Kari Ayam

7 Okt

Indonesisch tafeln – Teil 3

Mit Schrecken musste ich gestern feststellen, dass ich auf diesem Blog bisher noch kein einziges Rezept für ein Curry veröffentlicht habe. Und dies bei mir, einem überzeugten Curry-Junkie und Gewürzliebhaber! Aber glücklicherweise hatten wir ja vor einiger Zeit bei mir daheim eine indonesische Tafelrunde veranstaltet und von dieser schulde ich euch ja bekanntermassen noch den Rest…

Um unsere Indonesien-Trilogie somit würdig und mit einem Feuerwerk der Aromen abzuschliessen, wagen wir uns heute im dritten und letzten Teil an ein klassisches Curry-Gericht: kari ayam. Zu deutsch ganz simpel: Hühnchen-Curry. Während wir zur Vorspeise lecker Satay-Spiesschen genossen und anschliessend den Magen und Gaumen mit Mie goreng in Stimmung brachten, darf’s zum Hauptgang nun auch gerne ein zünftiges, sinnliches Curry sein.

ABER: Für alle, die es immer noch nicht geschnallt haben – Gemüseküche ist ein Riesentrend! Und so möchte ich gleich zu Beginn darauf hinweisen, dass das nachfolgende Rezept auch ohne weiteres mit jedermann und -fraus Lieblingsgemüse zubereitet werden kann. Bei uns gab’s Hühnchen, denn mein Kumpel Pädde (das Raubtier in ihm) kann als verfressener Fleischtiger nur schwer von derartigen Trends überzeugt werden. Gemüse fungiert eher als Stiefkind innerhalb seines kulinarischen Horizontes. Und trotzdem – es hätte auch durchaus mit Blumenkohl, Kartoffeln, Karotten oder mit aktuell saisonalen (und sensationellen) Kürbissen geschmeckt.

Zum Kaffee gab’s dann sogar eine Premiere, und zwar eine durchaus skurille Rarität. Wer mehr wissen will, der darf nun ganz getrost

Curry: ein äusserst spannendes und von vielen Klischées geprägtes Thema. Das fängt schon damit an, dass das Wort „Curry“ in unserem Sprachgebrauch herzlich wenig mit dem zu tun hat, was es im eigentlichen Sinne ist. Denn viele gutmütige Hausfrauen und Freizeitköche hierzulande haben ja leider bis heute immer noch keinen blassen Dunst davon wie ein richtig gutes Curry zubereitet wird. Dazu braucht es mehr als fixfertig gekauftes Currypulver, welches mit Mehl in kalte Milch eingerührt wird und mit Brätchügeli und Dosenananas serviert wird. Genau – der liebe Schweizer nennt dies Riz Casimir und soll es Gerüchten und Legenden zufolge sogar erfunden haben. Schmeckt gut, sehr sogar! Ist nur leider kein waschechtes Curry!

Curry (oder indisch kaari) ist üblicherweise ein Fleisch-, Fisch- oder Gemüsegericht mit Sauce, ähnlich einem Eintopf, das mit Reis oder Brot gegessen wird. Hinter dieser schlichten Definition verstecken sich die wohl atemberaubendsten, exotischsten Speisen, die man sich vorstellen kann. In Indien (und auch Indonesien) bedeutet Curry schlicht und einfach Sauce. Das in unseren Breitengraden weit verbreitete und beliebte Currypulver wird in Indien selbst praktisch nicht verwendet. Es handelt sich dabei erwiesenermassen um eine Erfindung der britischen Kolonialmächte. Diese waren mit der Gewürzvielfalt und dem Aromenreichtum der indischen Küche derart überfordert, dass sie sich vor Ort die Gewürze zu einer Einheitsmischung, genannt curry powder, zusammen mixen liessen, um es anschliessend zurück in die englische Heimat zu exportieren.

Ein mit Liebe zubereitetes Curry ist mehr als bloss „Fast Food“, dafür braucht es Zeit und Hingabe sowie viel Verständnis für die Komplexität und Nuancenvielfalt der unzähligen darin verwendeten Gewürze.

Nichtsdestotrotz sollt ihr euch deswegen nicht entmutigen lassen und das nachfolgende Original-Rezept, welches mein Kumpel Pädde aus seinem Indonesien-Urlaub mitgebracht hat, unbedingt bald mal ausprobieren. Indonesische Curries enthalten typischerweise eine Mischung aus Kurkuma, Kokosnussmilch, Schalotten und Knoblauch, Ingwer, scharfen Chilis, Tamarinde und manchmal auch Garnelenpaste.

Für 2 wilde Curry-Freunde benötigt ihr:

  • 1 mittelfingergrosses Stück Kurkumawurzel
  • 2 kleine, scharfe Chilischoten
  • 1 EL Koriandersamen
  • ½ EL Kreuzkümmel
  • 3 EL Candle-Nüsse (siehe unten)
  • 1 Stengel Zitronengras
  • 1 kleines Stück Tamarindenpaste
  • 1 Schalotte
  • 2 Knoblauchzehen
  • 1 daumengrosses Stück Ingwer
  • Sternanis
  • Zimt
  • Lorbeer
  • 1 Tasse Wasser
  • ½ Liter Kokosnussmilch
  • 2 grosse Pouletbrüstli

Die Candle-Nuss (auch Kemiri-Nuss genannt) ist eine in der indonesischen Küche häufig verwendete Nusssorte, welche am ehesten den Geschmack einer hierzulande besser bekannten Macadamia trifft. Da es verdammt schwierig sein dürfte, diese bei uns aufzutreiben, empfehle ich für das Rezept ersatzweise Macadamia- oder Cashew-Nüsse zu verwenden. Die restlichen Zutaten findet man problemlos in jedem besseren Asia-Store, welche ja allerorts wie Unkraut aus dem Boden schiessen.

Zunächst stellen wir die Gewürzpaste für unser kari her. Dafür werden zuerst Koriandersamen und Kreuzkümmel und danach die Candle-Nüsse ohne Öl in einer Pfanne einige Minuten bei sanfter Hitze geröstet. In der Zwischenzeit könnt ihr die Kurkumawurzel schälen, in Scheiben schneiden und mit kleingehackten Chilis, Knoblauch, Ingwer, der Schalotte, dem Zitronengras und etwas Tamarinde im Mixer zu einer geschmeidigen Paste verarbeiten. Danach die Nüsse sowie Koriander und Kreuzkümmel beigeben und nochmals ordentlich durchmixen.

Diese Mischung stellt sozusagen die Basis dar. Danach ist die grösste Arbeit eigentlich bereits erledigt. In etwas Öl wird diese Paste nun in einer Pfanne während rund 10 Minuten auf mittlerem Feuer angebraten. Sobald eure Küche wie ein Beduinenzelt riecht, seit ihr soweit! Die in grobe Würfel geschnittene Pouletbrust beifügen und unter ständigem Rühren weiterbraten.


Zum Schluss wird das ganze mit Wasser und Kokosmilch abgelöscht. Dann nur noch Lorbeer, Sternanis und eine Zimtstange beifügen und weitere 15 Minuten leicht köcheln lassen und mit einem grossen Teller dampfendem Reis servieren.

Und ich habe es zu Beginn schon erwähnt, zum Dessert gab’s dann Kaffee. Aber nicht irgendeinen Kaffee, sondern eine durch und durch skurille Spezialität aus Indonesien: kopi luwak. Schon mal davon gehört? Vielleicht besser bekannt unter dem Pseudonym „Katzenkaffee“? Na, dämmert’s?

Genau! Kopi Luwak ist eine einzigartige Kaffee-Rarität, von den Inseln Sumatra und Java stammend! Dort lebt eine wieselähnliche Zibetkatzenart, welche es sich zum Hobby gemacht hat, spätnachts durch die Kaffeeplantagen zu streunen und nur die saftigsten und reifsten, dunkelroten Kaffeebohnen zu fressen, die sie finden kann. Lange Zeit wurden die Tiere daher von den Einheimischen als Schädlinge angesehen. Irgendwann hat irgendein schlauer Kerl (und ich frage mich wie es wohl ganz genau dazu kam?) festgestellt, dass die Zibetkatze die Bohnen zusammen mit ihrem Kot beinahe unverdaut wieder ausscheidet. Dafür sorgt die pergamentähnliche, dicke Haut auf den Kaffeebohnen, welche die Früchte weitestgehend schützt. Irgendein Freak hat dann bald mal gemerkt, dass durch diese natürliche Fermentierung die Enzyme im Magen der Katze den Kaffeekirschen die Bitterstoffe und die Säure entziehen und sich daraus -die unverdauten Böhnchen erst mal vom Katzenkot getrennt und gründlich gewaschen- ein herrlich aromatischer Kaffee herstellen lässt. Geboren war Kopi Luwak und gilt heute als exotischster und teuerster Kaffee der Welt! Und ich musste es einfach probieren…

Der erste Schluck wird unweigerlich von dem Gedanken begleitet, dass die Brühe, die du gerade trinkst, schon mal Wildkatzendarm durchlaufen hat. Aber verdammt, das Zeug schmeckt echt gut! Sirupartig, mit Untertönen von Dschungel und Schoko-Karamell-Noten. Zwar leicht muffig und erdig, aber extrem mild im Gaumen, kaum bitter, dafür unglaublich sanft und ausgeglichen! Wirklich ein Genuss! Ich würde nicht behaupten, ich hätte noch nie besseren Kaffee getrunken, aber das Gebräu hat durchaus etwas zu bieten!

Wer mal drüberstolpert -und die Herstellung nicht all zu unappetitlich findet- der darf getrost zuschlagen und ausprobieren!

Nicht zu vergessen, die anschliessende Prahlerei, man hätte mal das exklusivste Getränk der Welt getrunken 😉

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4 Antworten to “Kari Ayam”

  1. culinarypixel 7. Oktober 2012 um 22:39 #

    ich bin ja immer so begeistert von deinen Gewürz und Asien Posts, das kannst du dir gar nicht vorstellen. Bei kaum einem anderen Blog lese ich so genau hin 😉 Wenn mein Traum von der Indien oder Indonesien Reise nächstes Jahr klappt, lasse ich mich vorher von dir instruieren 😉
    *annette

    • marco 8. Oktober 2012 um 20:35 #

      Wow, herzliches Dankeschön 🙂 freut mich wirklich sehr, dass dir meine Posts so gut gefallen! Für mich sind das immer die schönsten Lorbeeren, wenn andere Blogger und Leser Freude an deinen Kreationen haben! Und wenn das mit der Indienreise wirklich klappen sollte, dann schliesse ich mich dir gerne an 😉

  2. Hair Treatment 14. Oktober 2012 um 14:07 #

    Hi, really like the appearance of ones website. Can you mind saying what theme youre making use of? I’m not used to this and i am hoping to have mine looking anywhere close to cool as yours. Many thanks.

    • marco 18. Oktober 2012 um 15:50 #

      @Hair Treatment: Thank you for the compliment! I like your theme too, what is it your using? I’m working with a wordpress blog here, theme is called Bueno Theme, adapted with CC.

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