Schlangenbrot mit Kohlrabigrün

9 Jul

Wenn Kindheitserinnerungen erwachsen werden

Die besten Kindheitserinnerungen haben stets etwas mit Essen zu tun.
Geht euch das nicht auch so?

Gummibärli, Zuckerwatte, Butterbrot mit Aromat (mein Gott, wie konnte ich nur!!?), Tomatensauce bis hinter die Ohren verschmiert. Verschwommen in Erinnerung, die Szene, in der ein voll beladener Löffel schwebend vor meinem Mund kreist und wie ein dicker Brummer zur Landung ansetzt.
Es Löffeli fürs Mami, es Löffeli fürs Grosi…

Eine meiner liebsten Kindheitserinnerungen aber ist das gepflegte Grillieren eines hausgemachten Schlangenbrotes aka Stockbrot. Unvergesslich, wie wir im nahen Wald als kleine Jungs am Lagerfeuer standen und den „Brätel-Klassiker“ par excellence über glühenden Holzkohlen knusprig gebacken haben. Ich kenne kein Kind, dass beim Gedanken daran, nicht sofort leuchtende Augen bekommt.

Im grossen Bachtobel am „Amazonas“ haben wir nach Monstern gejagt, um die Wette gepinkelt, sind auf die Bäume geklettert und haben „fliegen“ gelernt und zwischendurch hustend erste Rauchversuche mit Nielen unternommen.

Tja, und wenn Kindheitserinnerungen erwachsen werden, dann kommt dann eben so was hier auf den Tisch: knuspriges Schlangenbrot aus Dinkelruchmehl, gespickt mit Pecorino und Kohlrabigrün.

On top einige Kleckse Salsa Verde, ebenfalls mit Kohlrabi-Blättern angemacht, und als süssen Säurekick ein paar Spritzer grillierte Zitrone. Bäm!!

Wenn jeweils im Mai die Kohlrabi-Zeit beginnt, freuen sich die Anhänger der gesunden und vitaminreichen Knolle besonders. Die Saison dauert bei uns etwa Ende Oktober, gedeiht die Knolle doch, mal über das Jugendalter hinaus gewachsen, auch bei kühleren Temperaturen wunderbar.

Während die meisten Menschen aber nur die Kohlrabi-Knolle zum Kochen verwenden, wissen viele nicht, dass man auch die wertvollen Blätter essen kann. Da steckt der eigentliche Geschmack drin! Ausserdem enthalten sie sogar noch mehr Nährstoffe und sind definitiv zu schade für den Kompost. Was ihr damit anstellen könnt?

  • Brotaufstrich mit gestampften Hülsenfrüchten
  • Als Einlage für euren Caldo Verde
  • Als Pesto verarbeitet
  • In einer Frittata verwenden
  • Den Risotto damit aufmotzen
  • Unter den Salat heben
  • In einer Kräuterbutter verarbeiten
  • Ähnlich wie Spinat zubereiten
  • Oder ja: natürlich als grünes Kraftfutter für Smoothies verwenden

Bei mir landen die hocharomatischen Blätter heute im Schlangenbrot und ergeben zusammen mit Petersilie und Kapern eine frische Salsa Verde. Dazu reichen wir herrlich karamellisierte Zitronen von Grill, die vor Saft und Kraft nur so strotzen.

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Für 6 Schlangenbrote

  • 200 g Halbweissmehl
  • 200 g Dinkelmehl, hell
  • 2 TL Meersalz
  • 2 TL Backpulver
  • 1 Beutel Trockenhefe
  • 1 EL flüssiger Honig
  • 4 EL Olivenöl
  • 1 Spritzer Zitronensaft
  • 50 g mittelreifer Pecorino Toscano, gerieben
  • 1 Hand voll Kohlrabiblätter
  • ca. 2 dl lauwarmes Wasser

Die Kohlrabiblätter in leicht kochendem Salzwasser während 2-3 Minuten blanchieren und anschliessend in einer Schüssel mit Eiswasser auskühlen lassen. Danach gut abtropfen und fein hacken.

Für die Schlangenbrote die Mehle, Salz, Backpulver und Trockenhefe in eine Schüssel geben und eine Mulde formen.

Die restlichen Zutaten inklusive dem lauwarmen Wasser dazu geben und alles zu einem geschmeidigen Teig verkneten. Gegebenenfalls nochmals etwas Wasser oder Mehl zum Teig geben. Zum Schluß nochmals mit den Händen auf einer bemehlten Arbeitsfläche für 5 Minuten durchkneten. Das Resultat sollte ein elastischer und weicher Teig sein.

Anschliessend den Teig in eine mit Olivenöl ausgepinselte Form legen. Für mindestens 45 Minuten an einem warmen Ort zugedeckt gehen lassen.

Draussen im Wald dann, anfeuern und ein erstes Bier knacken.

Bewaffnet mit Schweizer Armeemesser sucht man sich im Wald geeignete Stöcke. Vorwiegend grün, nicht zu trocken sollten sie sein, idealerweise keine Jungpflanzen, die dafür ihr Leben lassen müssen. Die Stöcke auf die richtige Länge bringen und im oberen Teil (ca. 20 cm) die Rinde mit einem Messer abschneiden. Dabei darauf achten, dass der Stock schön glatt wird.

Den Teig nun in 6 Teigstücke schneiden, nochmals einzeln durchkneten und dann auf etwas Mehl zu Schlangen ausrollen. Diese um die Stöcker wickeln. Die Schlangenbrote über dem Feuer während rund 20 Minuten knusprig backen. Dabei darauf achten, dass die Hitze nur langsam an den Teig kommt und ihr die Brote anfänglich noch nicht direkt in die heisse Glut hält. Ansonsten werden sie aussen schwarz und bleiben innen noch teigig und roh.

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Für die Salsa Verde

  • 1 Hand voll Kohlrabiblätter
  • 1 Hand voll Petersilie
  • 1 EL Salzkapern, gewässert
  • ein grosszügiger Schuss Olivenöl
  • ein Hauch frischer Knoblauch
  • 1 unbehandelte Zitrone, Saft
  • etwas Zitronenschale
  • Meersalz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
  • ausserdem: 3 möglichst kleine unbehandelte Zitronen

Die Kohlrabiblätter und Petersilie waschen, trocken tupfen und fein hacken. In Schüssel geben und mit nicht zu knapp Olivenöl und den restlichen Zutaten (bis auf die drei Zitronen) gründlich vermengen. Nach Belieben mit Salz und Pfeffer abschmecken. Danach eine Stunde bei Zimmertemperatur durchziehen lassen. Wer mag, kann die Salsa noch zusätzlich mit zerdrückten Sardellenfilets, gehackten Peperoncini, feinen Würfeln von Essiggurke oder einem Löffelchen Senf aufmotzen.

Die drei Zitronen halbieren und auf dem heissen Grillrost 10 Minuten lang dunkel grillieren. Anschliessend zusammen mit der Salsa Verde zum Schlangenbrot servieren. Nun könnt ihr das Brot direkt vom Stock in Stücke reissen, mit Zitronensaft beträufeln und in der grünen Salsa einstippen. Aja, und zum Schluss etwas Fleur de Sel bereit zu halten wäre definitiv nicht das Dümmste!

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15 Antworten to “Schlangenbrot mit Kohlrabigrün”

  1. cookinator 9. Juli 2016 um 14:48 #

    Hallo Marco,
    Toller Tipp mit den Kohlrabi Blättern, war mir gar nicht so bewusst. Leider sind sie aber nicht immer knackig frisch im Supermarkt. Eher auf dem Wochenmarkt …
    Ja, und das mit den kulinarischen Kindheitserinnerungen ist so eine Sache. Ich glaube viele Genussmenschen arbeiten daran 😉

    Gruß vom Bodensee
    Stephan

    • marco 9. Juli 2016 um 16:20 #

      Danke, Stephan. Du solltest die Kohlrabiblätter unbedingt mal versuchen. Zur Zeit experimentiere ich viel mit Gemüseblättern. Zum Beispiel auch die Blätter von der Roten Beete schmecken wunderbar. Und vergangene Woche im Urlaub auf Sizilien habe ich eine sagenhaft gute Pasta mit Zucchini-Blättern probiert 🙂 Liebe Grüsse an den Bodensee, Marco

  2. Tring 9. Juli 2016 um 15:49 #

    Hach schön, das erinnert mich doch direkt an frühere Schweiz-Urlaube, da haben wir auch immer über offenem Feuer Stockbrot gegrillt 🙂
    Und das mit den Kohlrabiblättern ist eine gute Idee. Ich schmeiße sie leider viel zu oft weg, weil sie meist schon nicht mehr so ganz taufrisch sind, wenn ich den Kohlrabi dann verarbeite. Das nächste mal werde ich versuchen dran zu denken 🙂 Liebe Grüße, Tring

    • marco 9. Juli 2016 um 16:22 #

      Ja, das Stockbrot ist in der Schweiz ein richtiger Grill-Klassiker. Leider etwas aus der Mode gekommen in den letzten Jahren… Du hast schon recht, oft sind die Blätter nicht mehr ganz so frisch und bereits welkig. Da die Blätter den Knollen auch Feuchtigkeit entziehen, kann man sie vielerorts auch gar nicht mehr mit den Blättern dran kaufen. Aber auf den Wochenmärkten geben sie dir das Zeugs meist gratis mit. Und fragen erstaunt, ob du es für die Hasen brauchst 🙂 Oder du machst es wie ich und holst sie direkt aus dem eigenen Garten 😉

  3. marliesgierls 9. Juli 2016 um 19:30 #

    Das sieht wirklich zum Anbeißen aus! Leider habe ich dieses Jahr keinen eigenen Kohlrabi, aber vielleicht erwische ich ja mal paar frisch aussehende. Das mit den Zucchini-Blättern ist mir neu, da werde ich bald mal was rupfen, denn durch das nasse Wetter sind meine Pflanzen wahre Monster.
    Schönen Sonntag, lieben Gruß marlies

    • marco 11. Juli 2016 um 07:58 #

      Da ich letztes Jahr auf Kohlrabi verzichtet hatte, habe ich dieses Jahr gleich eine grössere Menge gesät. Zur Zeit wächst er hervorragend und die ersten Knollen (und Blätter ;)) durfte ich bereits ernten. Meine Zucchini-Pflanze hingegen hinkt noch etwas hinterher. Da wäre es jetzt noch zu früh, um Blätter zu ernten. In Sizilien werden sie ähnlich wie Spinat zubereitet. Teilweise kurz blanchiert, danach mit Olivenöl und Knoblauch in der Pfanne geschwenkt. Guten Wochenstart, Marco

      • marliesgierls 11. Juli 2016 um 10:44 #

        Das werde ich auf jeden Fall mal testen, aber dann mit kleinen Blättern und nicht mit diesen qm-großen Teilen, die bei mir Urwaldatmosphäre zaubern.
        Ebenfalls eine gute Woche, Marlies

  4. stadt-land-gnuss 11. Juli 2016 um 16:35 #

    Mhh das sieht super lecker aus. Schlangenbrot ist wirklich etwas einzigartiges.
    Ich kann auch sehr empfehlen die Kohlrabiblätter zu verwerten. Ich habe zum Beispiel dazu eine Suppe mit knusprigen Kohlrabiblättern gepostet: http://www.stadt-land-gnuss.ch/blog/fruehlingssuppe-mit-kohlrabi

    Liebe Grüsse Ilona

    • marco 11. Juli 2016 um 21:44 #

      Danke für den Link, Ilona. Die Kombination mit Zimt kannte ich so noch nicht. Das muss ich unbedingt bald mal ausprobieren. Momentan zwar ist mir bei dem Wetter zwar gerade nicht so nach Suppe 😉 Den Kohlrabi gab es deshalb heute als Rohkostsalat mit Senf-Speck-Honig-Dressing 🙂

  5. seasonette2 13. Juli 2016 um 15:09 #

    Das hört sich definitv a) nach einer schönen Kindheit an und b) nach etwas, was ich dringend auch mal probieren muss. Auf jeden Fall vielen Dank für den Tipp mit den Kohlrabiblättern. Ich gehöre (bis jetzt) auch zu den Dusseln, die die immer wegwerfen 😉

    Hm, Senf-Honig-Spreck-Dressing zum Kohlrabisalat klingt aber jetzt auch wirklich gut … zu blöd, dass ich dein Post nicht VOR meinen Besuch auf dem wöchentlichen Biomarkt gelesen habe.

    Gegrillte Zitrone ist übrigens wirklich viel aromatischer und saftiger als frische. Seit ich das weiß, packe ich immer ein paar extra Zitronenstücke mit auf den Grill oder in den Ofen.

    Liebe Grüße, Jana

    • marco 13. Juli 2016 um 16:11 #

      Komisch – und ich dachte eigentlich das mit den Kohlrabiblättern sei ein alter Zopf 😉 Umso besser, wenn ich zu neuen Geschmackserlebnissen inspirieren konnte. Klingt jedenfalls, als ob du demnächst dem Kohlrabistand am Markt wiedermal einen Besuch abstatten solltest 😉 Pünktlich aufs Weekend meldet sich ja auch der Sommer wieder zurück.

      Ich hingegen kenne den Trick mit der grillierten Zitrone noch nicht so lange, bin aber total begeistert. Der Geschmack ist dermassen intensiv und die Frucht strotzt nur so vor Saft. Demnächst möchte ich aus grillierten Zitronen mal eine Limonade versuchen…

      Liebe Grüsse, Marco

  6. felixthailand 14. Juli 2016 um 11:59 #

    Ouuwaahhh! Schlangenbrot – Bi-Pi-Brot (Baden Powell) nannten wir dieses bei den Pfadfindern, damals aus Fertigteig vom «Konsum»! –, Nielen rauchen, Dreiangel in der Hose und aufgeschürfte Knie, Indianerlis, Schnitzeljagd, Räuber und Poli, … ich glaube, ich muss mich erst mal hinsetzen und all dies wieder einmal Revue passieren lassen!
    Stockbrot, ich kann nicht sagen, wann zum letzten Mal gegessen. Aber nun wieder präsent und in deiner Version: lecker, lecker! Und weil ich meinen Holzkohlegrill ohnehin mehrmals pro Woche «anwerfe» (weniger für Fleisch als zum Peperoni schälen und so), wird nächstens auch ein Schlangenbrot (um ein grünes Bambusstängelchen aus dem Garten gewickelt) auf die Glut gelegt!
    Danke, lieber Marco, für diesen herrlichen Reminder und
    beste Grüsse aus Fernost,
    FEL!X

    • marco 16. Juli 2016 um 11:47 #

      Hahaha! DANKE, Felix! Mit deinem Kommentar hier hast du mir ein unschlagbar breites Grinsen quer über das gesamte Gesicht gezaubert 🙂 Das waren noch Zeiten, als es den „Konsum“ noch gab… Schön, wenn man so in (guten) Erinnerungen schwelgen kann und insbesondere, wenn solch ein simples Gericht im Stande ist, dies auszulösen! Ich bin überzeugt, dass deine thailändisch inspirierte Stockbrot-Variante hervorragend wird 😉 Dir ein ganz fantastisches Wochenende und liebe Grüsse aus der sonnigen Schweiz, Marco

  7. lieberlecker 14. Juli 2016 um 20:55 #

    Brätel Klassiker Schlangenbrot? Kohlrabi Blätter essen? Ich oute mich da mal scheu als einer anderen Generation angehörend, aber man(n) lernt ja immer wieder Neues 😉
    Und Blog lesen bildet ja bekanntlich enorm – was hiermit bewiesen wird!
    Liebe Grüsse von „wiederzuHause“ 🙂
    Andy

    • marco 16. Juli 2016 um 11:49 #

      Jää neii, aber Andy! Was haben denn die Stadtkinder so grilliert? :-p Vielleicht höchste Zeit, zusammen mit der dbEva mal wieder ein bisschen „Kind“ zu sein 😉 Welcome home und gutes Einleben! Danke, dass du uns Sonne gebracht hast 🙂

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