Gruyère-Wein-Süppchen

4 Feb

Schweizerisches Erfolgsrezept

Gestern, Montagabend, der Klassiker: in der Küche ein schönes Süppchen ziehen. Dazwischen meditatives Staubsaugen und eine erste Trommel Schmutzwäsche anschmeissen. Anschliessend Füsse hoch und andächtig das genüssliche Süppchen schlürfen. Nebenbei gedankenversunken durch die am Vortag nicht gelesene Sonntagszeitung blättern und sich Löffelchen um Löffelchen schlürfend über das Weltgeschehen informieren.

Die Stilrichtung meiner Montagssuppe hängt meist davon ab, was der Kühlschrank gerade hergibt. Schliesslich kann man mit etwas Geschick und Kreativität beinahe alles in eine Suppe verwandeln. Das Gruyère-Wein-Süppchen habe ich mir bei einer betagten Dame abgeschaut, welche hierzulande so ziemlich jeder kennt, der schon mal einen Kochlöffel in der Hand hatte: Betty Bossi.

Frölein Bossi hat eine beeindruckende Karriere hinter sich und ich wage kühn zu behaupten, dass es keinen Schweizer Haushalt gibt, in dem nicht mindestens ein Betti-Bossi-Kochbuch in irgendeinem Regal oder einer Schublade zu finden ist. Trotz ihrer Biederkeit – oder gerade deswegen! Die gute Dame trägt viele Namen: Köchin der Nation, Mutter Helvetia der Kochtöpfe, Miss Schweiz der Pfannen und Löffel. Der Begriff steht hierzulande für die wohl erfolgreichste Marketingkampagne ever! Denn eine Frau namens Betty Bossi hat es niemals gegeben.

Mitte der 1950er-Jahre tauchte der Name zum ersten Mal auf. Eine Kunstfigur. Der damals zeitgemässe Prototyp der modernen Hausfrau, die stets eine Antwort darauf hatte, was heute gekocht werden soll. Die erste «Betty Bossi Post» erschien am 1. April 1956 in Deutsch und Französisch und präsentierte sich als beidseitig bedruckte Zeitungsseite, die allerlei Koch- und Haushaltstipps für Desperate Housewives enthielt. Bald darauf wurde die Zeitung umfangreicher und nahm es sich zum Ziel zunehmends das komplette Lebensspektrum der modernen Hausfrau abzudecken. Mit einem Briefkasten für Fragen und Antworten zu Küche und Haushalt, Mundartgeschichten, Strickanleitungen und Kreuzworträtseln. Der Siegeszug war nicht mehr aufzuhalten.

Bis heute sind über 100 Betti-Bossi-Bücher erschienen, welche sich in den über 40 Jahren ihres Bestehens satte 32 Millionen mal verkauft haben. Allesamt aneinander gereiht, könnte man darauf anscheinend von Zürich bis nach New York gehen. Chapeau! Kritiker rümpfen zwar oft die Nase über «Betty Bünzlig» und bezeichnen die Rezepte der netten Dame als uninspiriert und keine Trendpunkte mehr setzend.

So oder so. Fest steht, dass das Phänomen Betty Bossi so manchem Küchenmuffel erst das Aha-Erlebnis in den Mund gezaubert hat und sie sich deswegen überhaupt hinter den Herd getraut haben. Und obwohl sie stets im Dienst der Industrie stand, schaffte sie es durch meisterliche Bewirtschaftung des Brands zu einem Stück Schweizer Kulinarik- und somit Kulturgeschichte.

Gruyère-Wein-Süppchen

Hauptspeise für 4 Personen

  • 1 EL Butter
  • 30 g getrocknete Tomaten, in Streifen
  • 1 Schalotte, gehackt
  • 100 g Lauch, in feinen Streifen
  • 3 dl Weisswein
  • 7 dl Gemüsebouillon
  • 2 TL Maizena
  • 1 ½ dl Rahm
  • 150 g geriebener Gruyère, höhlengereift
  • 1 getrocknete Tomate, in Streifen
  • Salz, Pfeffer, Muskatnuss

Die Butter warm werden lassen und darin Schalotten, Tomaten und drei Viertel des Lauchs während ca. 3 Minuten andämpfen.

Mjam

Anschliessend den Wein und die Bouillonn dazugiessen und alles aufkochen. Zugedeckt bei kleiner Hitze 10 Minuten köcheln.

Nun das Maizena mit dem Rahm verrühren und unter ständigem Rühren mit dem Schwingbesen zu dem Sud geben. Danach erneut aufkochen. Den geriebenen Käse beigeben und unter Rühren in der heissen Flüssigkeit schmelzen lassen, aber nicht mehr kochen.

Die Suppe mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss würzen und zum Schluss den restlichen Lauch und die Tomatenstreifen darüber streuen.

Gruyere-Wein-Süppchen

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25 Antworten to “Gruyère-Wein-Süppchen”

  1. Irene 4. Februar 2014 um 19:58 #

    Mit Gelinggarantie! Ich bin damit aufgewachsen, lernte damit kochen und besitze wohl fast alle. Wandmalerei Margarine war ist heute Butter, auch Betty lernt und kann Finessen. Mag bieder sein und weniger Kult als Ottolenghi ( wobei ich gerade da parallelen finde 😉 ) egal ich bin bieder und bünzlig Schweizerin ( mit Aromat ;-)) schaue gerne über den BB buchdeckel und greife genau so oft darauf zurück! Die Suppe passt mir 🙂 !
    Liebs Grüessli
    Irene

    • marco 4. Februar 2014 um 20:59 #

      Die Margarine mittels ausgeklügelten Rezepten unter die Leute zu bringen, war ja anscheinend damals der Ur-Auftrag der Betty Bossi Zeitschrift. Aber da hatte sie es wohl schwer beim Schweizer Volk. Ich bin auch eher ein Butter-Kind 😉

      Die Parallelen zu Ottolenghi erkenne ich vor allem auch in der Simplizität der Rezepte, beschränkt auf vier, fünf Zutaten, die erstaunlich miteinander harmonieren. Nur bei einem sind wir uns nicht einig: Aromat! Geht gaaar nicht 😉 !

  2. Keller Rudolf 4. Februar 2014 um 20:10 #

    Wie recht Du hast was Betty Bossy betrifft. Ein Idiot, der BB zu einer 08/15 Broschüre macht. Und wie immer bewundere ich Deinen Schreibstil. Den lernst Du sicher nicht in den Sonntagszeitungen, weil mittlerweile selbst eine NZZ sich disqulifiziert hat. Schade, dass es als lesenswerte Zeitungen nur noch die Weltwoche und eine Basler Zeitung gibt.

    Liebe Grüsse Ruedi

    • marco 4. Februar 2014 um 21:14 #

      Eigentlich faszinierend, wie dieses Erfolgsphänomen sämtliche Generation geprägt hat und es noch immer tut! Genaus beeindruckt mich aber (und die Dame gab es im Gegenzug wirklich) Elisabeth Fülscher, welche meiner Meinung nach erst den Grundstein für die Erfolgsstory von Betty gelegt hat…

      Tatsächlich lese ich einzig und allein die Sonntagszeitung und diese oftmals, wie erwähnt erst am Montag 😉

      Bei den Zeitungen zeigen sich dann aber mal wieder die differenzierten politischen Ansichten von uns beiden. Die Weltwoche schreibt zwar gut, sehr sogar, übertreibt meiner Meinung nach allerdings masslos und proklamiert in erster Linie, was der Sache nutzt und nicht was Sache ist… Ach herrje Ruedi, wir müssen endlich unsere „Chochete“ planen! Soo viel zu bequatschen 😉

  3. mangoseele 4. Februar 2014 um 20:49 #

    Ich bin ja eher ein Suppenkasper, aber von deinem Süppchen würde ich mir auch gerne ein Schüsselchen abfüllen!

    • marco 4. Februar 2014 um 21:16 #

      In den Wintermonaten schätze ich die wohlige Wärme eines dampfenden Schüsselchen Suppe durchaus! Bloss Kaltschalen, da mache ich mir nichts draus…

  4. Houdini 5. Februar 2014 um 01:58 #

    Ein gutes Süppchen ist immer gut für mich. Hier kocht Meow oft eine gut gefüllte Suppe, die hier meist Gaeng (Cury) heissen. Eine Suppe kann eine volle Mahlzeit sein, Gerstensuppe, etc. In meiner Kindheit gab es einmal im Jahr einen Suppentag, die Kosteneinsparung abzugeben an eine Sammlung der Kirche, oder sowas. BB Rezepte funktionierten immer, das war der Tenor, konnten nicht misslingen.

    • marco 5. Februar 2014 um 19:20 #

      Eine schöne Idee, das mit dem Suppentag! Und am liebsten mag ich die Suppe auch als Hauptmahlzeit. Dann darf sie ruhig auch gut gefüllt sein und ordentlich Einlage haben! Vielleicht koche ich auch bald mal eine asiatische Suppe 🙂

  5. boulancheriechen 5. Februar 2014 um 08:30 #

    Ah, es war wieder Montag – Suppentag und meditatives Staubsaugen :)!!!
    Ich wäre zu gerne mal montags bei Marco…
    Eine wunderbare Suppe hast du da gekocht!
    Liebe Grüße
    Cheriechen

    • marco 5. Februar 2014 um 19:20 #

      Der Suppe oder des Staubsaugen wegens? 😉

      • boulancheriechen 5. Februar 2014 um 19:27 #

        Die Suppe sieht auf alle Fälle erstklassig aus, bleibt die Frage offfen, wie du den Staubsauger führst…?
        Warum sehe ich gerade Freddie Mercury vor mir „I want to break free…!“ 😉

  6. evazins 5. Februar 2014 um 10:01 #

    Frau Bossi ist mir ein Begriff und ich bin Nicht-Schweizerin. 😉 Dein Süppchen klingt verlockend (und auch ich bin Suppenkaspar). Danke für’s Ausgraben.
    Liebe Grüße,
    Eva

    • marco 5. Februar 2014 um 19:21 #

      Ha! Sogar über die Landesgrenzen hinaus kennt man Küchenikone Betty 😉 Schön, wenn man sogar einen Suppenkaspar damit entzücken konnte! Schönen Abend dir noch!

  7. Susanne 5. Februar 2014 um 12:44 #

    Auch ich kenne Betti Bossi, zumindest, seit ih Schweizer Foodblogs lese. Aber so schön wie Du hat die Geschichte noch keiner erzählt.
    Und die Suppe…nächsten Montag komme ich vorbei 🙂

    • marco 5. Februar 2014 um 19:22 #

      Dann musst du aber staubsaugen helfen, liebe Susanne 😉

  8. Sarah 5. Februar 2014 um 16:28 #

    Ich bin mit dem Suppenvirus infiziert, ganz frisch, ziemlich hoch fiebern. So liess mir schon der Übertitel das Wasser im Mund zusammenlaufen. Spannend dein Exkurs zu Betty Bossi, eine gute Freundin von mir ist sie allemal und immer wieder. Nichts geht über den guten alten Betty Bossi Zitronen Cake und wenn mal Ratlosigkeit ansteht (z.B. wenn man vergisst wie genau pochieren schon wieder funktioniert) hilft das grosse Betty Bossi Kochbuch weiter, noch besser als der Tiptopf 😉
    Sarah

    • marco 5. Februar 2014 um 19:23 #

      Suppenvirus 🙂 Kenn ich von irgendwo her… was ist denn deine Lieblingssuppe?

      Und stimmt ja, den guten alten Tiptopf gibt es ja auch noch. Ein geschichtsträchtiges Relikt und wohlwollende Erinnerung an amüsante Kochstunden in der BEMU, nicht? :p Und auf den Zitronencake warte ich dann gespannt auf deinem Blog 😉

  9. Frau Bunt 6. Februar 2014 um 20:14 #

    Hallöchen,

    was für eine interessante Story. Trotz Schweizer Wurzeln kannte ich diese Bücher noch gar nicht. Ich sags ja immer Bloggen bildet.

    Tolles Rezept mit ganz viel Background – yeah!!

    • marco 10. Februar 2014 um 15:26 #

      Bloggen bildet 🙂 Ist doch wirklich so! Schön, dass ich dir somit ein Stück Schweizer Küchengeschichte näher bringen konnte! Dir einen gelungenen Wochenstart, liebe Sandra!

  10. essen & l(i)eben 7. Februar 2014 um 11:41 #

    sehe ich das richtig, nächsten Montag gibt’s eine Suppen-Party bei Marco? wenn wir alle gemeinsam staubsaugen, sind wir schneller fertig als die Suppe kochen kann 😉

    • marco 10. Februar 2014 um 15:25 #

      Haha 🙂 Ja, wenn ihr tatsächlich alle mithelft, dann sollte das ratzfatz gehen! Nun denn, Suppe ist eh schon quasi aufgesetzt! Ich warte dann mal auf euch 😉

      • essen & l(i)eben 10. Februar 2014 um 15:32 #

        stimmt ja, es ist Montag! was gibt’s, wann sollen wir klingeln? 🙂

      • marco 10. Februar 2014 um 15:35 #

        Ich schwanke noch zwischen Westafrika oder Südostasien 😉

  11. Zitronen und Olivenöl 10. Februar 2014 um 19:37 #

    Die Betty Bossi ist sogar manchen im Süden Deutschlands bekannt. Und die gab es gar nicht? Ich bin erschüttert… Sieht gut aus die Suppe.

    • marco 13. Februar 2014 um 14:19 #

      Tut mir leid, dich enttäuschen zu müssen. Alles nur ein Märchen 😉

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