 Apr

Wenn Gäste vor der Türe stehen…

Eigentlich wäre es ja kalendermässig an der Zeit über Frühlingsgenüsse zu berichten. Aber eben…

Am Morgen sind es auf der Terrasse immer noch +/- Null Grad und die Kleinvögel wie Meisen, Spatzen, Amseln und Finken umkreisen die leeren Futterhäuschen wie die Geier den toten Esel. Der Frühling hinkt hinterher…

Dem andauernden Winterblues wirken wir mit ein wenig sizilianischer Sonne im Kochtopf entgegen. Essen in Kugelform schmeckt eigentlich immer. Genauso wie alles, was frittiert wird. Gute-Laune-Essen halt eben! Gegen das Frittieren zu Hause sprechen aber mindestens zwei Dinge: 1. der Gestank und 2. der Gestank. Die Ausdünstung, die man danach in die Welt hinaus trägt, ist wirklich beispiellos. Auch wer heute, ganze drei Tage nach dem Schmaus, mein Reich betritt fragt augenzwinkernd: „Hast du Pommes frites gegessen?“

Wenn jemand sich die Mühe macht, einen Haufen Reisbällchen mit blossen Händen zu befüllen, in Kugelform zu bringen und anschliessend in heissem Fett auszubacken, der wird diesen Aufwand wohl kaum alleine auf sich nehmen. Kulinarisch verwöhnt wurden daher mal wieder die Jungs.

Wer oft Gäste hat, der kennt die Doppelrolle Gastgeber/Gasgeber nur zu gut. Eigentlich eine unlösbare Aufgabe, den mitschlemmenden Gastgeber und gleichzeitig den abgeklärten Chefkoch zu spielen. Von Mittrinken ist dabei noch nicht mal die Rede. Aber Not macht ja bekanntlich erfinderisch. Also liess ich meine Gäste als Copiloten gleich selbst mit anpacken. Unter fachkundiger Anleitung wurde Reiskugel um Reiskugel geformt, während ich mit kritischem Auge und Bier in der Hand alles aus der Poleposition überwacht habe. Dass die Küche danach einem Schweinestall gleicht, ist wohl der Preis, den man für’s Nichts-Tun zahlt. Aber trotzdem – gerne wieder, Jungs.

Weiterlesen

Spaghetti mit Erbsenpesto

13 Jul

Klein, aber Oho!

Bereits 1837 bekommt in Hans Christian Andersens Märchen eine verzogene Märchenprinzessin eine winzig kleine Erbse unter einer dicken Schicht Matratzen zu spüren. „Klein, aber Oho!“ sagte sich wohl die Erbse schon damals. Tatsächlich zählen Erbsen zu den ältesten Gemüsesorten, die vom Menschen kultiviert wurden und gehören heute zu den beliebtesten Gemüsen überhaupt. Sie sind zudem äusserst vielseitig einsetzbar: in Suppen und Eintöpfen, als grüner Farbtupfer in asiatischen Gerichten, zu Fischspeisen, Pasta und Risotto oder mit etwas Minze als klassische Beilage zu englischem Roastbeef mit Yorkshire Pudding. Lecker!

Letzten Sommer habe ich mich das erste Mal im Anbau von Erbsen versucht; mit Erfolg. „Klein, aber Oho!“ – auch hier wieder! Gleich eimerweise konnte ich die Schoten von den grünen Ranken ernten und die feinen, zuckersüssen Erbsen auspuhlen. Zum Glück kann man die kleinen Scheisserchen gut einfrieren. Ihr hättet mich sehen sollen wie ich voller Begeisterung vor den Ranken im Gartendreck sass und die süssen Winzlinge direkt aus den Schoten schlürfte. Unvergleichlich!

Aus dem letzten Jahr blieben noch einige Samen übrig – im Märzen also der Bauer die Beete ackert und sät, auf dass die Erbsen wachsen, lieber früher als spät! Bereits im letzten Jahr ist aus dem ganzen Erbsenüberschuss dieses tolle Rezept für ein Erbsenpesto entstanden, welches ich gerne mit euch teile..

Weiterlesen