Tag Archives: Apfel

Green Apple Wasabi Sorbet

3 Nov

Kalter Schweiss

Es ist 23.40 Uhr und leicht gedankenverloren sitze ich am Laptop und schreibe diesen Artikel. Eigentlich nichts Besonders. In meinem Fall aber irgendwie schon, schreibe ich doch seit zwei Monaten zur Abwechslung mal wieder einen Blogpost vom heimischen Wohnzimmertisch aus. Und auch nach über einer Woche daheim scheint mein Hirn vom Jetlag (oder den unzähligen, zum grössten Teil noch kaum verarbeiteten Eindrücken) immer noch ordentlich aufgeweicht und unsortiert. Der fiebertraumartige Kulturschock zu Hause kommt unerwarteter, als der im Ausland und langsam dämmert es einem, dass der Zustand des Dauergastes im kulinarischen Abenteuer definitiv zu Ende geht. Da prallen zwei Welten aufeinander.

Zwischen heute und Anfang September liegen acht Wochen lukullischer Entdeckungsreise durch’s für mich nun nicht mehr ganz so ferne Asien. Auf der Suche nach den Köstlichkeiten dieses faszinierenden Kontinents bin ich, stets mit Hunger für zehn, durch insgesamt sechs Länder geglobetrottelt, während gefühlte 20 kg Reis & Co. in meinem Schlund verschwunden sind.

Genau so voll wie mein Kopf an Eindrücken, ist meine Kamera mit über 4500 Fotos und mein Moleskin-Büchlein mit Rezepten, Ideen und kulinarischen Anregungen, welche ich während der letzten Woche gesammelt habe. Die Frage ist bloss, wohin mit meinen ganzen Erfahrungen? Die Antwort: auf den Teller natürlich, wohin sonst? Weiterlesen

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Wilderwahnsinnburger

29 Okt

Herbst im Brot

Mittlerweile habe ich ja schon des Öfteren darüber berichtet. Und ich kann es einfach nicht lassen. Mein Hang zum Kauf neuer, mal mehr, mal weniger nützlicher Küchengadgets gipfelte kürzlich in einem neuen Höhepunkt.

Seit letztem Wochenende bin ich stolzer Besitzer eines Big Green Egg. Das ist (wie der Name bereits vermuten lässt) grün, sieht aus wie ein Ei, ist in Tat und Wahrheit aber ein Grill. Und was für einer! Ich bin Feuer und Flamme! Es ist Grill, Backofen und Räuchergerät in einem und sorgt für ein einmaliges, authentisches Grillerlebnis ohne viel Rauchemissionen zu verursachen.

Unschlagbare Vielfalt für hohe kulinarische Ansprüche, echter Grillgeschmack dank Holzkohle und temperaturgenaue Zubereitung zeichnen das Big Green Egg aus. So wundert es niemanden, dass Spitzenköche in der Schweiz (zBsp.  Andreas Caminada im Schloss Schauenstein in Fürstenau oder Tanja Grandit im Basler Stucki) die ursprünglich aus den USA stammenden Big Green Eggs schon für sich entdeckt haben.

Dicke Keramikwände sorgen ähnlich dem Römertopf-Prinzip für eine gleichmässige, weiche und nicht zu trockene Hitze im Innenraum und mit der Verwendung von verschiedenen Hölzern können die Grilladen gezielt mit Aromen verfeinert werden. Das ist Sex auf drei Beinen – dä füdliblutti Wahnsinn, ich säg’s eu! Und entgegen allen Befürchtungen dauert das Einfeuern übrigens nicht ewig und drei Tage, sondern in knapp 20 Minuten erwartet mein Fleisch eine vulkanrote, zischende Glut, 300° C oder gerne auch heisser. Da gleicht mein Steak vom alten Gasgrill fast schon einer kulinarischen Geisterbahnfahrt.

 Glücklich also, wer gute Freunde aus New York zu Besuch hat, die sich bereit erklären einem solch ein Prachtstück frei Haus zu liefern, zum Drittel des europäischen Kaufpreises wohlbemerkt. Wie allerdings das Baby, welches in Tat und Wahrheit mehr einer überdimensionalen Handgranate als dem namensgebenden Ei gleicht, die amerikanischen Zollbehörden umschiffen konnte ist mir nach wie vor schleierhaft.

Premiere also feiern wir heute mit einem Wildburger: mit Patties aus Hirschhack, luftiger Focaccia mit Kürbiskernen und Cranberries, Ofenkürbis, rezentem Bergkäse, Kräuterspeck, Pickled Apples und Cranberry Jam. Weiterlesen

Thurgauer Apfelkuchen

31 Okt

Iss lieber mal ’nen Apfel

Im äussersten Nordosten der Schweiz liegt der Kanton Thurgau, direkt am Bodensee. Wer hierher fährt, darf in den Apfel beissen, denn die rotwangige Frucht ist dort allgegenwärtig. Den Apfelkanton kennt man daher hierzulande auch besser unter dem Spitznamen Mostindien.

Jeder dritte in der Schweiz geerntete Apfel stammt aus dem Thurgau, dem somit grössten Obstbaukanton der Eidgenossenschaft, welcher sogar jährlich eine Apfelkönigin wählt. Insbesondere jetzt in den Herbstmonaten finden sich hierzulande allerorts wieder rot- und gelbschalige Äpfel, welche einem ins Gesicht lachen und förmlich danach schreien: Apfelkuchen backen!!
Direkt vom Baum in den Ofen sozusagen. Ob die Apfelkönigin auch täglich einen Apfelkuchen verputzen darf, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis.

So oder so: Rezepte für Apfelkuchen gibt es vermutlich so viele wie Grossmütter auf der Welt. Aber ausgerechnet meine Grossmütter haben mir keines überlassen. Dafür aber eine Anleitung für einen unverschämt guten Osterkuchen. Aber bis dahin dauert es ja noch eine Weile.

Also habe ich auf mein bewährtes Rezept für Thurgauer Apfelkuchen zurückgegriffen. Heute fällt der Apfel allerdings etwas weiter vom Stamm, denn die Rezeptvorgaben wurden von mir beliebig abgeändert. Und so präsentiert sich mein Kuchen mit einer knusprigen Schicht aus Tonkabohnen-Streuseln und wird mit einer himmlischen Salzkaramell-Sauce serviert.
Kalorienzählen so was von verboten!

Und weil das so gut geschmeckt hat und noch viele Äpfel auf baldigen Verzehr warten plane ich bereits den nächsten Streich.

Vielleicht endlich mal eine Tarte Tatin?

Wir bleiben gespannt. Wie der Ranzen, nach dem Verzehr dieser Köstlichkeit 😉 Weiterlesen

Salziges Butterkaramelleis

1 Mai

Mein Ich im Karamellwunderland

Hatte ich schon erwähnt, dass ich Karamell mag?
Ich glaube ja: unter anderem hier, hier und hier.
Wer keinen Zucker in seinem Essen mag,
der sollte genau jetzt aufhören zu lesen.

Ich und Karamell, das ist so eine Sache.
Seit ich denken kann, verbindet uns so etwas wie Liebe. Innige, süsse Liebe.
Sie klebt in meinem Kopf, wie ein grosses, weiches Karamellbonbon.
Wenn ich könnte, würde ich meine Hände mit Karamell waschen!

Ältere Posts aus der Vergangenheit haben unsere tiefe Beziehung zueinander ja bereits offen gelegt. So nenne ich die goldgelbe bis tiefbraune Mischung aus geschmolzenem Zucker auch liebevoll Caramel. So ein schönes Wort.

Oder wie sang schon Mary Poppins?
Just a spoonful of sugar helps the medicine go down… in a most delightful way. Wie recht sie doch hat!

Warum Karamell noch süchtigmachender ist, als alle anderen Zuckerverbindungen kann ich leider auch nicht beantworten – aber eine empirische Versuchsreihe mit mir persönlich als Probant bestätigt alle Annahmen. Als Kind schon mochte ich Muh Muhs und diese Suchtphase hat sich seither laufend weiterentwickelt.

Die Zeit bis zum Frühlingsanfang habe ich mir daher kürzlich ein wenig versüsst, denn der Blick aus dem Fenster verrät: der Lenz lässt momentan noch auf sich warten. Bleibt Zeit, um ein schönes Karamell zu ziehen.
Daraus verwandelt meine Eismaschine im Nu ein Glace caramel (da ist es wieder!) au beurre salé – Salziges Butterkaramelleis.
Die vermutlich sündig-schönste Sache der Welt.

Aber Vorsicht: Die Herstellung von Karamell erfordert etwas Übung und Disziplin. Ich wiederhole mich gerne: Es gibt gutes Karamell, es gibt bestes Karamell und es gibt verbranntes Karamell. Dazwischen liegen jeweils gefühlte drei Sekunden. Versuch Nummer eins wird zweifelsohne schwarz wie die Nacht und schmeckt bitter! Anfängerpech! Geht jedem so! Versuch Nummer zwei wird auch kein Karamell, weil man vor lauter Panik den Topf zu früh vom Herd nimmt. Davon abgesehen, kann es nachher nur noch besser werden.

Also: bitte, bitte, bitte probiert dieses Rezept aus! Weiterlesen