Food, glorious food!

19 Sep

In Penang ist es unmöglich zu verhungern…

Wenn man in Penang ist, bucht man am besten ein Zimmer ohne Frühstück. Einfach nach dem Aufstehen raus auf die Strasse und immer der Nase nach. Hawker Food ‐ yes, you name it! Darunter wird hier das Essen an Strassenständen zusammengefasst, an denen sich der Grossteil des hiesigen kulinarischen Unterhaltungsprogrammes abspielt. Es scheint fast so, als könnten die Penangites den lieben langen Tag nur dem Essen frönen.

So entdeckt man unter manch zweckmässig aufgestellten Sonnenschirm entlang des Bordsteins eine mundwässernde Vielfalt an lukullischen Leckerbissen – von morgens früh bis abends spät wohlverstanden. Vorteil dieses Konzepts: jeder kleine Stand kocht nur die Gerichte, die er wirklich kann. Durch die dutzenden an Verkäufern entsteht so jedoch eine riesige Auswahl – und jeder kann sich das aussuchen, auf was er gerade Hunger hat.

Die vielen Ethnien auf dieser Multikulti-Insel spiegeln sich auch in den Strassen und den unzähligen Fressbuden wider: Chinesische, thailändische, indonesische und südindische Küchen verbinden sich mit malaiischen Traditionen zu sensationellen Geschmackskombinationen, die jedem Food Lover die Freudentränen in die Augen treiben und ordentlich Mundwasser produzieren. Als ein solcher nonchalanter Geschmacksjäger war es für mich nur offensichtlich während meiner kulinarischen Asienreise einen Stopp in Penang einzulegen. Von Foodstand zu Foodstand hüpfend – hin und wieder mal ein Restaurant dazwischengeschoben – folge ich den Empfehlungen der lokalen Bevölkerung und versuche so viele Gerichte wie mein Magen nur aufnehmen kann zu probieren und Rezepte und Ideen zu ergattern.

Alleine schon das Frühstück hat es in sich. Gibt es einen perfekteren Start in den Morgen, als wenn man bereits mit den ersten Sonnenstrahlen des Tages den vertrauten Duft von glühender Holzkohle erschnuppert? Ich liebe es, als einziger westlicher Touri auf einem Plastikstuhl zwischen lauter Malay-Chinesen zu sitzen, die busy Atmosphäre aufzusaugen, die Gerüche, die aus den vielen dampfenden Töpfen kommen wahrzunehmen und aus einer Plastikschüssel eine unbekannte, köstlich-würzige Suppe zu löffeln.

Ein paar meiner Street Food Favourites findet ihr hier…

Asam laksa
Die Malaysier sind grosse Suppenköche und verstehen es, dem Wasser hier hervorragenden Geschmack zu geben. Sie kochen Suppen aus Hühnern und Enten, Shrimps, Fisch und Schwein, manchmal aus einem Tier, manchmal aus allen zusammen. Wer sich hier durchisst, der merkt, wie traurig es um die angeblich einst so reiche europäische Suppenkultur bestellt ist. Ein möglicher Grund: aus unseren Märkten und Töpfen sind all die Köpfe, Füße, Schwänze und anderen Teile, die Suppen so gut machen, leider vielerorts verschwunden.

Überall und praktisch in jedem hawker centre allgegenwärtig ist asam laksa, Malaysias Nationalsuppe, die aber Gerüchten zufolge auf Penang am besten schmecken soll. Alleine schon die blosse Erwähnung von laksa bringt Penanger ins Schwärmen. Der Geschmack ist wahrlich explosiv, eine süchtigmachende Mischung aus sauer, scharf, süss, salzig und viiieeel umami. Die vielgerühmte Nudelsuppe mit dicken Reisnudeln und Tamarinde wird mit zerpflückten Makrelenstückchen, frischer Ananas, Gurke, Schalotten, Chili, Minze und den in feine Streifen geschnittenen rosa Blüten einer Ingwerart serviert. Die reinste Achterbahnfahrt auf der Zunge!

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Char Kway Teow
…ist so etwas, wie der heilige Gral unter dem lokalen Street Food hier. Die Diskussionen, wo es denn nun das beste Kway Teow gibt, sind oft heisser als der Wok, in dem es zubereitet wird. Über die genau Machart und die Zutaten wird hier so gerne diskutiert, wie bei uns über den einzig wahren Kartoffelsalat. Das Ganze erscheint optisch leicht und gesund, entspricht vom Kaloriengehalt aber in etwa einem halben Cordon-Bleu zum Frühstück. Breite, weiche Reisnudeln werden im Wok mit ordentlich Schweineschmalz rauchig angeschwitzt, bevor sich Chili, dunkle Sojasauce, Ei, Sojasprossen, chinesische Wurst, Muscheln und Garnelen dazu gesellen. Zum Schluss nochmals kräftig mit flüssigem Schmalz abschmecken. Dagegen wirken Spiegeleier mit Speck wie eine Fastenspeise! Wichtig dabei ist, dass man stets nie mehr als eine Portion aufs Mal bereitet, damit die Nudeln schön dunkel braten können und das rauchige Wok-Aroma gut aufnehmen. Ihr seht, ich habe meine Hausaufgaben gemacht…

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Nasi Lemak
Dieses simple, aber hochaus köstliche Reisgericht kann gut und gerne als DAS Nationalgericht Malaysias bezeichnet werden und wird hier zu jeder Tages- und Nachtzeit serviert. Weisser Reis wird zusammen mit Kokosmilch und Pandanblättern weich gekocht und mit scharfem Sambal, frittierten Anchovis, knackigen Erdnüssen, einem hart gekochten Ei sowie weiteren Beilagen wie Gemüse oder ayam rendang (eine Art trockenes Chicken Curry) serviert. Die Feldarbeiter wickelten sich das Ganze frühmorgens in ein Bananenblatt oder Zeitungspapier und hatten quasi Frühstück und Lunch in einem griffbereit für den langen, kräftezehrenden Alltag in den Reisfeldern draussen. Und einmal mehr zeigt sich die hohe Kunst der asiatischen Küche, den Gaumen mit köstlichen Texturen und Aromen zu verwöhnen. Fluffiger Kokosreis, salzige Sardellen, knusprige Erdnüsse, scharfes Chili-Crevetten-Sambal und ein crèmiges hart oder halbweich gekochtes Ei. Da werden selbst notorische Frühstückverweigerer wie ich noch hungrig!

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Oh Chien
Nicht jeder wird beim Gedanken an ein fluffig-weiches Eieromelett mit frischem Schnittlauch, mariniertem Rettich, Chili plus – und jetzt wird es spannend!- frischen, nach Meerwasser duftenden Austern gleich Freudensprünge machen. Oh Chien jedoch, ist ein Street-Food-Klassiker, den man hier in beinahe jedem hawker centre findet. Ein Gericht, einfach zu machen, aber schwierig, um es wirklich gut hinzukriegen! Die richtige Menge an Öl, genau Kontrolle der Temperatur und die Zugabe der Zutaten zum korrekten Zeitpunkt in korrekter Reihenfolge haben es in sich. Und nur dann werden die Ränder der Omelette schon knusprig, die Austern bleiben saftig und das ganze Gericht erhält trotz allem einen rauchig-aromatischen Charakter.

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Kway Teow Th’ng
Hier handelt es sich sozusagen um die Suppenversion des weiter oben beschriebenen Char Kway Teow. Zarte Reisnudeln werden mit allerlei möglichen und unmöglichen Teilen vom Schwein oder Huhn in einer klaren Brühe serviert. Dazu gesellen sich weitere Toppings wie Senfblätter, Bohnensprossen, Bittergurken, Tofu, geröstete Zwiebeln und frische Kräuter. Nach einer durchzechten Nacht, das perfekte Mahl für einen energiegeladenen Start in den Tag.

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Wan Tan Mee
Dies ist ein Gericht, welches seinen Ursprung im südchinesischen Guangzhou hat, dank der Flut an chinesischen Einwanderern aber mittlerweile seinen Weg via Singapur auch nach Penang gefunden hat. Und auch wenn es simpel und unkompliziert erscheint, dies ist keineswegs ein einfaches Gericht. Viele verschiedene Elemente gilt es hier in die Waagschale zu werfen, die sich anschliessend die Balance halten müssen, damit ein leckeres Wan Tan Mee entsteht. Dünne Eiernudeln werden mit dicker, karamellartiger Sojasauce und rotem Reisessig angemacht, mit grünem Chili herzhaft gewürzt und mit char siew, würzigem BBQ-Schweinebauch getoppt. Die malayiische Version hier verwendet, ganz typisch für die Insel Penang, nach eine grosszügige Portion belacan, vergorene Shrimppaste, die dem ganzen das gewisse Extra verleiht. Dazu werden klassisch-chinesische Wontons (oder eben Wantans), also kleine mit Krebs- und Schweinefleisch gefüllte Ravioli, in klarer Brühe serviert. Schmeckt fantastisch!!

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Ikan Pari Bakar
Manta, Manta! Zum ersten Mal überhaupt habe ich Rochenflügel gegessen – und für fantastisch befunden! Ein kräftiges, wohlschmeckendes Aroma, wie bei Meerwasserfischen nicht unüblich, in der Konsistenz allerdings deutlich fleischiger, fast schon wie Hühnchen. Für Grätenhasser sowieso genau das Richtige, denn Rochen sind Knorpelfische und haben daher keine Gräten. Im Innern der Flügel befindet sich lediglich eine dünne Knorpelschicht, von der sich das Fleisch in gegartem Zustand aber wunder abschaben lässt. Hier auf Penang werden die Rochenflügel mit einem mild-würzigen Sambal aus Chilis und Schalotten eingerieben und anschliessend auf einem Bananenblatt gegrillt. Auf die selbe Weise werden hier auch ganze Fische oder Fischköpfe zubereitet. Köstlich!

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Cendol
Eine verrückte Sache, ist es doch irgendwie Eis, Getränk, komplettes Dessert und Spätzle in einem. Für Malaysias beliebteste Nachspeise wird frisch geraspeltes Eis mit cremiger Kokosnussmilch, süssen braunen Bohnen, grünen, mit Pandan (Schraubenpalme) gefärbten Nudeln aus Mungbohnen- oder Reismehl und braunem Palmzucker gemischt und mit einem Löffelchen zum schlürfen serviert. Schmeckt nicht ganz so verrückt, wie es aussieht, und ist herrlich erfrischend!

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12 Antworten to “Food, glorious food!”

  1. Memse 19. September 2015 um 15:14 #

    Haben Dich die Einheimischen so gut beraten, was genau in welchem Food ist. Unglaublich, das sieht alles so quasi einfach aus wie z.B. das Char Kway Teow, dabei ist soviel mehr drin. Bin beeindruckt, was du alles weisst.

    • marco 20. September 2015 um 03:53 #

      Nun ja, that’s part of the job, nicht? 😉 Ich versuche natürlich möglichst viel von den locals hier zu erfahren und nehme jeden Tipp oder jede Erläuterung noch so dankend an. Mein kleines Notizbuch stets dabei, wird dann alles fleissig niedergekritzelt.

  2. marliesgierls 19. September 2015 um 16:09 #

    Passen Deine Hosen noch? Und wenn ja, wie lange noch? Das klingt alles spannend und ich bin von Deinen Kenntnissen beeindruckt. Wie ist das ganze eigentlich preislich einzuordnen? Suppen können wir hier heute auch gebrauchen, denn es regnet ordentlich und ich musste auch schon die Heizung anstellen, da sieht es bei Dir bestimmt viel angenehmer aus.
    Weiterhin gute Reise, liebe Grüße Marlies

    • marco 20. September 2015 um 03:58 #

      Die Hosen passen (noch). 🙂 Ich hoffe auch, das tun sie noch eine Weile hehe. Tatsächlich esse ich nicht wirklich mehr als daheim. Oder rede ich mir das bloss ein 😉 Ich esse bloss häufiger und in kleineren Portionen. Und spaziere ja auch viel umher und helfe sonst noch ein bisschen nach, dass die Hosen weiterhin zufrieden um den Bauch hängen 😉 Der Austausch mit den Penangites hier ist wirklich spannend, man erfährt viel und sind erstaunlich oft bereit über ihre Rezepte und Zubereitungsarten zu sprechen. Englisch als gemeinhin verständliche Sprache ist hier sicherlich auch ein Vorteil. Das wird wohl nächste Woche anders werden 😉

      Preislich ist das ganze so billig, ich kann mich oft kaum daran erinnern, wie viel etwas gekostet hat. Ich habe echt Mühe mein Geld loszuwerden 😉 Eine sättigende Schüssel Nudelsuppe kriegt man hier für etwa 1.10 Euro. Nicht ganz so günstig wie Indien, aber immer noch extrem!

      • marliesgierls 20. September 2015 um 09:55 #

        Dann bin ich ja beruhigt, dass Du Dir die Schlemmereien gut leisten kannst und nicht als armer Mann nach Hause kommst. Aber so eine große Reise ist ja trotzdem mit enormen Kosten verbunden, da ist es gut, dass man wenigstens beim Essen nicht rechnen musst.
        Wer gerne kocht und isst, der redet auch gerne darüber, will seine Leidenschaft mit andren teilen, das kann ich gut nachvollziehen, kann mich auch stundenlang übers Essen unterhalten.
        Weiterhin viel Freuden,
        liebe Grüße Marlies

  3. Tring 20. September 2015 um 11:38 #

    Ich hoffe doch sehr du bringst eine Fülle an Rezepten mit und kochst das demnächst alles für uns nach?!? Viel Spaß noch 🙂

    • marco 24. September 2015 um 05:03 #

      Ja, es sind doch schon einige Rezepte und Ideen zusammengekommen! Ich hoffe bloss, ich habe wieder daheim dann überhaupt noch Lust auf asiatische Küche 😉

      • Tring 24. September 2015 um 08:35 #

        Haha, glaube mir spätestens nach einem halben Jahr kommt der ganz von alleine 🙂

  4. Eva 21. September 2015 um 10:28 #

    Das klingt fast ein bisschen nach „Arbeit“, was du da machst. 😉
    Lass‘ es dir gut gehen und bring‘ Rezepte mit!
    Liebe Grüße,
    Eva

    • marco 24. September 2015 um 05:04 #

      Rezepte sind einige vorhanden 😉 da wird es nach meiner Rückkehr, wenn die richtige Arbeit dann wieder losgeht, sicherlich den einen oder anderen Beitrag geben 😉

  5. cookinator 22. September 2015 um 20:08 #

    Danke für den ausgiebigen Einblick in die Streetfood Szene Penangs. Ich wusste ja gar nicht, dass dort Manta zubereitet wird. Bin gespannt was Du uns sonst noch so auf den Tisch setzt 😉
    LG Stephan „

    • marco 24. September 2015 um 04:54 #

      Hey Stephan! Also so richtiger Manta war das wohl kaum, das hatte ich bloss ein bisschen lapidar formuliert. War wohl eine kleinere Rochenart‘, wie sie ja auch in Frankreich und Südeuropa auf dem Teller landen. Aber in jedem Fall sehr lecker 🙂

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