Tag Archives: China

Yu Bo’s Family Kitchen

27 Sep

Chengdu’s Gourmet Hotspot

Auf diesen Abend hatte ich mich seit Beginn meines Abenteuers gefreut und das Datum dick in meiner Reiseagenda notiert. Verschiedenste Artikel, die ich bereits vor einiger Zeit daheim über dieses Restaurant und seinen Küchenchef Yu Bo, gemeinhin als einer der besten Chinas bezeichnet, gelesen hatte, haben natürlich mein ungeteiltes Interesse geweckt. Für mich war klar: da muss ich hin! Praktischerweise liegt das Restaurant ohnehin in Chengdu, wo ich mich seit Tagen durch die lokale, scharfe Sichuan-Küche koste.

Vor Ort bin ich verabredet mit Trevor James, einem Kanadier, welcher seit nunmehr bald 2 Jahren in Chengdu lebt und studiert. Als The Food Ranger postet er regelmässig mundwässernde Videos lokaler Spezialitäten auf Youtube und kennt sich daher mit den vielgerühmten Delikatessen der Sichuan-Küche bestens aus. Sehenswert! Da er selbst auch noch nie in Yu Bo’s Restaurant gegessen hat, war er noch so gerne bereit, mich zu begleiten (und ein bisschen Dolmetscher zu spielen ;)). Food brings people together! Gilt eben auch am anderen Ende der Welt!

Gedanklich bin ich immer noch bei diesem Abendessen, denn es war sicherlich eine dieser kulinarischen Erfahrungen, die einem auch noch einige Jahre später frisch im Gedächtnis bleiben. Chefkoch Yu Bo hat sich weit über die Grenzen der Provinz Sichuan hinaus einen Namen gemacht, als einer der besten Köche Chinas, welcher es versteht die typischen Aromen der hiesigen Küche auf wunderbare Weise zu demonstrieren. Für Chengdu ist er quasi, was Ferran Adrià für die spanische Küche ist: ein unendlich, kreativer Koch, der die Grenzen der Tradition austestet.

Er und seine Frau betreiben das Restaurant seit 2006 – ein Ort voller Liebe zum Detail, angefangen beim Miniaturgarten im Hof ​​bis hin zu den Porzellantellern, die er selber entwarf. Yu Bo feiert die Grundlagen der Sichuan-Küche ohne grosse, aufwändige Technik und Gerätschaft, welche ansonsten in den Sternehäusern Europas zur Standard-Ausstattung gehören. Was ihn aber wirklich abhebt, von anderen Restaurants in Chengdu, ist die einsame Qualität seiner Zutaten. Wie man uns erzählt, fahren er uns seine Frau einmal im Monat aus der Stadt, um Sichuan-Pfefferkörner erster Qualität handzulesen sowie Pilze, Bio-Schweinefleisch, Bambus und handwerklichen hergestellte Sojasaucen und Essig für ihre Küche ausfindig zu machen.

Es ist schon spät und ich bin gerade etwas schreibmüde. Aber seht selbst. Ich denke, die Bilder sprechen für sich… Weiterlesen

Chengdu

25 Sep

UNESCO City of Gastronomy

Bald ist sie vorbei, meine einwöchige Schlemmertour durch das kulinarisch wahrlich himmlisch-verlockende Chengdu. Und eines ist sicher: wenn man in Sichuans Hauptstadt reist, sollte man auf alle Fälle eine Vorliebe für scharfe Speisen mitbringen. Getrocknete Chilis und die Zunge regelrecht betäubende Szechuan-Pfefferkörner gehören hier dazu, wie die Butter aufs Brot. Aber beginnen wir von vorne…

Chengdu ist nicht nur die Heimat des Pandas – nein, seit 2010 darf sich die Stadt auch offiziell mit dem von der UNESCO ausgegebenen Label City of Gastronomy brüsten. Eine Auszeichnung, auf die die hiesigen Bewohner sichtlich stolz sind, zumal dieses Prädikat -im Vergleich zum übrigen Auszeichnungssegen der UNESCO- erst an wenige weitere Städte weltweit vergeben wurde. Es sind dies Florianopolis in Brasilien, Jeonju in Süd Korea, Östersund in Schweden, Popayan in Kolumbien, Shunde, ebenfalls China, Tsuruoka im schönen Japan und Zahlé im Libanon. Chengdu war nach Popayan die zweite und in Asien die erste Stadt, die sich somit hochoffiziell als kulinarische Hochburg und Gourmet-Paradies schelten darf.

Die Kriterien zur Aufnahme sind wahrlich streng. Um sich zu qualifizieren benötigt man: eine hochentwickelte Küche, charakteristisch für die jeweilige Region; eine fundierte und gut ausgebaute Anzahl an hochdekorierten Köchen und traditionellen Restaurants, nachweisliche Pflege der traditionellen, althergebrachten Kochmethoden, welche auch dank industriellen und technologischen Entwicklungen überlebt haben, eine breit vorhandene Marktkultur, aktive und nachhaltige Promotion lokaler Spezialitäten, einen historischer Hintergrund als Stadt, welche regelmässig grosse gastronomische Anlässe durchführt plus ein klares Commitment die Lehre der lokalen Küche weiter voranzutreiben (zum Beispiel in Form von staatlich anerkannten Kochschulen).

Nun, Chengdu hat den Test bestanden. Zu Recht, wie ich finde. In Sichuan sind die Menschen stolz auf ihre Küche. Sie ist als eine der fünf großen Traditionen der chinesischen Küche bekannt (nebst der Kanton-Küche im Südosten Chinas, der Fukien-Küche (Ostküste), der Peking-Shantung-Küche (Nordosten) und der Honan-Küche im Landesinnern. Sie wird, wie ein Sprichwort besagt als „ein Gericht, eine Form, Hunderte von Speisen, Hunderte von Geschmackrichtungen“, mit seiner gefeierten Vielfalt beschreiben. Die prominentesten Merkmale der Sichuan-Küche werden mit vier Worten beschrieben: würzig, heiß, frisch und duftend. Kein Wunder ist die hiesige Kochkunst in in ganz China beliebt und auch international bekannt. Wer gerne (scharf) isst, der ist hier genau richtig! Weiterlesen

Willkommen im fernen China

23 Sep

Es stimmt und doch ist alles anders

In China essen und trinken satte 1,3 Milliarden Menschen. Eine durchaus imposante Zahl! China ist laut UN das bevölkerungsreichste Land auf dem Erdball und misst unglaubliche 20 % gemessen an der restlichen Weltbevölkerung.

Man stelle sich mal vor, man lädt alle Chinesen zur nächsten Gartenparty ein! Dafür bräuchte man 325 Millionen Vierer-Tische und, grob geschätzt, 650 Millionen Kilo Reis, Gemüse und Bratwürste. Und nebst 2,6 Milliarden Essstäbchen natürlich auch noch ein paar Flaschen Bier.

Der wahre Reichtum aus dem Reich der Mitte zeigt sich aber in seinen Speisen. China hat die älteste und vielfältigste Küche überhaupt. Obwohl, eine eigentliche „chinesische Küche“ gibt es genau genommen gar nicht. In einem Land, nur wenig kleiner als die Gesamtfläche Europas, in dem über eine Milliarde Menschen wohnen, haben sich über die Jahrtausende auf natürliche Art und Weise die unterschiedlichsten Küchenstyle entwickelt. Wie ich feststelle, kommt chinesisches Essen in unseren Breitengraden aber leider nur als meist mittelmässiges Essen auf den Tisch. Nach zwei Tagen in Chengdu, der Hauptstadt der Provinz Sichuan mitten im Herzen Chinas, ist mir dies schon schmerzhaft bewusst. Vom übervollen Ringbuch-Speiseatlas, über den grosszügigen Gebrauch von Glutamat und Plastikstäbchen bis hin zu kitschigem Fernweh-Dekor: der Chinese bei uns kann mit dem hier einfach nicht richtig mithalten. Und wer schon mal in China gegessen hat, der weiss, dass es da ein ganzes Universum ungeahnter Geschmackserlebnisse zu entdecken gibt.

Wenn es aber um die chinesischen Sitten bei Tisch geht, dann bestätigen sich gewisse Vorteile, die man in Europa hat, durchaus. Chinesisches Wohlbefinden hat nichts mit romantischem Kerzenschein zu tun. Egal ob an der Strassenbude oder im Restaurant: es wird gelacht, gerülpst, gerotzt und in voller Lautstärke gesprochen. Man steckt sich mitten während dem Essen eine Zigarette an oder greift quer über den ganzen Tisch und alle Teller nach der Schüssel. Essen hier macht Spass und die Chinesen leben das in vollsten Zügen aus… Weiterlesen

Auf kulinarischer Entdeckungsreise

3 Sep

Ich pack dann mal den Koffer…

So, ihr Lieben. Was sind eure Pläne für die kommenden Wochen?
Viel Arbeit, Alltag, Haushalt und grau in grauer Herbst da draussen?

Die virtuelle Welt des Bloggens ist ja voll mit kulinarischen Entdeckungsreisen jeglicher Form. Alleine schon wenn ich den Reader meiner WordPress-App öffne, flutet mich täglich ein Tsunami voller lukullischer Köstlichkeiten aus der ganzen Welt. Als notorischer Foodie und Nimmersatt schlummert daher schon seit längerem ein kühnes kulinarisches Vorhaben in mir. Mit Rucksack, Kohldampf und Laptop will ich durch Asien reisen, stets auf der Suche nach dem guten Geschmack. Immer der Nase nach. Immer offen für Neues. Immer mit Hunger für zehn.

Bisher lag es immer nur vor mir. Am kommenden Sonntag ist es nach mundwässernder Planung aber endlich so weit. Ein durchgeknalltes und gefrässiges Kulinarik-Abenteuer im gastronomischen Disneyland wartet auf mich. Während zweier Monaten reise ich durch insgesamt sechs asiatische Länder, stets mit dem klaren Ziel vor Augen: alles mitnehmen, alles aufsaugen!

Das klingt verrückt? Ich nenne es leidenschaftlich!

Die Reise beginnt in Indien und führt mich über Malaysia, China, Taiwan und Südkorea bis nach Japan. Needless to say – natürlich werden Straßenküchen, Märkte, Restaurants und Foto-Touren den Hauptteil der Reisezeit in Anspruch nehmen. Ganz klar: während dieser Reise steht weniger das Kennenlernen von Land, Kultur und Leuten im Vordergrund als der Wissensdurst und die Abenteuerlust meine Kochkunst zu verbessern und die Mysterien der Küche Asiens zu erforschen. Auf der Suche nach Inspiration und Innovation werde ich durch indische Gassen streifen, einem modernen Kolumbus gleich mir Unbekanntes in den Gartöpfen von Taiwans Nachtmärkten abkupfern, exotische Gaumenfreuden im fernen Korea probieren und die japanische Küche in all ihrer wunderbaren Seltsamkeit erforschen und mir unbekannte, interessante Trouvaillen nach Hause bringen. Einfach so. Für mich. Aus ureigenem Interesse an der Sache.

Aufgrund eines mehr oder minder sportlichen Zeitplans und meinem Hang zur Übertreibung, werde ich mich weitestgehend stationär in einer oder zwei Städten je Land aufhalten und von da die dortige Küche erkunden. Als Ausgangspunkt habe ich mir daher stets eine Stadt ausgesucht, welche ich dank Recherchen im Voraus als kulinarisch besonders reizvoll erachtet habe. Die kulinarische Hochburg sozusagen. Von da aus werde ich Fischerorte und Bergdörfer besuchen, die Millionen-Metropolen durchstreifen, auf Märkten feilschen und Zutaten verarbeiten. Ich werde Köche, Bauern und Foodblogger vor Ort kennenlernen, Ideen austauschen und mit ihnen kochen und essen! Ich will mich mit der Ernährungsweise der Region beschäftigen, mit der Esskultur und lokalen Gastronomie. Sehen, staunen, durchkosten.

In möglichst vielen Beiträgen werde ich versuchen, über meine Erfahrungen und Entdeckungen zu berichten und alle Hungrigen daheim fleissig mit Fotos und Beiträgen zu füttern. Ich freue mich über jeden, der virtuell meinen foodprints folgt und bei meinem KochReiseFotoTagebuch dabei sein will. In diesem Fall ist Facebook-liken natürlich ein Must!

Alles weitere liest sich dann hier… Weiterlesen