Tessiner Maissuppe

11 Okt

Was koche ich heute Abend?

Diese Frage stellen sich tagtäglich unzählige Menschen. Bei mir lautet die Frage jeweils eher so: Was koche ich heute Abend nicht? Meist sprudeln in meinem Kopf derart viele Rezeptkreationen, längst überfällige Gerichte, die ich mal nachkochen wollte oder mein Kühlschrank platzt aus allen Nähten voller gluschtiger Leckereien – da muss ich mich selbst  manchmal ziemlich zügeln, damit der Feierabend nicht in einem Energieanfall von Kochwut (oder -lust) ausartet. Hin und wieder verlassen auch nach einem langen, harten Arbeitstag zu fortgeschrittener Stunde noch aufwändig inszenierte Teller meine Küche, die schmecken als wäre eine halbe Küchenbrigade 24 Stunden hinter den Töpfen gestanden.

Aber nur hin und wieder. Oft muss und darf es auch schnell und unkompliziert gehen. Und da kommen die Suppen ins Spiel! Wie schön, dass draussen vor dem Fenster langsam aber sicher der herbstliche Nebel wieder aufzieht und Wind und Regen die farbenfrohen Blätter von den Bäumen fegen. Da gelüstet es meinen Magen dann jeweils nach einer wärmenden Suppe, ohne dabei über den Verlust des Sommers klagen zu müssen. Schliesslich bringt der Herbst uns Kulinarikern auch die längst erwartete Erntezeit, in der sich dann allerlei so sorgsam gezüchtetes Gemüse zu eben köstlichen Suppen verarbeiten lässt.

Ausserdem: Suppen kann man verdammt schnell zu sich nehmen, also quasi trinken. Zutaten schnippeln, rein in den Topf, Deckel drauf, Herd an, Füsse hoch. Die Zubereitung erfordert daher in der Regel bloss ein paar Minuten Rüstarbeit und einen anständigen Mixer. In diesem Zusammenhang: mit einem guten Mixer (oder Mixstab) lässt sich so ziemlich alles in eine Suppe verwandeln –  somit auch ein prima Versteck für Reste im Kühlschrank! Denn es ist leider eine traurige Tatsache, dass wir Westler nicht fähig sind, zunächst unseren Kühlschrank leer zu fressen, bevor wir wieder einkaufen gehen. Gemäss einer neuen Studie wandert dadurch alleine in der Schweiz eine komplette Mahlzeit pro Kopf und Tag (!) in den Müll. Ziemlich krasse Verschwendung!

Fazit: Gehet hin und esst mehr Suppe! Und das folgende Rezept für eine Tessiner Maissuppe ist wirklich kinderleicht. Es ist mir noch nicht mal peinlich.

Habt ihr auch solche Rezepte aus Kindheitstagen, die euch bis heute in Erinnerung bleiben? Als ich noch ein kleiner Knirps war, da gab’s von einem bekannten, an dieser Stelle nicht namentlich genannten Tütensuppenhersteller in jedem Supermarkt Tessiner Maissuppe als Fertigpülverchen zu kaufen. Und ob ihr’s glaubt oder nicht, der Quatsch hat mir (damals) echt gut geschmeckt. Und irgend eines tristen Tages gab’s meine heiss geliebte Maissuppe einfach nicht mehr zu kaufen! „Die wurde aus dem Sortiment genommen!“ hat man mir dann auf Anfrage hin mitgeteilt. Anscheinend haben nur wenige ausser mir diese so gemocht wie ich…

Irgendwann während dieser Zeit habe ich dann damit begonnen, meine eigene (selber zubereitete) Suppe auszulöffeln. Das nachfolgende Rezept ist also somit ein echter Klassiker, fast schon ein Urgestein meiner Kochfanatik! Über die Jahre hinweg wurde die Suppe zwar immer wieder mal leicht verbessert oder moderiert (zum Beispiel die Thai-Variante mit Zitronengras, Kokusnussmilch und Ingwer!), ihren ursprünglichen, währschaften Charakter hat sie jedoch bis heute nicht eingebüsst. Nur die Croutons dazu sind neu – und schmecken knuprig-knackig-köstlich!

Der für das nachfolgende Rezept verwendete Mais ist übrigens im Garten meiner Kollegin gewachsen und hat’s echt in sich! Zur Not tut’s aber auch Dosenware! Das Rezept reicht für 3-4 Personen, die Suppe hält sich aber problemlos einige Tage im Kühlschrank oder kann auch tiefgefroren werden.

Tessiner Maissuppe

  • 4 Maiskolben (oder 2 Dosen Maiskörner)
  • 3 Stengel Stangensellerie
  • 1 Zwiebel
  • 1 grosse Kartoffel
  • 1 TL Kurkuma
  • 1 Lorbeerblatt
  • ½ Liter Milch
  • ½ Liter Wasser

Speck-Croutons

  • 3 Scheiben altes Brot vom Vortag
  • 6 Tranchen Kräuterspeck
  • 1 Knoblauchzehe
  • 2 Lorbeerblätter
  • 3 EL Butter
  • ½ Bund Petersilie

Zunächst werden die Maiskolben von den äusseren Hüllblättern befreit, so dass sich die leuchtend gelben Maiskörner dem hungrigen Koch präsentieren. Diese werden nun mit einem scharfen Messer der Länge nach entlang des Kolbens heruntergeschnitten. Danach die Zwiebel, den Stangensellerie und die Kartoffel rüsten und alles mehr oder minder klein schneiden. Es muss nicht schön sein, wird zum Schluss ohnehin alles durchgemixt!

Zwiebel, Sellerie und Maiskörner anschliessend in etwas Butter in einem Suppentopf bei mittlerer Hitze 5 Minuten anbraten. Danach salzen und die Kartoffelwürfel beigeben. Die Geschichte mit Milch und Wasser ablöschen, Lorbeerblätter eintauchen und 20 Minuten leicht köcheln lassen. Salz und Bouillonpaste oder -pulver nach Gusto hinzufügen!

In der Zwischenzeit wagen wir uns an die Croutons. Dazu den Ofen auf 200°C vorheizen. Brot in mundgerechte Happen und den Speck in Streifen schneiden. Zusammen mit der gepressten Knoblauchzehe sowie Butter und Lorbeer auf ein mit Backpapier belegtes Blech geben, kurz durchmischen und im Ofen für etwa 10 bis 12 Minuten goldbraun rösten. Die Lorbeerblätter werden dabei leicht dunkel und trocknen allmälhlich, entwickeln aber im Gegenzug ein herrliches Aroma. Am Schluss können die Blätter problemlos von Hand fein zerbröselt und mit gehacktem Peterli unter die Croutons gemischt werden. Fertig!

Die Suppe nochmals kräftig aufkochen, mit dem Mixstab sehr fein pürieren und danach durch ein Sieb streichen. Dadurch werden alle feinen Fasern vom Mais und Sellerie aus der Suppe entfernt und sie wird wunderbar sämig und glatt. Wer will kann diesen Schritt auch weglassen und erhält ein Resultat von etwas dickerer und körnigerer Konstistenz. Wer der Farbe noch etwas auf die Sprünge helfen möchte, der schummelt mit einem halben Teelöffelchen Kurkuma, muss aber nicht sein.

Zu guter Letzt nur noch in Schüsselchen anrichten, nach Belieben mit Croutons bestreuen und in längst vergessene Kindheitserinnerungen abtauchen! Das muss wahre Liebe sein – der Herbst kann kommen!

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3 Antworten to “Tessiner Maissuppe”

  1. Rita Motterle 6. August 2013 um 11:34 #

    Hallo Marco

    Letzten Samstag durften wir diese herrliche Suppe geniessen. War einfach der Hammer.
    Werde ich sicher einmal nachkochen.

    Herzlichen Dank

    Grüsse Rita und Reto

    • marco 10. August 2013 um 12:35 #

      Hoi zäme! Freut mich, dass euch die Suppe so gut geschmeckt hat! Maissuppe finde ich etwas ganz Tolles… viele kennen das leider gar nicht…

      liebe Grüsse, Marco

  2. Motterle Rita 6. August 2013 um 17:32 #

    Hallo Marco

    Letzten Samstag durften wir diese herrliche Suppe geniessen. Sie war der Hammer ! Werde ich sicher einmal nach kochen.

    Herzliche Grüsse
    Rita und Reto

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