Grittibänz und Not-so-Gritti-Woman

6 Dez

Vom warmen Ofen komm’n wir her

Es weihnachtet doch schon sehr im Hause Züger. Ich bin selbst schon fast erstaunt. Draussen im flackernden Schein der Strassenlaterne erkenne ich leiseste Schneeflöckchen im eisigen Wind tanzen (oder bilde ich mir das bloss ein?) und am Fenster vorm Balkon sorgen ein paar mickrig leuchtende Weihnachtssterne für die nötige Adventsstimmung.

Dazu trällert Frank Sinatra aus den Boxen und das Beste: aus dem Ofen duftet es nach Grittibänze! Die gehören zum heutigen 6. Dezember wie der Samichlaus zum Schmutzli. Der geneigte Leser merkt schon jetzt: dieser Artikel wurde bereits gestern schon verfasst.

Wenn sich der liebe Nikolaus, mit seiner imposanten Gestalt und prächtig weissem Bart, auf den Weg macht und durch die Wälder stampft, dann ist es höchste Zeit für die Bäckereien in der Schweiz die Öfen anzuheizen – dann haben Grittibänze Hochsaison; und zwar genau einen Tag lang! Bei dem verführerischen Duft, der gestern durch meine Wohnung zog, hätte ich mich aber nicht gewundert, wenn der heilige Nikolaus persönlich schon gestern um mein Haus geschlichen wär.

Die kleinen Brotmannli aus Zopfteig sind nämlich nicht nur bei Kinder beliebt, sondern erfreuen auch an Erwachsenen-Klausabenden grosser Beliebtheit. Dann meist gekonnt mit passenden alkolischen Begleitern gepaart.

Der Name tauchte übrigens vor 150 Jahren zum ersten Mal auf. „Bänz“ war damals der Kurzname für Benedikt, ein derart verbreiteter Vorname, dass er als Synonym mit dem Begriff „Mann“ gleichgesetzt wurde. Und „Gritti“ stammt vom Wort Grätsche ab. Salopp übersetzt heisst unser Gritti-Män also „Mann mit gespreizten Beinen“.

Aber keine Sorge: meine Grittifrau trägt einen Rock! Besonders hübsch sieht sie zwar nicht aus. In gebackenem Zustand erinnert sie mehr an eine Kreuzung aus Hexe und Nilpferd. Eine Not-so-Gritti-Woman eben. Macht aber nix. Zum vernaschen taugt sie trotzdem wunderbar. Also: back auch du dir den Traumpartner 😉

Für 4 Grittibänze oder Grittifrauen

Um es gleich vorweg zu nehmen: das Formen von Grittifrauen ist wesentlich schwieriger als beim klassischen Grittibänz. Mein Exemplar ist eine Wucht von einer Frau. Die würde den Bänz gleich wegputzen, da bin ich mir sicher.

Für das gewisse Extra gebe ich noch etwas Safran in den Teig, das gibt eine feine Note und passt erstaunlich gut. Wer mag kann den Teig aber auch mit beliebigen anderen Zutaten wie Schokokrümel, Karamellstückchen, in Würfelchen geschnittene Dörrfeigen oder -aprikosen oder gehackten Nüssen aufpeppen.

  • 500 g Zopfmehl
  • ½ TL Salz
  • 2 TL Zucker
  • 1 Briefchen Safran
  • 75 g Butter, weich
  • 2.75 dl Milch, lauwarm
  • ½ Hefewürfel (21 g)

Verzierung: Haselnüsse, Rosinen, Sultaninen, Hagelzucker etc.

Mehl, Zucker, Salz und Safran in einer Schüssel vermengen und darin eine Mulde formen.

Den Hefewürfel zerbröckeln und in der lauwarmen Milch komplett auflösen.

Nun gibt man den Butter in die vorbereitete Mulde und giesst die Milch-Hefe-Mischung hinzu. Das Ganze wird nun während mindestens 1o Minuten zu einem weichen, elastischen Teig geknetet. Diesen in einer Schüssel zugedeckt um das Doppelte aufgehen lassen. Den aufgegangenen Teig danach nicht mehr kneten.

Teig vierteln, wenig davon für die Verzierung beiseite legen, jeden Viertel zu einer ovalen Form drehen, dabei den Teig einrollen und die Oberfläche glatt ziehen.

Für den Kopf auf beiden Seiten der Teigrollen mit dem Teighorn je ein Dreieck herausschneiden, für Arme und Beine Teig einschneiden. Bei Frölein Bänz lasse ich die Beine weg und forme stattdessen so was ähnliches wie einen Rock. Den Kopf kann man auch am Schluss als Teigkugel aufsetzen und zum Beispiel in Mützenform bringen. Übung macht wie fast überall den Meister.

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Verzierungen: Sultaninen, Nüsse usw. tief in den Teig drücken, mit restlichem Teig Verzierungen formen wie Halstuch, Mütze, Gurt usw., Verzierungen mit wenig Wasser ankleben, für Haare mit einer Schere Zacken in den Kopf schneiden.

Grittibänze auf mit Backpapier belegten Blechrücken legen, mit verklopftem Ei bestreichen, in die untere Hälfte des kalten Ofens schieben, Ofen auf 200 °C einschalten. Backzeit: 30-40 Minuten.

Backprobe: Der Grittibänz ist fertig, wenn es beim Klopfen auf die Unterseite hohl tönt.

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20 Antworten to “Grittibänz und Not-so-Gritti-Woman”

  1. Tring 6. Dezember 2013 um 09:50 #

    Ooch, die sind doch herzallerliebst geworden! Sogar mit Augenbrauen… Bei uns im Rheinland gibt es so was ähnliches. Nennt sich Weckmann und gibt es hier traditionell zu St. Martin nach dem Martinsfeuer für die Kinder. Ich muss allerdings gestehen, dass die nicht halb so schön aussehen wie deine Grittibänze 😉

    • marco 6. Dezember 2013 um 12:31 #

      Sogar mit Augenbrauen, genau 😉 danke fürs Kompliment! Ich mag solche Traditionen unglaublich gerne. Von den Weckmännern habe ich auch schon gehört! Woher rührt denn dieser Begriff?

      • Tring 6. Dezember 2013 um 13:14 #

        Der Begriff kommt wahrscheinlich einfach vom Teig. Weck oder Weckchen sagt man im Kölner Raum auch zu Milch- bzw. süßen Hefebrötchen.

  2. Memse 6. Dezember 2013 um 09:55 #

    Oh, die sind aber wirklich herzig geworden. Haben sogar noch Augenbrauen und Bart. Freue mich sehr, wenn Du heute Abend den Brotbeutel gefüllt vorbei bringst:-)

    • marco 6. Dezember 2013 um 12:33 #

      Den Bart mag ich ganz besonders, der wird so schön knusprig! Ich muss dich allerdings entäuschen. Ab dem Brotbeutel durften sich heute die Kollegen bei der Arbeit erfreuen 😉

  3. Anikó 6. Dezember 2013 um 11:11 #

    Ich finde es immer wieder spannend, die unterschiedlichen Bräuche in den Ländern/Regionen zu sehen. Ich kenne von der Ostseeküste weder Weckmänner noch Eure Grittibänze. Aber ein schöner Brauch das 🙂

    • marco 6. Dezember 2013 um 14:21 #

      Gibt es am St. Nikolaustag denn keine Tradition bei euch? Oder in Ungarn?

      Bei uns kommt der dann nämlich mit Knecht Ruprecht und Esel angeritten, nimmt den Kindern ihre Sprüchlein ab und wenn sie artig und brav waren, dann gibt’s noch ein paar Grittibänze und Mandarinen dazu 😉

      • Anikó 6. Dezember 2013 um 16:18 #

        Am Nikolaus war ich noch nie in Ungarn … Als Kinder mussten wir halt immer die Stiefel putzen am 5. und am 6. morgens lagen dann unsere Nikolaus-Kleinigkeiten im Stiefel. Aber spezielle kulinarische Traditionen wie Eure Grittibänz gibt es nicht.

  4. boulancheriechen 6. Dezember 2013 um 14:49 #

    Wie süß!! Die sind aber mit viel Liebe gemacht…
    Liebe vorweihnachtliche Grüße
    Cheriechen

    • marco 6. Dezember 2013 um 17:50 #

      Danke! Ich war doch selbst ein klein wenig erstaunt über meine Liebe zu Details… und das beim Backen 😉

  5. magentratzerl 6. Dezember 2013 um 15:23 #

    Was für ein schönes Paar! Mit Schal und Pliséerock 🙂 Hier gibt es weder Grittibänz noch Weckmänner – aber dafür Martinsgänse aus süßem Hefeteig.

    • marco 6. Dezember 2013 um 17:51 #

      Klingt doch auch nicht schlecht 😉

  6. Posi 7. Dezember 2013 um 16:59 #

    Hey Sohnemann-Bänz, die „Gritti“ gsehnd aber lecker us und händ sicher au guet gmunded :-). Bin sehr gspannt was du für eh Überraschig für eus bereit häsch uf d’Wihnachte !

    • marco 8. Dezember 2013 um 15:06 #

      Danke 🙂 Sie haben wirklich gut geschmeckt! Und ja, ihr dürft gespannt auf die diesjährigen Weihnachtsleckereien sein 😉

  7. Zitronen und Olivenöl 8. Dezember 2013 um 20:10 #

    Sehen gut aus, schönen Advent!

    • marco 9. Dezember 2013 um 15:53 #

      Das wünsche ich dir auch! Danke dir!

  8. essen & l(i)eben 10. Dezember 2013 um 00:27 #

    was eine gesellige, gut aussehende Truppe 🙂

    und danke für die Schmunzler, die mir Dein Text heute noch gebracht hat. eine Kreuzung aus Hexe und Nilpferd?? 😉 – die Arme, das wird Deiner Not-So-Gritty-Woman aber nicht gerecht.

    Liebe Grüße

    • marco 12. Dezember 2013 um 14:24 #

      Das Dankeschön gebe ich doch gerne zurück 😉
      Nun, in ungebackenem Zustand sah meine Grittifrau aber schon hübscher aus, nicht? Aber die dicken Pausbacken und das Extra-Hüftgold haben dafür umso köstlicher geschmeckt 😀

  9. LisaCuisine 11. Dezember 2013 um 14:08 #

    Also ich muss schon sagen, von hoher künstlerischer Qualität Deine beiden essbaren Figuren. Ich glaube ich hätte das nicht so detailgenau hinbekommen. Also ich finde ja den Bauchnabel bei der „Dame“ total süß 😉 Habe ja anscheinend eine Menge verpasst in meinen drei Wochen Urlaub 😉

    LG LisaCuisine

    • marco 11. Dezember 2013 um 16:10 #

      Ich hoffe, du konntest den Urlaub so richtig geniessen? Verpasst hast du schon was, ja. Deine Abwesenheit blieb auch nicht ganz unbemerkt 😉

      Wenn es um Kreativität und Künstlerei ging, dann hatte ich eigentlich schon immer ein flinkes Händchen 🙂 Und essbare Figuren zu formen macht im Übrigen auch einen Heidenspass!

      lg, Marco

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