Ein Mistchratzerli…

18 Sep

…reist nach Asien

…und wird spontan zur Peking-Ente! So oder so ungefähr lässt sich das nachfolgende Rezept wohl am treffendsten umschreiben. Am Wochenende beim Metzger des Vertrauens, wollte ich ja eigentlich Leberwurst kaufen. Die gibt’s aber erst ab Oktober hat er mich fachmännisch korrigiert und mir mit einem Schlag meine Vorfreude auf den sonntäglichen Gaumenschmaus verdorben. Aber plötzlich durchfährt es mich wie ein Geistesblitz: draussen vor dem Laden auf der schwarzen Schiefertafel stand es doch noch gross geschrieben: Mistchratzerli, CH.

Warum auch nicht? Die Idee gefällt mir, zumal ich erst kürzlich in meiner Küche in den Untiefen der Schublade unter dem Backofen etwas äussert praktisches entdeckt habe: ein Güggeli-Gitter. Keine Ahnung wie das Teil korrekt bezeichnet wird, aber Güggeli-Gitter passt irgendwie. Es handelt sich dabei um einen kleinen Mini-Rost, etwas erhöht, auf dem wunderbar ein Mistchratzerli mit den Idealmassen von 500g Platz findet. So darf es dann -ohne im eigenen Saft zu baden- von allen Seiten frei liegen und wunderbar knusprig werden. Die Haut wird’s mir danken! Ich muss wohl öfter meine Küche nach nützlichen Gadgets durchsuchen, die es noch zu entdecken gibt…

Lange, lange Zeit habe ich überlegt: Wie gebühre ich nun diesem Mistchratzerli die letzte Ehre? Klassisch mit Rosmarin und Knoblauch oder doch lieber mit Zitronen und frischem Lorbeer (da ist nämlich gerade welcher da aus Sizilien!). Oder vielleicht eher rassig-süss mit viel Chili und einem Hauch Honig? Oder dann doch dieses Rezept von Jamie Oliver, mit hausgemachter Kräuterbutter unter der Haut versteckt? Nein, spontan habe ich mich dann dazu entschieden das Mistchratzerli nach Asien reisen zu lassen, da war es bestimmt noch nie vorher. Und ich glaube es möchte wieder hin… Im nächsten Leben…

Basis bildet eine dicke, süsslich-würzige Marinade, in der sich das Mistchratzerli zunächst mal ausgiebig suhlen darf. Hauptaugenmerk legen wir natürlich auf die Haut, welche schön knusprig und lecker werden soll. Bei den klassischen chinesischen Peking-Enten funktioniert das so, dass durch einen kleinen Schnitt am Entenhals die Haut wie ein Luftballon aufgeblasen wird und sie sich so vom restlichen Fleisch trennt. Am Haken aufgehängt wird das Federvieh anschliessend mit kochendem Wasser überbrüht, gewürzt, mit Honig einbalsamiert und einige Stunden zum trocknen aufgehängt. Anschliessend wird die Ente mehrere Stunden im Ofen gegart, wobei sich die Haut wieder aufbläst und wunderbar knusprig wird.

Ganz so viel Mühe möchte ich mir heute nicht machen, aber mit dem folgenden Rezept kommen wir der Geschichte schon recht nah.

Für die Marinade

  • 2 EL Ketcap pedas
  • 1 TL Sesamöl
  • 2 EL Sonnenblumenöl
  • 1 TL flüssiger Honig
  • 1 EL Reisessig
  • 1 EL Panch Phoron

Panch Phoron ist eine klassische, bengalische Würzmischung, bestehend aus 5 Grundgewürzen zu gleichen Anteilen: Kreuzkümmel, Schwarzkümmel, Bockshornklee, Fenchelsamen und braune Senfsamen. Mit Honig lackiert erhält unser Mistchratzerli so einen wunderbar glänzenden Frack, in dem das Panch Phoron wie tausende kleine Edelsteine unter der Haut glitzert. Ketcap pedas ist eine dickflüssige, süsse Sojasauce aus Indonesien und schmeckt grandios. Sie kann im Notfall mit regulärer Sojasauce ersetzt werden, der Geschmack ist aber nicht der selbe.

Zunächst das Panch Phoron in einer Pfanne ohne Öl bei mittlerer Hitze rösten, bis es würzig duftet und in der Nase kitzelt. Anschliessend alle Zutaten in einer Schüssel kräftig vermischen und das Mistchratzerli damit rundherum bestreichen. So darf das Hühnchen dann bei mir im Kühlschrank übernachten und schön durchziehen und die herrlichen Aromen aufnehmen. Ein Mistchratzerli à Grundnorm von 500g reicht übrigens für 1 Person.

Der Rest ist anschliessend kinderleicht zubereitet. Dafür müsst allerdings oben genannte Marinade 1:1 noch ein zweites Mal zubereiten, diesmal gerne noch mit etwas Ingwer und Knoblauch aromatisiert, denn damit wollen wir anschliessend unser Mistchratzerli im Ofen lackieren, damit sich eine schöne, knusprige Haut bildet.

Mein Mistchratzerli heisst übrigens Ruth. Ich gebe meinem Essen gerne Namen, den Hühnerviecher sowieso. Heutzutage geben die Bauern den Tieren ja keine Namen mehr. Die Zeiten, in denen man seine Nutztiere noch persönlich kannte, sind definitiv der Anonymität dichtbelegter Verschläge gewichen. So übernehme ich diesen Teil sehr gerne.

Aber weiter im Text, wir sprachen über die knusprige Haut…

Und das geht dann in etwa so: Den Ofen auf 180°C vorheizen und das Mistchratzerli auf einem Gitter ins Rohr schieben. Die Brust bitte nach unten, so dass sich der Saft in jener sammeln kann und unser Chicken schön saftig bleibt auf dem weiten Weg nach Asien. Wer mitdenkt, der schiebt unter das Gitter noch ein mit Backpapier belegtes Blech, damit der zwangsläufig runtertropfende Saft und die klebrige Marinade euch nicht den Backofen ruinieren.
Aber nur wer mitdenkt…

Bei 180°C brät das Hühnchen dann rund 40 Minuten langsam vor sich hin und wird nach und nach knuspriger. Dabei das ganze Mistchratzerli in regelmässigen Abständen mit der zusätzlich zubereiteten Marinade ringsum bestreichen. Anschliessend die Temperatur auf 250°C erhöhen, den Vogel umdrehen (Brust nun noch oben) und nochmals 10 Minuten intensiv von allen Seiten grillen. Dabei gerne auch weiterhin fleissig mit der restlichen Marinade bepinseln, den Ofen aber nicht mehr aus den Augen lassen!

Wenn es qualmt und die Hütte nach Rauch stinkt, dann hat man zu lange grilliert und die ganze Geschichte wandert in den Müll: Anfängerpech. Also Vorsicht, denn der Honig kann ganz schön tückisch sein! Auch bei mir sind die zarten Flügeli ein klein wenig verkohlt, aber geschmeckt hat’s trotzdem! In einem echten Blog soll man schliesslich auch seine küchentechnischen Pannen, nicht bloss die Höhenflüge, teilen…

Im besten Falle steigt nach 50 Minuten ein rundum glückliches und knusprig gebackenes Mistchratzerli aus eurem Ofen und erwartet sehnsüchtig den heissen Teller. Dazu passen Pommes Fritz, Fried Rice oder -das Feigenblatt der gesunden Ernährung- ein grüner Salat! Oder ihr macht es wie ich und findet im Garten noch etwas frischen Mangold und welchen ihr asiatisch inspiriert mit Schalotten, Knoblauch, Chili und geraffeltem Ingwer in der Pfanne anschwitzt und mit Fischsauce ablöscht. Fertig!

Gütiger Hühnervogel – das schmeckt zum Federn lassen! Und die Reise ins Ferne Asien hat sich definitiv gelohnt! Gerne wieder, gell Ruth!

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Eine Antwort to “Ein Mistchratzerli…”

  1. kuechenreise 18. September 2012 um 22:58 #

    Scheint als hat die asiatisch zubereitete Ruth wohl gemundet 🙂

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