Penang

16 Sep

Halb Asien auf einer Insel

Penang vor der Küste Malaysias, Unesco-Weltkulturerbe und Schmelztiegel verschiedenster Ethnien aus ganz Asien, ist ein kulturhistorisch wahrlich einzigartiger Ort. Hier leben Religionen und Kulturen in einer beeindruckenden Harmonie nebeneinander, wie sich wohl noch so mancher Ort auf der übrigen Welt ein dickes Stück davon abschneiden könnte. In ein und der selben Strasse findet man einen buddhistischen und einen Hindu-Tempel gleich neben einer anglikanischen Kirche und einer Moschee. Wo auf der Welt gibt’s denn sowas?

Aber machen wir uns nichts vor: das Unesco-Welterbe ist bloss ein Vorwand, um nach Penang zu reisen. Denn eigentlich kommen alle wegen des Essens. Hier hat sich ein Ort grandioser kulinarischer Diversität entwickelt, ein wahres Paradies des guten Essens. Als relativ junge, erst gerade mal seit 300 Jahren besiedelte Insel profitiert die Küche hier von den vielen Einwanderer und punktet mit gastronomischen Einflüssen aus China, Thailand, Indien und natürlich Malaysia selbst – quasi halb Asien auf einer Insel vereint. Nicht umsonst wird Penang gerne als die kulinarische Hauptstadt Malaysias bezeichnet. Hier auf der Insel gibt es ein gängiges Sprichwort: „chiak si hock“ – übersetzt in etwa: „Essen bringt Wohlstand“.

Und tatsächlich die Penanger sind extrem stolz auf ihr Essen, welches sich hauptsächlich auf der Strasse in den sogenannten hawker stalls abspielt. Ich selbst bin zwar erst seit Montag hier, aber bereits ein einziger Nachmittag im Herzen George Towns, dem Zentrum Penangs, reicht aus, um den hohen Stellenwert der hiesigen Kochkunst zu erkennen.

Essen ist hier Volkssport und Gesprächsthema Nummer eins unter den Locals. Es wird ständig und überall diskutiert, welche Speisen wo und an welchem Stand zu welcher Tageszeit oder an welchem Wochentag besonders gut schmecken. Danach folgen Tipps, welche Speisen an diesem Stand besonders gut sind, welche man lieber woanders und welche am nächsten Tag essen sollte. Diese Tipps gilt es alsgleich zu notieren, denn Namen haben die meisten Hawker-Food-Stände nämlich keine. Sie werden einfach nach den Straßenkreuzungen, Geschäften, vor denen sie stehen, Uhrzeiten, zu denen sie kochen sowie dem Alter und äusseren Erscheinungsbild ihrer Inhaber/innen beschrieben.

Es kann sein, dass man an einem Stand dank Schlangen von Wartenden eine oder auch zwei Stunden ansteht. Und Gerüchten zufolge sollen regelmässig Gourmets aus der Hauptstadt Kuala Lumpur, ja sogar Singapur, die vierstündige Autofahrt auf sich nehmen, um eine Schale der berühmt-berüchtigten lokalen assam laksa zu kosten. Die vielgerühmte Nudelsuppe mit dicken Reisnudeln und Tamarinde wird mit zerpflückten Makrelenstückchen, frischer Ananas, Gurke, Schalotten, Chili, Minze und den in feine Streifen geschnittenen rosa Blüten einer Ingwerart serviert.

Ein Löffel belacan (vergorene Shrimppaste, die Geheimwaffe der hiesigen Küche!) sorgt für den gewissen Extra-Kick!

Und schon ist man dem Himmel ein Stückchen näher. Aber Vorsicht: das Zeugs macht vollkommen süchtig…

Für neugierige Leser anbei ein paar erste Snapshots und Leckerlis. Etwas mehr zum Thema Kulinarik folgt dann in den nächsten Tagen. Mein Hunger ist nämlich noch längst nicht gestillt…

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11 Antworten to “Penang”

  1. Memse 16. September 2015 um 18:08 #

    Vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich habe viel gelernt. Erstens wusste ich gar nicht, dass in Penang soviel Religionen aufeinander leben und zweitens, dass dort das Mekka der Asia Kitchen ist. Diese Hawker Stalls erinnern mich an Singapore. Wahrscheinlich ist das ähnlich. Auf jeden Fall bin ich jetzt todsicher, dass ich nächstens auch mal nach Penang zu Alex muss.

    • marco 16. September 2015 um 18:18 #

      Ja, hier in Penang treffen derart viele Kulturen aufeinander, das ist wirklich einzigartig. Macht es einfacher, da man sich immerhin auf Englisch zur allgemeinen Verständigung geeinigt hat. Das wird wohl nächste Woche in Chengdu mehr Challenge 😉 Das Schöne daran ist, dass die Insel trotz gewisser Modernität und Fortgeschrittenheit (krasser Gegensatz zu letzter Woche!!) nebst dem herrlichen Essen trotzdem auch noch mit einer breiten Palette an Kultur, Tradition und entsprechendem Sightseeing aufwarten lässt.

  2. Tring 16. September 2015 um 21:12 #

    Hört sich an als hättest du ne Menge Spaß! Ich bin offiziell neidisch – ess ne Runde für ich mit 🙂

    • marco 18. September 2015 um 16:33 #

      Ne Menge Spass und ne Menge Hunger 😉 Da ess‘ ich doch gerne eine Runde für dich mit!

  3. lieberlecker 17. September 2015 um 09:21 #

    1992 kamen wir nach 4 Wochen Rucksackrundreise auf den Philipinen nach Penang und waren 4 Tage in einem 5 Sterne Hotel (Mutiara). Von diesem Aufenthalt schwärmen wir heute noch. Und ich kann Deine Begeisterung absolut verstehen. Schön hast Du immer noch Appetit 😉
    Geniess es und ‚en Guete‘,
    Andy

    • marco 18. September 2015 um 16:34 #

      Oh. Und wie ich vermute, hat die Freude an kulinarischen Entdeckungen schon damals in dir geschlummert, nicht? 😉 Dann weisst du ja wovon ich spreche, genau. Wäre sicherlich auch interessant gewesen, die Insel damals mal zu sehen. Mittlerweile hat sich das hier wohl auch ziemlich entwickelt… Liebe Grüsse retour nach Züri!

  4. marliesgierls 17. September 2015 um 11:42 #

    Was für Eindrücke, Marco! Da wäre ich ja in Penang an der richtigen Stelle mit meinen Koch-Marathons, lauter Gleichgesinnte und man kann immerzu was neues entdecken. Oder ist veganes Essen dort nicht möglich? Ich denke doch. Auf jeden Fall macht es Freude virtuell mit auf Deiner Reise dabei zu sein. Ich warte schon immer auf den nächsten Post.
    Liebe Grüße Marlies

    • marco 18. September 2015 um 16:37 #

      Ja Marlies, entdecken gib es hier wahrlich vieles. Schön, dass du fleissig mitliest, das freut mich sehr! Heute habe ich meine erste Durian gekostet 😉 Köstlich! Wie süsser Kuchen – vom Geruch mal abgesehen haha. Allerdings scheint mir Penang kein geeigneter Ort für Vegetarier zu sein. Das meiste Essen hier, selbst wenn vermeintlich vegetarisch/vegan, wird trotz allem mit flüssigem Speckfett, Fischöl oder Shrimppaste zubereitet. Darauf scheinen die Penangites hier nicht verzichten zu wollen 😉

      • marliesgierls 18. September 2015 um 18:51 #

        Das habe ich schon befürchtet, nachdem was ich bereits so gelesen habe.
        Ich folge Dir gern auf Deiner großen Reise, Marco. Früher, als wir noch nicht den Hof und die Tiere hatten, war ich auch viel unterwegs, aber Asien fehlte dabei, aber vielleicht breche ich ja eines Tages noch einmal auf, dann weiß ich schon die Richtung.
        Weiterhin viel Glück und wunderschöne Tage,
        liebe Grüße Marlies

  5. Houdini 18. September 2015 um 06:29 #

    Mir haben es die Schaukel und der Veloabstellplatz angetan. Ich dachte beim Velo, der Hausinhaber habe die Kinder hingemalt und stelle sein Velo immer dort ab, nach der Schaukel aber denke ich eher, das Velo sei fix montiert.
    Ja, das Essen auf der malayischen Halbinsel ist besonders vielschichtig, wie ich aus meinen 3 Jahren in Singapur weiss – womit dies wieder einmal gesagt sei 😉

    • marco 18. September 2015 um 16:41 #

      Ja, die Altstadt von Georgetown ist voll mit solchen Street Arts, da gibt es soo viel zum entdecken! Das Velo ist aber entsprechend fix montiert, genau 😉 Wenn du Singapur kennst und den Food dort zu schätzen weisst, dann kannst du dich gut hier in die Szene von Penang einfühlen, das scheint mir ganz ähnlich!

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