Maple Butter

17 Nov

I can’t believe it’s not butter!!

Der gern gelesene Herr Lieberlecker hatte kürzlich vor mittlerweile ein paar Wochen hier in beinahe schon poetischer Weise über die (kulinarischen) Wonnen des Oktobers berichtet. Wenn er Oktober hört, dann denkt er an Herbst. Und wenn er an den Herbst denkt, landet er zwangsläufig irgendwann bei Ahornsirup. Mittlerweile ist es November geworden und somit höchste Zeit, dass es auch hier auf dem Blog ein wenig herbstelt.

Und ja, der Blick aus dem Fenster verrät: es ist kaum noch zu leugnen, die Zeit der kurzen Hosen ist vorbei! Die Socken werden dicker, die Wälder Indian-Summer-mässig und die Eisverkäufer haben sich in Marroni-Brätler verwandelt! Und da wir aber einen solch‘ tollen Sommer hatten, fühlt es sich auch richtig an, dass der Jahreszeitenwechsel nun erfolgt ist. Rein kulinarisch gesehen, leuchtet der Herbst sowieso besonders farbenfroh! Dann gilt es die volle Aufmerksamkeit den Kürbissen, Pilzen und kunterbuntem Wurzelgemüse zu widmen. Und spätestens, wenn man ein ganzes Reh kauft, weiss man sowieso, dass es Herbst geworden ist.

Man kann dann zwar abends nicht mehr so lange draussen spielen, dafür aber umso mehr Spielchen in der warmen Küche daheim treiben und ohne schlechtes Gewissen stundenlang hinter dem heimischen Herd werkeln. In meinem Kopf kleben dann gefühlte zehntausend gedankliche Post-Its mit Rezeptideen, die ich allesamt noch verkochen und verbloggen muss.

Einen solchen Anstoss und zeitgleich nostalgischen Flashback in meine Jugendjahre hat der Blogbeitrag von besagtem Herr Lieberlecker bei mir ausgelöst. Ich musste unweigerlich und sofort an Maple Butter denken – eine sündhaft gute Köstlichkeit, welche ich seit Jahren komplett aus meinem kulinarischen Gedächtnis verbannt hatte…

Maple Butter hatte ich damals als 16-jähriger Jungspund im Urlaub mit meinen Eltern zum ersten Mal entdeckt. Es war Liebe auf der ersten Bissen!

Tatsächlich aber ist der Name Maple Butter eher irreführend. Kein Gramm Rahm oder Butter wird hier verarbeitet! Es ist einzig und allein Ahornsirup, welcher gekocht, abgekühlt und gerührt wurde, bis er kristallisiert und sich in einen glatte, streichfähige Crème wandelt. Und ich schwörs euch: das Zeug kann man löffelweise wegputzen.

Bei den kreativen Gourmörs unter euch dreht sich das Gedankenkarussell vermutlich schon längst. Denkt an Nüsse, Kuchen, Kekse, Cheesecake, Eiscrème, Vanillepudding, Pancakes, Donuts, Apple Pie, Cinnamon Toast, Süsskartoffelpüree, Kürbisspalten, Karotten aus dem Ofen oder reifen Käse. Oder macht es so wie ich und schmiert es pur auf gutes Brot. Hhhhmm!!

Maple Butter

Die Wissenschaft hinter Ahornbutter ist relativ simpel. Man erhitzt den flüssigen Ahornsirup, bis er 112 °C erreicht (Thermometer benutzen) und konzentriert dadurch gewissermassen die Zuckermoleküle und fördert die Kristallisation des Sirups.

  • 500 ml Ahornsirup
  • 1 Prise Meersalz
  • einen Schuss Pflanzenöl

Zunächst solltet ihr ein möglichst grosses Eisbad (viele, viele Eiswürfel in einer Schüssel mit kaltem Wasser) vorbereiten. Die Pfanne oder Schüssel mit dem heissen Sirup sollte gut darin Platz finden, so dass ihr diesen möglichst rasch abkühlen könnt.

In einer Pfanne erhitzt ihr nun sämtliche Zutaten auf mittlerer Hitze langsam, bis es zu kochen beginnt und die Temperatur exakt 112 °C erreicht. Die heisse Pfanne oder Schüssel platziert ihr nun in der vorbereiteten, grösseren Schüssel voller Eis, so dass sich der Sirup möglichst rasch abkühlen kann, was wiederum die Kristallisation fördert.

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Sobald die Temperatur des Sirups auf etwa 15 °C gekühlt ist, folgt die eigentliche Arbeit in der Herstellung von Maple Butter – hier ist Geduld gefragt! Mit Hilfe eines Holzlöffels rührt ihr den Sirup mit gleichbleibenden, kreisenden Bewegungen. Immer und immer wieder, mindestens 30 Minuten lang!

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Das kann spätestens nach 15 Minuten ziemlich anstrengend werden, aber es lohnt sich definitiv hier nicht aufzugeben! Oder bestenfalls sucht ihr euch zwei Arme Unterstützung! Die eigentliche Geschwindigkeit beim Rühren scheint aber weniger wichtig, als ein konstantes, kräftiges und gleichmässiges Rühren. Vermutlich würde das Ganze auch in einem elektrischen Rührgerät funktionieren (wer es ausprobiert – let me know!)… aber hey, gutes Essen soll man sich schliesslich auch verdienen!

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Und glaubt mir, das Zeug werdet ihr zentimeterdick auf euren Toast schmieren wollen! Eignet sich übrigens auch super als bald anstehendes, hausgemachtes Weihnachts-Give-Away.

Nach und nach den werdet ihr beobachten können, wie sich der anfänglich dunkle Sirup mehr und mehr in einen glatten, cremigen Aufstrich verwandelt – von der Konsistenz in etwa wie Erdnussbutter, Farbe wie Tahina-Paste. DAS ist der Moment zum probieren! Und ihr werdet auch fühlen, als hättet ihr gerade eine Million Dollar gewonnen!

Den fertigen Ahornbutter füllt ihr schlussendlich in heiss ausgespülte Gläser, welche ihr im Kühlschrank während etwa 1 Monat aufbewahren könnt. Aber solange werden sie wohl kaum da weilen 😉

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9 Antworten to “Maple Butter”

  1. lieberlecker 17. November 2015 um 21:20 #

    Geil 🙂 !
    Freut mich sehr, dass ich zu so etwas „anstiften“ durfte … und noch mehr freut mich, dass ich was von Give-Away gelesen habe … zwinkerzwinker!
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

    • marco 17. November 2015 um 22:22 #

      Hihi, ob du’s glaubst oder nicht, aber ich habe schon zwei ganze Gläser alleine weggeputzt 🙂 Sieht ganz so aus, als ob’s vor Weihnachten dann nochmals etwas Muskeleinsatz bräuchte! Und ja, dann reicht’s vielleicht auch für dich 😉 Mein Dank gilt ja dir!

  2. Tom 18. November 2015 um 07:21 #

    Coole Idee, Danke! Werd ich mal ausprobieren und dann kurz vor Weihnachten zum verschenken nochmal machen.

    • marco 18. November 2015 um 18:01 #

      Mach das! Bin gespannt auf dein Feedback. Beim ersten Mal hat’s bei mir leider nicht geklappt… ich weiss allerdings nicht woran es lag 😦

  3. marliesgierls 18. November 2015 um 16:14 #

    Oh!!!!! Das kannte ich noch nicht, Ahornsirup steht heute eh schon auf meinem Einkaufszettel, da werde ich gleich ein zweites Fläschchen mitbringen, bin schon gespannt.
    Liebe Grüße Marlies

    • marco 18. November 2015 um 18:02 #

      Oh, was gibt’s denn Leckeres bei dir mit Ahornsirup? Und ja, ein zweites Fläschchen davon auf Reserve lohnt sich eh immer 😉

      • marliesgierls 18. November 2015 um 18:52 #

        Das ist für die Lebkuchen. Ahornsirup habe ich fast immer im Haus, ich mag ja gerne Süßes!

  4. essen & l(i)eben 14. Januar 2016 um 14:03 #

    Lieber Marco,

    zunächst alles Gute zum neuen Jahr. Ich hoffe, es liegt ein fabelhaftes 2016 vor Dir. Dieses Wunderzeug hat mir mal eine Kollegin aus dem Urlaub in Kanada mitgebracht. Und ich habe mich damals wirklich gefragt, wie man denn aus Ahorn Butter machen kann *hust*. War klar, dass ich das ausprobieren musste. Hier ein kleiner Erlebnisbericht:

    Bis gestern dachte ich ja, bei Küchen-/Koch-Dingen sei meine sonst eher mäßig ausgeprägte Geduld grenzenlos. Zum Glück lernt man immer wieder dazu. Denn so nach 10 Minuten Handarbeit dachte ich: „echt jetzt? Der Marco muss Armmuskeln wie ein Bodybuilder haben. Ich nehm den Handrührer, den elektrischen.“

    Nach weiteren 4 Minuten sagte mein Handrührer: „Der Marco hat echt Armmuskeln wie ein Bodybuilder. Ich nicht.“ … von da an wollte er keinen Schlag mehr tun. nochmal dazu gelernt: für minder-bemotorte Handrühr-Maschinen eher nicht geeignet. Aber aufgeben wollte ich dennoch nicht…

    … nach weiteren 4 Minuten sagte meine kleine Kenwood-Küchenmaschine (nein, kein so ein großes Ding sondern diese Teile, die Du an den Pürierstab anschließt): „und ich seh so aus als ob ich mehr Kraft hab?!“. Sprach’s und rauchte wütend ab….

    … ich hab mir dann ein paar eigene Muskeln verdient und brav per Hand zu Ende gerührt. Das Ergebnis war es wert. Suuuuuper lecker. Aber das wußte ich schon als sich beim Kochen der Geruch von karamellisierendem Ahornsirup in meiner Wohnung breit machte.

    @alle anderen, die es nachmachen wollen: Geduld und Muskelkraft gehören hier auf die Zutatenliste! lasst die Küchenmaschin-chen lieber heil. 😀

    Liebe Grüße,
    Natalie

    PS: meine kleine Kenwood ist übrigens stärker als gedacht: heute morgen schnurrte sie wieder wie ein Kätzchen. und n Handrührer wollte ich eh schon länger mal n neuen haben.
    PPS: Ach, ich frage mich tatsächlich auch noch immer, warum es Butter heißt?
    PPPS: mein Lieblingsrezept mit Ahornbutter ist übrigens: Dose auf – Finger rein – abschlecken 🙂

    • marco 29. Januar 2016 um 13:40 #

      Gott im Himmel, Natalie, jetzt habe ich aber ein brutal schlechtes Gewissen! Soo lange habe ich wohl noch selten gebraucht, bis ich auf einen Kommentar hier auf dem Blog geantwortet habe. Tut mir echt leid.

      Dabei habe ich dermassen herzhaft gelacht, als ich deine Zeilen hier genüsslich gelesen und mir die arme Natalie mit pulsierenden Armmuskeln vorgestellt habe 😉
      Aber recht hast du: solch eine unverschämte Köstlichkeit wie diese Ahornbutter hier muss man sich redlich verdienen!

      Das erste Gläschen wurde bei mir jedenfalls ratzfatz gleich mal auf die Schnelle ausgelöffelt (stimmt, wieso eigentlich nicht gleich mit den Fingern rein? :)).
      Ironischerweise haben mich zig Leute nach diesem Post hier um ein Gläschen gebeten.
      Aber ich blieb eisern. Oder stur 😉 Oder schlicht einfach verfressen haha 🙂 Mittlerweile ist mein Vorrat ziemlich arg geschrumpft…

      Es wird wohl also bald mal wieder ein paar Muskelübungen geben 😉

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