St. Galler Currywurst mit Laugen-Pommes

25 Jul

Iss doch Wurst!

Bratwurst mit Gewürz-Ketchup und Currypulver, serviert in einer weissen Kartonschale mit Mini-Gabel – die klassische Currywurst gehört in Deutschland zu den beliebtesten Gerichten überhaupt und ist dort so etwas wie der Heilige Gral des Street Foods. In Berlin gibt’s dafür sogar ein eigenes Museum. Und wer hat’s erfunden? Berlin? Hamburg? Es gibt gleich ein paar Städte, die das Privileg dieser Erfindung für sich beanspruchen. Um mir hier keine Feinde zu machen, schweige ich vorerst zu dem Thema und warte gespannt ab, was andere dazu berichten. Vielleicht waren es ja auch die Schweizer 😉

Naja, vermutlich nicht, denn in der Schweiz hat die Currywurst, trotz grosser Einwanderungswelle aus dem Norden, den Durchbruch leider nie so richtig geschafft. Schade eigentlich! Denn Würste essen die Helveten ja bekanntermassen genauso gerne wie ihre restlichen Nachbarn in Europa und die Deutschen sind bei uns ja eigentlich „uhuere“ integriert!

Nun denn. Wie bei solch beliebten Gerichten üblich, kann man über die richtigen Wurstsorten, den Schärfegrad und die Zusammensetzung der Sauce sowie die perfekten Beilagen stundenlang diskutieren. Eingefleischte Currywurst-Fans mögen möglicherweise das Gegenteil behaupten, aber die Substanz einer guten Currywurst ist in meinen Augen die Sauce. Damit steht und fällt die ganze Geschichte!

Natürlich ist es auch nicht wurst, welche Wurst man isst! Nur die beste sollte einem gut genug sein. Eine St. Galler Olma-Bratwurst in meinem Fall. Die 160 g schwere Ostschweizerin polarisiert hierzulande wie keine andere Wurst. «Ohne Senf!», sagen die St. Galler, «Mit Senf!», schreien Grillfans aus den restlichen Teilen der Schweiz. In einer Schlange hungriger St. Galler zu stehen und nach Senf zu fragen: da beweist sich der Mann noch als Mann. Eine Brücke über den Senfgraben schlage ich heute jedoch, in dem ich, ganz im Sinne der Völkerverständigung, die St. Galler Bratwurst in einer würzig-fruchtigen Currysauce serviere. Mer lueged emol…

Die Olma-Bratwurst ist eine Spezialität aus der Schweizer Stadt St. Gallen – im so genannten Bratwurstland. Es ist ein Gemisch aus Schweine- und Kalbfleisch sowie Speck, welchem Milch beigefügt wird. Den Namen hat die Bratwurst von der gleichnamigen Messe OLMA (Ostschweizer Land- und Milchwirtschaftsausstellung) geerbt. Das erste Rezept dafür tauchte in St. Gallen bereits 1438 auf. So viel zur Wurst.

Wenn es aber um die Sauce geht, dann gibt man sich durchaus ein wenig geheimnisvoller. Vermutlich niemand aus der Currywurst-Branche würde freiwillig sein größtes Kapital verraten und hütet daher die Rezeptur seiner Tunke wie ein Staatsgeheimnis. Als passionierter Hobbykoch ergeht es mir da natürlich nicht anders. Deswegen: die genauen Mengenangaben bleiben heute mal geheim! Wer weiss, ob der Trend nicht doch noch zu uns rüberschwappt und ich demnächst meine eigene Fressbude in Zürich eröffne?

Und sowieso: Currywurst-Saucen sollen schliesslich erlebt werden! Ausprobieren geht über Studieren! Der eine mag’s fruchtiger, der andere schärfer. Und wenn es mal nicht so gelingt, dann weiss man auch, was man beim nächsten Mal besser machen soll!

Für die Curry-Sauce (Handgelenk mal Pi)

  • passierte Tomaten (ca. 3/5)
  • Tomatenketchup (ca. 1/5)
  • Apfelmus (ca. 1/5)
  • frisch gepresster Orangensaft, weniger ist mehr
  • Apfel, fein gewürfelt
  • Schalotte, fein gewürfelt
  • etwas Knoblauch
  • brauner Zucker
  • grobkörniger Senf, nicht zu knapp
  • Chilischote, am besten geräuchert (Chipotle)
  • Worcestershiresauce
  • Sojasauce
  • Apfelessig
  • ein Schuss Balsamico
  • bestes Currypulver, grooosszügig
  • Kreuzkümmel, frisch gemahlen
  • Piment, frisch gemahlen
  • schwarzer Pfeffer, frisch gemahlen
  • Salz

Schalotte in etwas Öl ein paar Minuten andünsten, danach den Apfel sowie Knoblauch dazu gebe und ebefalls einige Minuten dünsten, ohne dass er Farbe annimmt. Danach Zucker und Currypulver dazu und alles langsam leicht karamellisieren lassen.

Anschliessend mit dem Orangensaft, Apfelessig und Balsamico ablöschen, Gewürze wie Chili, Pfeffer, Salz, Kreuzkümmel, Piment dazu und das Ganze um die Hälfte einkochen lassen. Nun das Apfelmus sowie Ketchup und passierte Tomaten unterrühren und erneut blubbernd einkochen lassen. Zwischendurch probieren. Mit Worcester, Sojasauce sowie Salz und Pfeffer und gegebenenfalls mehr Currypulver (es darf schon ziemlich curry-mässig schmecken) abschmecken und zu den grillierten Würsten servieren. Alternativ kann die Sauce heiss in ausgekochte Einmachgläser eingeweckt und für den späteren Gebrauch aufbewahrt werden.

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Für die Laugen-Pommes braucht ihr lediglich ein paar Laugenbretzen, Laugenbrötchen oder ähnliches. In pommes-förmige Stäbchen schneiden und im heissen Olivenöl knusprig ausbacken. Wichtig ist, dass das Öl schön heiss ist, damit die Laugen-Pommes sich nicht unnötig mit Öl vollsaugen, sondern schnell knusprig und kross werden. Zum Schluss mit Salz würzen und fertig. Ziemlich geil! Solltet ihr unbedingt ausprobieren!

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24 Antworten to “St. Galler Currywurst mit Laugen-Pommes”

  1. Beat Ledermann 25. Juli 2015 um 18:47 #

    Wie Marco schreibt, ist eine perfekt hergestellte und frische St. Galler (OLMA) Kalbsbratwurst etwas Besonderes.
    Eine St. Galler-Bratwurst darf gut gebraten oder grilliert werden. Sie enthält genügend Fett. Jedoch eine Sauce oder Senf zu einer so feinen Wurst finde ich schade. Die Wurst ist genügend gewürzt und saftig. Da muss man nichts korrigieren.

    Geschmacksüberhitzungen vermeide ich eher.

    Leider verkaufen in der Schweiz viele Metzgereien normale Kalbsbratwürste als St.Galler OLMA Bratwürste. Man erhält einfach eine rund 50% schwerere Kalbsbratwurst. Sie enthalten dasselbe Brät wie die anderen oder dem nicht verwursteten Brät im Angebot.

    Bei den Kalbsbratwürsten muss man heute froh sein, wenn sie rohes Brät enthalten und die Würste nicht gebrüht wurden. Brühen bedeutet für den Metzger: Länger haltbar. Geschmacklich verlieren sie dadurch ihren Charakter. Die Haut platzt durch das Brühen beim Braten weniger, sollte man darauf wert legen.

    Eine gute St. Galler Kalbsbratwurst braucht wirklich keine zusätzlichen Geschmacksstoffe. Die Wurst selbst ist perfekt. Und man sollte ihr eine Chance geben.

    Weshalb die deutsche Curry-Wurst überlebt hat, habe ich nie begriffen. Sie stammt aus der Nachkriegszeit, in der kaum Fleisch verfügbar war. Also motzte man die ungeniessbaren Würste mit kräftiger Sauce auf.

    Eine geschmacklich feine St. Galler Bratwurst würde man damit töten.

    • marco 25. Juli 2015 um 19:14 #

      Sehr schön! Da gibt einer seinen Senf dazu! Danke, Beat! Und hopp Sangt Galle 🙂 Versteh mich nicht falsch, die St. Galler Olma ist sensationell, daran kein Zweifel! Und trotzdem: bei mir gehört Senf zur Wurst! Da kenne ich auch bei lokal-kulinarischem Patriotismus kein Pardon! Ich bin aber auch ein Saucen-Junkie 😉 Aber klar, grundsätzlich verfälscht man ein Stück weit bei jeder guten Wurst den Geschmack in dem man Tunke dazu gibt… Aber s’schmöckt ebe scho 🙂

  2. Susanne 25. Juli 2015 um 19:38 #

    Also, aus der Senf-Diskussion halte ich mich mal raus….so als Nicht-Schweizerin. Ich könnte aber beitragen, dass hierzulande Nürnberger Bratwürste oder gar Leberkäse mit Ketchup angeboten werden….das ist….ohne Worte….
    Und solltest Du jemals eine Imbissbude (Tschuldigung, ich meine: einen Streetfood-Truck) aufmachen – ich eile herbei.

    • marco 27. Juli 2015 um 08:43 #

      Nun, Ketchup gehört bei mir seit Kindstagen zu den absoluten No-Go’s, egal wofür! Und natürlich erst recht zu Wurst. Aber schliesslich soll und darf ja jeder essen, wie es ihm beliebt. Und betreffend Food-Truck, da freue ich mich auf deinen Besuch 😉

  3. felixthailand 26. Juli 2015 um 06:09 #

    Als St.Galler müsste ich wohl meinen Senf dazugeben, aber eben: kein Senf zur st.galler Bratwurst mit Handbürli, da kann ich mich Beat Ledermann nur anschliessen.
    Was «frömdi Fötzel» (Nicht-St.Galler!!) aus einer st.galler Bratwurst zubereiten, sei jedoch allen freigestellt – schliesslich esse ich einen echten Waadtländer Saucisson auch nicht zwingend mit dem traditionellen «Papet vaudois»!
    Mit besten Grüssen,
    FEL!X

    • marco 27. Juli 2015 um 08:47 #

      Ja, den lieben Saucisson habe ich küchentechnisch durchaus hin und wieder schon mal etwas entfremdet. Ich denke da an Empanadas oder Flammkuchen. Waadtländer hätten mir wohl den Kopf abgerissen 😉 Aber eben, jedem das selbe… Guten Wochenstart dir, Felix!

  4. Irene 26. Juli 2015 um 10:52 #

    Wir hatten kürzlich wunderbare Currywurst in Hamburg und Frikandel spezial in Haarlem/Amsterdam. Die Frites sehen toll aus und will ich mal probieren!
    Liebs Grüessli
    Irene

    • marco 27. Juli 2015 um 08:48 #

      Hallo Irene, ja kulinarisch ging’s euch auf der Widmatt-Reise ja ganz gut 😉 Die Frites solltest du unbedingt mal versuchen! Euch noch ganz tolle, erholsame Ferien!

  5. Zitronen und Olivenöl 26. Juli 2015 um 23:11 #

    Die Currysauce hört sich toll an. Aus der Wurstdiskussion halte ich mich mal raus. Ich bin auf weiße Würste zur Currysauce „konditioniert“. Sehen so ähnlich aus wie Deine.

    • marco 27. Juli 2015 um 08:51 #

      Hauptsache weiss gell 😉 Nein nein, Spass beiseite, aber selbst wenn, die Sauce schmeckt schliesslich auch zu anderen Grilladen 😉

    • marco 27. Juli 2015 um 21:39 #

      Jedem seine Wurst 😉 Die Sauce jedenfalls solltest du ausprobieren! Da sehe ich bei dir, auch ohne exakte Mengenangaben, eh keine Schwierigkeiten!

  6. lieberlecker 28. Juli 2015 um 16:48 #

    Laugen Pommes! ist ja sehr cool 🙂 und als Nicht Sanggaller bin ich natürlich in der Senf und Saucen Fraktion!
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy
    PS. … und wenn wir schon dabei sind: Hopp GC! 😀

    • marco 30. Juli 2015 um 12:09 #

      Soso, en GC-Fan also 😉 Fussballtechnisch hege ich keine grossen Sympathien irgendeiner Mannschaft gegenüber. Ich weiss nur, dass es in Klotenener Schluefweg die besten Flieger-Würste gibt 😉
      Wie auch immer, ich bin beruhigt, dass du mir punkto Senf und Sauce den Rücken freihältst, Andi 😀

  7. cookinator 28. Juli 2015 um 20:52 #

    Als Deutscher Foodie wuerde ich zur Olma auch keine Currysauce haben wollen. Einfach too much von zwei guten Dingen gleichzeitig. Dagegen wird eine ordinäre Rote Bratwurst, – ja das gibt´s bei uns -, mit einer hausgemachten guten Currysauce dem siebten Himmel der Kulinarik etwas näher gebracht 😉

    senf-freie Grüße vom der deutschen Bodensee Seite in die Schweiz
    Stephan

    • marco 30. Juli 2015 um 12:14 #

      Hehe, Senf zur Olma grenzt in St. Gallen wirklich fast schon an Blasphemie. Eine neue Wurstkultur zu integrieren, ist schwieriger als gedacht 🙂
      Mir egal, ich esse meine Wurst wie’s mir passt 😉

  8. cookinator 28. Juli 2015 um 20:59 #

    Marco, … und noch der liebgemeinte Tipp: Die Laugen Pommes mögen sehr geil sein, aber bereite sie nie bei einem konservativen Schwaben zu. Der wird Dich wahrscheinlich mit Spätzle strangulieren 😉

    • marco 30. Juli 2015 um 12:15 #

      Beilage to be sind Original Pommes Frites, ja? Autsch, noch so ein Faux-Pas 😉 Die Anzahl meiner Kulinarik-Feinde wächst…

  9. Tom 29. Juli 2015 um 09:50 #

    ok, letzte Woche in St. Gallen die Olma gegessen. Vorher im Reiseführer drüber gelesen, von Freunden vor Ort schwer empfohlen. Lecker war sie wohl, mit Bürli, ohne Senf. Aber an eine echte Thüringer kommt sie nicht ran, da liegen Welten zwischen.
    Aber ne Currywurst ist immer was feines, da geht zur Not auch einfach Ketchup mit ordentlich Currypulver drauf, wenn es mal schnell gehen soll! 🙂

    • marco 30. Juli 2015 um 12:17 #

      Ok, so eine Thüringer ist aber auch wirklich was Gutes! Allerdings besteht die doch aus Schweinefleisch, nicht? Insofern nicht ganz zu vergleichen. Wie auch immer, die besten Würste macht eh mein Lieblingsmetzger. Und da brauche selbst ich keinen Senf dazu 😉

  10. Tom 31. Juli 2015 um 21:36 #

    einen hab ich da wohl noch:

    • marco 5. August 2015 um 16:56 #

      Kannte ich noch nicht 🙂 Danke für den Beitrag, Tom!

  11. wiltrud 1. August 2015 um 17:07 #

    mmmh… Apfelmus und Apfelstückchen an einer Currywurst klingt wild-exotisch für mich. aber gerade das mag ich ja auch. Da werde ich sie einmal ausprobieren mit einer in Niedersachsen handelsüblichen Brühcurrywurst. Mal schmecken… 😉

    • marco 5. August 2015 um 16:57 #

      Ja, die Äpfel bzw. das Apfelmus machen sich wunderbar in der würzigen Currysauce. Da solltest du dich unbedingt daran wagen 😉

  12. Anikó 8. September 2015 um 18:13 #

    Ob Du es glaubst oder nicht, ich habe genau einmal in meinem 33 Jahre dauernden bisherigen Leben Currywurst gegessen, aber das wenigstens in Berlin *g*
    Die Laugenpommes sind eine geile Idee, auch wenn deine Laugenbrötchen so ein bisschen an Kastanien erinnern 🙂

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