Jägerspiess vom Sommer-Rehbock mit Konfi-Butter

18 Aug

Auf der Pirsch nach gutem Geschmack

Wie jetzt? Wild im Sommer?

Genau das habe ich mich anfänglich auch gefragt und nicht schlecht gestaunt, als vor drei Wochen in unserer Dorfzeitung auf die aktuelle Jagdsaison hingewiesen wurde. Zwar gipfelt die Wildjagd jeweils in den Herbstmonaten in ihrem Höhepunkt, tatsächlich musste ich mich aber belehren lassen, dass anscheinend das ganze Jahr über, zwecks Regulierung der Populationen, in hiesigen Wäldern gejagt wird.

Der Ausdruck „hiesige Wälder“ erfährt hier indes eine ganz andere Bedeutung. Wie oft hat man schon Gelegenheit Frischfleisch vom Sommerbock zu ergattern, der erst vor einigen Tagen noch vergnügt im Nachbarswald umhergehüpft ist. An einem Dienstag beim Jäger des Vertrauens abgeholt, zeigt mir die Datierung auf der Etikette, dass mein Bambi am Tag davor erst verpackt wurde und der Schütze selbst weist stolz darauf hin, dass er das Tier erst vor einigen Tagen erlegt hat.

Ich sag euch, mein Kochherz hat Luftsprünge gemacht, als hätte man selbst nach mir geschossen!

Solches Wildbret ist natürlich eine ganz besondere Delikatesse. Es ist fettarm, leicht bekömmlich und natürlich Bio-Qualität, stammt es doch aus natürlicher Umgebung. Ausserdem ist es komplett frei von fiesen Substanzen wie künstlichen Hormonen oder Antibiotika, ist das Reh doch bekanntlich ein Vegetarier und ernährt sich insbesondere im Sommer, wenn alles spriesst und blüht, von gesunden Kräutern und den aromatischen Rinden der Bäume.

Für mich und meinen Teller heisst das: kein Haltungs- oder Schlachtstress, eine sehr hohe Fleischqualität und somit ein Geschmackserlebnis der puren Extraklasse. Wer sich im Sommer lieber von Discounterfleisch und marinierten Tankstellensteaks ernährt, der soll sein einträgliches Beuteschema von mir aus gerne bewahren – so bleibt mehr für mich!

Schliesslich mag ich es ja beim Grillen bekanntlicherweise eher extravagant – insofern: let’s take a walk on the wild side!

Offensichtlich wissen viele Menschen nicht (oder haben vergessen), dass die ersten Rehböcke bereits im Frühsommer geschossen werden. Die Jagd beginnt jeweils im Mai und endet im August und hat in erster Linie das Ziel, die Bestände zu kontrollieren, so dass im Herbst nicht zu viele geile Böcke durchs Gehölz brunften und durch ihre Revierkämpfe um die schönsten Weiblein grosse Waldschäden anrichten.

DSCN9145

DSCN9147

Das Fleisch vom Sommerbock ist viel zarter und schmackhafter und bei Wildkennern besonders beliebt – dazu zähle ich mich seit heute ebenfalls. Dank quasi anhaltendem Dauerregen zeigt sich der Sommer momentan ja eh von seiner wilden Seite, da passt ein solcher Jägerspiess mit frischen Champignons, süssen Zwiebeln und Peperoni aus dem eigenen Garten besonders gut.

Als saisonal passendes Accessoire dazu (treffender geht’s kaum) serviere ich eine süss-schmackhafte Konfi-Butter aus dick eingekochter Kirschenmarmelade (Oma knows best!), aufmontiert mit luftiger Süssrahmbutter.

Konfi-Butter

  • 100 g dick eingekochte Konfitüre
  • 125 g Süssrahmbutter, zimmerwarm
  • 1 Prise Salz

Die Konfi-Butter ist kinderleicht zubereitet und ihr könnt dafür je nach Gusto sämtliche geläufigen (oder weniger geläufigen) Konfitüren verwenden. Ich habe wie erwähnt Konfitüre aus schwarzen Kirschen verwendet, funktioniert aber natürlich mindestens genauso gut mit den Geschmacksrichtungen Aprikose, Erdbeer, Himbeer, Johannisbeer, Blaubeere oder whatever you prefer!

DSCN9154

Die Konfitüre bei mittlerer Hitze dick einkochen lassen. In der Zwischenzeit die zimmerwarme Butter mit dem Handrührgerät schaumig aufschlagen. Anschliessend die etwas abgekühlte Konfitüre mit dem Salz unter die Butter heben, auf eine Klarsichtfolie geben und zu einer engen Rolle einschlagen. So wandert sie direkt ins Tiefkühlfach und ihr habt stets frische, hausgemachte Konfi-Butter auf Vorrat, welche ihr nach Bedarf portionieren könnt.

Für den Jägerspiess verwende ich pro Person 200 g Rehschnitzel, welches ich abwechslungsweise mit roten Peperoni, roter Zwiebel und frischen weissen (oder braunen) Champignons auf Metallspiesse stecke. Gewürzt wird mit aromatischem Steinpilzsalz, das passt wunderbar zum kräftigen Wildaroma ohne dieses zu überdecken.

Auf dem Grill von beiden Seiten 5-6 Minuten grillen, je nach Dicke der Rehschnitzel – innen gerne medium bis medium rare, je nach Gusto.

DSCN9169

DSCN9171

DSCN9166

 

Advertisements

9 Antworten to “Jägerspiess vom Sommer-Rehbock mit Konfi-Butter”

  1. essen & l(i)eben 18. August 2014 um 19:00 #

    zunächst herzlichen Dank, dass Du mir hilfst, mich von der Arbeit abzulenken. 🙂

    Wenigstens sehe ich mir auf diese Weise vernünftige Dinge an. wie dieses wunderbare Stück Fleisch. Ist es eigentlich seltsam, wenn man so ein Stück rohes Fleisch sieht und im Gehirn sofort die Synapsen das Tanzen anfangen? (an dieser Stelle bitte keine Antworten von Vegetarieren/Veganern 😉 )

    Danke auch fürs Bildungslücken-Schließen. Wußte ich tatsächlich auch nicht, dass jetzt schon wieder gejagt wird. Aber klar, mit Deiner Erklärung ist’s logisch!

    und dann noch, weil wir grad dabei sind: Konfi-Butter! *YEAH* und dann noch Kirsche… ach, auf sowas kommst wieder nur Du! das muss ich demnächst mal nachmachen, was es da für Möglichkeiten hat… wenn ich nur alles essen könnt, was ich so gern kochen wollt 😉

    viele liebe Grüße,
    Natalie

    • marco 18. August 2014 um 19:58 #

      So spät noch arbeiten? Und lenke ich dich auch noch ab? 😉 Mi scusi, mi scusi!

      Dass gerade dir die Konfi-Butter schmecken dürfte, das hatte ich eigentlich bereits schon vermutet :p Und wie du treffend schreibst, die Einsatzmöglichkeiten sind pretty much endless, das Zeug hat echt Potential! Und manchmal knallen auch bei mir die Synapsen ordentlich durch, meistens dann, wenn ich gerade gegessen habe oder überhaupt keine Zeit zum kochen habe haha! Allerdings bin ich manchmal ganz froh, dass der Tag keine 48 Stunden hat. Glaub mir, mein Bauchumfang hätte keine Freude daran 😉

      • essen & l(i)eben 18. August 2014 um 20:19 #

        naja, Urlaub will verdient sein. ist aber zum Glück Endspurt… noch 4 Tage… *schon mal den Countdown anschmeiß*

        ich nehme den Kommentar hier nun als letzte Tat am Büro-Computer und mache mich auf heim zu den Sportschuhen, damit auch künftig noch einige von solch tollen Dingen Platz im Bauch finden 😉

        jajaja… ich weiß, was essen angeht bin ich total leicht durchschaubar (bzw. nachlesbar 😉 ) und bei der Freude an den-nicht-gleich-offensichtlichen-Kombis sind wir uns ja auch nicht ganz unähnlich… was so schön ist, auch an der Foodblogger-Welt im Allgemeinen, dass man damit nicht alleine dasteht.

        ich wünsch einen wunderbaren Abend! 🙂

  2. Susanne 18. August 2014 um 20:17 #

    Och, nun bin ich etwas neidisch…so ein Dorfjäger, der hätte in mir auch eine treue Abnehmerin….

    • marco 19. August 2014 um 14:05 #

      Ja, das glaube ich dir gerne! Ich könnte auch bald mal einen Sammelpass beantragen 😉

  3. lieberlecker 19. August 2014 um 13:03 #

    Ist natürlich toll, nicht nur einen Metzger, sondern auch gleich noch einen Jäger des Vertrauens zu haben … 😉 *neidneid*
    Sommerbock ist toll, wenn man Beziehungen hat, ansonsten freut man sich halt auf den „wilden Herbst“.
    Liebe Grüsse aus Zürich,
    Andy

    • marco 19. August 2014 um 14:08 #

      Ja, solche Beziehungen sollen gepflegt sein! Mein Verhältnis ist allerdings noch nicht soo gut, dass ich die Rehleber (nach der ich mich neugierig erkundet hatte) bekommen würde 😉 Da muss man schon gut Freund sein!

  4. Houdini 20. August 2014 um 04:08 #

    Schöne Spiesse, gut gemacht.
    Zur Rehleber: Im Zaun neben unserem Haus, noch in der Schweiz, verfing sich ein Reh. Ich dachte zuerst an die Kaninchen, die ich als Bub selber geschlachtet hatte, und schaute die scharfen Messer an, aber dann befürchtete ich, Passanten hätten es vielleicht bereits gemeldet. OK, der Wildhüter kam und statt das Reh zu befreien, gab er ihm den Gnadenschuss. Am Abend brachte er die Leber, die gehöre dem Jäger, und der sei ja eigentlich ich gewesen. Sie war wunderbar, die Leber.

    • marco 20. August 2014 um 10:05 #

      Was für eine schöne Anekdote!, deine Geschichte mit der Rehleber. Glücklich, wenn man in den Genuss einer solch seltenen Leckerei kommt! Ich hatte leider erst einmal das Vergnügen. Stattdessen aber habe ich gestern vom Bio-Bauer im Nachbarsdorf Rindsleber bekommen, ein durchaus würdiger Ersatz 🙂

dein Senf dazu...

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: