Andalusischer Brotsalat

25 Dez

…oder von kulinarischen Es(s)kapaden zu nachtschlafender Stunde

Andalusischer Brotsalat.

Na, das klingt doch mal gut!? Genau das dachte ich mir auch.

Letzten Sonntag mit einem Poltern im Magen im Bett erwacht. Fünf vor zwölf. Irgendwo in meinen Kopf schwirrt dieses Rezept umher. Langsam und gemählich in die Gänge kommen. Eine konkrete Idee beginnt sich zu formen. Brotsalat. Andalusisch verpackt. Erst mal Kaffee aufgesetzt. Dann gemütlich zur Tat schreiten. Der Blick in den Kühlschrank verrät: mein Serrano-Schinken ist auch schon wach. Was für ein Glückstag. Es lebe der Notvorrat. Nach und nach gesellen sich weitere Leckereien an den Tisch. Comme il faut. So mag ich das. Schön, wenn man träumen kann…

Tatsächlich träume ich oft vom Essen. Von Rezepten, neuen Kreationen und kleinen mitternächtlichen Geschmackserlebnissen. Die wenigsten wird dies wohl erstaunen. Und die wenigsten werden sich wundern, dass ich danach immer ganz quiekfidel erwache und mich des schönen Morgens -und meiner sehnsüchtig auf mich wartenden Küche- erfreue! Gelobt sei der Sonntag.

Für solche Momente habe ich dann stets meine kleine braune „Bibel“ neben dem Nachttisch zur Hand, in welche ich jeweils meine nächtlichen Geistesblitze niederkritzeln kann. Sofern Väterchen Arbeit nicht schon bald ruft, kann ich mich dann auch getrost nochmals um die eigene Achse drehen und mir eine weitere halbe Stunde Powernap gönnen.

So ergangen auch mit dem folgenden Rezept. Am Anfang stand da bloss ein Brotsalat. Andalusisch verpackt, wohl verstanden. Stimmt, normalerweise stammt der eigentlich aus der Toskana und nennt sich panzanella. Heute kommt mir das eher spanisch vor. Aber trotzdem. Das Resultat lässt sich meiner Meinung nach sehen! Schmeckt nämlich – Moment, ich muss Anlauf holen – saumässig gut! Nur Essen im Traum wäre wohl die Steigerung.

Vorspeise für 4 Personen oder Hauptgericht für 2

  • 250 g Ciabatta oder Weissbrot
  • 1 rote Peperoni
  • 1 Peperoncino
  • ½ Gurke
  • 1 kleine rote Zwiebel
  • 100 g Jamón Serrano
  • ½ Bund glatte Petersilie
  • 1 dl roter Portwein

Lorbeer-Sherry-Vinaigrette

  • 1 Schalotte, fein gehackt
  • 1 Knoblauchzehe, gepresst
  • 1 dl heisse Gemüsebouillon
  • 1 Lorbeerblatt
  • ½ dl Sherry-Essig
  • ½ dl Olivenöl
  • Salz, Pfeffer aus der Mühle

Eines gleich im Voraus: die Geschichte hier steht und fällt mit der Verwendung von gutem Brot! Spart also hier bitte nicht mit der Qualität. Weissbrot oder eben Ciabatta passt meiner Meinung nach aber am besten, das verbindet sich schön mit den restlichen Aromen im Salat. Im Prinzip ist die Sache simpel:

Backofen auf 200°C vorheizen und das Brot in mundgerechte Würfel von ca. 2 cm schneiden. Auf einem Backblech in der Ofenmitte 5-7 Minuten hellbraun rösten. Danach herausnehmen und beiseite stellen.

Ciabatta rösten

Den Ofengrill dazu schalten, die Peperoni waschen, vierteln und entkernen. Mit der Hautseite nach oben auf einem Blech verteilen und knapp unter dem Grill ca. 5 Minuten rösten, bis die Haut schwarze Blasen wirft. Nun in einen Gefrierbeutel geben und 5 Minuten ruhen lassen, danach könnt ihr wunderbar die Haut abziehen. Alter Hausfrauentrick!

Peperoni quer in Streifen schneiden, Gurke längs halbieren, entkernen und in dünne Scheiben schneiden. Den Peperoncino fein hacken. Die Zwiebeln werden nun ebenfalls in Streifen geschnitten und in heissem Olivenöl 2 Minuten kräftig angebräunt. Mit Portwein ablöschen und einkochen lassen bis die Flüssigkeit nicht mehr vorhanden ist.

für Gemüsetiger

Den Serrano-Schinken in einer heissen Bratpfanne knusprig braten und anschliessend in Streifen schneiden. Nun nur noch die Petersilie klein hacken und mit den restlichen Zutaten in einer Schüssel gründlich vermengen.

Für die Vinaigrette die Bouillon mit dem Lorbeerblatt aufkochen. Vom Feuer nehmen und auskühlen lassen, anschliessend das Lorbeerblatt entfernen. Nun sämtliche Zutaten verrühren und mit Salz und Pfeffer kräftig würzen. Über den Salat giessen und sorgfältig vermischen. Vor dem Genuss bei Zimmertemperatur 30 Minuten durchziehen lassen.

Andalusischer Brotsalat

Das Schöne daran ist, dass sich der Salat beinahe beliebig erweitern lässt. Wie wär’s zum Beispiel mit in Streifen geschnittenen sonnengetrockneten Tomaten, frischen Feigen, Cherrytomaten, schwarzen Oliven oder fein geschnippeltem Stangensellerie. Auch ein wenig Chorizo wäre bestimmt nicht das Schlechteste…

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Buen provecho!

Viva Andalucia!

Andalusischer Brotsalat

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4 Antworten to “Andalusischer Brotsalat”

  1. salzpfefferkokos 25. Dezember 2012 um 13:52 #

    Mmmh Brotsalat! Ich muss zugeben,den habe ihn noch nie selber gemacht, obwohl das ja wirklich kein Hexenwerk ist. Aber was den Marco sogar in seinen Träumen verfolgt, muss ich unbedingt nachkochen…!
    Übrigens hab ich folgendes in der Schweiz gelernt: Peperoni ist Paprika und Paprika ist Paprikapulver zum Würzen. Oder? 🙂
    Liebe Weihnachtsgrüße!

    • marco 25. Dezember 2012 um 17:03 #

      Ganz Ganz Grosses Mmmh!! 🙂 und definitiv kein Hexenwerk! Hat aber trotzdem etwas magisches!

      Im Übrigen: ich muss schon wieder schmunzeln 🙂 hast du gut aufgepasst! Ich würd sagen, die Weichen für deinen Schwyzerdütsch-Crashkurs sind schon mal gelegt…

  2. ruedistetten@bluewin.ch 25. Dezember 2012 um 16:33 #

    Lieber Marco,

    Ich lese Deine Emails immer mit viel Freude und bewundere zum wiederholten Male Deinen Schreibstil. Ich bin kein Fan von z.B. indischer Kochkunst sondern denke, dass wir hier in Europa – mit den oder dank den vielen wunderbaren Gewürze aus dieser Küche – trotzdem viel weiter sind.

    Jedenfalls, Dein andalusischer Brotsalat hat mich spontan begeistert und wollte ihn deshalb sofort in meinen Fundus von Rezepten aufnehmen. Als Dein treuer Geselle habe ich ihn in einer nüchternen aber druckerfreundlichen Version gespeichert und hoffe, ich habe dabei keine Fehler gemacht. Ich lege ihn Dir zur Kontrolle und Kritik bei.

    Ich wünsche Dir und Deiner Familie (speziell Deine Mutter braucht ja jetzt Unterstützung) noch schöne Feiertage und für das Neue Jahr alles Gute.

    Dein

    Ruedi Keller

    • marco 25. Dezember 2012 um 17:07 #

      Lieber Ruedi,

      dass du kein Fan von Küchen jenseits der hiesigen Grenzen bist, ist mir ja bereits bekannt. Wir hatten es erst gestern von dir und davon 🙂

      Umso mehr erfreue ich mich zum wiederholten Male, dass du meine Posts immer noch regelmässig liest und dir meine Schreibe gefällt. Danke dafür!

      Den Brotsalat kann ich wirklich nur empfehlen, Varationsmöglichkeiten = unbegrenzt. Wann darf ich zum Essen kommen? 🙂

      Auch dir an dieser Stelle ein paar besinnliche und erholsame Festtage und schon heute einen guten Rutsch ins neue Jahr 2013!

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