Tag Archives: Brot

Wilderwahnsinnburger

29 Okt

Herbst im Brot

Mittlerweile habe ich ja schon des Öfteren darüber berichtet. Und ich kann es einfach nicht lassen. Mein Hang zum Kauf neuer, mal mehr, mal weniger nützlicher Küchengadgets gipfelte kürzlich in einem neuen Höhepunkt.

Seit letztem Wochenende bin ich stolzer Besitzer eines Big Green Egg. Das ist (wie der Name bereits vermuten lässt) grün, sieht aus wie ein Ei, ist in Tat und Wahrheit aber ein Grill. Und was für einer! Ich bin Feuer und Flamme! Es ist Grill, Backofen und Räuchergerät in einem und sorgt für ein einmaliges, authentisches Grillerlebnis ohne viel Rauchemissionen zu verursachen.

Unschlagbare Vielfalt für hohe kulinarische Ansprüche, echter Grillgeschmack dank Holzkohle und temperaturgenaue Zubereitung zeichnen das Big Green Egg aus. So wundert es niemanden, dass Spitzenköche in der Schweiz (zBsp.  Andreas Caminada im Schloss Schauenstein in Fürstenau oder Tanja Grandit im Basler Stucki) die ursprünglich aus den USA stammenden Big Green Eggs schon für sich entdeckt haben.

Dicke Keramikwände sorgen ähnlich dem Römertopf-Prinzip für eine gleichmässige, weiche und nicht zu trockene Hitze im Innenraum und mit der Verwendung von verschiedenen Hölzern können die Grilladen gezielt mit Aromen verfeinert werden. Das ist Sex auf drei Beinen – dä füdliblutti Wahnsinn, ich säg’s eu! Und entgegen allen Befürchtungen dauert das Einfeuern übrigens nicht ewig und drei Tage, sondern in knapp 20 Minuten erwartet mein Fleisch eine vulkanrote, zischende Glut, 300° C oder gerne auch heisser. Da gleicht mein Steak vom alten Gasgrill fast schon einer kulinarischen Geisterbahnfahrt.

 Glücklich also, wer gute Freunde aus New York zu Besuch hat, die sich bereit erklären einem solch ein Prachtstück frei Haus zu liefern, zum Drittel des europäischen Kaufpreises wohlbemerkt. Wie allerdings das Baby, welches in Tat und Wahrheit mehr einer überdimensionalen Handgranate als dem namensgebenden Ei gleicht, die amerikanischen Zollbehörden umschiffen konnte ist mir nach wie vor schleierhaft.

Premiere also feiern wir heute mit einem Wildburger: mit Patties aus Hirschhack, luftiger Focaccia mit Kürbiskernen und Cranberries, Ofenkürbis, rezentem Bergkäse, Kräuterspeck, Pickled Apples und Cranberry Jam. Weiterlesen

Bruschetta mit Grillpfirsich und Ziegenkäse

6 Jun

Was Einkaufswagen über uns verraten…

Hand aufs Herz! Spioniert ihr beim Einkauf im Supermarkt nicht auch des Öfteren in die Wägen anderer Leute? Ganz ehrlich: ich tu es ständig! Ein schlechtes Gewissen habe ich dabei nicht. Nur krümmen sich mir manchmal buchstäblich die Nackenhaare, wenn ich mir reinziehe, was so mancher Durchschnittskonsument für seinen Privathaushalt als ausgewogene Ernährung erachtet.

Konkurrenzanalyse: da finden sich allerlei Snacks, Süssigkeiten, Früchte und Crèmen aus der Dose, Puddings und Saucen aus der Tüte, Streuwürze, Fertiggerichte. Konkret: Produkte bei denen die Frage nach der Daseinsberechtigung teilweise durchaus erlaubt ist. Irgendwie extrem gut, irgendwie extrem ungesund. Kleider machen Leute. Essen macht Figur. Am liebsten würde ich den armen Opfern des Foodmarketings dann jeweils auf die Schulter klopfen und sie freundlich fragen, was sie denn da gedenken ihrem Körper anzutun.

Zu meiner Erheiterung mache ich mir daraus auch hin und wieder mal ein Spiel. Da findet sich ein alleinstehender Shopping Cart irgendwo in den Gängen? Reingeschaut und anhand der darin vorgefundenen Fressalien geraten, wie die Person, der dieser Wagen gehört, wohl ausschauen könnte. Von 100%-iger Trefferquote bis hin zu bösester Überraschung kam alles schon vor! Und plötzlich ist man unheimlich stolz, dass man Radieschen, Quark und mageres Pouletfleisch vor sich herschiebt.

Was würden die Leute wohl denken, wenn sie in euren Wagen schielen?

Okay, okay, wir müssen das Ding auch beim Namen nennen! Auch in mir lebt ein kleiner Fettjunkie! Dann glotze ich verdutzt in Jemandes Wägelchen und stelle erstaunt fest: Was? Mehr brauchst du nicht? Keine Chips für Sonntagabend vor der Glotze? Magst du denn nicht die neuen ach-so-tollen Knusperkekse probieren, welche die nette Dame weiter vorne mit freundlichem Lächeln zur Gratisverkostung abgegeben hat?

Beim Blick in andere Wagen entdecke ich aber auch immer wieder mal neue Produkte oder erinnere mich daran, was ich ja selber noch besorgen wollte. Und nur all zu oft lasse ich mich auch von den Einkäufen anderer Leute inspirieren. So auch geschehen bei diesem Rezept hier. Da lagen Pfirsiche und Ziegenkäse und haben mich verschmitzt aus einem fremden Einkaufskorb angelächelt. Ein ofenfrisches Baguette oben auf. Kopfkino ab: Action! Weiterlesen

Hausgemacht: Knäckebrot ∣ Frischkäse ∣ Bärlauchblüten in Honig

24 Apr

Frühling ist, was auf deinem Teller passiert!

Und irgendwie nimmt dieser gerade wieder so richtig Anlauf, insbesondere in kulinarischer Hinsicht. Ein gepflegter Gang über den farbenprächtigen Gemüsemarkt im Nachbarsdorf erweist sich nicht nur als ideale Samstagvormittags-Erholungstherapie sondern bringt auch die geballte Wucht des Frühlings zum Vorschein.

Ich kaufe besonders gerne da ein, weil das Angebot einfach gnadenlos lokal und saisonal ist. Es scheint fast, als ob praktisch nix an Gemüsen zugekauft wird. Es gibt was es gibt sozusagen! Am besten, man schreibt erst gar keinen Einkaufszettel sondern lässt sich von dem inspirieren, was man vorfindet.
Damit hat man stets die besten Karten in der Hand.

Die ersten saftig-roten Rhabarberstangen wurden entsprechend bereits zu Likör verarbeitet und auch der Spargel, wohl DER Frühlingsbote schlechthin, braucht, zumindest in der weissen Variante, mittlerweile auch keine Landebahn auf dem Flugplatz mehr, sondern wird auf hiesigen Höfen bereits gestochen.

Nur einer jedoch, der kam während der letzten Frühlingswochen definitiv zu kurz: der liebe Bärlauch. Dabei hatte ich so sehnsüchtig auf das „scharfe Grün“ gewartet. Bis auf die vor einigen Wochen zubereiteten Gnocchi alla primavera hat er leider bis anhin auf meinen Tellern höchsten eine Statistenrolle übernommen. Aber der Zug ist abgefahren! Da die Bärlauchblätter mittlerweile schon ziemlich gross ergo bitter ergo penetrant im Geschmack sind, bleibt wohl nur noch die Vorfreude auf den nächsten Frühling. Glücklich, wer jetzt eine hausgemachte Bärlauchbutter im Tiefkühlfach sein Eigen nennt. Aber…

Viele denken ja, nur die Blätter von Bärlauch seien essbar. Tatsächlich kann man die Blüten aber genauso verwenden. Und für die ist der Zeitpunkt gerade ideal! Sie sind nicht nur bei Spaziergängen im Wald in diesen Tagen ein zauberhafter Blickfang sondern auch in der Vase auf dem Stubentisch daheim. Bärlauchblüten haben einen besonders feinen, leicht süßlichen Knoblauchgeschmack, der wesentlich milder ist als der Geschmack der Bärlauchblätter.

Besonders spannend, weil durchaus ungewöhnlich, aber köstlich mundend, sind in Waldhonig eingelegte Bärlauchblüten, welche exzellent mit Käse harmonieren. Im Honig drin verlieren die Blüten zwar ihre Schönheit, nicht aber ihren zarten Bärlauchgeschmack. Und der gesellt sich wunderbar zu Frischkäse. Wie der von Cheriechen, den ich heute endlich mal selber zubereite. Dazu hausgemachtes Knäckebrot und die Sonne strahlt direkt aus meinem Tellerchen! 10 out of 10! Weiterlesen

Chicken Bunny Chow

25 Jul

Ein Toast auf Curry

Chicken Bunny Chow? Der Name klingt doch vielsprechend, nicht? Dass sich dahinter etwas Essbares verbirgt, ist auf den ersten Blick allerdings nicht ersichtlich. Tatsächlich handelt es sich dabei aber um eine ziemlich eigenwillige, aber durchaus kreative Art von Fast Food.

Bunny Chow stammt ursprünglich aus dem südafrikanischen Durban und hat dort eine lange Tradition. Es kann gewissermassen als der Heilige Gral unter dem lokalen Streetfood bezeichnet werden und ist auch heute noch vielerorts ein beliebter Snack. Ursprünglich vegetarisch, wird es heute aber auch je nach Belieben mit Fleisch zubereitet. Salopp gesagt handelt es sich dabei um einen ausgehöhlten Laib Kastenweissbrot, welcher mit würzigem Curry gefüllt wird. Baie lekker!

Um die Geschichte und den Ursprung dahinter ranken sich viele Gerüchte und Legenden. Mit Gewissheit kann man bloss sagen, dass die Erfindung auf die auch heute noch zahlreich vertretene indische Community in Durban zurückzuführen ist. Eine Erklärung die man besonders oft hört ist die folgende:

In den 1940er Jahren während der Apartheid, war es der schwarzen Bevölkerung nicht erlaubt öffentliche Restaurants zu betreten. Damit aber auch diese Klientel bedient werden konnte, begannen die Banias (eine indische Kaste) damit, ihre Curries in ausgehöhlte Laibe Weissbrot zu füllen und durch die Fenster im Hinterhof ihrer Restaurants an die hungrigen Arbeiter zu verkaufen. Die Sauce weicht das langweilige Weissbrot auf und verwandelt es in ein saftiges, würziges und mit zartem Fleisch bestücktes transportables Masala-Gericht! Baie leckker, gleich nochmals!

Als Füllung bietet sich eigentlich jedes x-beliebige Curry eurer Wahl an, egal ob mit Kürbis, Blumenkohl oder Kartoffeln, mit würzigem Lammfleisch oder eben wie ich heute mit zarten Pouletbrustfilets. Selbstverständlich verfügt jeder Curry-Junkie über seine Lieblings-Currymischung. Und genau die verrate ich euch heute. Sozusagen eine Eigenkreation aus tausendundeiner Inspiration. Und keine Sorge: wem eines oder zwei der unzähligen Gewürze fehlt… es schmeckt trotzdem… Weiterlesen

Andalusischer Brotsalat

25 Dez

…oder von kulinarischen Es(s)kapaden zu nachtschlafender Stunde

Andalusischer Brotsalat.

Na, das klingt doch mal gut!? Genau das dachte ich mir auch.

Letzten Sonntag mit einem Poltern im Magen im Bett erwacht. Fünf vor zwölf. Irgendwo in meinen Kopf schwirrt dieses Rezept umher. Langsam und gemählich in die Gänge kommen. Eine konkrete Idee beginnt sich zu formen. Brotsalat. Andalusisch verpackt. Erst mal Kaffee aufgesetzt. Dann gemütlich zur Tat schreiten. Der Blick in den Kühlschrank verrät: mein Serrano-Schinken ist auch schon wach. Was für ein Glückstag. Es lebe der Notvorrat. Nach und nach gesellen sich weitere Leckereien an den Tisch. Comme il faut. So mag ich das. Schön, wenn man träumen kann…

Tatsächlich träume ich oft vom Essen. Von Rezepten, neuen Kreationen und kleinen mitternächtlichen Geschmackserlebnissen. Die wenigsten wird dies wohl erstaunen. Und die wenigsten werden sich wundern, dass ich danach immer ganz quiekfidel erwache und mich des schönen Morgens -und meiner sehnsüchtig auf mich wartenden Küche- erfreue! Gelobt sei der Sonntag.

Für solche Momente habe ich dann stets meine kleine braune „Bibel“ neben dem Nachttisch zur Hand, in welche ich jeweils meine nächtlichen Geistesblitze niederkritzeln kann. Sofern Väterchen Arbeit nicht schon bald ruft, kann ich mich dann auch getrost nochmals um die eigene Achse drehen und mir eine weitere halbe Stunde Powernap gönnen.

So ergangen auch mit dem folgenden Rezept. Am Anfang stand da bloss ein Brotsalat. Andalusisch verpackt, wohl verstanden. Stimmt, normalerweise stammt der eigentlich aus der Toskana und nennt sich panzanella. Heute kommt mir das eher spanisch vor. Aber trotzdem. Das Resultat lässt sich meiner Meinung nach sehen! Schmeckt nämlich – Moment, ich muss Anlauf holen – saumässig gut! Nur Essen im Traum wäre wohl die Steigerung. Weiterlesen

Baguettini

8 Sep

Quickie zum Frühstück

Wir blicken zurück: ganze 2 Monate gibt’s meinen Blog nun schon! Wow! Time is running! Mehr als 3000 Zugriffe (einmal geklickt, nie mehr geklickt?) und immerhin schon 23 Artikel darf ich heute stolz beziffern!

Facebook-Liken oder noch besser -Sharen ist mittlerweile ein absolutes Must und in meiner Küche dampft und brodelt es seit da noch mehr als sonst!
Und ja, es ist neuerdings nun mal einfach so: bevor gegessen wird, wird fotografiert! Und vorher rührt mir keiner den Teller an! Aber gerade deshalb: Ich freue mich, wenn ich eine Hand voll kochwütiger Leser glücklich machen kann.

Wer meine Posts in regelmässigen Abständen verfolgt, der könnte ja beinahe glauben, mein Leben bestehe nur aus Kochen. Dem ist natürlich nicht so! Ich koche leidenschaftlich gerne und oft, aber manchmal, nach einem langen, intensiven Arbeitstag hält sich auch meine Motivation in der Küche noch Funken zu sprühen durchaus in Grenzen. Ihr sollt hier schliesslich kein falsches Bild von mir erhalten.

Oder würdet ihr einem Gourmet Glauben schenken, der von sich behauptet, dass er hin und wieder bei McDonald’s einkehrt, Ravioli aus der Dose oder Kartoffelstock aus der Packung isst und sich Beutelsalat kauft? Wohl kaum!
Ist aber so.

Naja, das mit den Ravioli ist gelogen. Pure Lüge sogar.
Geht ja aber echt auch gar nicht…

Und trotzdem, ich verstehe jeden der sagt: es muss halt schnell gehen! Stundenlang die Küche zu beheizen und die ganze Wohnung verführerisch einzuduften ist was Geiles! Aber hin und wieder reicht es auch aus, blitzschnell was Leckeres aus guten Zutaten zu zaubern. Ganz besonders zum Frühstück, wie am heutigen Samstagmorgen… Weiterlesen