Fior di Latte di Bufala

13 Dez

Gestatten: Gaumenporno

Stell dir vor, du wachst eines Tages auf und anstelle deines gewohnten Körpers findest du dich in der Form einer Geschmacksknospe wieder. Du bist rund, etwas ausgefranst, aber doch sehr kompakt und deine Haut ist übersät mit feinsten Rezeptoren…

Das erste, was dich frontal trifft und dich völlig aus den Socken haut, ist der brummende, nussige und etwas aufdringlich erotische Geruch von Kaffee, der dir Hühnerhaut auf deinem Knospenkörper zaubert.

Und dann geht eine völlig abgefahrene Achterbahnfahrt los: du stehst auf einem Sprungbrett vor einem riesigen Bassin voller Fior-di-Latte-Eiskrem und ehe du dich versiehst, tauchst du unter Jubelgeschrei und farbigen Bläschen durch die prickelnd sinnliche Masse und landest mit einem lauten „Krack“ auf einem Stück Karamellkrokant, den du gleich gierig zerkrümelst und dich in ihm wendest und drehst. Darauf folgen verschiedene kleine Schocks unglaublicher Kombinationen von säuerlich-cremig, erfrischend-kühl, honig-krokantig, buttrig-nussig und milchig-rahmig… So muss es sich im Schlaraffenland anfühlen. So fühlt sich dieses Eis hier an!

Oder wie sagte schon Oscar Wilde so schön: „Ich kann allem wiederstehen, ausser der Versuchung.“

Ein Löffel dieser Kombi hier und in Nullkommareingarnichts hat sich mein eisgefrostetes Hirn in die paradiesische Welt der berüchtigen Schlaraffen geträumt. Irgendwie ganz passend zur Saison, werden einem doch zur Zeit die Süsskrämereien von Familie, Freunden und Arbeitskollegen in fast schon schlaraffenlandähnlicher Manier auf die Zunge gelegt.

DSC04531

Aber mal ehrlich: eine Welt, in der es ausser Nichtstun, Faulenzen und immer wieder Essen ud Trinken nichts anderes gibt, hört sich in meinen Ohren schon irgendwie verlockend an. Da gibt es keine Trainingsprogramme, keine Weight-Watcher-Tabellen, keine Fitness-Philosophien – nur genug zu Essen und Trinken. Und zwar für alle.

Freilaufende gebratene Schweine, die das Besteck bereits auf dem Rücken tragen, Berge aus in Milch und Honig getunkten Semmeln, Fische, die bereits lecker zubereitet auf den Oberflächen der Seen schwimmen und Brathähnchen, die knusprig gebacken durch die Luft und, wenn erforderlich, gleich direkt in den Rachen fliegen…

Dieses Eis hier kommt dieser nimmersatten Wunschprojektion schon ziemlich nahe! Klassisches Fior di Latte mit lokaler Büffelmilch zubereitet, dazu gibt’s Karamell-Crunch und sagenhaft gute Honig-Hafer-Streusel aus Daniel Humm’s Rezeptkästchen.

Mit Schweizer Büffelmilch wollte ich ohnehin schon lange mal kochen. Dank einem Tipp von Nicole von zum fressn gern (am besten mal reinschauen: Nicoles Blog ist frech, informativ und definitiv kein *gähn* Mainstream!) habe nun den 24-Stunden-Büffelmilch-Automaten auf dem Riederholzhof für mich entdeckt – und bin unweigerlich bereits zum Stammkunde mutiert.

So, und jetzt ab in die Küche und nachgekocht!

Für 4 Personen

Fior di Latte di Bufala

  • 500 ml Büffelmilch
  • 125 ml Crème double
  • 2 Eigelbe
  • 90 g extrafeiner Zucker
  • 1 grosszügige Prise Meersalz

Die Büffelmilch in einem kleinen Topf bei mittlerer Hitze bis auf die Hälfte (250 ml) einkochen.

Anschliessend Milch und Crème double in einem grossen Topf unter gelegentlichem Rühren leicht erhitzen, bis die Masse dampft, ohne jedoch zu kochen.

In der Zwischenzeit die beiden Eigelbe in einer hitzebeständigen Schüssel glatt rühren, Zucker und Salz hinzufügen und weiterrühren, bis die Masse glatt, blass und leicht luftig ist. Nach und nach langsam die warme Milch zur Eimischung geben, dabei ständig rühren, damit die Eier nicht stocken.

De Mischung zurück in den Topf geben und bei ganz schwacher Hitze umrühren, bs de Crème auf der Rückseite eines Holzlöffels einen leichten Film bildet (zur Rose abziehen heisst das dann). Wichtig: nicht kochen!

Anschliessend die Masse auf Raumtemperatur abkühlen lassen und dabei gelegentlich umrühren. Abgedeckt wandert die Mischung alsdann in den Kühlschrank, wo sie möglichst über Nacht, ansonsten mindestens während 6 Stunden ordentlich durchgekühlt wird. In einer Eismaschine zu Eis frieren.

Honig-Hafer-Streusel

  • 160 g Butter, weich
  • 75 g Zucker
  • 75 g Honig
  • 1 TL Salz
  • etwas Vanilleextrakt
  • 140 g Mehl
  • 40 g Haferflocken
  • ein Viertel Löffel Backpulver

Den Backofen auf 150 °C vorheizen. In der Küchenmaschine Butter, Zucker, Honig, Salz und Vanille mit dem Flachrührer schaumig rühren. Mehl, Haferflocken und Backpulver darunterrühren, bis alles gerade vermischt ist.

Den Teig auf ein Stück Backpapier geben und etwa 6 mm dick ausrollen. Auf ein Backblech geben und im vorgeheizten Ofen etwa 15 Minuten lang goldbraun backen. Die Backofentemperatur auf 65 °C reduzieren und weitere 30 Minuten trocknen. Dabei kontrollieren, dass der Teig nicht zu dunkel wird. Auf Zimmertemperatur abkühlen lassen, in Stücke brechen und mit der Eiskrem zusammen servieren.

Honig-Karamell-Crunch

  • 200 g Zucker
  • 50 g Butter
  • 2 EL Waldhonig
  • 1.5 TL Salz
  • 0.5 TL Backpulver

Ein Backblech mit Backpapier auslegen. In einer Sauteuse Zucker, Butter, Honig und 60 ml Wasser zum kochen bringen und bei mittlerer bis starker Hitze während etwa 4-6 Minuten zu einem hellen Karamell kochen. Salz und Backpulver hinzugeben und gut untermischen.

Den Krokant in einer dünnen Schicht auf das Backpapier geben, bei Zimmertemperatur auskühlen lassen und anschliessend in Stücke brechen. Zusammen mit dem Eis servieren.

DSC04517

DSC04527

Advertisements

6 Antworten to “Fior di Latte di Bufala”

  1. lieberlecker 13. Dezember 2015 um 21:52 #

    Mnjammnjammnjam … da läuft mir ja gleich der Speichel über 🙂
    Eine kleine Nascherei von DH gleich in der Nachbarschaft – achtung, ich komme!
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy
    PS. Ja, Nicole’s Blog gehört zur Pflichtlektüre

    • marco 15. Dezember 2015 um 06:52 #

      Bis gestern Abend hätte es sogar noch Knusper-Resten gehabt 😉

  2. cookinator 17. Dezember 2015 um 23:21 #

    In Franz Kafkas „Die Verwandlung“ vor 100 Jahren wachte der Protagonist morgens als Käfer auf, … wäre schrecklich für mich. Dann doch lieber als Geschmacksknospe aufwachen und sich auf die täglichen Versuchungen eines Kulinarikers freuen 😉 , wie z.B. diese vielversprechende Kombi mit Büffelmilch, … ganz weit weg vom Mainstream, so wie ich es von Marco kenne!

    zudem eine sehr schöne Wortschöpfung: „GaumenPorno“ :-)) ist abgespeichert!

    in Erwartung weiterer Wunschprojektionen dieser Art
    Stephan

    • marco 18. Dezember 2015 um 11:14 #

      Die Verwandlung… eine dieser Pflichtlektüren, die ich mir schon längst mal zuführen wollte! Ob ein Buch über das Erwachen als Geschmacksknospe genau so erfolgreiche wäre? 😉
      Merci jedenfalls, lieber Stephan, für die netten Zeilen! Freut mich, dass dir mein Beitrag sowohl literarisch als auch kulinarisch gefallen hat. Und Wunschprojektionen sind noch genug gespeichert fürs kommende Jahr 😉

  3. LisaCuisine 24. Dezember 2015 um 12:30 #

    Hört sich wieder mal super an, was Du da gezaubert hast 😉 Bin schon auf Deine Ideen für 2016 gespannt… Aber erstmal wünsche ich Dir ein frohes Weihnachtsfest und entspannte Feiertage 🎄
    LG LisaCuisine

    • marco 29. Dezember 2015 um 09:19 #

      Danke dir, liebe LisaCuisine, für die netten Zeilen. Für’s neue Jahr sind schon einige Ideen am reifen 😉 Auch dir bis dahin aber einen guten Endspurt und schon jetzt gelungenen Start in ein köstliches 2016!

dein Senf dazu...

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: