Bärlauchwurzel-Tempura

12 Apr

Weil Pesto essen ja alle…

Bärlauch, oh Bärlauch! Der duftende Cousin von Zwiebel und Knoblauch schiesst momentan landauf landab in rauen Mengen an feuchtschattigen Stellen der Laubwälder aus den Böden. Bereits Ende Februar habe ich beim Waldspaziergang die ersten Vorboten der warmen Jahreszeit erspäht. Und wenn es sich der Bärlauch erst einmal gemütlich gemacht hat, dann tritt er massenweise auf und bedeckt ganze Hügel oder Waldabschnitte. Ernten lässt er sich bis etwa Mitte Mai, danach ist erstmal Schluss bis im kommenden Jahr. Glücklich dann, wer eine hausgemachte Bärlauchbutter im Tiefkühlfach sein Eigen nennt…

Viele denken ja, nur die Blätter von Bärlauch seien essbar. Mindestens genauso gut aber schmecken zum Beispiel die zartweissen, leicht süsslichen Blüten, welche in wenigen Wochen ihre Knospen öffnen werden. Sie überleben die Saison am besten, wenn man sie in flüssigem Waldhonig einlegt und später zu Frisch- und Halbhartkäse kombiniert. Mein Rezept dazu aus dem letzten Jahr findet ihr hier.

Diesen Frühling nun habe ich mich auf ein Experiment eingelassen, von dem ich vorab nicht wusste, ob es wunschgemäss funktionieren würde. Bewaffnet mit Schaufel und Gabel bin ich am vergangenen Sonntagnachmittag zu meinen wohl gehüteten Bärlauchgründen gefahren und habe in der feuchten Walderde nach Wurzeln gebuddelt. Und siehe da, ein erster Geschmackstest vor Ort bestätigt: auch die Würzelchen dieses zarten Pflänzchens sind essbar. Wie die meisten Wurzeln sind sie besonders wirkstoffhaltig und schmecken recht intensiv. Sie erinnern geschmacklich noch mehr an Knoblauch als die grünen Blätter, weisen aber auch eine leicht zwiebelartige Aromatik auf. Hochspannend!

Wieder daheim in der Küche habe ich sie nach gründlichem Waschvorgang  in kochendem Wasser einige Sekunden blanchiert. Das macht sie verträglicher, milder, nimmt ihnen die Bitterstoffe und sorgt dafür, dass sie beim anschliessenden Frittieren schneller gar werden. In luftigem Tempurateig ausgebacken und mit einem leichten Honig-Dip serviert offenbart dieses einfache und ehrliche Gericht ungeahnte kulinarische Höhenflüge!

Bevor jetzt aber alle zu Gärtnern des Waldes werden: bitte nicht gleich alle ausbuddeln, sonst gehört der Bärlauch bald zu den gefährdeten Arten. Auch wenn es nach unendlich viel aussieht: die Bärlauch-Liebhaber werden mehr und mehr. Und wenn wir alles ausgraben, was soll dann im kommenden Jahr noch wachsen?

Die meisten Bärlauchesser unter euch haben wohl schon bevorzugte Sammelplätze im nahen Grün. Für alle anderen gilt es, diese noch zu finden. Das wilde Lauchgewächs gedeiht gerne in halbschattigen Laubwäldchen, bevorzugt auf feuchtem Boden und in der Nähe von Gewässern wie zum Beispiel einem Bach. Ausserdem kommt die Pflanze nie als Einzelgänger vor sondern wächst stets bodendeckend in grösseren Gruppen. Er gedeiht nicht überall, aber dort, wo er sich eingelebt hat, spriesst er meistens in grossen Massen, vorausgesetzt die Stelle ist gross genug, dass er sich massenhaft ausbreiten kann.

Wenn man diese Eckdaten kennt, weiss man eigentlich schon, wo man Ausschau halten muss. Ansonsten immer schön der Nase und dem Knoblauchduft nach…

IMG_4347

Mit einer Mini-Schaufel mit Rundspitze lassen sich im weichen, lockeren Waldboden relativ leicht mehrere Pflänzchen gleichzeitig aus der Erde stechen. Als Feinwerkzeug hilft eine Essgabel, mit welcher hartnäckige oder besonders kräftige Wurzelfortsätze aus dem Boden gelockert und Erdresten vom Wurzelballen entfernt werden können. Nach ein paar Pflänzchen hat man den Dreh relativ schnell raus und kommt zügig voran.

IMG_4342

IMG_4344

 

Bärlauchwurzel-Tempura mit Honig-Zitronen-Dip

Als leichter Snack oder Vorspeise reicht eine Hand voll Bärlauchwurzeln pro Person aus – auch der Ernte im kommenden Jahr zu liebe.

Wieder daheim werden die Wurzeln unter fliessendem, kalten Wasser gründlich gewaschen. Da ist ordentlich Dreck und Erde dran, die muss weg. Aber keine Sorge, die Würzelchen sind weniger empfindlich, als sie aussehen. Ihr braucht also nicht allzu zimperlich zu sein. An dieser Stelle nochmals mein herzliches Dankeschön an das fleissige Helferlein 😉

DSC04667

Bärlauchwurzeln

Nach dem Waschvorgang werden die Wurzelspitzen während 10-15 Sekunden in kochendem Wasser blanchiert. Anschliessend lasse ich sie gut abtropfen und mische in der Zwischenzeit schon mal den Tempura-Teig an.

Dazu ein Ei aufschlagen und in einer Schüssel zusammen mit 250 ml Eiswasser schaumig verschlagen. Nun gebt ihr 185 g Tempura-Mehl und eine Messerspitze Natron dazu und verrührt alles gerade so lange, bis sich das Mehl mit der Flüssigkeit gut verbunden hat und sich keine Klümpchen bilden. Tempura-Mehl findet man in jedem halbwegs gut bestückten Asia Store für nur wenig Geld. Alternativ verwendet ihr dieselbe Menge normales Weizenmehl mit einem Päckchen Backpulver angereichert.

In einem hohen Topf oder Wok erhitzt ihr nun etwa drei bis vier Finger breit hitzebeständiges Pflanzen- oder Frittieröl. Die richtige Temperatur ist erreicht, wenn sich um einen Holzlöffel, den ihr ins Öl taucht, kleine Bläschen zu bilden beginnen.

Nun taucht ihr die Wurzelenden nach und nach in den Tempura-Teig und backt die Bärlauchwurzeln während 1-2 Minuten im heissen Öl goldbraun aus. Mit einer Schöpfkelle aus dem Öl heben, auf Küchenkrepp abtropfen lassen und gleich mit Fleur de Sel würzen.

DSC04674

Dazu passt ein Dip aus 4 EL Crème fraiche, 1 TL flüssigem Waldhonig, 1 EL Zitronensaft und einer grosszügigen Prise Salz. Noch ein paar Zitronenschnitze dazu und fertig ist eines der überraschendsten Gerichte, die ich seit langem probiert habe. Dazu passt stilecht ein Gläschen trockener Weisswein: zum Beispiel der mehrfach ausgezeichnete Riesling Falkenstein aus dem Südtirol.

Frühling: von mir aus kannst du kommen!

DSC04686

DSC04688

Und übrigens: weil mir das Rezept so gut gefällt und mir besonders originell erscheint, reiche ich es gerne bei Zorras aktuellem Blogevent ein. Da geht es um essbare Wunder, also um besondere und nicht ganz alltägliche Lebensmittel. So eine Bärlauchwurzel erscheint mir recht passend, ist sie für mich ein doch ziemlich wundersames Lebensmittel, das wohl die wenigsten schon kennen geschweige denn probiert haben…

Bärlauchwurzel-Tempura

 

 

Advertisements

20 Antworten to “Bärlauchwurzel-Tempura”

  1. marliesgierls 12. April 2016 um 19:26 #

    Zu schade, dass bei uns in der Gegend kein Bärlauch wächst, sonst würde ich gleich los, das sieht so lecker aus.
    Lieben Gruß Marlies

    • marco 12. April 2016 um 21:07 #

      Kein Bärlauch bei euch in der Gegend? Ja heiii, ich dachte du wohnst auch auf dem Land, Marlies? 😉 Pflanz‘ ihn bloss nicht im Garten oder auf dem Balkon, der wächst wie Unkraut 🙂

      • marliesgierls 13. April 2016 um 11:20 #

        Der wächst auch nicht im Garten,ich habe schon alles ausprobiert, auch in meinem Wald. Habe recherchiert, großräumig ist hier nicht der richtige Boden, es gibt weit und breit keinen. Leider hier kein Unkraut!

      • marco 13. April 2016 um 11:49 #

        Schade, scheint wirklich schwieriger als gedacht bei dir in der Umgebung. Ich hatte vor Jahren mal bei mir im Garten damit experimentiert, zunächst auch erfolglos. Erst zwei ganze Saisons später begann er plötzlich zu spriessen, irgendwann so stark, dass ich ihn wieder auslichten musste…

      • marliesgierls 13. April 2016 um 16:04 #

        Oh, dann versuche ich es noch einmal mit mehr Geduld, Platz habe ich ja reichlich.

  2. Memse 12. April 2016 um 20:20 #

    Das sieht wirklich so lecker aus. Hätte ich auch mal gerne. Wer eli wer ist den das fleissige Helferlein?:-)

    • marco 12. April 2016 um 21:08 #

      Hehe, da hat aber wer aufmerksam mitgelesen… Nun denn, du weisst ja, keine gute Küche kommt ohne Sous Chef aus 😉

  3. Tring 13. April 2016 um 00:22 #

    Solange man nicht ausversehen Maiglöckchen sammelt…. 😉 Das man die Wurzeln auch essen kann war mir allerdings auch neu. Mal schauen, ob sich noch welcher finden lässt. Liebe Grüße, Tring

    • marco 13. April 2016 um 09:44 #

      Hehe… bis zu dem Zeitpunkt, als ich draussen im Wald nach den Zwiebeln gebuddelt und vor Ort probiert habe, da wusste ich es selbst auch noch nicht 😉

  4. Susanne 13. April 2016 um 09:31 #

    Das sieht gut aus 🙂 Wenn mich aber nicht alles täuscht, darf man hier die Wurzeln nicht sammeln – Naturschutz….

    • marco 13. April 2016 um 09:45 #

      Betreffend Naturschutz liest man ziemlich unterschiedliche Angaben im Netz… Hier in der Schweiz scheint er aber nicht geschützt. Und wenn, dann dürfte man ja auch die Blätter nicht ernten. So oder so: Für mich als Bärlauchfreund ist es selbstverständlich, im Wald den Bärlauch so zu ernten, dass der vorhandene Bestand nicht stark geschmälert oder sogar vernichtet wird.

  5. lieberlecker 13. April 2016 um 11:02 #

    Wahrhaftig ein essbares Wunder! Und nur schon für die Idee dafür kriegst Du einen Oscar von mir 😉
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

    • marco 13. April 2016 um 11:48 #

      Jetzt bin ich dann aber gleich der, der rot wird… 😉

  6. Eva 15. April 2016 um 13:02 #

    Eine wahrlich hervorragende Idee, muss ja nicht unbedingt für Bärlauch verwendet werden (du weißt ja, Bärlauch und ich…). Danke!
    Liebe Grüße,

    Eva

    • marco 15. April 2016 um 14:44 #

      Du und der Bärlauch, ich weiss, ich weiss 😉 Trotzdem schön, dass du mitliest und kommentierst. Danke, Eva. Dir ein super Wochenende!

  7. zorra 18. April 2016 um 10:21 #

    Tolle Idee! Darauf wäre ich nie gekommen und nicht nur weil es hier keinen Bärlauch gibt. -)

    • marco 22. April 2016 um 09:45 #

      Danke, Zorra. Habe auch schon gehört, dass Bärlauch in Spanien unten wohl eher unbekannt sei…

  8. Zitronen und Olivenöl 24. April 2016 um 23:13 #

    wieder etwas bei Dir gelernt. Ich wusste gar nicht, dass man die Bärlauchwurzeln verwenden kann. Tolles Rezept.

    • marco 25. April 2016 um 09:40 #

      Um ehrlich zu sein: bis ich draussen im Wald danach gebuddelt und gleich vor Ort probiert habe, wusste ich es selbst nicht 😉

Trackbacks/Pingbacks

  1. Blog-Event CXVIII – Essbare Wunder – Zusammenfassung – 1x umrühren bitte aka kochtopf - 29. April 2016

    […] my foodprintsBärlauchpesto können alle, denkt Marco. Da hat er auch Recht, sein essbares Wunder sind somit Bärlauchwurzeln. Ja, die kann man auch essen! […]

dein Senf dazu...

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: