Piroschki mit Hirschpfeffer

14 Okt

From Russia with Love

Passend zur plötzlich eingetretenen sibirischen Kälte da draussen, mache ich heute mal einen Ausflug in die russische Küche: Piroschki. Das sind kleine gefüllte Taschen aus Hefe-, Blätter- oder Nudelteig, welche man in Russland von Nord nach Süd, von West nach Ost gleichermassen gern isst.

Die russische Seele soll ja bekanntermassen eher schwermütig sein und der russische Mann eher trinkfreudig. Dass daher insbesondere Bier ganz wunderbar zu Piroschki passt, muss wohl nicht explizit erwähnt werden? Aber auch zum gemeinschaftlichen Vodka-Genuss bieten sich die knusprigen Teigtaschen natürlich an. Man beachte dabei: in Russland trinkt man Vodka ZUM Essen und nicht danach. Find ich eigentlich ganz sympathisch.

Je nach Geschmack und Landesteil werden die Piroschki mit den unterschiedlichsten Füllungen zubereitet. Mit würzigem Hackfleisch und Zwiebeln, mit Speck oder Schinken, Kartoffeln, Pilzen, Quark oder Weisskohl. Der Fantasie sind eigentlich keine Grenzen gesetzt. Zum Herbstauftakt aber serviere ich sie heute mit einer rassigen Füllung aus Hirschpfeffer, Speckwürfeli und Weisskohl. Die drei sind ja bekanntermassen ziemlich gut befreundet.

Guten Hirschpfeffer kriegt man weiss Gott nicht an jeder Ecke. Dazu gehört eine Menge Können und Fachwissen. Püntlich zur Wildsaison findet man fertig gekochten Hirschpfeffer aufwärmbereit in den Auslagen der Grossverteiler und Gourmetabteilungen. Das meiste davon kann man ins Pfefferland schicken. Naheliegend wäre die hausgebeizte Variante, aber beim Metzger des Vertrauens wird man genauso fündig. Der ist zwar kein Russe, hätte wohl aber auch Gefallen an meinen Piroschki gefunden.

Piroschki mit Hirschpfeffer

  • 500 g Mehl
  • 2 dl Milch
  • 2 EL Zucker
  • 1 EL Salz
  • 1 Würfel Hefe (42 g)
  • 1 Ei
  • 50 g weiche Butter

Das Mehl in eine Schüssel geben und mit dem Salz vermengen.

Die Milch leicht erwärmen (nicht kochen!) und den Hefewürfel und Zucker darin gründlich auflösen. Das Ei hinzufügen und gut untermengen. Anschliessend die Flüssigkeit zur Mehlmischung geben, die Butter hinzugeben und alles während 10 Minuten Handarbeit zu einem geschmeidigen Teig kneten. Abgedeckt um das Doppelte aufgehen lassen.

Teigkugel

Für die Füllung

  • 500 g Hirschpfeffer
  • 1/2 Weisskohl
  • 50 g Speckwürfel
  • 1 Zwiebel
  • je 1 Schuss Apfelessig und Weisswein
  • Salz, Zucker

Die Zwiebel fein würfeln und in etwas  Butter in einer Pfanne glasig schwitzen. Herausnehmen und abkühlen lassen. Anschliessend die Speckwürfel knusprig braten und ebenfalls beiseite stellen.

Den Weisskohl mit entsprechendem Küchengerät in feine Streifen hobeln.  Und in der Bratpfanne kurz anschwitzen. Mit Apfelessig und Weisswein ablöschen und mit Salz und einer Prise Zucker abschmecken. Zum Schluss mit der Zwiebel-Speck-Mischung vermengen.

Krautsalat

Für die Piroschki wallt ihr nun euren Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche ca. 5mm dick aus und sticht Kreise von etwa 8 cm Durchmesser aus. Dafür eignet sich zum Beispiel ein grosses Glas oder ein entsprechender Teigausstecher. Die restlichen Teigfetzen wieder zusammenkneten und erneut ausrollen, bis kein Teig mehr übrig bleibt.

Kornkreis?

Fröhliches Auswallen

Auf jeden Teigfladen je einen Teelöffel der beiden Füllungen geben und die Fladen vorsichtig und gründlich verschliessen. Meine aus dem Argentinien-Urlaub vor ein paar Jahren mitgebrachte Empanada-Maschine leistet dabei natürlich hervorragende Dienste, es klappt aber auch ganz wunderbar ohne, da der Teig schön geschmeidig und elastisch ist.

Immer schön füllen

Dank dem Empanada-Maker

Die gefüllten Piroschki auf ein mit Backpapier belegtes Blech geben und zum Schluss nur noch mit Eigelb gleichmässig bestreichen.

Im auf 180°C vorgeheizten Ofen rund 15 bis 20 Minuten lang goldbraun backen.

In Russland serviert man dazu einen Klecks Sauerrahm oder Crème fraiche. War leider gerade nicht da, hat aber trotzdem geschmeckt! Einfach mal ausprobieren, würde ich sagen! Schmeckt übrigens auch ohne Vodka…

Piroschki mit Hirschpfeffer

Piroschki mit Hirschpfeffer

Piroschki mit Hirschpfeffer

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17 Antworten to “Piroschki mit Hirschpfeffer”

  1. Memse 14. Oktober 2013 um 20:59 #

    Danke, dass wir in den Genuss der feinen Piroschki kommen durften. Hat ausgezeichnet geschmeckt.

    • marco 14. Oktober 2013 um 21:03 #

      Zum Glück blieben noch welche übrig, die haben heute zum Frühstück ganz wunderbar geschmeckt 😉

  2. essen & l(i)eben 14. Oktober 2013 um 21:13 #

    immer wenn jemand „from xxx with love“ schreibt, höre ich in meinem Ohr Sarah Connor.

    dabei passt die Dame mE so gar nicht zu diesen Teigtaschen. von denen hätte ich jetzt gerne eine. Aber wenn ich das richtig lese, hast Du die letzten heute früh vernichtet. *seufz*

    nur sag mal, was ist denn Hirschpfeffer?

    und ist es bei Euch schon so bitterkalt? hier erfreuen wir uns noch wunderschönen Herbstwetters. waren erst am Wochenende mit Hund und Korb (für Moos – nicht für Pilze) im Wald und haben uns über das tolle Wetter gefreut.

    • marco 14. Oktober 2013 um 21:23 #

      Sarah Connor! Oh mein Gott 🙂 Gibt’s die noch? Das habe ich tatsächlich vollkommen verdrängt… also nicht, dass ich derartige Musik mal bewusst meinen Ohren zugeführt hätte. Der Titel war eher in Anlehnung an den James Bond Klassiker gedacht 😉

      Aber jetz mal im Ernst, du kennst Hirschpfeffer nicht? Hhmm… möglich, dass dies ein ausschliessliches Schweizer Gericht ist… so oder so: Hierzulande ist das sozusagen DER Klassiker der Herbstküche. Es handelt sich dabei um einige Tage lang in Rotwein gebeiztes Hirschragout, welches in einer würzigen Sauce mit Karotten, Sellerie, Wacholder und Lorbeer serviert wird. Dazu reicht man all die herrlichen Wildbeilagen wie Marroni, Spätzli, Rotkraut und frische Pilze. Grosses Kino!

      Und ja… die Kälte hat schon Einzug gehalten. Gestern durften wir uns zwar auch über einige Sonnenstrahlen freuen, aber man merkt schon, dass Herr Winter vor der Türe steht…

      • essen & l(i)eben 14. Oktober 2013 um 21:43 #

        ja. aber ich steh zu meinen (ehemaligen und aktuellen) musikalischen Verfehlungen. Das gehört zu mir wie so mancher Unsinn aus der Pubertät 😉

        hmm – nach Hirschpfeffer muß ich dann mal die Augen offen halten. Das hört sich lecker an! habe ich hier noch nie gesehen. war aber auch lange kein Wild-Freund. Vielleicht liegt es daran.

      • marco 14. Oktober 2013 um 22:43 #

        Pubertät? Unsinn? Kenn ich nicht 😉
        Dann immer mal schön die Augen offen halten, es lohnt sich! Und schmeckt auch mit Reh! Oder du reist bald mal wieder in die Schweiz und lässt dich bekochen 🙂

  3. mangoseele 14. Oktober 2013 um 21:54 #

    Mich hat das Wetter heute auch zu russischem Essen verführt. Bei uns gab’s heute einen Borschtsch. Die Piroschki würden mir aber mit einer vegetarischen Füllung auch schmecken!

    • marco 14. Oktober 2013 um 22:46 #

      Dann freue ich mich schon auf den Blogpost dazu 🙂 Für Borschtsch ist das Wetter ja gerade perfekt!
      Soviel ich weiss, wird die klassische Piroschki-Füllung ohnehin nur mit Weisskohl zubereitet… mal schauen… Teig und Kohl ist beides noch da!

      • mangoseele 14. Oktober 2013 um 22:51 #

        heute gibt es zuerst mal noch was italienisches aus dem Urlaub, der Borschtsch kommt aber noch 😉

  4. essen & l(i)eben 14. Oktober 2013 um 23:11 #

    ach die schöne Schweiz! da muß ich tatsächlich wieder hinreisen. hatte mein kleines Appartment mit Blick auf den See und die Berge und den Wald im Rücken schon fast wieder vergessen…

    herzlichen Glückwunsch im Übrigen zu der neu erstandenen Mini-Gugl-Form. da bin ich auf Deine ersten Gugli gespannt. Und der Verena bist Du damit einen Schritt voraus. die hat sie heute _nicht_ gekauft. (ist mir total unverständlich wie das passieren konnte 😉 )

  5. magentratzerl 15. Oktober 2013 um 07:54 #

    Marco! Teigtaschen! Und Du hast mir keine übrig gelassen 😦 .
    Hirschpfeffer sagt mir was, aber fertig zu kaufen gibt es den hier nicht.
    Lustig finde ich die Empanada-Maschine….sieht hier genauso aus und heißt Maultaschenformer 🙂

    • marco 15. Oktober 2013 um 08:41 #

      Ich musste unweigerlich an dich denken, liebes magentratzerl! Beim Vorbereiten, beim Zubereiten, beim Essen 🙂

      Das Teigrezept hatte ich mir von irgendwoher mal in meine kleine braune Bibel notiert, ich dachte es stammt von dir… konnte es dann aber auf deinem Blog nicht wieder entdecken…

      Hirschpfeffer selber machen, ist nicht ganz so einfach. Das Originalrezept wird noch mit Schweineblut abgebunden, da braucht es schon etwas Können!

      Und Maultaschen stehen übrigens auch noch auf meinem Nachkochprogramm 😉

      • magentratzerl 17. Oktober 2013 um 12:35 #

        Ne du….ich mach keinen ganzen Würfel Hefe auf ein Pfund Mehl, ich bin da geizig 😉
        Und ich habe tatsächlich noch nie Maultaschen gemacht…wobei ich da schon eine Idee habe…. 🙂

  6. Anikó 15. Oktober 2013 um 15:27 #

    Hach, so Teigtaschen *seufz* Muss ich mich auch endlich mal ranwagen. Bei mir scheitert es immer an den wenigen Mitessern (meist nur ich) und dem fehlenden Platz im Tiefkühler *doppelseufz*
    Aber die sehen echt göttlich aus! Ich muss mich auch mal aktiv auf die Suche nach Wild machen, wozu gibbet um diese vermaledeite Stadt so viele Wälder? 😉

    • marco 15. Oktober 2013 um 21:11 #

      Bei mir waren die Taschen unlängst mal fällig, du kannst dir gar nicht vorstellen, wie lange die schon in meinem Kopf schlummern und auf Umsetzung warten…
      Wie kann man den bei Teigtaschen keine Mitesser finden? Für mich unvorstellbar 😉
      Beim richtigen Metzger wirst du bestimmt fündig! Und wenn das Wild dann noch aus den nahen Wäldern stammt, umso besser, nicht?!

  7. Frau Bunt 21. Oktober 2013 um 17:57 #

    Die sehen köstlich aus und meine Freundin geborene Russin hat mir schon oft welche gezaubert!! Tolles Rezept – Übrigens ich habe das Falafel Problem gelöst.

    LG Sandra

    • marco 21. Oktober 2013 um 21:52 #

      Oooch ich hätte auch gerne ’ne russische Freundin, die mir Piroschki bäckt 🙂 Und wie hatten die geschmeckt? Oder noch wichtiger: mit was waren sie denn gefüllt?

      Und übrigens: gratuliere 😉

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