Sizilianische Arancini

9 Apr

Wenn Gäste vor der Türe stehen…

Eigentlich wäre es ja kalendermässig an der Zeit über Frühlingsgenüsse zu berichten. Aber eben…

Am Morgen sind es auf der Terrasse immer noch +/- Null Grad und die Kleinvögel wie Meisen, Spatzen, Amseln und Finken umkreisen die leeren Futterhäuschen wie die Geier den toten Esel. Der Frühling hinkt hinterher…

Dem andauernden Winterblues wirken wir mit ein wenig sizilianischer Sonne im Kochtopf entgegen. Essen in Kugelform schmeckt eigentlich immer. Genauso wie alles, was frittiert wird. Gute-Laune-Essen halt eben! Gegen das Frittieren zu Hause sprechen aber mindestens zwei Dinge: 1. der Gestank und 2. der Gestank. Die Ausdünstung, die man danach in die Welt hinaus trägt, ist wirklich beispiellos. Auch wer heute, ganze drei Tage nach dem Schmaus, mein Reich betritt fragt augenzwinkernd: „Hast du Pommes frites gegessen?“

Wenn jemand sich die Mühe macht, einen Haufen Reisbällchen mit blossen Händen zu befüllen, in Kugelform zu bringen und anschliessend in heissem Fett auszubacken, der wird diesen Aufwand wohl kaum alleine auf sich nehmen. Kulinarisch verwöhnt wurden daher mal wieder die Jungs.

Wer oft Gäste hat, der kennt die Doppelrolle Gastgeber/Gasgeber nur zu gut. Eigentlich eine unlösbare Aufgabe, den mitschlemmenden Gastgeber und gleichzeitig den abgeklärten Chefkoch zu spielen. Von Mittrinken ist dabei noch nicht mal die Rede. Aber Not macht ja bekanntlich erfinderisch. Also liess ich meine Gäste als Copiloten gleich selbst mit anpacken. Unter fachkundiger Anleitung wurde Reiskugel um Reiskugel geformt, während ich mit kritischem Auge und Bier in der Hand alles aus der Poleposition überwacht habe. Dass die Küche danach einem Schweinestall gleicht, ist wohl der Preis, den man für’s Nichts-Tun zahlt. Aber trotzdem – gerne wieder, Jungs.

Übrigens: wer Arancini nicht kennt. Ausprobieren! Ihr könnt’s gleich wie ich machen und die Gäste für euch schuften lassen. Arancini sind gefüllte, panierte und frittierte Reisbällchen, in Sizilien an beinahe jeder Strassenecke als kleiner Snack und Imbiss anzutreffen. Die Füllung ist dabei genügsam und passt sich dem an, was ihr mögt. Ob klassisch mit Ragù, mit Mozzarella und Parmaschinken oder vegetarisch inspiriert mit Pilzen, Auberginen und ofengerösteten Peperoni. Gut ist, was schmeckt.

Für 6 Personen

  • 500 g Risottoreis (zum Beispiel Carnaroli)
  • 1 grosse Zwiebel, fein gehackt
  • 2 Knoblauchzehen, fein gehackt
  • 2 Briefchen Safran
  • 1 grosse Hand voll grüner Erbsen
  • 1 dl Weisswein
  • 2 EL Butter
  • genügend heisse Fleischbouillon
  • 100 g geriebener Parmesan oder Pecorino
  • 4 Salsicce (italienische, pikant gewürzte Wurst)
  • 120 g Mozzarellaperlen
  • Paniermehl (am besten hausgemacht)

Zunächst bereiten wir den Risotto zu. Und ja, ich proklamiere immer, dass ein guter Risotto „all’onda“ zubereitet werden soll. Er soll gleiten auf dem Teller, wie eine Welle. Für Arancini machen wir hier heute eine Ausnahme, schliesslich wollen wir daraus noch Kugeln formen.

Dazu Olivenöl auf Tour bringen, fein gehackte Zwiebel und Knoblauch darin glasig dünsten und anschliessend den Risottoreis hinzufügen. Kurz mitrösten, bis er schön glasig ist und anschliessend mit Weisswein ablöschen und fast komplett einreduzieren lassen. Erbsen und Safran rein und dann nach und nach von der heissen Fleischbrühe zum Reis geben bis er cremig ist und dennoch Biss hat. Dauert ca. 15 Minuten. Stets rühren nicht vergessen.

Zum Schluss ordentlich Butter und geriebenen Käse untermischen und von Vorteil nicht gleich alles wegessen. Der Risotto soll nun nämlich so rasch wie möglich auskühlen. Bei den frostigen Temperaturen am letzten Wochenende war dies jedoch die geringste Sorge.

Risotto alla milanese - die Basis

Anschliessend von den Salsicce die Enden abschneiden und das Brät in eine Pfanne mit heissem Öl drücken. Während rund 10 Minuten bei nicht all zu starker Hitze krümelig braten, nach Gusto mit etwas Pfeffer oder geräuchtertem Paprikapulver würzen.

Sobald der Reis abgekühlt ist, machen wir uns ans Befüllen der Reiskugeln. Taktisch geht dabei jeder etwas anders vor.

Wichtig ist, dass man mit befeuchteten Händen arbeitet, dann klebt der Reis gleich viel weniger. Man schnappt sich ein golfballgrosses Stück, drückt es flach in der Hand und befüllt es mit einem Krümelchen Wurst und einer halbierten Mozzarellaperle. Nun schliesst man vorsichtig die Kugel (allenfalls noch etwas Reis hinzunehmen) und formt daraus eine Kugel.

Handarbeit zum Ersten

Handarbeit zum Zweiten

Die Reisbällchen werden anschliessend in Paniermehl ringsum gewälzt, so dass sie rundum davon überzogen sind. Allenfalls wäre es sinnvoll, die Kugeln zunächst in etwas aufgeschlagenem Ei zu baden. Hat jemand Erfahrung damit?

Zwischenzeitlich schon mal das Öl in einem dafür geeigneten Gefäss erhitzen. 180 Grad ist die Idealtemperatur – für diejenigen mit Thermostat. Wer aber ein Holzstäbchen eintaucht und es bilden sich kleine Blasen darum, der ist ebenfalls auf Kurs.

Der Rest ist Geschichte: Arancini ringsum goldgelb ausbacken, auf Küchenkrepp abtropfen lassen und sofort servieren.

Dazu passt am besten -das Feigenblatt der gesunden Ernährung- ein grüner Salat!

Baden in Fett

Arancini

...schmecken auch mit Harissa gut

Arancini

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17 Antworten to “Sizilianische Arancini”

  1. leckerbox 9. April 2013 um 23:03 #

    Die sehen ja sooooo lecker aus. Danke für das Rezept. Wenn da bloß das fritieren nicht wäre 😉 Aber hin und wieder muss man das einfach machen!
    Liebe Grüße
    Mone 🙂

  2. Memse 10. April 2013 um 07:45 #

    Mir geht es genau so, das sieht ja so lecker aus. Habe am Freitag Besuch und möchte Risotto machen. Aber eben, wenn nur dieses Fritieren nicht wäre.

    • marco 10. April 2013 um 23:12 #

      Hin und wieder 😉

      zum Zweiten…

  3. Gini 10. April 2013 um 09:08 #

    Als Copilot und Tester kann ich nur eines zu diesen Bällchen sagen: Der absolute Wahnsinn! Bei so einem Essen bin ich noch so gerne deine Küchenhilfe 🙂

    • marco 10. April 2013 um 23:12 #

      Du hast dich auch wacker geschlagen 😉

      Wie gesagt: gerne wieder!!

  4. magentratzerl 10. April 2013 um 09:16 #

    Für Arancini nehme ich einiges in Kauf; sogar Fritieren 🙂 Ich mache gerne mal etwas mehr Risotto, damit ich die Reste am nächsten Tag in die begehrte Bällchen-Form bringen kann….

    • marco 10. April 2013 um 23:13 #

      Keine schlechte Idee… darauf bin ich noch gar nicht gekommen…

      So ne Pfanne voll Öl ist ja schliesslich schnell erhitzt 😉

  5. salzpfefferkokos 12. April 2013 um 16:54 #

    Oh man… 1. Der Gestank und 2. der Gestank. Ich lieg am Boden. *lach* Dazu noch die Chefposition mit Bier in der Hand. So und nicht anders. ^^
    Das einzige, was ich jemals frittiert habe, waren Omas Krapfen… Ich muss in meiner Miniwohnung ja nur Pfannkuchen machen, um mindestens zwei Tage was davon zu haben. Und damit meine ich nicht die Reste im Kühlschrank. 😉
    Aber hey, was tut man nicht alles für ein tolles Geschmackserlebnis und danach sehen deine Bällchen hier definitiv aus.

    Vielleicht springe ich noch auf den Arancini-Zug auf, sind ja momentan in aller Bloggermunde. Mal sehen.
    Schönen Start ins Wochenende! Frühüüling und so!

  6. lamiatrattoria 13. April 2013 um 21:08 #

    Leeeecker! Das letzte Mal als ich die machen wollte, habe ich das Bratfett so heiß werden lassen, dass alle pechschwarz geworden sind, seitdem wars das mit Arancini und mir ;-)….aber wo ich die hier so sehe bekomme ich echt richtig Lust darauf! Lecker sind auch die mit ganz ganz vielen Käsesorten, der dann so richtig schön rausfließt….hmmm…. 🙂

    • marco 14. April 2013 um 12:10 #

      Anfängerpech, liebe Verena 😉

      Hoffe ich konnte dich für einen neuen Versuch begeistern! Deine Idee mit den verschiedenen Käsesorten gefällt mir gut! Ich liebe ja Gorgonzola und stelle mir das gerade sensationell lecker vor 🙂 wird beim nächsten Mal nachgeholt!

  7. culinarypixel 17. April 2013 um 15:36 #

    diese Dinger sind der Hammer! Ich muss die unbedingt mal (wieder) machen, ist ja doch ganz schön viel Arbeit.. aber lohnt sich durchaus, ja. danke für die Erinnerung 😉

  8. Giovanni 27. April 2013 um 09:44 #

    Nachdem Sizilien meine 2. Heimat ist, führt mich der erste Weg, nach Ankunft auf dieser schönen Insel und nachdem ich die ersten 3 Espressi eingenommen habe zu den Arancini einer lieben Freundin, die sie extra für mich immer wieder macht. Ich liebe Arancini!!!

    • marco 29. April 2013 um 07:53 #

      Hallo Giovanni, schön von dir hier zu lesen!
      Arancini und Espressi 🙂 da kommt doch gleich Fernweh auf… Bestimmt schmecken die Arancini deiner Freundin so richtig nach Sonne, Süden und Sizilien 😉 Da würde ich auch nicht lange zögern.

      Liebe Grüsse
      *marco

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  1. Omas Osterkuchen | - 18. April 2014

    […] 3. Welches ist dein liebster Beitrag auf deinem Blog? Uff! Die Frage ist echt fies! Ein Ehrenplätzchen in meinem Herz hat auf ewig der hausgemachte Rhabarberlikör, war er doch mein erster Blogpost ever! Ein weiterer Favorit wären zum Beispiel noch die sizilianischen Arancini . […]

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