Green Apple Wasabi Sorbet

3 Nov

Kalter Schweiss

Es ist 23.40 Uhr und leicht gedankenverloren sitze ich am Laptop und schreibe diesen Artikel. Eigentlich nichts Besonders. In meinem Fall aber irgendwie schon, schreibe ich doch seit zwei Monaten zur Abwechslung mal wieder einen Blogpost vom heimischen Wohnzimmertisch aus. Und auch nach über einer Woche daheim scheint mein Hirn vom Jetlag (oder den unzähligen, zum grössten Teil noch kaum verarbeiteten Eindrücken) immer noch ordentlich aufgeweicht und unsortiert. Der fiebertraumartige Kulturschock zu Hause kommt unerwarteter, als der im Ausland und langsam dämmert es einem, dass der Zustand des Dauergastes im kulinarischen Abenteuer definitiv zu Ende geht. Da prallen zwei Welten aufeinander.

Zwischen heute und Anfang September liegen acht Wochen lukullischer Entdeckungsreise durch’s für mich nun nicht mehr ganz so ferne Asien. Auf der Suche nach den Köstlichkeiten dieses faszinierenden Kontinents bin ich, stets mit Hunger für zehn, durch insgesamt sechs Länder geglobetrottelt, während gefühlte 20 kg Reis & Co. in meinem Schlund verschwunden sind.

Genau so voll wie mein Kopf an Eindrücken, ist meine Kamera mit über 4500 Fotos und mein Moleskin-Büchlein mit Rezepten, Ideen und kulinarischen Anregungen, welche ich während der letzten Woche gesammelt habe. Die Frage ist bloss, wohin mit meinen ganzen Erfahrungen? Die Antwort: auf den Teller natürlich, wohin sonst?

Natürlich konnte ich es nicht lassen.

Die Türen meiner Vorratsschränke daheim drohen bald zu bersten, denn hinter ihnen verbirgt sich eine fast schon unüberschaubare Anzahl von kulinarischen Mitbringseln aus jedem in den letzten Wochen bereisten Land.

Asafötida und Ayovan aus Chennai? Check. Shrimp-Paste und Muskatblüten-Tee aus Penang? Check.
Grüne Sichuan-Pfefferkörner aus Chengdu? Schwarze Erdnüsse aus Taiwan? Check.

Wilder Sesam aus Korea? Matcha-Schokolade und weisse Sojasauce aus Kyoto? Ingwer-Trinkessig aus Osaka? Frische Yuzu aus Tokyo? Check. Check. Check. Alles da!

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Man darf sich also gerne bei mir zum Abendessen einladen – irgendwer muss mir dringend helfen, die ganzen Leckerlis zu verkochen! 😉

Dem ersten Mitbringsel, dem ich heute aber gebührende und wohl verdiente Aufmerksamkeit schenken möchte, das ist der von mir heiss geliebte Wasabi! Gleich zwei Würzelchen habe ich mir am letzten Tag in Tokyo gekauft, in ein feuchtes Handtuch gewickelt und heim nach Zürich genommen. Eine 7500 km lange Liebesgeschichte quasi, denn in Japan habe ich mein Herz komplett an die grüne Knolle verloren. An echten Wasabi, wohlbemerkt!

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Frischer Wasabi auf dem Markt in Kyoto

Wie ich kürzlich schon berichtet hatte, ist es leider äusserst schwierig hierzulande frischen Wasabi aufzustöbern. Was uns in Sushi-Bars oder in Asia-Läden in kleinen Zahnpasta-Tuben als Wasabi unter die Nase gerieben wird, ist in den allermeisten Fällen leider eine Mischung aus stinknormalem Meerrettich, Senfpulver, Farbstoffen, Wasser und, wenn ihr Glück habt, einer kleinen Menge Wasabi. Einer sehr kleinen! Bei den konventionellen Wasabi-Pulvern und -saucen liegt der Anteil echten Wasabis zwischen 0,3 und etwa 3 Prozent. Hier wird der Kunde vollends am Nasenring durch die Manege geführt!

Aber die meisten wissen es nicht besser. Ging auch mir lange so! Und weil alle unwissend das gefakte Ersatzprodukt kaufen, besteht auch kaum Nachfrage nach dem eigentlichen, echten Wasabi. Zugegeben: dieser ist hier in der Schweiz schwierig zu bekommen! Wer Glück hat, der wird in Zürich hin und wieder bei Shinwazen fündig.

Und ich frage mich, wie lange ich wohl noch warten muss, bis ich dort auch endlich frische Yuzu kaufen kann?

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Leider kein echter Wasabi…

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Bloss 5 bzw. 2 % Anteil echten Wasabis.

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Wasabi daheim im Kühlschrank

Mein Wasabi-Pflänzchen, welches ich in den letzten zwei Jahren gehegt und gepflegt hatte, wurde mittlerweile auf dem Kompost beerdigt. Geernet habe ich davon nur die Blätter, welche als Pesto, in Salaten oder fein geschnitten auf Fischfrikadellen genial munden. Von dem Wurzelstock, dem eigentlichen grünen Gold der Pflanze, war bei mir leider nicht viel übrig. Ich spiele aber mit dem hoffnungsvollen Gedanken, dass mein Wurzelstock im Kühlschrank allenfalls weiter wächst, austreibt und ich einen erneuten Versuch mit der Pflanze starten könnte.

Allerdings erscheint mir ein Auspflanzen, jahreszeitlich bedingt, zur Zeit nicht gerade empfehlenswert. Vielleicht esse ich ihn dann doch lieber selbst, denn wir einmal frischen Wasabi probiert hat, der möchte am liebsten nicht mehr darauf verzichten! Echter Wasabi ist nicht nur scharf, sondern auch ein Geschmackserlebnis! Die Schärfe ist ausgeprägter aber verflüchtigt sich schneller als bei Meerrettich und das Aroma hat eine leicht süßliche, typische Note!

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Nun… damit bloss Sushi zu zaubern wäre mir zu simpel gewesen! Abgesehen davon habe ich kürzlich in Japan mein Sushi-of-a-lifetime verputzt und möchte, nachdem was ich auf dem dortigen Tsukiji-Markt erlebt habe, bewusst öfter auf (Meer-)Fisch verzichten! Schnell einmal dann sind meine Gedanken um Süssspeisen gekreist. Klingt verrückt, aber in Japan gibt es sogar Kit Kat mit Wasabi-Flavour! Und es schmeckt erstaunlich gut, echt jetzt!

Wie wär’s mit Wasabi-Cheesecake? Schokoladenkuchen mit Wasabi?

Die Japaner mögen zum Teil ja wirklich seltsame Sachen: Kohle-Eis, Sardellen-Eis, Tintenfisch-Eis, Aal-Eis, Hühnchen-Eis und Kaktus-Eis. Nach meinem denkwürdigen Mahl bei Sushi Sho hatte ich zum Dessert eine Kugel Wasabi-Eis serviert bekommen. Die liess mich nicht wieder los und so ist die Idee zu diesem Rezept hier entstanden – Wasabi zusammen mit grünen Granny Smith zu einem herrlich fruchtig-scharfen Sorbet kombiniert. Das klingt erst mal verrückt. Ist es auch. Aber es schmeckt echt ziemlich geil!

Das Sorbet eignet sich als Nachspeise oder aber als erfrischender Zwischengang (gerne auch mit einem Schuss potentem Reisschnaps) in einer grösseren Menuabfolge. Experimentierfreudige versuchen Kombinationen und Pairings mit gebeiztem Saibling, frischen Austern, Karottensuppe oder im Ofen gebackenen Roten Beten. Erlaubt ist, was schmeckt!

Wer keinen frischen Wasabi findet, der kann das Rezept natürlich auch mit dem handelsüblichen Produkt oder mit Pulver zubereiten. Schmeckt nicht ganz gleich, aber schmeckt genau so! Itadakimasu – guten Appetit allerseits!

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Green Apple Wasabi Sorbet

für 8 Portionen

  • 4 Granny Smith Äpfel
  • 330 ml Apfel-Verjus (Saft aus grünen, unreifen Äpfeln, zum Beispiel von hier. Ersatzweise naturtrübe Apfelsaft verwenden)
  • 200 ml Wasser
  • 200 g Zucker
  • 1 Zitrone
  • 2 cm frischer Wasabi (ersatzweise 1 ½ TL Wasabipasteaus der Tube oder 2-3 TL Wasabi-Pulver)

Damit die sattgrüne Farbe der Granny Smith möglichst erhalten bleibt, solltet ihr zunächst ein Zitronenbad einrichten. Dazu wird der Saft der Zitrone, zusammen mit ca. 2 dl Wasser, in einer Schüssel gemischt und beiseite gestellt.

Nun die Äpfel gut waschen, aber nicht schälen! Nur so bleibt die schöne, sattgrüne Farbe erhalten. Das Kerngehäuse entfernen und die Äpfel in gleichmässig grosse Würfel à 1 x 1 cm schneiden. Die Apfelwürfel sofort in das vorbereitete Zitronenbad geben, damit sie nicht oxydieren und sich braun verfärben. Anschliessend in einen Gefrierbeutel geben und im Gefrierfach während 4-5 Stunden anfrieren.

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In der Zwischenzeit den Zuckersirup zubereiten, in dem ihr Zucker und Wasser in einen Topf gebt und zum kochen bring, so dass sich der Zucker auflöst. Anschliessend bis zur weiteren Verwendung kühl stellen.

In einem Mixer werden danach die gefrorenen Apfelwürfel, der Apfel-Verjus sowie der kalt gestellt Zuckersirup zu einer apfelmus-artigen Masse verkleinert. Durch die Verwendung der vielen Apfelstücke wird dieses Sorbet nicht so geschmeidig in der Konsistenz, wie ansonsten üblich. Die vielen Fruchtstücke sorgen aber für ein extrem intensives, erfrischendes Apfelaroma. Wer sein Sorbet lieber smooth und extra-fein mag, der verzichte auf einen Teil der Äpfel und verwende stattdessen mehr Saft.

Zum Schluss gebt ihr den frisch geriebenen Wasabi oder das Ersatzprodukt aus Tube oder in Pulverform zur Sorbetmasse und lässt diese in der Eismaschine bis zur gewünschten Konsistenz gefrieren. Wer daheim keine Eismaschine hat, der fülle die Masse in eine geeignete Chromstahlschüssel und stelle sie ins Gefrierfach. Nach etwa 30 Minuten bilden sich am Rand der Schüssel kleine Eiskristalle, welche man nun mit der Gabel oder noch besser dem Zauberstab aufmischt und mit der restlichen Masse gründlich vermengt. Dieser Schritt sollte, um Eiskristalle zu vermeiden, bis zum vollendeten Gefriervorgang nun alle 30-40 Minuten wiederholt werden.

Green Apple Sorbet with Wasabi

Green Apple Wasabi Sorbet

 

 

 

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16 Antworten to “Green Apple Wasabi Sorbet”

  1. Memse 4. November 2015 um 06:52 #

    Danke, dass wir von diesem Wasabi Sorbet geniessen durften. Es war super. Die Wasabi merkte man gut im Abgang. Wie bei einem guten Wein.

    • marco 4. November 2015 um 11:22 #

      Danke euch, dass ihr mal wieder das Versuchskaninchen wart 😉

  2. Tom 4. November 2015 um 07:47 #

    Das mit den Mitbrinseln kenne ich, meine sind wohl stets in Flaschen verpackt. Bin gespannt auf all die Rezepte die dann denke so kommen werden.
    Letztens auch mal nen Wasabibier getrunken. Habe jedoch keine Ahnung welche Konsistenz der Wasabi hatte der ins Bier gekommen ist.

    • marco 4. November 2015 um 11:23 #

      Hahaha, ich stelle mir das gerade vor, wie du mit einem Extra-Koffer voll ausländischem Bier im Handgepäck in den Flieger steigst 😉

      Wasabi-Bier jedenfalls hört sich sehr interessant an. Wenn mir von der Wurzel was bleibt, dann experimentiere ich vielleicht gleich selber mal!

      • Tom 4. November 2015 um 22:10 #

        mach mal und berichte! 🙂

      • marco 5. November 2015 um 11:21 #

        Werde mir das am Weekend gleich mal anschauen 😉

  3. lieberlecker 4. November 2015 um 08:58 #

    Ein Klasse Rezept und Dein „Gabentisch“ mit Mitbringseln treibt mir Tränen in die Augen … 😉 Nicht nur die Leckereien, sondern auch die Keramik (?) Schälchen gefallen mir sehr.
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy
    PS: Morgen bin ich am Fermentationskurs bei Shinwazen 🙂

    • marco 4. November 2015 um 11:25 #

      Gell. Ich könnte eigentlich morgen gleich ein japanisches Restaurant eröffnen 😉 Fehlt bloss noch der Koch. Geschirr und Food wäre jedenfalls zuhauf vorhanden.
      Und ja, die Keramik-Schälchen haben es mir auch total angetan! Vor allen Dingen kosten die dort nix, wenn ich mir die teilweise astronomischen Preise hier so anschaue! 😮

      Bin extrem gespannt, was du von dem Fermentationskurs berichtest!

  4. Eva 4. November 2015 um 09:35 #

    Fast schon ein bisschen wie Weihnachten, dein großer „Gabentisch“. 🙂 Das Sorbet klingt absolut genial. Ist gespeichert. Feht nur noch der frische Wasabi…
    Liebe Grüße,
    Eva

    • marco 4. November 2015 um 11:28 #

      Verfrühte Weihnachten quasi 😉 Es macht richtig Spass, wenn man heim kommt, den Vorratsschrank öffnen kann und gleich wieder ein wenig im Urlaub weilt hehe.

      Das Sorbet kann ich nur weiterempfehlen. Allenfalls findest du in einem gut sortierten Asia-Store echten Wasabi oder ansonsten solchen in Pulverform, aber in 100%-iger Wasabi-Konzentration.
      Denke, das sollte auch gut funktionieren!

  5. marliesgierls 4. November 2015 um 19:38 #

    Wie hast Du das bloß heil nach Hause gebracht? Hattest Du kein Übergepäck bei der Rückreise? Ich habe bisher noch nicht viel Wasabi selber verwendet, 1 kleines Gläschen habe ich mir mal gekauft, aber natürlich nicht gelesen, was da wirklich drinnen ist, das ist so klein geschrieben, das erkenne ich nicht einmal mit Lupe. Ich fand den Geschmack nicht so umwerfend, jetzt weiß ich warum. Aber ich habe mir nun die Pflanze gleich auf meine Liste für die Gärtnerei Rühlemanns gesetzt, wo ich im Frühjahr wieder zuschlage. Dann lebe Dich mal wieder gut ein.
    Liebe Grüße Marlies

    • marco 5. November 2015 um 11:20 #

      Naja, ich habe mir von insgesamt sechs Länder acht Pakete nach Hause geschickt 😉 Vielleicht eröffne ich morgen ja ein asiatisches Restaurant um die Ecke 😉 Insofern war Übergewicht kein Problem. Nur, dass die Versandkosten den Warenwert des Inhaltes bei Weitem überschritten haben haha! Ein Wasabi-Pflänzchen hatte ich auch bis vor einigen Monaten. Es wurde zweijährig und entgegen vielen Meinungen gedeiht es auch ohne stetig fliessend Wasser. Meines hat sogar draussen den Winter überstanden. Wieso es diesen Sommer trotzdem einging, weiss ich allerdings nicht. Vielleicht hast du einen grüneren Daumen als ich 😉

  6. Zitronen und Olivenöl 5. November 2015 um 00:04 #

    willkommen zurück, Marco. Habe Deine Beitäge mangels Zeit zum Lesen auf Facebook verfolgt. Und Deine „Mitbringsel“, wow, so viel habe ich nicht aus Griechenland mitgebracht 🙂 Spannend, was Du über Wasabi schreibst. Das Eis klingt wirklich gut.

    • marco 5. November 2015 um 11:21 #

      Na, aus Griechenland hattest du ja auch ein paar schöne Dinge heimgebracht. Aber ja, ganz so viel war’s wohl nicht. Ich begründe das jetzt einfach mal mit der etwas längeren Reisedauer bei mir 😉

  7. LisaCuisine 13. November 2015 um 12:21 #

    Hi Marco,

    habe mich nach langer Zeit auch mal wieder bei Dir verirrt und mit Begeisterung Deinen Reisebericht von Japan gelesen. Wow… echt toll, man lebt so richtig mit 😉
    Ja, Japan wäre auch so ein Traumziel von mir..
    Das mit dem Wasabi wusst ich natürlich auch nicht und bin jezt doch etwas enttäucht, das man so behumpst wird.
    Dann finde Dich gut wieder in den Alltag ein und ich werde jetzt wieder öfters bei Dir vorbeischauen 😉

    LG LisaCuisine

    • marco 13. November 2015 um 13:49 #

      Hallo liebe Lisa, wie schön hier von dir zu lesen! Ich weiss ja selber wie es ist, mit all den vielen Blogs, die man gerne liest, aber manchmal kaum Zeit dafür findet! Freut mich, dass dir mein Japanbericht so gut gefallen hat – ein Land, welches es mir unglaublich angetan hat. Die nächste Reise steht hoffentlich bald an und ja, ich kann es dir nur weiterempfehlen! Da gibt’s dann auch frischen Wasabi 😉

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