Ghackets mit Hörnli

20 Mrz

Wahrhaftiger Eidgenuss

Ghackets mit Hörnli – die helvetische Antwort auf Ragù alla Bolognese.

Das Ausland blickt ja immer wieder neidisch auf unser Réduit an Küchenschätzen und staunt welch‘ mundwässernde Errungenschaften dieses kleine Land hervorbringt. Das kulinarische Erbe der Schweiz ist ein überquellender Schatz an Preziosen des Geschmacks, ein Schlaraffenland von Tradition und Innovation. Jahrhunderte alte Lebkuchenrezepte, gehören genauso dazu wie Industrieprodukte, allen voran Rivella, oder Perlen aus der Urchuchi wie zum Beispiel der Glarner Schabziger, das älteste Markenprodukt der Schweiz.

Ich behaupte mal kühn, dass 99 von 100 Schweizern mit dem Begriff Ghackets mit Hörnli etwas anfangen können. Währschaft, bodenständig, altbewährt und gut. Diesen Schweizer Küchenklassiker muss man einfach mögen. Schon die Kleinsten schaufeln mit grösster Begeisterung die Teller leer. Umso erstaunlicher, dass man anscheinend über die Ursprünge dieses Gerichts so gut wie nichts weiss. Keiner hat es besungen, nie wurde es in einer Urkunde erwähnt. Anscheinend gehörten die Hackfleisch-Hörnli seit jeher zum Küchenalltag, so dass sich niemand jemals den Kopf darüber zerbrach.

Ghackets-mit-Hörnli-Essen ist eine Frage des Naturells. Es gibt kein falsches Essverhalten. Der eine pickt andächtig jedes einzelne Hörnli mit der Gabel auf und hält Fleisch und Pasta sauber voneinander getrennt. Der andere schaufelt mit Wonne und den Ellenbögen auf dem Tisch die Geschichte suppenlöffelweise in sich hinein, Hörnli, Hackfleisch und Apfelmus lustvoll zusammengerührt. Einige servieren dazu Zwiebelschwitze, was zugebenermassen wunderbar mundet. Der absolut unverzichtbare Begleiter ist für mich allerdings Öpfelmues, daran kommt keiner vorbei. Und wenn wir uns schon die Mühe machen, dann wird natürlich auch das Apfelmus selber hergestellt. Ehrensache.
Alles andere ist keine Silbe wert.

Weitere exotische Experimente sind ausdrücklich nicht erwünscht. En Guete!

Nebst dem hausgemachten Öpfelmues serviere ich dazu sehr gerne süss-saure Apfelschnitzli, das gibt dem Ganzen noch zusätzlich etwas Textur und Pepp.

Für 2 Personen

Zunächst wird ein säuerlicher Apfel geschält und gesechselt. Die Schnitze zusammen mit 2 EL Zucker sowie 1 dl Apfelessig und einer ausgekratzten Vanilleschote in einer Pfanne während 10 Minuten weichgaren.

Für das Apfelmus werden 4 säuerliche Äpfel (zBsp. Boskoop oder Braeburn schmecken gut) in 1.5 dl Zuckerwasser, zusammen mit einem Stück Zimtstange und etwas Zitronenabrieb weichgekocht. Anschliessend mit dem Zauberstab pürieren und im Kühlschrank abkühlen lassen. Und Vorsicht: die Gefahr ist gross, dass man sich gleich darüber her macht und die ganze Schüssel weglöffelt.

Going Öpfelmues

Danach könnt ihr schon mal Wasser aufkochen, salzen und die Hörnli anschliessend darin al dente kochen. Dauert im Regelfall 8 bis 10 Minuten. Danach abseihen und mit einem Stückchen Butter verfeinern.

In der Zwischenzeit etwas Rapsöl in einer Pfanne erhitzen. 500 g gehacktes Rind portionsweise darin anbraten, salzen und pfeffern nicht vergessen. Die Betonung liegt hier auf dem Wort „portionsweise“. Bitte bitte nicht das gesamte Hack aufs Mal braten, es zieht Wasser und wird pampig und grau. Und das wollen wir doch nicht, oder wollen wir das? Nein, wir wollen ja die Röstaromen rauskitzeln, damit unsere Sauce schön deftig und lecker wird.

Erst danach eine superfein gehackte Zwiebel und 2 gepresste Knoblauchzehen in die Pfanne geben und im Bratensatz kräftig anrösten. Einen Esslöffel Tomatenpüree hinzufügen, kurz mitrösten und das Ganze anschliessend mit einem Glas Rotwein ablöschen. Mit 2 dl kräftiger Bouillon oder Kalbsfond aufgiessen, ein Lorbeerblatt sowie eine Nelke hinzufügen und zu einer kompakten Sauce einkochen.

Zum Anrichten streiche ich am liebsten das kühlschrankkalte Apfelmus auf der Tellermitte aus und toppe das Ganze mit den Hörnli und dem Gehackten. Ringsum die süss-sauren Apfelringe platzieren und das wär’s eigentlich schon.

Bett aus Apfelmus

Wer mag serviert Käse dazu… aber auch hier… ist eine Streitfrage.  Ich hab’s heute ausnahmsweise mal mit Belper Knolle probiert und es hat mehr als gut gemundet… Aber wie gesagt… jedem das Seine…

Belper Knolle

Ghackets mit Hörnli

Ghackets mit Hörnli

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3 Antworten to “Ghackets mit Hörnli”

  1. Reto 20. März 2013 um 20:07 #

    Belper knolle ist echt gut 🙂

  2. Memse 21. März 2013 um 09:03 #

    Das sieht ja super aus. Ist mir noch nie in den Sinn gekommen, ein so einfaches Essen, so schön zu präsentieren. Das könnte man ja einem Besuch auftischen.
    Ist Belper Knolle eine spezielle Art von Käse?

  3. magentratzerl 21. März 2013 um 09:06 #

    Schweizer Bolognese 😉

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