Cheeseburger Fondue

9 Dez

Klassiker reloaded

Wir Schweizer lieben ja Käse. Und ganz besonders lieben wir ihn in geschmolzener Form, nämlich als Raclette oder eben Fondue. In dieser Hinsicht bin ich durch und durch Traditionalist.

Eine bei uns besonders wichtige Gewissensfrage lautet jeweils: isst du lieber Raclette oder Fondue? Wer zaghaft mit „ich mag eigentlich beides“ antwortet, hat nichts verstanden.

Ich mag lieber Fondue. Obwohl, zugegeben, irgendwie auch ein seltsames Gericht. Ich meine: Allerlei Käse wird in einem grossen Topf über dem Feuer geschmolzen, um danach im Schein der flackerenden Flamme des Rechauds Brotwürfel darin einzutauchen? Ich verstehe warum einige Ausländer den Kopf ob dieser Tradition schütteln. Aber es schmeckt halt einfach und ist mitunter ein rustikales und abendfüllendes Gesellschaftsessen, um das sich viele Bräuche und Gewohnheiten ranken.

So ist es zum Beispiel bei uns Tradition, dass ein Teilnehmer, der sein Brot im Käse verliert, eine Runde Weisswein oder Schnaps ausgeben muss. Andere müssen aufstehen und ein Lied singen. Diese „Verliererbräuche“ können variieren. Bei Asterix bei den Schweizern werden die „Verlierer“ mit einem Stock verprügelt, ausgepeitscht und in den Genfersee geworfen. Auch eine tolle Tradition… 

Ganz soo traditionell kommt mein Rezept aber heute nicht daher. Im Gegenteil. Puristen werden wohl die Hände über dem Kopf verwerfen. Ganz klassisch gilt: Brot ist die Beilage to eat! Aber zu meiner Verteidigung: mir gefällt an Fondue besonders, dass man es immer wieder neu erfinden kann. Sowohl die Käseauswahl als auch das Brot (oder eben anderes Gut zum Eintauchen) können x-beliebig variiert und neu kombiniert werden. Entstanden ist bei mir das nachfolgende Rezept für ein – ich nenn das mal Cheeseburger Fondue!
Gar kein Käse, wie ich finde…

Wo und wie das erste Käsefondue zubereitet wurde wird wohl immer ein Rätsel bleiben. Klar ist, die Geschichte des Fondues ist Jahrhunderte alt und muss ihren Ursprung irgendwo den Schweizer Alpen haben. Die Sennen waren von der Umwelt abgeschnitten und hatten die notwendigen Zutaten: Milch konnte täglich von Kühen und Ziegen gemolken werden, Brot wurde am Feuer gebacken. Und woher kam der Wein? Das “Ur- Käsefondue” wurde nicht mit Wein sondern mit Milch zubereitet. Auch die Stärke wurde nicht mit Kirsch angerührt.

Als Nationalgericht gibt es das Käsefondue erst seit den 50er Jahren. Bekannt wurde es durch die Aufnahme in die Armeekochbücher. Die  Soldaten brachten anschliessend die Rezepte mit nach Hause zu Frau und Kind und machten es nach und nach im ganzen Land bekannt. Wenn es um Fondue geht, zieht daher meist auch heute noch das männliche Geschlecht die Fäden. Die Zubereitung ist in vielen Haushalten reine Männersache.

Käsefondue für 4 Personen

  • 800 g Käsemischung (siehe unten)
  • 3 Knoblauchzehen
  • 2 gestrichene Esslöffel Maisstärke
  • 3 dl Weisswein
  • etwas Zitronensaft
  • ein Schüsschen Kirsch
  • 1 EL grobkörniger Senf
  • 1 TL eingelegte grüne Pfefferkörner
  • 1 TL Sambal Oelek
  • frisch gemahlener Pfeffer und Muskatnuss

Wer auf keine Fertigmischung zurückgreift (an dieser Stelle wohlbemerkt: Finger weg von Gerber!), der hat bei der Käseauswahl die Qual der Wahl. Grundsätzlich kann fast jede Hart- oder Halbhartkäsesorte fürs Fondue verwendet werden. Die wichtgsten Vertreter sind Vacherin, Gruyère, Appenzeller und Tilsiter. Bei mir wandert mit je 200 g in den Topf: Vacherin fribourgeois, Gruyère mittelreif, Etivaz AOC und ein rezenter Alpkäse eurer Wahl. Die nette Dame an der Käsetheke wird euch die Sorten gerne zusammenstellen und auch gleich durch die Maschine schreddern und in eine Tüte abfüllen.

Meatballs

  • 500 g Gehacktes vom Rind
  • 1 Scheibe Weissbrot, ohne Rinde
  • etwas Milch
  • 1 Bund glatte Petersilie
  • 1 kleiner Chili
  • 1 Schalotte
  • Meersalz
  • Paprika, Kümmel, frisch gemahlener Pfeffer

Have u got balls? Hackbällchen essen ist Vertrauenssache. Manchmal auch eine Mutprobe oder einfach nur Leichtsinn. Wenn ich mir vorstelle, welche Hände die Dinger geformt haben – nein danke, in dieser Hinsicht bin ich manchmal ein Weichei und möchte es gar nicht genauer wissen. Man isst einfach beruhigter, wenn man weiss, wer welche Zutaten mit blossen Händen verarbeitet hat. Also Obacht, wer mit fremden Pfoten hier eure Meatballs knetet.

Hackfleischmasse

Die Rezeptur ist simpel: dazu wird das Brot in ein wenig Milch für einige Minuten eingeweicht. In der Zwischenzeit könnt ihr Schalotte, Chili und Petersilie superfein hacken und anschliessend mit dem eingeweichten Brot unter die Hackmasse mischen. Kräftig würzen mit Meersalz, Paprika, Kümmel und frisch gemahlenem schwarzem Pfeffer. Und das war’s dann eigentlich schon. Mit leicht befeuchteten Händen (wenn sie gewaschen sind, braucht’s auch keine Handschuhe) kleine, mundgerechte Hackbällchen mit etwa 2 cm Durchmesser formen. Diese werden anschliessend in heissem Öl in einer Pfanne einige Minuten rundum gebraten und bis zur Fertigstellung des Fondues im Ofen warm gehalten.

Have u got balls?

Eine Pfanne voller Meatballs

Nun zum Fondue: dazu das Caquelon (so heisst bei uns die Fondue-Pfanne!) nach Belieben mit einer halbierten Knoblauchzehe ausreiben. Maisstärke und Weisswein sowie Zitronensaft zusammen mit dem restlichen Knoblauch in die Pfanne geben und bei mittlerer Hitze leicht erwärmen. Nach einigen Minuten die Käsemischung in der Pfanne verteilen und unter ständigem Rühren (irgendwer sagte mal man rührt in Form einer „8“) langsam aufkochen lassen. Kurz köcheln lassen, damit das Fondue eine gute Bindung erreicht.

Knoblauch: abgetaucht

Den letzten Kick geben wir unserem Fondue indem wir nun noch den grünen Pfeffer gemeinsam mit grobkörnigem Senf und Sambal im Mörser zerstossen und zum Schluss unter das Fondue heben. Die Traditionellen unter auch schütteln wohl bereits wieder den Kopf. Harmoniert aber herrlich mit den Fleischbällchen! Einfach ausprobieren! Dann nur noch mit etwas Pfeffer und Muskat abschmecken und mit einem Schlückchen Kirsch verfeinern. Eine Messerspitze Natron zum Schluss (gibt’s in der Apotheke) schäumt das Fondue schön sämig auf und macht es leichter verdaulich.

Say Cheese!

Angenommen es wird zu dünn, dann mit etwas in Weisswein angerührter Maisstärke nachhelfen. Und wenn euer Fondue scheidet, dann schnell zurück auf den Herd damit. Maisstärke in etwas Weisswein auflösen und zusammen mit etwas Zitronen unter ständigem Rühren zum Fondue geben und nochmals aufkochen.

Und das war’s schon! Das Fondue auf dem Rechaud weiter köcheln lassen. Brot zusammen mit einem Hackbällchen auf die Gabel stecken und tiiieeef in den Käse eintauchen… Say Cheese!

Cheeseburger Fondue

Cheeseburger Fondue

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10 Antworten to “Cheeseburger Fondue”

  1. salzpfefferkokos 9. Dezember 2012 um 20:42 #

    Lieber Marco.
    1. Deine Beschreibung von einem Topf voll mit geschmolzenem Käse ist absolut mundwässernd und keinesfalls unverständlich.
    2. Ich weiss welches Brot sich ganz hervorragend als Fondue-Beilage eignen würde. Stichwort Zweckentfremdung.
    3. Wenn du wüsstest, was ich immer so alles in mein Käsefondue tauche, würdest DU die Hände überm Kopf zusammenschlagen… 😀

    • salzpfefferkokos 10. Dezember 2012 um 00:08 #

      4. Die Ausführlichkeit und der Geschichtsexkurs gefällt! Musste es gerade nochmal durchlesen und bin ein wenig neidisch auf die schweizerische Käsekenntnis. 🙂

      • marco 10. Dezember 2012 um 19:41 #

        Haha, liebe Verena, du hast es mal wieder geschafft! Ich sitze hier in smile über beide Ohren dank dir 🙂

        In dir steckt anscheinend auch eine grosse Käseliebhaberin? Und jaaa, natürlich, das ich daran nicht gedacht habe: dein Bierbrot wäre wohl einmalig dazu. Anstelle Weisswein würde ich dann Bier verwenden und die Geschichte wäre perfekt! Hach, ich möchte schon wieder 🙂

        was tauchst denn du noch gerne in deinen Käse ein? 😉

      • salzpfefferkokos 10. Dezember 2012 um 20:40 #

        Du liegst ganz richtig, ich stehe ziemlich auf Käse – besonders in geschmolzener, seidig glänzender, Fäden ziehender Form…

        Und das wurde alles schon ausser Brot hineingetaucht:
        Neue Kartoffeln, Weintrauben, Erdbeeren, Birnenstücke, Strauchtomaten, gebratene Pilze, geröstete Zwiebelschnitze und äh…. Bitterschokolade. Natürlich nicht alles am selben Abend. Immer schön häppchenweise. Der Wahnsinn in kleinen Dosen..
        😀

      • marco 10. Dezember 2012 um 21:03 #

        Die Wahnsinnige scheinst wohl du zu sein 😉

        Also das mit der Bitterschokolade… da schlage sogar ich die Hände über dem Kopf zusammen 🙂

        Aber beim Kochen soll man ja auch mutig sein…

      • salzpfefferkokos 10. Dezember 2012 um 21:22 #

        Ich sage nicht, dass ich es wieder tun würde… Aber nen Versuch wert war es allemal. 🙂

  2. tomatenblüte 10. Dezember 2012 um 20:01 #

    Mann…das hab‘ ich schon ewig nicht mehr gegessen, dabei mag ich das so unheimlich gern!
    Danke fürs Erinnern! 🙂

  3. tomatenblüte 10. Dezember 2012 um 20:03 #

    Fast vergessen…ich tauche unheimlich gerne Äpfel ein!

    • marco 10. Dezember 2012 um 21:00 #

      Au ja, Äpfel passen gut, genauso wie Birnen!

      Und gern geschehen 🙂

  4. Memse 11. Dezember 2012 um 11:37 #

    Obwohl ich eigentlich bisher immer das tradionelle Fondue bevorzugt habe, muss ich sagen. Das Cheesburgerfondue war sensationell. Die Hackfleischbällchen super und der Senf in der Käsemischung gab dem Fondue noch den gewissen Touch.

dein Senf dazu...

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