Udon-Nudeln mit karamellisiertem Tofu

13 Feb

Die Tofuphobie

In unseren Breitengraden fristet der arme Tofu ja leider ein trauriges Schattendasein als Mauerblümchen. Zu Unrecht wie ich finde. Zwar muss ich zugeben, dass auch ich meine Anlaufschwierigkeiten damit hatte, mittlerweile aber zum grossen Liebhaber bekehrt bin. Ein Plädoyer für den Sojaquark.

Gegenüber Tofu ranken sich zahlreiche Vorurteile: er sei fade, schlabberig und langweilig. In China und Japan gehört Tofu aber seit Jahrhunderten zur Nationalküche. Und zwei ganze Völker können wohl kaum unter derart heftiger Geschmacksverirrung leiden, oder nicht?

Zugegeben: mit Geschmack hat Tofu nicht viel zu tun. Er flutscht weich über die Zunge und hinterlässt im Gedächtnis kaum Spuren. Der vermeintliche Nachteil der Geschmackslosigkeit stellt sich bei Tofu allerdings als Vorteil heraus. Mariniert und mit einer scharfen Sauce angereichert, entwickelt er sich zum wahren Tausendsassa und überzeugt noch so manchen Fleischtiger positiv.

Wenn jemand keinen Tofu mag, liegt es nämlich in den allermeisten Fällen bloss daran, dass er einfach furchtbar zubereitet wurde. Das ist in etwa so als würde jemand sagen „Ich mag kein Mehl. Ich habe einen Löffel voll probiert und es hat scheusslich geschmeckt!“ und einem dann nicht glauben, dass Brot durchaus lecker schmecken kann. Aber bei Tofu, da ist das Problem oft eindeutig. Ich bin Fleischesser und ich möchte ihn nicht mögen. Punkt.

Dabei gilt in asiatischen Länder der Tofu keineswegs als Fleischersatz, sondern wird sogar oft zusammen mit Fleisch in Gerichten kombiniert. In der vegetarischen Küche ersetzt er hierzulande allerdings oft das Fleisch als Eiweisslieferanten. Schön und recht. Aber auf Pseudo-Fleisch wie Tofu-Würste und so Plunder kann ich trotzdem dankend verzichten.

Es gibt ja Vegetarier, die meinen: „Irgendwann kriege ich Lust auf Fleisch und dann esse ich Tofu-Nuggets, die schmecken wie die echten Nuggets!“
Fast schon heuchlerisch etwas zu essen, dass zwar aussehen und schmecken muss wie Fleisch, aber kein Fleisch sein darf. Oder nicht? Dann lieber gleich so…

Udon-Nudeln mit karamellisiertem Tofu

Für 2 Personen

  • 300 g Udon-Nudeln
  • 2 kleine Pak Choi
  • 2 kleine Stangen Frühlingszwiebeln
  • 25 g brauner Zucker
  • 150 ml Wasser
  • 1 EL dunkle Sojasauce
  • 1 EL süsse Chilisauce
  • 1 cm Ingwer, gerieben
  • 1 Limette, Saft und Schale
  • 2 Knoblauchzehen, fein gehackt
  • 200 g Tofu
  • 1 EL Szechuanpfeffer
  • 4 EL Sesamöl

Den Pak Choi rüsten, die Blätter ablösen und in kochendem Salzwasser kurz blanchieren. Anschliessend in Eiswasser abschrecken und gut abtropfen lassen.

Die Frühlingszwiebeln werden geputzt, in 5 cm lange Stücke geschnitten und in kochendem Salzwasser ebenfalls kurz blanchiert. Anschliessend in Eiswasser abschrecken und gut abtropfen lassen.

Zwischenzeitlich bereitet ihr die Marinade für den Tofu zu. Damit steht und fällt die ganze Geschichte. Dazu den Zucker in einer Pfanne karamellisieren lassen und anschliessend das Wasser zugiessen und aufkochen. 5 Minuten köcheln lassen, dann Soja- und Chilisauce unterrühren und weitere 5 Minuten bei mittlerer Hitze köcheln lassen.

Vom Herd nehmen, den Ingwer, Limettensaft und -schale und Knoblauch darunterrühren und kurz abkühlen lassen. Den Tofu in Würfel schneiden und mindestens 2 Stunden lang in der Marinade marinieren.

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In einer Bratpfanne oder Wok 2 EL des Sesamöls erhitzen und darin die Udon-Nudeln während 5-10 Minuten bei mittlerer Hitze anbraten. Nun den abgetropften Pak Choi sowie die Frühlingszwiebeln unterheben und ein paar weitere Minuten rührbraten.

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Die Nudeln und das Gemüse aus der Pfanne nehmen und in eine Schüssel geben. Nun schnell die zweite Hälfte des Sesamöls in die Pfanne geben und die marinierten Tofuwürfel zusammen mit dem Szechuanpfeffer von allen Seiten goldbraun anbraten.

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Zum Schluss die Nudeln und das Gemüse wieder in die Pfanne geben, mit der restlichen Marinade ablöschen und nur noch warm werden lassen. Je nach Lust, Laune und Gusto mit frischen Ingwerstreifen, Koriander, zusätzlichem Szechuanpfeffer, Chili oder Thai-Basilikum garnieren. Yummy!

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18 Antworten to “Udon-Nudeln mit karamellisiertem Tofu”

  1. Memse 13. Februar 2014 um 20:26 #

    Was ist den Pak Choi und wo kann man die Udon Nudeln kaufen? Ist das ähnlich wie chinesische Nudeln? Im übrigen sieht das Ganze super lecker aus.

    • marco 13. Februar 2014 um 20:42 #

      Pak Choi ist ein naher Verwandter des Chinakohls. Schaut ganz ähnlich aus wie der hier bekannte Krautstiel und lässt sich auch geschmacklich vergleichen. Eines meiner Lieblings-China-Gemüse 😉

      Und Udon solltest du unbedingt mal probieren. Sind dicke Weizennudeln aus der Küche Japans. Eigentlich relativ geschmacksneutral, aber umso besser lassens sie sich mit würzigen Saucen kombinieren und aus dem Teller schlürfen 🙂

  2. boulancheriechen 13. Februar 2014 um 20:28 #

    Ich muss gestehen, dass bei mir Tofu meist gewürfelt in asiatischen Gemüsesuppen landet, so schön karamellisiert knusprig gebraten habe ich ihn noch nicht. Nun werde ich mir mal die mindestens 2 h Zeit zum Einlegen nehmen…
    Liebe Grüße
    Cheriechen

    • marco 13. Februar 2014 um 20:43 #

      Tofu mag ich auch in Suppen, dann gerne auch Räuchertofu, der hat nochmals etwas mehr Pepp! Und falls dir keine zwei Stunden bleiben: es tut’s wohl auch mit einer Stunde marinieren 😉

  3. Tring 13. Februar 2014 um 21:27 #

    Sehr yummi! Tofu konnte ich früher auch nie leiden (weil er – wie du schon geschrieben hast – hier oft furchtbar zubereitet wird), aber seid ich in China war liebe ich ihn in Gerichten wie Mapo Doufu oder auch in einem guten Hot Pot sehr. Eine kräftige Marinade wie bei dir und dann schön knackiges Gemüse dazu – was will man mehr 😉

    • marco 13. Februar 2014 um 21:58 #

      Ich sehe das genauso, die Marinade kickt den Tofu erst auf ein richtig hohes Level! Und wenn wir gerade von Hot Pot sprechen – den gab’s bei mir am letzten Wochenende. So richtig mit zweigeteiltem Topf und zwei verschiedenen Brühen 🙂 Hätte dir wohl auch geschmeckt 😉

  4. Houdini 14. Februar 2014 um 05:28 #

    Udon in der Suppe mag ich, sonst lieber andere. Nun zum Tofu: Du schreibst schlabbrig, ja, den gibt es auch, wirklich weich und schneeweiss, ist gut in Suppen, zB Miso, aber auch Thai-Suppen, und für mein Lieblingsgericht für den weichen Tofu, Ma Bo (Mutter Boh) Tofu, chinesisch mit Hackfleisch und Chili-Bean-Paste, versuch es mal, super zu Reis. Ich mag den festen wie von der Migros zum Braten, gibt es ähnlich auch hier.

    ich war mal für 5 Jahre Vegetarier, da assen wir auch Soja-Hackfleischersatz und Soja-Geschnetzeltes, braun wie Fleisch, gekauft getrocknet, aber wir waren noch jung, um 30, entschuldige bitte.

    Hier gibt es auch sog. Egg Tofu, gelblich, gemacht aus Eiern, Wasser und Milch, sowas wie Eierstich, crazy, es Tofu zu nennen, ist nichts pflanzliches drin.

    • marco 14. Februar 2014 um 07:22 #

      Wow, danke für die ausführlichen Erläuterungen. Bei dir kann man sich punkto asiatischer Kochkunst stets ’ne dicke Scheibe abschneiden. Wenn du von weichem Tofu sprichst, dann ist das wohl der hier unter Seidentofu erhältliche, nicht?

      Jedenfalls werde ich mir die Variante mit Hack und Chili-Bean-Paste merken (ist beides gerade vorrätig da)! Das würde ich jetzt ehrlich gesagt gleich zum Frühstück wegputzen haha. Und ich bin definitiv kein Frühstücker 😉

  5. evazins 14. Februar 2014 um 09:55 #

    Dein Vergleich mit dem Mehl – herrlich! 😉
    Ich mochte ihn schon immer, habe gerade eine weitere gute Eigenschaft von ihm entdeckt, wenn man ihn gut ausdrückt und fein zerbröselt, saugt er sich in Füllungen für Teigtaschen mit allen umgebenden Aromen voll und bindet die überschüssige Feuchtigkeit.
    Und Udon? Ja, die liebe ich sehr, allerdings geht es mir wie Erich, lieber in einer herrlichen Misobrühe, habe in einem kleinen Lokal in Tokushima welche gegessen, selbst gemacht, unvergesslich!
    Liebe Grüße,
    Eva

    • marco 17. Februar 2014 um 22:03 #

      Udon kenne ich normalerweise nur aus Suppen – das war ehrlich gesagt eine Premiere, hat mir aber ganz ordentlich geschmeckt 🙂

      Aber deine Variante den Tofu zu zerbröseln gefällt mir genauso gut! Liegt eigentlich auf der Hand, dass er sich so noch besser mit all den feinen Aromen vollsaugen kann 🙂

  6. Susanne 14. Februar 2014 um 09:56 #

    Eine Portion für mich bitte 🙂 !
    Und danke für den Vergleich mit dem Löffel Mehl – der hat getroffen 🙂

    • marco 17. Februar 2014 um 22:01 #

      Der passt schon ganz gut… und erinnert mich wieder einmal mehr daran, dass ich doch endlich mal Brot backen sollte 😉

  7. LisaCuisine 17. Februar 2014 um 09:33 #

    Ja, da hast Du den Nagel auf den Kopf getroffen. Habe auch nie verstanden warum Vegetarier etwas essen wollen, was wie Fleisch aussehen muss, aber keins ist ? Ich habe das mal einen Vegetetarier gefragt und wurde promt mit Nichtachtung gestraft 😉 Irgendwie wusste er wohl keine so richtige Antwort darauf..

    Ehrlicherweise bin auch ich kein Fan von Tofu. Wenn er aber so lecker wir hier zubereitet wird, dann würde ich mir das sicher nochmal überlegen 😉

    LG LisaCuisine

    • marco 17. Februar 2014 um 22:07 #

      Dann hast du wohl ganz ähnliche Erfahrungen wie ich gemacht… teilweise haben die Leute komische Ansichten! Das sind wie diejenigen, die beim Konsum von Schweinefleisch dankend ablehnen. Wenn aber der luftgetrocknete Rohschinken auf dem Tisch landet, sind sie die ersten, die gierig zugreifen…

      Und dem lieben Tofu solltest du definitiv nochmals eine Chance geben! Das hat er verdient 😉

  8. essen l(i)eben 17. Februar 2014 um 11:34 #

    ich wollte sofort in die Küche rennen und einen Löffel Mehl probieren 😉 – das hat mich sofort an Kindertage erinnert und das schöne Mehlstechen, baaah – hab ich das nicht gemocht. Aber auch Tofu früher nicht, trotz vegetarischer Vergangenheit. und Vleisch (wie die Vegetarier/Veganer oft ihren Fleischersatz nennen) macht mich von Natur aus skeptisch.

    allerdings hast Du soooo Recht: es liegt a) an der Qualität und b) an der Zubereitung. meiner Erfahrung nach trifft das auf die meisten Lebensmittel zu, die nicht gemocht werden.

    Deine Zubereitung hier hört sich klasse an. schön scharf, dazu der Karamell. und Udon-Nudeln – die ich super gerne mag, weil sie so schön dick und rund sind… *yummie*

    • marco 17. Februar 2014 um 22:10 #

      …und sich so schön schmatzend aufschlürfen lassen 🙂 Dafür liebe ich die Udon am meisten. Denn wirklich die Geschmackssynapsen zum knallen bringen die ja auch nicht! Aber umso wichtiger, ist die Qualität der Sauce! Und ja, mit süss-scharf verführt man mich immer 🙂

      Aber sag mal, was ist denn Mehlstechen? Noch nie gehört!

      • essen l(i)eben 17. Februar 2014 um 22:16 #

        anders wollen/sollen die niemals gegessen werden. 🙂

        Mehlstechen? omg… eines dieser typischen Spiele für Kindergeburtstage: so wie Schokoladen-Wettessen oder nach Äpfeln tauchen. Beim Mehlstechen wird ein Bonbon in einem Haufen Mehl versteckt. Jedes Kind bekommt einen Löffel, mit dem es was vom Mehl absticht. Wer als erster das Bonbon berührt, darf es haben. Nachdem er es mit dem Mund ohne Zunahme von Händen aus dem Mehlhaufen befreit hat…

        So gewöhnt man Kindern in Ostwestfalen die Süßigkeiten ab 😉

      • marco 17. Februar 2014 um 22:26 #

        Haha, das hört sich sauglatt an 😉 Wäre mal ein klasse Spiel für den nächsten Jungs-Abend 😉

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