Bärlauch-Tomaten-Pesto

14 Apr

Frühlingsgefühle

Die Legende besagt, dass der Bärlauch mit seinem intensiv-würzigen Knoblauchduft die im Frühjahr noch im Winterschlaf steckenden Bären aus ihren Träumen riss. Nach dem Erwachen tat sich Meister Petz am spriessenden Grünzeug gütlich und schlug sich den Bauch voll, um seine Lebensgeister neu zu entflammen. Der erste Vitamin-C-Schub nach dem langen Winterschlaf! Ob er es bloss tat, um seinen Körper zu entschlacken bleibt wohl mehr Vermutung als Tatsache.

Tatsache hingegen ist: der duftende Cousin von Zwiebel und Knoblauch schiesst momentan landauf landab in rauen Mengen an feuchtschattigen Stellen der Laubwälder aus den Böden. Zu spriessen beginnt er je nach Wetterlage bereits Ende Februar und lässt sich bis in den Mai hinein ernten. Wenn er sich einmal gemütlich gemacht hat, dann tritt er massenweise auf und bedeckt ganze Hügel oder Waldabschnitte. Und ähnlich wie bei den Pilzsammlern hüten Bärlauch-Liebhaber ihre Sammelplätze wie ein Staatsgeheimnis. Bevorzugt geerntet werden die jungen, zarten Blätter, welche, mild im Geschmack, auch wunderbar roh verwendet werden können. Je älter die Saison, desto intensiver und penetranter der Geschmack. Knoblauchfahne lässt grüssen!

Wie jedes Kind weiss, besteht beim Bärlauch aber eine gewisse Verwechslungsgefahr mit mitunter ziemlich giftigen Pflanzen: namentlich das gemeine Maiglöckchen und die Herbstzeitlose. Ein Blick ins www erläutert dem Unkundigen die genauen Unterschiede. Mein Tipp: Blatt zwischen den Fingern reiben (nicht in den Mund stecken) und daran riechen.
Knoblauchgeruch = Bärlauchblatt!

Da die Inhaltsstoffe des Bärlauchs sehr empfindlich sind, sollte er nicht mitgekocht sondern erst am Schluss hinzugegeben werden. Beim Erhitzen verflüchtigt sich sein feines, charakteristisches Aroma rasant. Er schmeckt dafür umso besser kleingeschnitten auf dem Butterbrot, in Kräuterquarks, als würzige Zutat für Öle oder in bunten Frühlingsalaten. Glücklich auch, wer eine hausgemachte Bärlauchbutter im Tiefkühlfach sein Eigen nennt. Das rosa gegarte Entrecôte oder Osterlamm schmeckt damit doch gleich viel besser. Wer Bärlauch trocknet, erntet Gras. Lediglich einfrieren funktioniert nach meinen Erfahrungen noch einigermassen zufriedenstellend.
Die Saison überlebt er aber am besten als Pesto…

Frühlingsgefühle

Bärlauchsammeln

Auf die Gefahr hin, dass ein simples Bärlauchpesto zu banal erscheinen würde, empfehle ich hier eine Version mit sonnengetrockneten Tomaten. Wer’s lieber ohne mag, der lässt die Tomaten weg und verwendet stattdessen mehr Bärlauchgrün.

Bärlauch-Tomaten-Pesto

  • 120 g getrocknete Tomaten, in Öl
  • 4 Bund frischer Bärlauch (ca. 100 g)
  • 30 g Pinienkerne
  • 1.5 dl Olivenöl extra vergine
  • einige Spritzer Limettensaft
  • 1 TL Meersalz

Die Tomaten zunächst in Stücke schneiden und anschliessend im Mixer oder Cutter grob pürieren.

Die Pinienkerne in einer beschichteten Bratpfanne ohne Öl einige Minuten anrösten. Danach auskühlen lassen.
Die ausgekühlten Pinienkerne zu den Tomaten geben und erneut grob pürieren.

Den Bärlauch waschen, trocken tupfen und mit dem Küchenmesser fein hacken. Zusammen mit dem Olivenöl in den Mixer oder Cutter geben, Limettensaft und Salz zugeben und alles nochmals kurz durchmixen. Nicht zu lange, auf die Gefahr hin, dass die Blätter verbrennen und an Geschmack verlieren und bitter werden. Ja, und das war’s dann eigentlich schon.

Mit etwas Olivenöl bedeckt hält sich das Pesto im Kühlschrank ein paar Wochen. Ohne Tomaten und Pinienkerne zubereitet (nur Öl, Bärlauch und Salz) lässt es sich auch eine halbe Ewigkeit einfrieren. Und verschenken geht natürlich sowieso – dann aber bitte in hübschen Gläschen.

Ein Meer aus Bärlauch

Immer schön der Sonne entgegen...

Als vielseitiger Alleskönner eignet sich das Bärlauch-Tomaten-Pesto für zig Verwendungsarten wie zum Beispiel:

  • als kräftiger Aromengeber in hausgemachter Würzbutter
  • unter die frische Pasta gemischt
  • als Pizzabelag oder gleich direkt in den Teig geknetet
  • mit Frischkäse gemischt als Omelettfüllung
  • als Füllung und Marinade für zarte Pouletschenkel
  • zum Überbacken von grünem Spargel
  • für das gewisse Extra in Hackbällchen oder Burger
  • als Frischekick für die nächste Vinaigrette
  • mit Quark gemischt aufs Pausenbrot geschmiert
  • als Einlage in Suppen aller Art
  • oder pimpt damit das sonntägliche Rührei

Rot - Weiss - Grün

Bärlauch-Tomaten-Pesto

Bärlauch-Tomaten-Pesto

Eines meiner Lieblingsrezepte sind übrigens knusprige Bärlauchgipfeli. Die gehen ratzfatz und eignen sich ideal, wenn man unerwartet Gäste vor der Türe stehen. Lediglich eine Packung Blätterteig im Kühlfach wird benötigt:

Bärlauchgipfeli

  • 1 ausgewallter Blätterteig
  • 1 Eigelb mit etwas Milch
  • 1 Eiweiss

Den Teig in Dreiecke schneiden und einen ca. 1 cm breiten Rand mit Eiweiss bestreichen. Den Backofen auf 220° C vorheizen.

Auf jedes Dreieck 1-2 TL Bärlauch-Tomaten-Pesto streichen und dabei den Eiweiss-Rand frei lassen. Von der breiten Seite her locker bis zum Spitz aufrollen, diesen gut andrücken und die Gipfeli auf ein mit Backtrennpapier belegtes Blech legen. Mit Eigelb bepinseln und im Ofen rund 10 Minuten knusprig backen.

So… und jetzt ab in den Wald und Bärlauch sammeln!

Bärlauchgipfeli

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17 Antworten to “Bärlauch-Tomaten-Pesto”

  1. leckerbox 14. April 2013 um 11:50 #

    Tolle Bilder von der Natur, und das Pesto und die Bärlauchgipfeli sehen total lecker aus. Mir war bis gerade gar nicht so bewusst das Bärlauch genau wie Pilze in der Natur noch zu finden sind.
    Wünsche einen schönen Sonntag…
    Liebe Grüße
    Simone 🙂

    • marco 14. April 2013 um 12:12 #

      Die Zutaten direkt vom Wald in den Kochtopf, das ist ganz nach meinem Geschmack! Und wenn da irgendwo noch etwas Erde oder ne Schnecke dran klebt, so machts das nur authentischer 😉

      Bald beginnt die Morchelsaison, ich freu mich schon! Von wegen geheime Sammelplätze 🙂

      auch dir einen schönen Sonntag, liebe Mone!

  2. Dirk Staudenmaier 14. April 2013 um 12:01 #

    Lieber Marco, wenn das auf den Fotos deine geheimen Bärlauchgründe sind, dann kannst du einen Pestogroßhandel aufmachen und damit steinreich werden, meine ich 😉 Jawohl, ein Hoch auf den Bärlauch! Gut, dass einmal so ausführlich über ihn geschrieben wurde…. Übrigens, in einer deftigen Gemüsesuppe macht er sich auch sehr gut.

    Lieben Gruß, Dirk

    • marco 14. April 2013 um 12:19 #

      Haha, da hast du wohl recht, lieber Dirk!
      Mein „geheimes“ Fleckchen ist echt eine grüne Oase und der Duft dort haut den stärksten Mann um 😉

      Erkenne ich da etwa einen genauso grossen Bärlauch-Junkie in dir? 🙂
      Gemüsesuppe! Merke ich mir! Oder wenn ich gerade so darüber nachdenke… Kartoffelsuppe wär wohl auch was…mmhjam…

      Geniess die Sonne!

  3. magentratzerl 14. April 2013 um 12:53 #

    „Geheime“ Bärlauchgründe gibt es bei uns auch. Er ist nun endlich gewachsen, und grade habe ich ordentlich gesammelt. Mit Deinen Massen an Bärlauch kann meine Sammelstelle allerdings nicht mithalten – diese Art von Plantage gibt es zwar, aber da sind Gartenzäune drumherum.
    Das Pesto mit Tomaten drin werde ich ausprobieren.

    • marco 14. April 2013 um 23:05 #

      Nun ja, soo geheim sind sie ja meistens nicht 😉 Immerhin grünt der Waldknoblauch vielerorts ja ziemlich üppig und unübersehbar…

      Er soll sogar im Garten kultivierbar sein und sich rasend vermehren… solange mich aber meine Sammelstelle nicht im Stich lässt, suche ich meinen Bärlauch lieber direkt im Wald 🙂

      • magentratzerl 15. April 2013 um 09:03 #

        Ich habe mal vor ein paar Wochen probehalber ein Bärlauchlein eingebuddelt. Ich gehe mal davon aus, wenn er sich vermehrt, dann in der nächsten Saison. Im Augenblick macht er einen eher unwilligen Eindruck…

      • marco 15. April 2013 um 22:33 #

        Sei gewarnt, liebes magentratzerl! Ehe du dich versiehst, wuchert er dir ganze Beete voll! Aber dagegen gibt es ja eigentlich nichts auszusetzen… von wegen Pestogrosshandel 😉

  4. kochfrau 14. April 2013 um 14:15 #

    Grad wurde mein gestriges Gedankenspiel von dir beantwortet: Bärlauch pur ist mir meist zu intensiv. Gemischt mit getrockneten Tomaten bestimmt perfekt. Wird demnächst ausprobiert.

    • marco 14. April 2013 um 23:09 #

      Liebe kochfrau

      Schön von dir hier zu lesen! Und noch schöner, dass ich dich mit der Pesto-Variante mit getrockneten Tomaten inspirieren konnte 😉

      Ich wünsche schon mal „en Guete“ 🙂

  5. salzpfefferkokos 19. April 2013 um 18:26 #

    Jetzt wollte ich am Wochenende auch endlich Bärlauch sammeln zu Hause und BÄM ist das Wetter kacke. -.- Gefällt mir NICHT. Was mir aber extrem gut gefällt ist dieses Pesto – und die genialen Verwendungstipps dazu. Hut ab, Herr Züger, ich kann es förmlich durch den Bildschirm riechen. Womit wir bei den Gipfeli wären. Schweizer GIPFELI. Hmmmmmm. ❤
    Komm gut ins Wochenende!!

    • marco 20. April 2013 um 15:18 #

      Die Hexe in Weiss ist zurück 😉

      Aber bis Mitte nächster Woche meldet sich die Sonne zurück, dann freut sich bestimmt auch der Bärlauch über deinen Besuch 😉
      Apropos Verwendungstipps: meine Gläschen neigen sich bereits dem Ende zu… vielleicht wage ich mich nächste Woche auch nochmals in den Wald!

      Und Gipfeli für Frau Jaumann gibt’s dann, wenn du zu Besuch kommst 😉

      Happy Weekend auch dir!

      • salzpfefferkokos 24. April 2013 um 18:28 #

        Rate wer heute morgen extra um 7 aufgestanden ist um sich so ein Pesto zu basteln und mit Nudeln in die Uni mitzunehmen… Leeeecker!!! 😀 Hab ein bisschen was geändert – wird bald verbloggt. 🙂

      • marco 26. April 2013 um 08:28 #

        Morgendliche Höchstleistung in der Küche… ich musste (mal wieder) von einem Ohr zum anderen schmunzeln… 🙂

        Es war etwas still um dich geworden, das Studienchaos scheint wohl überhand zu nehmen 😉

        Im Übrigen: danke fürs Verlinken und für das leckere Rezept. Wenn ich’s nochmals in den Wald auf Bärlauchjagd schaffe, dann weiss ich, was ich damit anstellen werde 😀

  6. Schnippelboy 12. März 2015 um 14:31 #

    bei uns dauert es noch etwas mit dem bärlauch

    • marco 12. März 2015 um 20:26 #

      Bei uns spriesst er schon ein klein wenig, aber ich habe beschlossen, ich gebe ihm noch ein bisschen verdiente Wachstumszeit 😉

Trackbacks/Pingbacks

  1. Bärlauch-Schupfnudeln mit Spargel | magentratzerl - 1. Mai 2015

    […] Parmesan, Olivenöl und (Cashew)nüsse drin. Hüstel. Für exaktere Angaben wendet Ihr Euch an Marco oder an Semiha, da findet Ihr wunderbare Rezepte. Allerdings sind die inzwischen wohl eher für die […]

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