Kentucky Fried Bunny

4 Mrz

Food for the Gods

Essen wie bei Gott zuhause. So ungefähr hat sich das hier angefühlt. Dampfende Kaninchenschlegel. Aussen knusprig und kross. Innen butterweich und zart. Kulinarischer Kniefall. Unbedingt ausprobieren!

Dem Nager auf den Pelz gerückt sind mein fleissiges Helferlein Pädde und ich am letzten Wochenende. Zwei Kumpels frittieren gemeinsam Kaninchen und philosophieren darüber, worüber Männer beim Kaninchen frittieren halt so philosophieren. Gross!

Eigentlich grenzt es zwar an ein Wunder, dass ich Chüngel (wie wir hierzulande sagen) heute so mag. Rückblickend musste ich diesbezüglich in meiner Kindheit nämlich die eine oder andere barbarische Enttäuschung hinnehmen. In einem Bauernhaus aufgewachsen, hielt mein Opa regelmässig eine Hand voll Kaninchen in grosszügigen Ställen mit Auslauf ins Grüne. Die kleinen Klopfer hatten ein ausgeprägtes Sexualleben und haben es sprichwörtlich wie die Karnickel miteinander getrieben. So durften wir uns in regelmässigen Abständen über einen neuen Wurf und Nachwuchs im Kaninchenstall freuen.

Ich bin ja der Meinung, dass junge Kaninchen mit ihrem plüschigen Fell (die sind soo flauschig, ich werd waaahnsinnig!) jedem noch so abgebrühten Kerl vor Berührtheit die Tränen in die Augen drücken. Dafür war ich als kleiner Knirps natürlich besonders anfällig. Wochenlang habe ich die kleinen Nager voller Hingabe gepflegt, mit Möhrchen und Küchenabfällen gefüttert und ausgiebig mit Knuddeleinlagen versort. Bis es eines Tages hiess: „Tschüss, liebes Kaninchen!“

Der euphorische, morgendliche Besuch bei meinen Lieblingen wurde in Folge durch den überaschten, tristen Blick in die leeren Ställe getrübt. Und ich wusste stets sofort, dass mein Opa den Hasis, die ich erst gestern noch gestreichelt hatte, das Fell über die Ohren gezogen hat und sie vermutlich bereits schon in Omas Töpfen genüsslich vor sich hinschmoren.

Irgendwie ziemlich krass. Aber immerhin habe ich schon damals gelernt, dass unser Essen nicht aus der Tiefkühltruhe kommt.

Das Schöne an dem Rezept: hier ist absolutes Freestyle-Cooking gefragt. Deswegen schreibe ich euch auch keinerlei Rezeptangaben vor. Jeder macht, wie er für richtig hält, verwendet ein bisschen mehr davon und ein bisschen weniger hiervon. Erlaubt ist, was schmeckt!

Für zwei hungrige Mäuler bestellt ihr euch beim Metzger des Vertrauen ein halbes Kaninchen (ca. 600 g), idealerweise bereits zerteilt, küchenfertig vorbereitet und in meinem Fall mit Schweizer Pass augestattet. Dem Tierwohl zuliebe, denn auf solches Fleisch kann ich gut und gerne verzichten. Zum Glück war ich nie in der Armee 😉

Die Kaninchenstücke gebt ihr nun in einen tiefen Topf, schmeisst eine komplette, in der Mitte halbierte Knoblauchknolle dazu, einige Zweige Thymian und Rosmarin sowie grosszügig Salz und grob zerstossene Pfefferkörner. Halbe-halbe mit einem trockenen Weisswein sowie Bouillon knapp bedeckt aufgiessen und während 2 Stunden bei niedriger Temperatur zugedeckt schmoren lassen.

Ab in den Schmortopf

Auf diese Weise wird unser Bunny butterzart. Das Fleisch löst sich langsam vom Knochen, ist weich, saftig und hocharomatisch. Ein Hochgenuss, den man gleich so (mit etwas Polenta zum Beispiel) wegputzen könnte. Wir legen aber noch eins drauf!

Dafür hebt ihr die Kaninchenstücke aus dem Sud und lasst sie kurz abtropfen. Sie werden noch warm durchs Mehl, danach verquirltes Ei und zum Schluss durch eine Mischung aus Paniermehl (homemade!), geriebenem Parmesan und gezupften Thymianblättchen gezogen.

Immer schön panieren

In heissem Öl knusprig und goldbraun ausbacken, auf Küchenkrepp abtropfen lassen und zusammen mit einigen Zitronenschnitzen serviert. Food for the Gods – aber echt jetzt!

Deep fry 'em

Fast schon fertig

Wer mag serviert dazu hausgemachte Mayo – muss aber nichts sein! Es schmeckt auch so vorzüglich! Ansonsten passt dazu -das Feigenblatt der gesunden Ernährung- ein grüner Salat ganz formidabel.

Kentucky Fried Rabbit

KentuckyFriedBunny

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10 Antworten to “Kentucky Fried Bunny”

  1. kuechenreise 4. März 2014 um 22:02 #

    Schaut ganz schön lecker aus! Und home-made Paniermehl – das lob ich mir 🙂 Lichtjahre besser als die meisten Fertigprodukte!

    • marco 5. März 2014 um 15:53 #

      Ich habe auch lange gebraucht, bis ich kapiert habe, dass Paniermehl homemade einfach besser schmeckt! Heute kaufe ich hin und wieder sogar Brot und lasse es bewusst hart werden, nur um im Anschluss Brösmeli daraus zu machen 😉

  2. Houdini 5. März 2014 um 03:06 #

    Höre ich Kaninchen, so läuft mir das Wasser im Munde zusammen, sehe ich sie in der Auslage, griffe ich sofort zu, wäre da nicht Meow, die einmal ein Kaninchen aus dem Einkaufswagen wieder zurücklegte und KNIF sagte. Bis anhin ass ich es immer ähnlich wie nach Phase 1 Deines Rezepts, und ich werde wohl nie mehr welches essen.
    Ich hatte Chuengel als Bub, ohne Gefuehle, ausser Freude am am neuen Wurf und Vorfreude auf den Verzehr, selber geschlachtet als ich groesser war, sorry.

    • marco 5. März 2014 um 15:57 #

      Was bedeutet denn KNIF, Erich?

      Ich finde, es spricht gar nichts dagegen, dass man Chüngel selber schlachten tut. Im Gegenteil. Ich habe mal mitgeholfen ein Schwein zu schlachten und es hat mich nur sensibilisiert, auf tiergerechten, nicht all zu übermässigen Fleischkonsum zu achten.

      Klar, nicht jeder der Fleisch ist, muss selber mal ein Tier geschlachtet haben, aber für viele ist dies heute leider etwas Aussergewöhnliches. Aber Batteriehühner aus erbärmlichsten Verhältnissen essen ist dann normal…

  3. Susanne 5. März 2014 um 07:42 #

    Meine Tante hatte Kaninchen. Komischerweise hat mir als Kind nie gedämmert, das die Felltierchen zum Verzehr bestimmt waren. Ich vermute, sie hat uns nichts abgegeben….

    • marco 5. März 2014 um 15:58 #

      Nun, mir war das lange auch nicht bewusst. Aber irgendwann hat sich die Prozedur wiederholt und ich habe die Zeit mit den kleinen dafür umso mehr genossen. Und: meine Oma hat immer geteilt 😉

  4. LisaCuisine 5. März 2014 um 09:50 #

    Ich esse Kaninchen auch total gerne. Ich möchte es nur vorher bitte nicht gekannt haben 😉 Frittiertes ist ja sowieso furchtbar lecker, egal ob süß oder herzhaft.
    Sieht jedenfalls super aus..

    LG
    LisaCuisine

    • marco 5. März 2014 um 16:00 #

      Frittiert schmecken mir sogar Sachen, die mir normalerweise nicht schmecken 😉

      Und glaub mir, wenn du das Kaninchen vorher gekannt hast, dann schmeckt es gleich noch um Längen besser 🙂 vermutlich reine Kopfsache…

  5. Zitronen und Olivenöl 9. März 2014 um 21:30 #

    das klingt mal wieder besonders lecker. Frittiert habe ich Kaninchen noch nie gegessen kann es mir aber gut vorstellen (vor allem mit dieser Panade). Bei uns gab es oft einen wunderbaren griechischen Eintopf mit Kaninchen. Mir ging es früher übrigens genauso. Ich habe in den Sommerurlauben Kaninchen, Hühner und Ziegen schön dick gefüttert, um dann entsetzt festzustellen, dass Sie für uns geschlachtet wurden. Meine Oma musste häufig den Kopf über die verweichlichten Enkel aus Deutschland schütteln.

    • marco 10. März 2014 um 21:35 #

      Wenn du Kaninchen magst, dann solltest du die frittierte Variante unbedingt mal ausprobieren! Ich weiss nicht, ob das nur mir so geht, aber was in Fett ausgebacken wurde, schmeckt mir (manchmal bedaure ich das auch!) irgendwie immer besonders lecker 😉

      Zu Beginn war das Schlachten für mich auch jeweils ein ziemlicher Schock. Mit der Zeit habe ich mich damit abgefunden… rückblickend haben diese Erfahrungen allerdings durchaus positiv geprägt!

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