Egli ∣ Rice Crispies ∣ Vanilleschaum ∣ Curry-Mangold

23 Jan

Kulinarische Entwicklungshilfe

Es grenzt schon fast an einen ritualisierten Akt, was sich jeden Abend bei mir daheim vor dem Schlafengehen abspielt. Gemütlich in die wärmende Decke eingelullt, werden im spärlichen Licht der Nachttischlampe die dicken Kochbuchschinken, die sich stapelweise neben meinem Bett türmen, durchgewälzt.

Man vergleicht Seiten um Seiten, schüttelt da prahlerisch den Kopf oder nickt dort andächtig. Es werden Ideen gesammelt, das sinnliche Kopfkino angeregt und Kombinationen in unterschiedlichster, nicht selten überaus fantasievoller Art und Weise vor meinem geistigen Auge zu Teller gebracht. Was zum Schluss übrig bleibt, ist meist übermässig produziertes Mundwasser und ein Schwall lukullischer Ideen en masse. Kulinarische Entwicklungshilfe par excellence eben.

Die Reihenfolge und Priorisierung des Lesefutters zu Füssen meiner Schlafstätte wechselt denn auch beinahe nächtlich. Aktuell liegt da Ingo Hollands grandioses Meisterstück Salz (immer wieder inspirierend!), Stefan Wiesners Avantgardistische Naturküche (da fällt mir die Kinnlade runter!), das Standardwerk Die asiatische Küche von Charmaine Solomon (der Dauergast: ein Wunder, dass ich es noch nicht als Kissen missbrauche!) und Frölein Grandits neuster Streich Gewürze (Weihnachtsgeschenk von Little Sis; ‚cuz she knows what I like!).

Damit all die kreativen Ideen nicht in der nächtlichen Träumerei verenden, kommt im Anschluss meine berühmt-berüchtigte „kleine braune Bibel“ zum Einsatz. Sie ist Rezeptbuch, Kreativitätswerkzeug, Brainstorming-Basis und Ideenpool in einem und stellt sozusagen eine Erweiterung meines Gehirns dar. Die kleine Bibel behüte ich wie Gollum seinen „Schatz“ und ich freue mich jetzt schon, wenn ich dieses versudelte Erbstück voller Eselsohren, Kaffeeflecken und Saucenspritzern mal an meine Kinder weiterreichen darf.

Das nachfolgende Rezept habe ich bestimmt schon gefühlte hundert Mal gekocht und immer wieder mal ein bisschen fine-tuning betrieben. Die Idee mit den Rice Crispies ist quasi das neuste Upgrade und macht ordentlich was her.

Egli ∣ Rice Crispies ∣ Vanilleschaum ∣ Curry-Mangold

für 4 Personen

  • 300 g Eglifilet
  • 4 EL Reismehl (1)
  • 2 EL Reismehl (2)
  • 2 EL Weizenmehl
  • 1 TL Salz
  • 8 EL Rice Crispies (die von Kellog’s tun’s auch!)
  • Sonnenblumenöl

Die Eglifilet unter kaltem Wasser abspülen und mit Haushaltpapier gründlich trocken tupfen. Mit wenig Salz und Pfeffer würzen.

Eglifilet

Für den Tempurateig das Reismehl (1), Weizenmehl und Salz mit 4-5 EL kaltem Wasser gründlich zu einem Teig verrühren. Die Rice Crispies und das Reismehl (2) in zwei separate flache Teller verteilen. Nun den Fisch zunächst im Reismehl, anschliessend im Teig und zum Schluss in den Crispies wenden und grosszügig panieren. In einer flachen Bratpfanne Sonnenblumenöl fingerhoch einfüllen und erhitzen. Die panierten Eglifilet darin goldgelb ausbacken.

Going crispy

Brutzelbrutzel

Vanilleschaum

  • 80 ml trockener Weisswein
  • 100 ml weisser Portwein
  • 2 Bourbon-Vanillestangen
  • 30 ml Milch
  • 1 getrocknete Chilischote
  • 60 ml flüssiger Rahm
  • 50 g eiskalte Butterwürfel
  • Salz, weisser Pfeffer
  • Zitronensaft

Für den Vanilleschaum den Weisswein, Portwein und die ausgekratzten Vanilleschoten samt Mark aufkochen und auf die Hälfte reduzieren. Anschliessend Milch, Chili und Sahne zugeben und nochmals um einen Drittel einkochen lassen.

Chili und Vanillestange herausnehmen. Die Saucenbasis mit Salz, weissem Pfeffer und etwas Zitronensaft abschmecken. Die eiskalte Butter mit einem Mixstab so in den heissen Fond einmixen, dass cremiger Schaum entsteht.

Curry-Mangold

  • 2 Stauden Mangold (hierzulande: Krautstiel)
  • 1 Zwiebel
  • 2 Knoblauchzehen
  • 2 EL Currypulver
  • etwas Gemüsebouillon
  • Salz, Pfeffer
  • Olivenöl

Die Zwiebel und Knoblauchzehen schälen und möglichst fein hacken. In etwas Olivenöl während einigen Minuten glasig dünsten.

In der Zwischenzeit den Mangold waschen, rüsten und in sehr feine Streifen schneiden. Zunächst das Weisse in die Pfanne geben und einige Minuten anschwitzen. Nach Bedarf noch etwas mehr Olivenöl hinzufügen. Den Curry beigeben und kurz mitrösten. Anschliessend kräftig mit Salz und frisch gemahlenem Pfeffer würzen.

Alles im Grünen

Mangold goes Curry

Nun die grünen Teile des Mangold beigeben und ebenfalls ein paar Minuten lang anschwitzen. Mit etwas Bouillon ablöschen und einreduzieren lassen. Den Mangold zusammen mit den Eglifilets und dem Vanilleschaum servieren.

Eglifilet mit Vanilleschaum und Curry-Mangold

Eglifilet mit Vanilleschaum

Advertisements

20 Antworten to “Egli ∣ Rice Crispies ∣ Vanilleschaum ∣ Curry-Mangold”

  1. Verena Becker 23. Januar 2014 um 19:28 #

    Wow, das trifft genau meinen Geschmack, hört sich sooo lecker an!!!

    • marco 23. Januar 2014 um 20:38 #

      Und schmeckt so richtig – crispy eben! 😉

  2. Bonjour Alsace 23. Januar 2014 um 19:43 #

    Mit Cornflaces panierten Fisch habe ich schon zubereitet, doch diese Idee mit den rice crispies gefällt mir noch besser

  3. Susanne 23. Januar 2014 um 19:56 #

    Du Schelm! Rice-Crispies in der Panade – ein glatter Grund, die Dinger zu kaufen. (und womöglich eine Antwort auf meine Frage, warum es Puffreis beim Inder meines Vertrauens in so riesigen Säcken gibt….)

    • marco 23. Januar 2014 um 20:35 #

      Haha, darauf wäre ich gar nicht gekommen 😀

      Und um ganz ehrlich zu sein: Rice Crispies waren schon früher als Kind (zusammen mit den Originalen) meine Lieblingskellog’s 🙂

  4. boulancheriechen 23. Januar 2014 um 20:15 #

    Das ist aber ein sehr pfiffiges Gericht!!
    Reiswaffeln kaufe ich ab und zu, ich knabbere die manchmal gerne. Das kann keiner in meinem Umfeld verstehen, sie sagen immer ich würde „Dämm-Material“ futtern. Aber in der Panade, das ist clever!
    Liebe Grüße
    Cheriechen

    • marco 23. Januar 2014 um 20:37 #

      Nichts gegen Reiswaffeln! Die landen auch bei mir hin und wieder im Einkaufskorb 🙂 Die Leute meinen immer, ich futter die zum abnehmen, aber sie schmecken mir tatsächlich!

  5. Houdini 24. Januar 2014 um 02:59 #

    Hier werden keine Preziosen wie Egli genossen, dafür Fisch in grösseren Portionen. Mit dem Puffreis sehen sie lustig aus. Sind die Crispies von Kellogg’s nicht voll Zucker?

    Krautstiel haben sie in den Bergen hier, zusammen mit anderen europäischen Gemüsen, gefördert durch Royal Projects in den von MInderheiten besiedelten abgelegenen Krächen, da wo früher Mohn angebaut worden ist, hier in der Provinz Chiang Mai, aber mehr noch in Chiang Rai, Golden Triangle.

    Rezepte studiere ich seit einiger Zeit vor dem Einschlafen auch, meine Frau stillt und ich kann nicht mit Schoppen aushelfen in der Nacht (auch am Tag nicht) 😉

    • marco 24. Januar 2014 um 09:46 #

      Egli sind in der Schweiz ja ganz schön beliebt, kommen aber meines Wissens vorwiegend in Europa vor und sind im asiatischen Raum tatsächlich nicht soo bekannt. Aber da gibt’s ja anderes leckeres Fischzeugs 😉

      Die Crispies von Kellog’s sind gar nicht mal soo süss, nein. Zucker ist schon drin, aber auf keinen Fall so viel, dass das Gericht dadurch eine süssliche Note bekommt. Obwohl, das würde evt. gar nicht mal so schlecht schmecken 🙂

      Und Krautstiel: herrje! Soviel Kindheitserinnerungen sind damit verbunden! Und asiatisch angehaucht (zum Beispiel mit Ingwer, Chili, Knoblauch und Austernsauce) macht er sich herrvorragend, finde ich!

  6. evazins 24. Januar 2014 um 09:28 #

    Dein Abendritual ließ mich schmunzeln – bei mir stapeln sich die Kochbücher allerdings in der Küche.
    Schöne Idee, das mit den Crispies. Merke ich mir.
    Liebe Grüße,
    Eva

    • marco 24. Januar 2014 um 09:48 #

      Bei mir wandern sie jeweils von der Küche ins Schlafzimmer und anschliessend wieder zurück 🙂
      Dir eine schöne Restwoche. lg, Marco

  7. mangoseele 25. Januar 2014 um 00:32 #

    Die Kombination klingt spannend…auch wenn ich eigentlich nicht vor habe mir gleich eine ganze Tüte Reiscrispies zu kaufen – aber vielleicht finde ich ja noch eine Alternative…Und auf die Kombination Vanillesauce und Curry-Mangold wäre ich sicher nie gekommen…Liebe Grüße Melanie

    • marco 25. Januar 2014 um 09:18 #

      Du könntest den Rest ja zum backen weiterverwenden, nicht? Aber die Kombi Vanille und Curry funktioniert in meinen Augen schlicht genial. Das leicht süssliche der Vanillesauce harmoniert sehr schön mit dem würzig-scharfen Curry! Zwei gute Freunde 🙂

  8. Zitronen und Olivenöl 26. Januar 2014 um 19:35 #

    das ist ja mal wieder eine überraschende und feine Kombination.

    • marco 26. Januar 2014 um 22:00 #

      Danke 🙂 freut mich, dass es dir gefällt!

  9. Jacky 29. Januar 2014 um 11:19 #

    Ich finde die Idee der Panade genial! Beim Chinesen habe ich dies auch schon gesehen, aber die haben das in die Sauce zu dem Reis gegeben

    • marco 29. Januar 2014 um 12:06 #

      Das schmeckt auch echt gut und knuspert so schön beim Anbeissen 😉 In der Sauce wäre das dann wohl nicht der Fall… Ausprobieren, kann ich dir nur empfehlen!

  10. essen & l(i)eben 7. Februar 2014 um 11:44 #

    da fragt man sich dann auch glatt, wie dick die braune Kochbibel ist – und was darin noch für Schätze schlummern. Egli, Reiscrispies und Vanilleschaum in einem Gericht? Chapeau!

    • marco 10. Februar 2014 um 15:28 #

      Naja… soo dick ist die eigentlich gar nicht, ist aber alles gaaanz klein geschrieben 😉

dein Senf dazu...

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: