Hausgemachtes Chili-Öl

27 Nov

Teufelszeug

Und am achten Tag erschuf Gott den Chili. Erst danach ruhte er. Wenn überhaupt. Ich glaube eher, seine Himmelsküche verwandelte sich nach und nach in ein Inferno aus Feuer, Tränen und Schweiss. Essen muss weh tun, dachte er in fieser Vorfreude. Ob da wohl der Höllenteufel seine Finger im Spiel hatte?

So oder so ähnlich stellt sich ein Chili-Aficionado wie ich wohl die biblische Schöpfungsgeschichte vor. Wem die Erleuchtung noch fehlt, der beisse einmal kräftig in einen Habanero rein. Der kleine Scheisser wird ordentlich zurückbeissen und durch den Schmerz sieht man fast schon Gott. Dann kann man ihn gleich selbst fragen…

Vor ein paar Wochen war ja mal wieder die für mich schönste Zeit des Jahres: Chili Erntedankfest. Und die diesjährige Ernte viel trotz fiesem Hagel im Frühsommer ziemlich ordentlich aus. So verlassen seit Wochen verschärfte Speisen meine Küche und mein hausgemachtes Chili-Öl erfreut sich erwartungsgemäss eines Stammplatzes in meiner Küche. Besonders zu empfehlen, wenn’s halt auch mal schnell gehen muss…

Apropos: wie machen die das eigentlich? Das www wimmelt ja von Foodbloggern und Küchenfanatikern wie mir. Aber tagtäglich neue, aufwändig inszenierte Rezepte und Posts zu veröffentlichen kostet doch echt ’ne ganze Menge Arbeit?! Sehe ich ja am eigenen Beispiel. Dafür fehlt mir leider oft die nötige Zeit. Irgendwie muss ich ja schliesslich die Brötchen verdienen, aus denen ich all die Leckereien daheim kochen kann.

In diesem Sinne heute mal ein kurzes, knackiges aber durchaus lohnenswertes Rezept. Einfach, schnell und jedem Freund der scharfen Zungen wärmstens (oder heiss!) zu empfehlen. Übrigens auch ein tolles Mitbringsel oder pfiffiges Gschänkli für unter den Weihnachtsbaum…

Es gibt nichts einfacheres als Chili-Öl selber zu machen. So denken wohl die meisten. Allerdings gibt es da einige sehr wichtige Punkte, die man unbedingt beachten sollte.

Für die Herstellung von hausgemachtem Chili-Öl sollte man idealerweise nur getrocknete Chilis verwenden. Durch die Verwendung von frischen Schoten können verschiedene unerwünschte Bakterien in das Öl gelangen, welches dadurch nicht nur viel schneller verdirbt sondern allenfalls sogar gesundheitliche Schäden hervorrufen kann.

Wer trotzdem nicht auf frische Chilis verzichten möchte, dem lege ich einen penibel saubere Arbeitsweise und vorgängig mit heissem Wasser überbrühte Chilis ans Herz. Ausserdem ordentlich sauber, sterilisierte Fläschchen! Ganz wichtig! Sollte man ohnehin tun! Dazu einfach die Flaschen in heissem Wasser 10 Minuten abkochen und danach auskühlen lassen. Zudem sollte man bei der Verwendung von frischen Chilis nur gerade so viel Öl herstellen, wie man in absehbarer Zeit konsumieren kann. Wenn der Küchenteufel Stammgast hinter eurem Herd ist, dann dauert das wohl nur relativ kurz, ansonsten können da aber schon einige Wochen verstreichen. Bei frischen Chilis ist dies leider meist zu lange. Daher nochmals mein Tipp: am besten getrocknete Schoten verwenden!

Je nach verwendeter Chilisorte oder nach der jeweiligen Menge wird euer Chili-Öl unterschiedlich scharf ausfallen. Der für die Schärfe verantwortliche Wirkstoff Capsaicin löst sich nicht all zu gut in Öl, die Menge darf daher ruhig etwas grosszügiger berechnet werden. Ich verwende heute übrigens eine Mischung aus dreierlei Sorten – hausgeräuchterte Piment d’Espelette (das gibt dem Öl nochmals das gewisse Etwas), rotgereifte Jalapeños aus meinem Garten und ghanaische Bird’s Eye vom letzten Urlaub!

Und so geht’s:

Hausgemachtes Chili-Öl

  • 50g getrocknete Chilis
  • 1 Liter Olivenöl
  • 1 Teelöffel Meersalz
  • ½ Teelöffel Zucker

Die Chilis werden zunächst in einer beschichteten Pfanne ohne Fett bei mittlerer Hitze geröstet. Aber nicht weglaufen! Erstens duftet es ganz wunderbar, wenn man nebenan steht und zweitens verbrennen die kleinen Dinger ziemlich schnell. Dann war alles für die Katz!

Nach nach ein paar Minuten duftet die ganze Küche wie ein Beduinenzelt nach röstfrischen Chilis! Herrlich! Nun werden die Chilis entweder mit dem Messer oder in einer entsprechenden Küchenmaschine kleingehackt.

Im Anschluss das Olivenöl in einer Pfanne langsam erhitzen und die kleingehackten Chilis hinzufügen. Unter gelegentlichem Rührem bei mittlerer Hitze rund 30 Minuten langsam ziehen lassen, so dass sich die Aromen richtig schön miteinander verbinden. Wer mag aromatisiert noch zusätzlich mit etwas Knoblauch, Lorbeer oder Pfefferkörnern. Zum Schluss mit Salz und Zucker leicht abschmecken.

Dann nur noch abkühlen lassen und anschliessend sofort  in sterilisierte Flaschen (siehe weiter oben) abfüllen. Gut verschlossen und dunkel gelagert hält sich das Öl mehrere Monate. Wenn’s denn so lange hält…
Vor dem ersten Gebrauch sollte es eine Woche durchziehen, damit sich die Aromen richtig entwickeln können. Zwischendurch schütteln kommt hier ganz gut!

Passt wunderbar zum Würzen von Pizza, Spaghetti aglio e olio, asiatischen Gerichten, zum Braten von Hähnchen oder Rindsplätzli, übers Thunfisch-Carpaccio oder zu allem anderen was ein wenig Schärfe verträgt…

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9 Antworten to “Hausgemachtes Chili-Öl”

  1. salzpfefferkokos 27. November 2012 um 23:24 #

    Ein toller Artikel, habe auch gleich den über’s Chili-Erntedankfest gelesen und über deinen grünen Daumen gestaunt! Herzlichen Glückwunsch 🙂
    Hausgemachtes Chili und Knoblauchöl steht bei uns eigentlich auch immer rum, habe direkt Lust bekommen nächstes Jahr auch selber ein paar Chilis anzubauen…

    • marco 28. November 2012 um 20:26 #

      Die kleinen scharfen Dinger selber anzubauen kann ich definitiv nur weiterempfehlen! Und eigentlich ist es kinderleicht, bisschen gut zureden und dann klappt das auch mit dem grünen Daumen 🙂

      Schön, dass ich dich inspirieren konnte…

  2. tomatenblüte 28. November 2012 um 19:51 #

    Chiliöl brauche ich immer und wird ständig nachproduziert.
    Ich merke gerade wie faul ich bin.
    Ich lasse die Schoten nur trocknen, schlitze sie auf und stecke sie einfach in eine Flasche. Öl drauf …fertig.
    Ich werde deinen Warmauszug mal ausprobieren und vergleichen!! 🙂

    • marco 28. November 2012 um 20:29 #

      Die Methode kenne ich, habe ich auch immer so gemacht 🙂

      Ich bin der Meinung, dass durch die Wärme die Aromen (und natürlich auch die Schärfe) sich noch besser mit dem Öl verbinden. Probiers doch mal aus!

      Aber Vorsicht, wird das Öl zu warm, dann schmeckt das Ganze ziemlich schnell ziemlich bitter 😦

  3. Marina Züger 9. Dezember 2012 um 12:55 #

    Ich sage nur Mmm……. (klebe an der Mattscheibe) Deine Rezepte inspirieren und treiben mich an, auch wieder mal neue Küchenakrobatik zu betreiben. Freue mich auf weitere Mauleckenkitzler.

    • marco 9. Dezember 2012 um 14:26 #

      Freut mich, dass dir mein Blog gefällt, liebe Marina. Ich hoffe ich kann dich auch weiterhin inspirieren…

      Bald ist ja Weihnachten, da eignet sich so ein Chili-Öl wunderbar als Gschänkli 🙂

  4. Amasit 19. September 2013 um 15:17 #

    Chiliöl ist würzt jede Speise und ist ein „Dauerbrenner“. Die passende Kochschürze zum Herstellen: http://amasit.spreadshirt.de/kochschuerze-spicy-oil-A6949332

    • marco 20. September 2013 um 08:51 #

      Danke für den Tipp 😉 Schau ich mir an!

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  1. Spaghetti mit Pomodori und Burrata | PASTAMANIAC - 26. Juni 2016

    […] und eine Mischung aus Oliven- und Rapsöl. Rezepte für Chiliöl findet ihr u.a. bei chilirosen.de, myfoodprints.net, oder […]

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