Pestorisotto mit Parmesanmousse

10 Sep

Dies ist die sagenumwobene Geschichte…

…von Signore Basilico, welcher sich, getrieben von Furcht, unbändiger Liebe und inniger Sehnsucht auf die Suche nach der verschollenen Prinzessin Parmigiana machte und dabei eine lange Reise bestritt, welche schlussendlich in meinem Magen endete.

Es war einmal auf einem Balkon im Reich eines kochbesessenen Kaisers, der letzte Basilikum, welcher seiner Bestimmung im Kochtopf zu landen standhaft trotzte und genüsslich die letzten spätsommerlichen Sonnenstrahlen genoss. Doch sein unvollendetes Schicksal rückte mit jedem neuen Morgengrauen näher. Die Tage wurden kürzer, die Nächte kälter und der Hunger des vielfrässigen Kaisers immer grösser. Seit Wochen schon gelüstete es diesen nach frisch zubereitetem Pesto nach Art der Genoveser. Röstfrische Pinienkerne, intensiv duftender Knoblauch, reifer Parmesan und eben saftig-grünes Basilikum – gemeinsam im Mörser mit reichlich Olio di oliva extra vergine unsterblich vereint.

Als Signore Basilico eines schönen Sonntagmorgens, gerade eben aus seinem nächtlichen Traum erwacht, die kaiserlichen Lakaien beobachtete, welche den schweren steinernen Mörser in die Küche schleppten, da dämmerte ihm sein nahes Ende schlagartig. Hals über Kopf ergriff er die Flucht. Er war fest entschlossen nebst seinem eigenen Leben auch dasjenige seiner grossen Liebe vor den Hungerwüten des Kaisers und ihrem Ende als Pesto zu retten. Seine Sehnsucht galt der verschollenen Prinzessin Parmigiana, der Parmesanprinzessin, welche in den eisigen Kerkern des kaiserpalästlichen Kühlschranks auf ihren baldigen Tod durch genüssliches Verspeistwerden wartete.

Nach langer hungerzehrender Reise traf Signore Basilico schliesslich in der Küche auf eine Gruppe Pinienkerne und ein Knoblauchpärchen. Gerade eben wollten Sie gemeinsam im Taumel das Lied der Freiheit tanzen, als der Kaiser kochlöffelschwingend die Küche betritt und Ihnen den Weg abschnitt. Da sassen sie nun, unweigerlich in der Falle! Die drei entschieden sich zum Freitod im Olivenöl. Die Prinzessin haben sie nie gefunden. Und der verfressene Kaiser (spätestens jetzt sollten alle gemerkt haben, dass ich damit gemeint bin) – dem hat’s geschmeckt! Sehr sogar!

So oder so ähnlich wird sich diese Geschichte in den Augen der leckeren Hauptprotagonisten am gestrigen Sonntag wohl abgespielt haben. Ein
hollywood-reifer Blockbuster mit mir persönlich in der ersten Reihe.

Frisches Pesto genovese ist unbestritten etwas extrem Schmackhaftes. Ich kenne glaube ich niemanden, der sich nicht die Finger nach dieser frisch zubereiteten Paste à la „Basilikum treibt’s mit Knoblauch und Parmesan im Olivenöl“ lecken würde. Da sich der Sommer bedauerlicherweise tatsächlich langsam dem Ende zuneigt und Signore Basilico bekanntermassen ja kein Freund von kalten Temperaturen ist, war es somit gestern auch so weit: Die letzten grünen Blättchen wurden vorfreudig geerntet.

Aber immer nur Spaghetti Pesto langweilt zugegebenermassen auch – so ist dann spontan dieses Rezept für ein Pestorisotto entstanden. Und anstatt den Parmesan gleich im Pesto drin zu verarbeiten, habe ich mir stattdessen diese Variante mit luftigem Parmesanmousse ausgedacht. Dieser Geschichte hört man gerne zu – immer und immer wieder! Sagenhaft!

Und hier das Rezept für 2 Personen:

Pesto nach Handmass

  • 2 grosse Maurerhände voll Basilikum
  • 1 zarte Damenhand voll gerösteter Pinienkerne
  • 1 Kinderhand grob gehackter Knoblauch
  • 1 Babyhändchen geriebener Parmesan
  • Olivenöl extra vergine
  • Salz und Pfeffer

Basilikum waschen und mit den restlichen Zutaten bis und mit Parmesan im Mörser oder alternativ im Mixer zu einer geschmeidigen Masse verarbeiten. Wer das Pesto für Pasta verwenden möchte, der gebe ruhig etwas mehr Parmesan hinzu. Für das vorliegende Rezept reicht ein Babyhändchen jedoch bei Weitem aus, da der Risotto durch die Parmesanmousse noch genug käsig wird. Beim Olivenöl darf man gerne auch etwas weniger als üblich verwenden, da zu viel das Guten sich anschliessend nicht sonderlich gut mit dem Risotto verträgt.

Parmesanmousse 150 (easy to remember)

  • 150ml Milch
  • 150ml Vollrahm
  • 150g Parmesan
  • 1 Blatt Gelatine
  • Rosmarinzweig / Chili

Die Milch zusammen mit dem Rosmarinzweig und dem Chili aufwärmen (nicht kochen!). Anschliessend den geriebenen Parmesan und die Gelatine unter die Masse rühren, bis der Käse geschmolzen ist. Rahm steif schlagen, sorgfältig unter die Mischung heben und anschliessend im Kühlschrank 6-7 Stunden kühl stellen. Fertig!

Pestorisotto

Die Zubereitung eines Risottos gilt ja gerne als Wissenschaft für sich, dabei ist die Sache eigentlich weiss Gott nicht soo schwer. Einige kleine Punkte sollten dennoch beachtet werden, dann gelingt euch auch ein richtig cremiges Risotto, welches im Topf sanfte Wellen schlägt. Hier die Basics: Zunächst verwende man bitte richtig guten, original italienischen Risottoreis. Die Klassiker, in jedem Supermarkt für wenig Geld erstehbar, lauten Vialone, Carnaroli und Arborio. Mein Favorit: Carnaroli! Aber probiert gerne selber aus!

Im Weiteren machen viele den fatalen Fehler und verwenden lauwarme oder noch schlimmer kalte Bouillon, um ihre Risotti damit zu versorgen. No Go! Die Brühe muss richtig kochend heiss sein, damit der Garprozess der Reiskörner nicht unterbrochen wird. Ob man Gemüse-, Hühner- oder Fleischbrühe verwendet hängt primär vom persönlichen Gusto ab, da möchte ich euch nichts vorschreiben. Wer natürlich seine hausgemachte Bouillon sein Eigen nennt, der hat ohnehin schon mal die Nase vorn.
Geht übrigens ganz schnell und kinderleicht:

Für Gemüsebrühe grob gehackte Rüebli, Lauch, Wirz, Sellerie, besteckte Zwiebel und einige Petersilienstengel in einem Liter kaltem Wasser zum Kochen bringen und anschliessend auf kleiner Stufe eine Stunde köcheln lassen. Absieben, salzen, fertig! Kann sofort genossen oder für den späteren Gebrauch auch wunderbar portionsweise tiefgefroren werden.

Ja, und zu guter Letzt erfordert gut zubereiteter Risotto auch etwas Amore! Amore, Hingabe und Aufmerksamkeit! Eine Zwiebel fein würfeln und in etwas Olivenöl bei mittlerer Hitze langsam anschwitzen. Reis (ca. 70g pro Person) hinzugeben und zügig weiter rühren bis der Reis das Öl in sich aufgenommen hat. Mit einem Gläschen trockenem Weisswein ablöschen und anschliessend mit der heissen Bouillon aufgiessen, bis der Reis gerade knapp bedeckt ist. Gegen Ende der Garzeit (rund 20 Minuten – nicht vergessen: der Reis darf und soll noch Biss haben) das Pesto unterrühren.

Weiterhin fleissig rühren, dem vor sich hinköchelnden Reis gut zureden und unbedingt darauf achten, dass er schön schlotzig und flüssig bleibt und keinesfalls pampig und klebrig wird.
Risotto soll auf dem Teller fliessen, ja richtiggehend dahin gleiten!
All’onda nennen das die Italiener! Die Welle!

Zum Schluss hübsch anrichten, die Parmesanmousse (am besten mit einem Spritzsack – war leider keiner da!) über den Risotto geben und mit einigen gerösteten Pinienkernen dekorieren. Dann nur noch essen und… Dramaturgische Pause: GENIESSEN!

Advertisements

2 Antworten to “Pestorisotto mit Parmesanmousse”

  1. kuechenreise 12. September 2012 um 22:08 #

    Das Rezept ist ja schon quasi ein guter Klassiker… Aber die Story um das Rezept genial :-)) Welch ein Vergnügen, von Signore Basilico und Prinzessin Parmigiana zu lesen!

  2. salzpfefferkokos 26. Dezember 2012 um 02:20 #

    *megagrins* 😀
    Wenn ich heute Nacht von Signore, Prinzessin und Ihrer unerfüllten Liebe träume, weiß ich wer Schuld ist. Wahrscheinlich muss ich dann mitten in der Nacht aufstehen und mir Risotto kochen…. 😉

dein Senf dazu...

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: