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Seoul Delicious!?

6 Okt

In Korea essen sie Hunde?

Kimchi, Bibimbap, Bulgogi: die koreanische Küche bietet eine Vielzahl an kreativen und mundwässernden Geschmackserlebnissen, die allerdings in grossen Teilen Europas noch weitestgehend unbekannt sind. Bei Italien denkt jeder sofort an Pizza und Pasta, bei Frankreich schiessen einem Baguette und Brie durch den Kopf. Korea hingegen assozieren die meisten bloss mit LCD-Fernsehern und Kleinwagen.

Die insbesondere in Deutschland in den letzten Jahren rasant wachsende Anzahl an koreanischen Restaurants zeigt aber, dass dieser äusserst abwechslungsreichen Landesküche viel zuzutrauen ist. Die Schweiz hinkt hier, wie üblich, mal wieder etwas hinterher. Die kulinarischen Uhren in unserem Land ticken eben einfach etwas langsamer. Alle neugierigen Leser darf ich aber bereits an dieser Stelle schon warnen. Der heutige Beitrag entführt eher auf eine kulinarische Geisterbahnfahrt als auf wirklich appetitanregende Gaumenfreuden. Die nachfolgenden Bilder dürften daher für zartbesaitete Gaumen nicht geeignet sein.

Über Horizonte schauen und sich auf neue Abenteuer einlassen? Auch darum geht es während dieser Reise. Und ja, das bezieht wohl auch die Geschmacksnerven mit ein! Eklige Dinge werden auf der ganzen Welt gegessen. Von Madenkäse in Sardinen, über halbwegs angebrütete Enten-Embryos in den Phillipinnen bis hin zu vergorenem Haifisch in Island. Peruaner pürieren Frösche, Chinesen dippen Mäusebabys in Sojasauce und in Mexiko und Kambodscha gehören frittierte Insekten und Ameisenlarven für viele Einheimische zum normalen Küchenalltag. Auch Korea macht da keine Ausnahme und nimmt heute meinen Gaumen auf eine ziemlich aussergewöhnliche Entdeckungsreise mit – eine bizarre Gratwanderung zwischen Genuss, Mut und Ekel. Andere Länder, andere Essgewohnheiten… Weiterlesen

Urban Shrimping

4 Okt

I wär scho geng gärn e Fischer gsi…

…singt Büne Huber, Sänger der Schweizer Mundart-Band Patent Ochsner aus Bern, im Hit „Fischer“. Ein Song und vor allem Songtext, der irgendwie schon immer gut zu mir gepasst hat, empfinde ich Angeln doch als wunderbares, vollkommenes Hobby – keinesfalls langweilig und spiessig, wie von vielen oft bezeichnet. Denn Angeln ist nicht nur Fische fangen. Das stundenlange Herumsitzen und Warten auf den Biss hat etwas ungemein gesellschaftliches und beruhigendes. Zudem ist man draussen in der Natur, kann wildlebende Tiere beobachten und fängt sich, entsprechenden Erfolg vorausgesetzt, quasi gleich noch sein eigenes Abendessen.

Nun kann ich mich ja nicht beklagen. Bisher nämlich hatte ich ordentlich Rückenwind auf dieser Reise und alles lief so ziemlich nach meinem Plan. In den letzten, abenteuerreichen Wochen bin ich ohne Magenverstimmung, Verlust von Wertsachen (bei meinen zerstreuten Kopf fast schon einen Schulterklopfer wert!) oder grössere Komplikationen geschmeidig-sanft durch Asien gegleitet und habe meinen Trip bis zur Vollendung ausgekostet. Insofern war ein kleiner Rückschlag längst fällig.

Einer meiner lange ersehnten Reise-Höhepunkte sollte in der Nacht von Freitag auf Samstag hier in Taipei in Form einer Hochseefischjagd gipfeln. Dank eines guten Kontaktes bin ich an einen lokalen Angler gelangt, welchen ich gemeinsam mit seiner Mannschaft auf den weiten Ozean zur Jagd nach Stachelmakrelen, Schwertfisch und Marlin hätte begleiten dürfen. Ein actiongeladenes, nächtliches Abenteuer, von dem ich mir viel erhofft hatte. Da aber erst letzte Woche ein fieser Taifun über die Insel hier hinweggefegt ist, war das Meer noch deutlich zu unruhig und die Fluten zu hoch, woraufhin der Ausflug leider abgesagt werden musste.
Zut alors! Ich war zugegebenermassen schon etwas enttäuscht.

Erstaunlich schnell aber, habe ich dann eine vom Adrenalin-Level her nicht ganz vergleichbare, aber mindestens genau so amüsante Alternative gefunden: Urban Shrimping. Ein, wie ich später herausfand, weit verbreiteter und bei Jung und Alt gleichermassen beliebter Zeitvertreib hier in Taipei.

Man läuft in ein Gebäude, schnappt sich Rute und Köder, knackt ein Bier, entspannt, fängt sich einen Jumbo-Shrimp und grilliert und verputzt ihn gleich an Ort und Stelle. Only in Taiwan! Weiterlesen

Taipei Night Markets

2 Okt

Das kulinarische Disneyland

Ich darf sagen, ich habe eine sehr gute Beziehung zu meinem Körper. Wir beide mögen uns. Mal mehr, mal weniger. Aber immer wieder.

In Anbetracht meiner wahnwitzigen Unternehmung, halb Asien zu bereisen und alles erdenklich Essbare in mich hinein zu stopfen, hatten wir beide vorgängig aber den einen oder anderen Disput miteinander. Und ja, ich kann es ihm kaum verübeln. Bei meiner umfangreichen Ess-Agenda dieser Tage, ist die Gefahr, dass sich mein Bauch nach meiner Rückkehr in einen fluffigen, in heissem Fett ausgebackenen Berliner verwandelt hat, durchaus gegeben.

Also haben der Wanst und ich eine Abmachung getroffen. Wenn man nämlich während zweier Monaten täglich 17 Stunden zur freien Verfügung hat, dann gilt selbst mangelnde Motivation nicht mehr als Ausrede, um etwas für den Adonis-Körper zu tun. Also heisst es täglich 30 Minuten pumpen und sich selbst etwas Gutes tun. So sind alle zufrieden: mein Gewissen, der Rettungsring und der lauernde Hunger später ebenfalls.

Nun, das Thema könnte kaum aktueller sein, denn seit Montag früh befinde ich mich in Taipei, Taiwans Hauptstadt am nördlichen Zipfel der Insel – ein kulinarisches Disneyland sondergleichen! Die Zustände auf den hiesigen Nachtmärkten treiben jedem Feinschmecker das Tränenwasser in die Augen und man weiss kaum, wo man anfangen soll, sich durchzukosten. Für mich ein absolutes Highlight so far! Ein Schlemmerparadies: wenn ich hier abends durch die Gassen schlendere, mache ich quasi im Dauerzustand ein Gesicht, wie ein kleiner Junge, der soeben ein knallrotes Feuerwehrauto zu Weihnachten geschenkt bekommen hat.

Aber blenden wir kurz zurück… Weiterlesen

Yu Bo’s Family Kitchen

27 Sep

Chengdu’s Gourmet Hotspot

Auf diesen Abend hatte ich mich seit Beginn meines Abenteuers gefreut und das Datum dick in meiner Reiseagenda notiert. Verschiedenste Artikel, die ich bereits vor einiger Zeit daheim über dieses Restaurant und seinen Küchenchef Yu Bo, gemeinhin als einer der besten Chinas bezeichnet, gelesen hatte, haben natürlich mein ungeteiltes Interesse geweckt. Für mich war klar: da muss ich hin! Praktischerweise liegt das Restaurant ohnehin in Chengdu, wo ich mich seit Tagen durch die lokale, scharfe Sichuan-Küche koste.

Vor Ort bin ich verabredet mit Trevor James, einem Kanadier, welcher seit nunmehr bald 2 Jahren in Chengdu lebt und studiert. Als The Food Ranger postet er regelmässig mundwässernde Videos lokaler Spezialitäten auf Youtube und kennt sich daher mit den vielgerühmten Delikatessen der Sichuan-Küche bestens aus. Sehenswert! Da er selbst auch noch nie in Yu Bo’s Restaurant gegessen hat, war er noch so gerne bereit, mich zu begleiten (und ein bisschen Dolmetscher zu spielen ;)). Food brings people together! Gilt eben auch am anderen Ende der Welt!

Gedanklich bin ich immer noch bei diesem Abendessen, denn es war sicherlich eine dieser kulinarischen Erfahrungen, die einem auch noch einige Jahre später frisch im Gedächtnis bleiben. Chefkoch Yu Bo hat sich weit über die Grenzen der Provinz Sichuan hinaus einen Namen gemacht, als einer der besten Köche Chinas, welcher es versteht die typischen Aromen der hiesigen Küche auf wunderbare Weise zu demonstrieren. Für Chengdu ist er quasi, was Ferran Adrià für die spanische Küche ist: ein unendlich, kreativer Koch, der die Grenzen der Tradition austestet.

Er und seine Frau betreiben das Restaurant seit 2006 – ein Ort voller Liebe zum Detail, angefangen beim Miniaturgarten im Hof ​​bis hin zu den Porzellantellern, die er selber entwarf. Yu Bo feiert die Grundlagen der Sichuan-Küche ohne grosse, aufwändige Technik und Gerätschaft, welche ansonsten in den Sternehäusern Europas zur Standard-Ausstattung gehören. Was ihn aber wirklich abhebt, von anderen Restaurants in Chengdu, ist die einsame Qualität seiner Zutaten. Wie man uns erzählt, fahren er uns seine Frau einmal im Monat aus der Stadt, um Sichuan-Pfefferkörner erster Qualität handzulesen sowie Pilze, Bio-Schweinefleisch, Bambus und handwerklichen hergestellte Sojasaucen und Essig für ihre Küche ausfindig zu machen.

Es ist schon spät und ich bin gerade etwas schreibmüde. Aber seht selbst. Ich denke, die Bilder sprechen für sich… Weiterlesen

Chengdu

25 Sep

UNESCO City of Gastronomy

Bald ist sie vorbei, meine einwöchige Schlemmertour durch das kulinarisch wahrlich himmlisch-verlockende Chengdu. Und eines ist sicher: wenn man in Sichuans Hauptstadt reist, sollte man auf alle Fälle eine Vorliebe für scharfe Speisen mitbringen. Getrocknete Chilis und die Zunge regelrecht betäubende Szechuan-Pfefferkörner gehören hier dazu, wie die Butter aufs Brot. Aber beginnen wir von vorne…

Chengdu ist nicht nur die Heimat des Pandas – nein, seit 2010 darf sich die Stadt auch offiziell mit dem von der UNESCO ausgegebenen Label City of Gastronomy brüsten. Eine Auszeichnung, auf die die hiesigen Bewohner sichtlich stolz sind, zumal dieses Prädikat -im Vergleich zum übrigen Auszeichnungssegen der UNESCO- erst an wenige weitere Städte weltweit vergeben wurde. Es sind dies Florianopolis in Brasilien, Jeonju in Süd Korea, Östersund in Schweden, Popayan in Kolumbien, Shunde, ebenfalls China, Tsuruoka im schönen Japan und Zahlé im Libanon. Chengdu war nach Popayan die zweite und in Asien die erste Stadt, die sich somit hochoffiziell als kulinarische Hochburg und Gourmet-Paradies schelten darf.

Die Kriterien zur Aufnahme sind wahrlich streng. Um sich zu qualifizieren benötigt man: eine hochentwickelte Küche, charakteristisch für die jeweilige Region; eine fundierte und gut ausgebaute Anzahl an hochdekorierten Köchen und traditionellen Restaurants, nachweisliche Pflege der traditionellen, althergebrachten Kochmethoden, welche auch dank industriellen und technologischen Entwicklungen überlebt haben, eine breit vorhandene Marktkultur, aktive und nachhaltige Promotion lokaler Spezialitäten, einen historischer Hintergrund als Stadt, welche regelmässig grosse gastronomische Anlässe durchführt plus ein klares Commitment die Lehre der lokalen Küche weiter voranzutreiben (zum Beispiel in Form von staatlich anerkannten Kochschulen).

Nun, Chengdu hat den Test bestanden. Zu Recht, wie ich finde. In Sichuan sind die Menschen stolz auf ihre Küche. Sie ist als eine der fünf großen Traditionen der chinesischen Küche bekannt (nebst der Kanton-Küche im Südosten Chinas, der Fukien-Küche (Ostküste), der Peking-Shantung-Küche (Nordosten) und der Honan-Küche im Landesinnern. Sie wird, wie ein Sprichwort besagt als „ein Gericht, eine Form, Hunderte von Speisen, Hunderte von Geschmackrichtungen“, mit seiner gefeierten Vielfalt beschreiben. Die prominentesten Merkmale der Sichuan-Küche werden mit vier Worten beschrieben: würzig, heiß, frisch und duftend. Kein Wunder ist die hiesige Kochkunst in in ganz China beliebt und auch international bekannt. Wer gerne (scharf) isst, der ist hier genau richtig! Weiterlesen

Willkommen im fernen China

23 Sep

Es stimmt und doch ist alles anders

In China essen und trinken satte 1,3 Milliarden Menschen. Eine durchaus imposante Zahl! China ist laut UN das bevölkerungsreichste Land auf dem Erdball und misst unglaubliche 20 % gemessen an der restlichen Weltbevölkerung.

Man stelle sich mal vor, man lädt alle Chinesen zur nächsten Gartenparty ein! Dafür bräuchte man 325 Millionen Vierer-Tische und, grob geschätzt, 650 Millionen Kilo Reis, Gemüse und Bratwürste. Und nebst 2,6 Milliarden Essstäbchen natürlich auch noch ein paar Flaschen Bier.

Der wahre Reichtum aus dem Reich der Mitte zeigt sich aber in seinen Speisen. China hat die älteste und vielfältigste Küche überhaupt. Obwohl, eine eigentliche „chinesische Küche“ gibt es genau genommen gar nicht. In einem Land, nur wenig kleiner als die Gesamtfläche Europas, in dem über eine Milliarde Menschen wohnen, haben sich über die Jahrtausende auf natürliche Art und Weise die unterschiedlichsten Küchenstyle entwickelt. Wie ich feststelle, kommt chinesisches Essen in unseren Breitengraden aber leider nur als meist mittelmässiges Essen auf den Tisch. Nach zwei Tagen in Chengdu, der Hauptstadt der Provinz Sichuan mitten im Herzen Chinas, ist mir dies schon schmerzhaft bewusst. Vom übervollen Ringbuch-Speiseatlas, über den grosszügigen Gebrauch von Glutamat und Plastikstäbchen bis hin zu kitschigem Fernweh-Dekor: der Chinese bei uns kann mit dem hier einfach nicht richtig mithalten. Und wer schon mal in China gegessen hat, der weiss, dass es da ein ganzes Universum ungeahnter Geschmackserlebnisse zu entdecken gibt.

Wenn es aber um die chinesischen Sitten bei Tisch geht, dann bestätigen sich gewisse Vorteile, die man in Europa hat, durchaus. Chinesisches Wohlbefinden hat nichts mit romantischem Kerzenschein zu tun. Egal ob an der Strassenbude oder im Restaurant: es wird gelacht, gerülpst, gerotzt und in voller Lautstärke gesprochen. Man steckt sich mitten während dem Essen eine Zigarette an oder greift quer über den ganzen Tisch und alle Teller nach der Schüssel. Essen hier macht Spass und die Chinesen leben das in vollsten Zügen aus… Weiterlesen