Märit-Wäie aka Marktblechkuchen

11 Jul

Backe, backe…

Kuchen? Oder Wähe? Oder wie ging das nochmal?

Was dem Franzosen die Quiche, ist dem Schweizer die Wähe, Wäje, Tuurte, Chueche, Fladä, Tünnä, Dunne, Datsche, Pitte… dieses Urschweizer Gericht hat in etwa so viele Namen wie Variationen. Gemeint ist immer dasselbe. Ein dünner, knusprig gebackener Kuchenteig mit einem schmackhaften, saftigen Belag. Es gibt sie süss, salzig, vegetarisch oder mit Fleisch und einige davon sind sogar richtige Klassiker. Allen voran natürlich die Basler Zibelewaie.

Eigentlich aber ist die Wähe als Abfallprodukt entstanden. Erfunden hat sie ein schlauer Bäckermeister, den es reute, wenn die Teigreste vom Brotbacken in den Sautrog wanderten. Er beschloss, den Teig auszuwallen und ihn mit den Resten, die er in der Küche finden konnte, zu belegen. Um das Auslaufen des Gusses und der Zutaten zu verhindern, formte er den Rand etwas dicker und höher, indem er den Teig dort zusammendrückte.

Auch heute noch gehört die Wähe zum festen Standortsortiment einer jeden guten Bäckerei in der Schweiz. Das Wichtigste dabei: frisch muss sie sein!
Eine Wähe darf den Tag nicht überleben.

Vorab aber ein Geständnis: ich habe fixfertig gekauften Kuchenteig verwendet. Das ist natürlich falsch, falsch, falsch. Aus verlässlicher Quelle weiss ich aber, dass nicht alle meine getreuen Leser mit gleichermassen viel Enthusiasmus selber einen Kuchenteig anrühren. Mein Rezept hier fungiert insofern als kleiner Ansporn, auch den grössten Küchenmuffel von simpler, schneller und erst noch gesunder Hausmannskost zu überzeugen.

Inspiration dazu fand ich beim allsamstäglichen Gang auf den kleinen, aber äusserst feinen Gemüsemarkt im Nachbardorf. Da türmen sich momentan Früchte und Gemüse in allen Formen, Farben und Varianten und machen richtig Appetit darauf, beladen mit Körben voller gesunder Rohkost kochlöffelschwingend die heimische Küche zu verdrecken.

Die leckeren Jungkarotten mit Grün waren leider bereits weg. Wer zu lange schläft, den straft das Leben, so ist das halt. Ist aber nicht so schlimm. Schliesslich wächst im heimischen Garten noch so einiges, was ebenfalls auf sinnvolle Weiterverwendung wartet. Und wie ihr gleich sehen werdet, mögen auch die künftigen Schmetterlinge Fenchel im Bauch…

Raupe mag Fenchel

Reif für die Ernte

Bundzwiebeldschungel

frische Erbsen

Märit-Wäie aka Marktblechkuchen

für 3-4 Personen

  • 1 ausgewallter Family-Kuchenteig, rechteckig
  • 150 g Appenzeller, gerieben
  • 4 Bundzwiebeln mit Grün, in ca. 2 cm breiten Streifen
  • 2 Bund Frühlingskarotten (wenn möglich mit Grün), längs halbiert
  • 200 g Erbsen
  • 180 g Kefen, längs halbiert
  • 200 g Cherry Tomaten, quer halbiert
  • 1 grosser Fenchel, in 5 mm dicken Scheiben
  • wenig Pfeffer aus der Mühle
  • Rapsöl

Den Teig mit Backpapier auf ein Backblech legen und den Boden mit einer Gabel dicht einstechen. Anschliessend den Käse darauf verteilen.

Nun das Gemüse abwechslungsweise in je einem Streifen darauf verteilen, würzen und mit Öl beträufeln.

Farbliche Vielfalt

Bereit für den Ofen

Ab ins Rohr

Als leckeres Topping dazu serviere ich ein Kraut-Öl aus verschiedenen Sorten Grünzeug.

Kraut-Öl

  • 3 Esslöffel Rüeblikraut
  • 2 Esslöffel Frühlingszwiebelgrün
  • 2 Esslöffel Fenchelgrün
  • 1 Esslöffel Pfefferminze
  • 1 Knoblauchzehe
  • 1-2 dl Rapsöl
  • 2 Teelöffel Zitronensaft
  • 1 grosszügige Prise Meersalz
  • Pfeffer aus der Mühle

Die grünen Zutaten grob hacken und anschliessend mit dem Stabmixer pürieren. Das war’s schon! Und schmeckt soo gut!

Die Wäie im vorgeheizten Backofen bei 200°C in der unteren Hälfte rund 30 Minuten backen. Anschliessend in Stücke schneiden und mit dem Kraut-Öl beträufelt servieren.

En Guete mitenand!!

Märit-Wäie

Märit-Wäie

Märit-Wäie aka Marktblechkuchen

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27 Antworten to “Märit-Wäie aka Marktblechkuchen”

  1. Memse 11. Juli 2013 um 08:17 #

    Das war wirklich eine gute Idee mit dieser Wähe. Wir haben es gestern nochmals ausprobiert und haben einfach noch voriges Gemüse, wie z.B. Lauch und Blumenkohl dazu genommen. War auch ausgezeichnet. Super ist auch, dass die Wähe keinen Guss hat, somit bleibt sie trocken und knusprig.

    • marco 11. Juli 2013 um 22:54 #

      Freut mich, dass es euch so gut geschmeckt hat! Das Tolle ist ja, dass sich die Wähe beliebig kombinieren lässt! Da schreit selbst der Fleischtiger nicht mehr nach Speck 😉

  2. magentratzerl 11. Juli 2013 um 09:39 #

    Schick und bunt. Aber was ist denn dieser fertige Kuchenteig; Mürbteig oder Rührteig?

    • marco 11. Juli 2013 um 22:56 #

      Ist ein Mürbeteig… aber halt eben gekauft! Ergo ist der Unterschied halt schon da… aber wenns mal schnell gehen muss 😉

  3. ralphbuttler 11. Juli 2013 um 11:07 #

    Hat dies auf Auf dem Dao-Weg rebloggt.

  4. Giovanni 11. Juli 2013 um 12:01 #

    Alles mit einem Teigboden ist genau meines und deswegen habe ich das sofort als Pizza-Alternative abgelegt.
    Cari Saluti, Giovanni

    • marco 11. Juli 2013 um 22:57 #

      Hhmm… du inspirierst mich gerade zu neuen Gedanken, lieber Giovanni! Hausgemachter Pizzateig, hauchdünn ausgewallt… und einen Pizzastein habe ich neuerdings auch! Der müsste ohnehin unlängst mal eingeweiht werden 😉

      • salzpfefferkokos 28. Juli 2013 um 20:00 #

        Eigentlich wollte ich ja erst nach unten scrollen, um einen Kommentar zu verfassen, aber was muss ich da lesen? Der Pizzastein wurde noch nicht eingeweiht?? 😀 Da muss ich hier nochmal Druck ausüben glaube ich… Du wirst im siebten Pizzahimmel schweben also ran an den Ofen. Als einzig gültige Ausrede werte ich die aktuelle Wetterlage Herr Züger… :))))

        Aber deine Wähe schaut fantastisch aus!!! Ein Traum, mit diesem Krautöl on top. Toll auch wie immer die Hintergrundgeschichte zum Gericht… Freu mich schon mich durch deine restlichen Beiträge zu lesen, die in meiner Abwesenheit entstanden sind.

        Liebste Grüße!!

  5. LisaCuisine 11. Juli 2013 um 20:18 #

    Super leckere Idee. Mir läuft direkt das Wasser im Mund zusammen 😉 Ich habe mit Fertigteig auch kein Problem wie Du weisst.. ich sage nur „Blätterteigteilchen“ ;-))

    Lieben Gruß
    LisaCuisine

    • marco 11. Juli 2013 um 22:58 #

      Uuh deine Blätterteigteilchen mit Aprikosen 🙂 stimmt ja! Besser schmecken tut’s halt schon, wenn selbst gemacht… aber Hut ab vor jedem der selber Blätterteig macht 😮

  6. leckerbox 11. Juli 2013 um 21:06 #

    Ohhhh das schaut voll lecker aus, und du hast Fenchel im Garten, Spitze! Die Raupe ist voll niedlich, auch wenn andere sich jetzt vielleicht ekeln würden. Ich schaue dem Gartenvolk gerne zu, liebe es Hummeln zu beobachten oder Schnecken. Am Mittwoch habe ich versucht eine Hummel zu retten die schwer atmend auf dem Balkon lag. Leider hat sie den Transpot in meine Erdbeerpflanze auch nicht besser gefunden und ist Stunden später gestorben 😦 Liebe Grüße Mone 🙂

    • marco 11. Juli 2013 um 23:00 #

      Du scheinst ein grosses Herz für die Bewohner deines Gartens zu haben, liebe Mone 🙂
      Fenchel steht ganz oben auf meiner Lieblingsgemüseliste! Und am allerliebsten mag ich ihn roh! Dass die Raupe ihn genauso mag wie ich, macht sie nur noch sympatischer für mich 😉

  7. minzzucker 13. Juli 2013 um 17:17 #

    Toll schaut das aus. Und viele verschiedene Gemüse auf einmal ist genau nach meinem Geschmack, weil ich mich nämlich nie entscheiden kann, worauf ich gerade am allermeisten Lust hab.
    Herzliche Grüße,
    Dani

    • marco 14. Juli 2013 um 10:42 #

      Das geht mir ganz ähnlich… und den Gästen bei Tisch genau so! So kann jeder sein Lieblingsstück für sich beanspruchen 🙂

  8. lamiatrattoria 13. Juli 2013 um 22:30 #

    Leeeeeeeecckkeer!

  9. Sandra 14. Juli 2013 um 10:22 #

    Wähe……………jawohl!!
    Deine Variante würde ich zwar als Abwandlung sehen 😉 – habe ich aber auch schon gemacht. Hm, gerade eben sogar.
    Aber Wähen sind in der Tat so wandelbar und lecker und Dank dir lieber Marco kenn ich jetzt auch die Entstehungsgeschichte.

    Die Schweizer leben hoch!!! Ups – da ist es wohl gerade mit mir durchgegangen.
    Wünsch dir einen schönen Sonntag.

    LG Sandra

    • marco 14. Juli 2013 um 10:44 #

      So eine Wähe kommt mir nach einem langen Arbeitstag oft gerade recht. Die ist ratzfatz im Ofen und belegt mit allem was einem gerade so schmeckt oder noch im Kühlschrank vorhanden ist 🙂 Ich wünsch auch dir einen recht sonnigen Sonntag!

  10. tomatenblüte 14. Juli 2013 um 17:47 #

    So schmeckt mir Gemüse ganz besonders gut!!! Damit kannst du sogar Kinder zu Gemüsefans machen!! Toll !

    • marco 14. Juli 2013 um 19:47 #

      Ich hatte genau die selben Gedanken beim Backen, liebe Sybille! 😉

  11. zorra 15. Juli 2013 um 10:16 #

    Gibt ja auch gute Fertigteige, aber eigentlich ist so ein Teig ja auch ratzfatz geknetet. Nächstes Mal dann. 😉

    • marco 15. Juli 2013 um 13:17 #

      Du hast natürlich recht! Ich hatte auch fast ein klein wenig ein schlechtes Gewissen, und habe daher zu dessen Beruhigung gestern bei schönstem Wetter Pizzateig geknetet 😉

  12. Sarah 16. Juli 2013 um 09:07 #

    Heey Züger

    Habe grad mit Begeisterung dein Blog entdeckt, über drei Ecken (nicht Facebook ;)) hab ich gehört „Hey de Züger vom Mutsch, de het imfall en hammer Foodblog“. Und wahr ist es, dein Blog ist super schön und mich juckts grad unter den Finger.. allenfalls gibts jetzt Wähe zum Zmorge.

    Vielleicht erinnerst du dich, ich ging in die Sek und du in Bez und nun trifft man sich in dieser Online Welt wieder 🙂

    Auf jeden Fall hast du eine Leserin gewonnen.. ich binja im Gegensatz zu dir mehr der Bäcker und weniger der Koch und kann immer Inspiration und Anleitung beim Kochen gebrauchen.

    Liebe Grüsse
    Sarah Frei

    • marco 16. Juli 2013 um 21:53 #

      Soooo guet, d’Sarah! Du erwischst mich hier gerade mit einem Smile von einem Ohr zum anderen vor dem Laptop sitzend 🙂 manchmal sind die Wege schon sonderbar, auf denen man sich wieder trifft! Hoffe bei dir läuft alles gut?

      Ich freue mich gerade sehr, dass dir mein Blog so gut gefällt! Anscheinend macht er langsam die Runde 😉 Neue Leser sind immer schön und Inspiration kann ich dafür umso mehr beim Backen brauchen… das isch weniger miis Ding… aber hoffe somit hier öfter von dir zu lesen 😉

      dir auch ganz liebe Grüsse
      *marco

  13. Laurence 17. Juli 2013 um 13:23 #

    Hallo Marco
    Gestern habe ich Deine Wähe ausprobiert und sogar meine 3 Kids haben sie genossen!
    Ich bin oft auf Deinem Blog, habe aber noch nie nachgekocht nur Ideen geklaut und meiner Familie angepassst.
    Deine Blogadresse habe ich von einem gemeinsamen Freund:-)
    Mach weiter so und ganz lieber Gruss
    Laurence

    • marco 17. Juli 2013 um 21:21 #

      Liebe Laurence
      Jetzt bin ich aber neugierig geworden 🙂 gemeinsamer Freund? Von wem sprechen wir denn? Ich kenne spontan nur einen Freund, der mir da in den Sinn kommt, aber diese Laurence hat meines Wissens noch keine drei Kids 😉

      So farbenfroh, wie sich die Wähe präsentiert, bin ich überzeugt, dass sie auch den Kleinsten schmeckt! Freue mich sehr, dass dir mein Blog gefällt! Hoffe, dass du weiterhin so fleissig mitliest 🙂

      liebe Grüsse
      *marco

      • Laurence 18. Juli 2013 um 07:44 #

        War vor vielen Jahren mal Kindergärtnerin in Widen:-). Du siehst auch Alte verfolgen Dich:-). Ein ehemaliges Chindsgichind bzw. seine Mutter gab mir die Adresse: Adrian W.

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