Gefüllte Zucchetti XXL

29 Sep

Kohldampf auf Monstergemüse

Ein gemütlicher Gang durch den heimischen Garten entzückt mich immer wieder und bringt meinen geplagten Kopf auf andere Gedanken – oder besser gesagt fern weg von jeglichen Gedanken. Einfach nur durch die saftig wuchernden Beete streunen, die hinreissenden Aromen einatmen und dem Grünzeug beim wuchern zuschauen. Die Tomaten könnten schöner nicht sein, Kürbisse leuchten orange um die Wette, phantastisch individuell gekrümmte Gurken, pralle Rotkohlköpfe (Hallo Herbst!) und würziger Rucola erfreuen des geneigten Hobbygärtners Seele.

Wenn es um Gemüse- und Kräuteranbau im Garten oder auf dem Balkon geht, dann verfüge ich zugegebenermassen über einen ziemlich dunkelgrünen Daumen. Das versichert mir sogar meine Oma, eine begnadete Gärtnerin! Welch ein Kompliment! Das lasse ich doch glatt mal so im Raum stehen. Bei meinen Zimmerpflanzen daheim, da sieht’s leider etwas anders aus: Viele Pflänzchen mussten da leider ob meiner Unachtsamkeit schon ihr Leben lassen. Mein Bonsai zum Beispiel liegt schon seit Wochen im Koma. Ich werde ihn wohl bald erlösen müssen.

Das Schönste am eigenen Garten ist, dass es immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt. Genau wie letzte Woche. Ohne böse Vorahnung habe ich bei meiner Zucchetti-Pflanze eines der grossen Blätter angehoben und dieses vor Schreck gleich wieder fallen lassen. Was sich darunter verbarg, liess meinem Mund einzig und allein noch ein verblüfftes „Wow“ entfahren: ein Monsterexemplar einer Zucchetti, die definitiv das Mass des Üblichen sprengte.

Eigentlich mag ich ja kein XXL – äusserst selten. Zucchetti schon gar nicht, die schmeckt dann meist wässrig und fade mit käfergrossen Kernen und zäher Schale. Mein selbstgezogenes Gemüse schmeckt mir am besten jung und zart geernet, so knackig wie man es sonst nirgends kriegt. Wer schon mal in den USA war, der hat bestimmt gemeinsam mit mir über das überdimensionale Gemüse und die ausserirdisch grossen Früchte in der Auslage gestaunt. Alles ist grösser, fetter, süsser – und leider überhaupt nicht besser! Handballgrosse Äpfel, Kartoffeln, die den Anschein erwecken in der Nähe eines Kernkraftwerkes gezüchtet worden zu sein und Kohlrabi, fast schwerer als Kinder. Irgendetwas stimmt da doch nicht?

Auch die hierzulande immer beliebter werdenden XXL-Cordon-Bleu und Mega-Schnitzel kriegen bei mir ihr Fett ab – mag ich nämlich nicht. Irgendwie drängt sich bei mir stets der Gedanke auf, dass unter der XXL-Grösse die Qualität des Grundproduktes leiden muss. Meine Meinung.

 Und trotz allen anfänglichen Bedenken, dieses Ungetüm einer Zucchetti hat mir und meinen Freunden (alleine hätte mir das Teil für eine komplette Woche gereicht) ausserordentlich gut geschmeckt. Zunächst wollte ich daraus eigentlich eine delikate Sauce für Pasta mixen – mit viel Parmesan und noch viel mehr Thymian verfeinert. Geendet hat das Ganze dann aber mit einer oberschenkeldicken mit geschärftem Hackfleisch und Käse gefüllten Riesenzucchetti. Zugegeben: die Geschichte zeugt nicht gerade von nie dagewesener Kreativität und Ideenreichtum, aber trotzdem:
Ein dickes Ding, das sage ich euch!

Mit einem Ananasschneider wurde das Monstrum von seinem matschigen, wässrigen Innenleben befreit. Das sollte auch gut mit einem Glacélöffel oder einem grossen Schöpflöffel funktionieren. Und ob man’s glaubt oder nicht, ich konnte anschliessend  beinahe meinen ganzen Unterarm darin verstecken.

Danach machen wir uns an die Zubereitung der leckeren Füllung.  Wie so manches klassisch italienische Gericht beginnen wir mit einem Soffritto. Dafür werden Aromen unter sanfter Hitze im Olivenöl ausgelöst. Im konkreten Fall: kleingeschnittene Zwiebeln mit reichlich Knoblauch und frischen Kräutern wie Rosmarin, Thymian, Lorbeer und Salbei bei mittlerer Hitze in einer Pfanne anbraten bis alles herrlich duftet und goldgelb glänzt. Klein gewürfelte rote Peperoni und Peperoncini fiorentina sorgen anschliessend für die nötige Würze bzw. Schärfe. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und in einer separaten Schüssel beiseite stellen.

Nun braten wir das Hackfleisch (gerne Bio Beef) in der selben Pfanne scharf an,  dazu Salz, Pfeffer und etwas Piment d’Espelette (oder ersatzweise Paprika) und schon ist man unterwegs! Die krümeligen Hackfleischstückchen werden nun mit etwas grob gewürfeltem Käse nach Gusto gemischt (in unserem Fall mit milden Tilsiter probiert und für urchig befunden), bevor wir anschliessend unser Soffritto unter die Masse heben.

Danach, höchste Konzentration: die Hackfleischmasse löffeln wir mit einer Suppenkelle in den ausgehöhlten Zucchetti-Schlund und packen diese anschliessend auf ein würziges Bett aus kleingewürfelten Tomaten und etwas Mozzarella. Dazu nochmals etwas Salz und Pfeffer und mit einer Gabel schnell noch einige Löchlein in die knorrige Haut der Zucchetti gepiekt. Dann ab in den vorgeheizten Ofen und bei 180°C knapp 50 Minuten gebacken!

Das Spektakel hat sich gelohnt! Sogar eine einfache Zucchetti wird auf ein brutal hohes Niveau katapultiert! Delizioso!

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3 Antworten to “Gefüllte Zucchetti XXL”

  1. Gallen 1. Oktober 2012 um 10:50 #

    Dabei gewesen, gegessen und für lecker befunden! 🙂

  2. räbel 3. Oktober 2012 um 11:13 #

    bin ebenso zeuge des leckeren „mampf-plauschs“! erstaunlicherweise schmeckte die zucchetti trotz überdimesion extrem gut! Yuummi

Trackbacks/Pingbacks

  1. Omas Osterkuchen | - 18. April 2014

    […] sind eher bescheiden veranlagt, daher schwebt mir mehr der Sinn nach grösserem. Wie zum Beispiel diese armlange, gefüllte Riesen-Zucchini, welche im Sommer vor zwei Jahren auf meinem Teller gelandet […]

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