Wurzelgemüse-Salat aus dem Ofen

23 Nov

Back to the roots

Zugegeben: der Ausdruck „Wurzelgemüse-Salat“ wird wohl nicht bei jedem gleich auf Anhieb für kulinarische Luftsprünge sorgen. Aber sind wir mal ehrlich: wir haben November! Kein Hahn kräht nach saisonverirrten, spanischen Treibhaus-Tomaten, „erntefrischen“ Erdbeeren aus Marokko oder geflügelten Spargeln aus Peru oder Mexiko.

In den Supermärkten quellen die Regale über vor abenteuerlichsten Sorten Gemüse, Salat und Früchten und leider, leider ist je länger je mehr auch an den Marktständen der Grossstädte kaum ein Unterschied zwischen den Jahreszeiten mehr erkennbar. „Die Kunden wollen das so!“ lautet die saloppe Ausrede vieler Händler. Blödsinn! Ich behaupte steif und fest, wer auf dem Markt einkauft, der hat ein sehr sensibles Verständnis für den Wandel der jeweiligen Saison.

Fakt ist nämlich: auch im Herbst und Winter besteht bei uns kein Mangel an frischem Gemüse und Obst. Im Gegenteil! Randen, Kohlrabi, Fenchel, Kürbis, weisse, gelbe und rote Karotten, Lauch, Rettich, Rosenkohl, Petersilienwurzel, Pastinaken, Topinambur, Knollensellerie: ein gepflegter Gang auf den lokalen Bauernmarkt öffnet eine wahre Schatztruhe voller geschmacksintensiver herbstlicher Seelenwärmer.

Und es macht sogar richtig Spass, wenn ihr am Stand vor der farbenprächtigen Auswahl steht und das Angebot gedanklich danach sortiert, was unter der Erde oder direkt am Boden den ganzen Sommer über Energie tanken konnte und in eurem Kopf nun zu einem stimmigen Gericht komponiert wird.

Das Schöne am nachfolgenden Rezept ist die Einfachheit, die es zur Zubereitung braucht. Waschen, schälen, schnippeln, Füsse hoch! Der Rest erledigt der Ofen. Und macht seine Arbeit gut. Auf diese Weise trocken in der Hitze gegart, intensiviert sich das Aroma der Wurzeln noch mehr. Dann nur noch fix die Vinaigrette anrühren, über das heisse Gemüse geben und ab in den Mund damit.

Als Hauptmahlzeit für 4 Personen

  • 6 Karotten, am besten verschiedenfarbig
  • 6 kleine, blaue Kartoffeln
  • 2 Pastinaken
  • 2 kleine Randen (rote Beete)
  • 2 kleine Kohlrabi
  • 4 Schwarzwurzeln
  • 1 rote Zwiebel
  • 1 Knoblauchknolle
  • 150 g Radieschen
  • 4 Zweige Thymian
  • 2 EL Honig
  • 3 EL Olivenöl
  • 2 EL Aceto Balsamico
  • 1 TL Kümmel
  • 130 g Ziegenweichkäse
  • 100 g Sbrinz AOP, gerieben

für die Baumnuss-Honig-Vinaigrette

  • 1 Knoblauchzehe, gepresst
  • 2 TL scharfer Senf
  • 6 EL Gemüsebouillon
  • 3 EL Himbeeressig
  • 5 EL Baumnussöl
  • 1 TL Honig
  • Salz / Pfeffer

Für die Sbrinz-Chips: Sbrinz mit einem Teelöffel auf dem mit Backpapier belegten Blech zu Häufchen von 3-5 cm ø formen und etwas flach drücken. In der Mitte des auf 220°C vorgeheizten Ofens 4-7 Minuten backen. Herausnehmen, etwas abkühlen lassen.

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Anschliessend wird das Gemüse sauber gewaschen und geschält. Wer mag kann die Karotten aber zum Beispiel auch ungeschält lassen, schliesslich stecken gerade unter der Schale haufenweise gesunde Vitamine drin. Beim Schälen der Schwarzwurzeln darauf achten, dass ihr Handschuhe trägt und die Wurzeln anschliessend direkt in mit Zitronensaft angemachtes Wasser wandern, damit sie sich nicht unappetittlich braun verfärben.

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Alles Gemüse bis und mit Zwiebel anschliessend in grobe, aber mundgerechte Stücke schneiden. Den Ofen auf 180 °C vorheizen. In einer kleinen Schüssel Olivenöl, 1 EL Honig, Kümmel und Aceto Balsamico vermengen und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Das Gemüse in eine ofenfeste Form geben. Die Knoblauchknolle halbieren und zusammen mit der Hälfte der Thymianzweige zum Gemüse geben. Die oben beschriebene, angerührte Marinade über das Gemüse träufeln, gründlich mischen und ab damit in den Ofen für ca. 40-50 Minuten.

In der Zwischenzeit die Zutaten für die Vinaigrette verrühren und beiseite stellen.

Den Ziegenweichkäse in mundgerechte Schnitze teilen und diese in einem Hauch Olivenöl bei mittlerer Hitze langsam braten. Nach dem ersten Wenden die restlichen Thymianzweige dazu geben und die Käsestücke mit 1 EL Honig gleichmässig beträufeln. Nochmals ein paar Minuten weiterbraten, bis der Käse langsam zu schmelzen beginnt.

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Sobald das Gemüse aus dem Ofen kommt, die bereit gestellte Vinaigrette noch heiss darüber geben und gründlich vermengen. Nach Bedarf mit zusätzlich Salz und Pfeffer abschmecken, einige halbierte Radieschen on top und zusammen mit dem Ziegenweichkäse und den Sbrinzchips sofort servieren.

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30 Antworten to “Wurzelgemüse-Salat aus dem Ofen”

  1. Guido 23. November 2014 um 18:42 #

    Jawoll! Das ist Saison! Tolle Einstellung, tolles Essen!
    Liebe Grüße
    Guido

    • marco 23. November 2014 um 19:58 #

      Danke dir Guido! Freut mich, dass ich dich begeistern konnte!

  2. marliesgierls 23. November 2014 um 18:56 #

    Ich stimme Dir zu Marco, es gibt jetzt auch so leckeres WIntergemüse, da brauche ich keine Exoten, Ofengemüse ist immer toll, bringt den Geschmack richtig gut raus, und man hat wenig Arbeit, auch wichtig. 🙂 lg Marlies

    • marco 23. November 2014 um 20:00 #

      Absolut, da steckt die pure Kraft der Natur drin! Schmeckt mir nämlich mindestens so gut wie die klassischen Sommergemüse! Und wenn man mal nicht stundenlang in der Küche rumhampeln muss, ist das doch auch ganz angenehm 😉

  3. Verena 23. November 2014 um 19:10 #

    Jaaaa, das ist genau mein Ding! Knaller! Bei mir kommt Ofengemüse fast wöchentlich auf den Tisch, aber deine Variante ist natürlich wiedermal high-end. 😀 Tolle Idee, einen Salat daraus zu zaubern, vor allem die Präsentation ist sehr schick! Diese Plätzchen… hmm man hört förmlich, wie die im Mund knuspern. Jetzt musst du mir nur noch erklären, was Baumnussöl ist, wie es schmeckt und wo ich in Deutschland diesen Käse mit dem putzigen Namen her bekomme… 🙂

    Einen schönen Abend und liebste Grüße aus dem Norden…

    • marco 23. November 2014 um 20:03 #

      Haha 😉 Weshalb erstaunt mich das jetzt kein bisschen?! Die Idee zur Präsentation kam ganz spontan und liess sich leichter essen als anfänglich gedacht! Und die Plätzchen: die solltest du probieren, ich könnte die dutzendweise in mich reinschaufeln. Sbrinz ist quasi der Schweizer Parmesan – insofern lässt er sich gut mit selbigem ersetzen, schmeckt genauso! Zum Öl muss ich vorne weg schieben, dass Walnüsse hierzulande als „Baumnüsse“ bezeichnet werden. Daraus wird dann das Öl gepresst und ja, was soll ich sagen, es schmeckt nussig 😉 Das gibt’s bestimmt auch im Norden bei euch 🙂

      • Verena 23. November 2014 um 20:13 #

        Ah, Baumnuss = Walnuss. Da klingelt was bei mir. (Bzw. winkt die Information gerade fröhlich von ganz hinten links aus meinem Siebhirn und lacht mich aus). Parmesan, aye aye Sir! Einen schönene Abend! 🙂

  4. lieberlecker 23. November 2014 um 22:01 #

    Grossartige Idee und sehr schön in Szene gesetzt. Gefällt mir sehr gut 🙂
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

    • marco 24. November 2014 um 07:05 #

      Danke für die netten Worte zum Wochenstart, Andy 😉

  5. evazins 24. November 2014 um 08:44 #

    Da rennst du bei mir offene Türen ein. 🙂
    Schicke Sbrinzsegel und „geflügelte Spargel? Herrlich! 😀
    Liebe Grüße,
    Eva

    • marco 24. November 2014 um 20:02 #

      Herrlich, genau! Mit Sbrinzsegeln durch offene Türen dem Herbst entgegen gleiten 🙂

  6. seasonette2 24. November 2014 um 09:46 #

    Ja, Wurzelgemüse und das auch noch ofengebacken ist genau mein Ding! Rote Bete oder ofengebackene Honigmöhren habe ich schon öfter gemacht, aber dein bunter Salat ist auch eine tolle Idee, die ich gleich nach dem nächsten Markt mal ausprobieren werde.

    Auch deine grundsätzliche Einstellung zum Wintergemüse teile ich voll und ganz. Außerdem können diese Wurzelgebilde ganz schön fotogen sein 😉

    Mein Feeling für Fremdsprachen hat mich ja schon ahnen lassen, dass Baumnussöl wohl Walnussöl ist und das Sbrinz-Rätsel hast du ja schon für Verena gelöst. Da steht dem Nachkochen nix mehr im Weg.

    Danke für das tolle Rezept und eine schöne Woche
    Jana

    • marco 24. November 2014 um 20:04 #

      Hmm, Honigmöhren? Ne spezielle Sorte oder einfach Möhren mit Honig aromatisiert? Stelle mir beides sehr lecker vor 🙂 Und ja, Rote Bete aus dem Ofen ist kaum zu toppen. Es sei denn sie wird in der Salzkruste serviert, das steht für demnächst noch auf der „to blog“-Liste…

      Ich musste übrigens an dich (und an deine stets fantastischen Fotos) denken, als ich die Würzelchen abgelichtet habe. Mit einer etwas gescheiteren Kamera wären die Dinger nämlich noch besser ins rechte Licht gerückt 😉

      • seasonette2 25. November 2014 um 09:58 #

        Die Honigmöhren sind ein einfach Möhren mit Honig aromatisiert. Das werde ich demnächst mal bloggen, denn mit einer speziellen Sorte Honig schmecken sie definitiv am besten …

        Auf deine Rote Bete in Salzkruste bin ich schon gespannt … und auch auf meiner to-blog-Liste steht noch so einiges mit den netten roten Rübchen 😉

  7. Susanne 24. November 2014 um 10:56 #

    Jawoll, recht hast Du. Selbst bei meiner Gemüse-Kiste gibt es immer mehr Ausrutscher in Richtung Tomate und Paprika im Winter. Ich habe nachgefragt, und….genau…“Die Leute wollen das so“…seufz.
    Ich nehme lieber Deinen Salat, denn Wurzelgemüse aus dem Ofen ist einfach toll.

    • marco 24. November 2014 um 20:05 #

      Sogar in der Gemüsekiste? Ja hätte ich ein bisschen Saison-Sensibilität eigentlich schon erwartet. Aber eben: die Leute wollen das so. Ich frag mich nur wer?

  8. Tom 24. November 2014 um 12:46 #

    Geil, Wurzelgemüse triff voll meinen Nerv. Und bei uns auf dem Bauernmarkt gibt es nur das was sowohl Region als auch Jahreszeit hergeben. Wird nach dem nächsten Besuch dort nachgemacht, eine sehr schöne Idee!

    • marco 24. November 2014 um 20:07 #

      Wurzelgemüse liesse sich wohl auch ganz formidabel mit Bier kombinieren, was denkst du? So ein Weltenburger Kloster, wie gerade von dir heute beschrieben 🙂

      • Tom 24. November 2014 um 21:02 #

        Auf jeden Fall, zu kräftigem Wurzelgemüse käme ein Dunkles oder auch zwei genau richtig! *prost*

  9. minzzucker 24. November 2014 um 14:33 #

    Bei Deinem Rezept mach ich ganz große kulinarische Luftsprünge! Ich liebe Herbst-/Wintergemüse aus dem Ofen. Für mich muss immer noch eine ordentliche Ladung Rosenkohl rein. Herrlich!
    Herzliche Grüße,
    Dani

    • marco 24. November 2014 um 20:08 #

      Ja, Rosenkohl hätte sich auch ganz gut gemacht, da gebe ich dir recht! Ich mag den auch so gerne – und das obwohl ich ihn als Kind mehr als nur verachtet habe! Erwachsen werden kann eben auch schön sein 😉

  10. Zitronen und Olivenöl 24. November 2014 um 21:48 #

    Na, das ist ja ein wunderschönes Gericht, da kann ich mich ja fast mit dieser Jahreszeit anfreunden 🙂

    • marco 25. November 2014 um 18:53 #

      Klingt nach einer Sommerliebhaberin?! 😉 der griechische Herbst ist doch bestimmt auch schön, nicht?

      • Zitronen und Olivenöl 25. November 2014 um 21:15 #

        Ganz bestimmt sogar, mein persönlicher Herbst findet jedoch im momentan eher trüben Bayern statt 🙂

  11. Melanie 25. November 2014 um 17:39 #

    Allerhübschest hast du es fotografiert! Was ist denn Baumnussöl? Liebe Grüße Melanie

    • marco 25. November 2014 um 18:54 #

      Merci 🙂 die Baumnussöl-Frage scheint den nördlichen Nachbarn auf der Zunge zu liegen hehe… Baumnuss nennt sich bei die Walnuss 🙂

  12. Anikó 25. November 2014 um 18:12 #

    ach, ihr niedlichen Schweizer! Baumnuss ❤ *ggg*
    Ich mag so Ofen-Gemüse auch total gerne und Wurzelgemüse ist perfekt dafür 🙂 Ess ich auch gerne einfach mit Kräuterquark o.ä. dazu 🙂

    • marco 25. November 2014 um 21:48 #

      Die Nuss stammt schliesslich vom Baum, oder nicht? 😉 *g* Der Name macht doch eigentlich schon Sinn hehe… Und mit Kräuterquark stelle ich mir das auch ganz formidabel vor: schreit nach Wiederholung demnächst 😉

  13. Verena Becker 27. November 2014 um 13:15 #

    Lecker, das fällt eindeutig in die Kategorie einfach und gut, könnte ich jeden Tag essen 🙂

    • marco 27. November 2014 um 17:57 #

      Danke Verena! Ich wurde auch schon zum Wiederholungstäter 🙂

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