Pissaladière

26 Aug

Unsere täglich Pizza gib uns heute…

Die Pizza. Das ist schon eine feine Sache für sich.
Ernährerin in Notlagen. Freundin in der Studienzeit. Bewohnerin eines engen Gefrierfachs. Aufgetaut in 15 Minuten. Oder per Handy bei Luigi’s bestellt!

Oder aber auch ganz schnell selber geteigt, belegt und verspiesen.
Obwohl, ganz traditionelle Pizza gibt’s heute nicht wirklich…

Trotzdem: Dieses Gericht steht schon lange auf meiner nach unten offenen Nachkoch-Liste! Pissaladière oder genau so schön gesagt: die Pizza der Provence. Sie ist eine Art Mittelding zwischen klassisch italienischer Pizza, Elsässer Flammkuchen und Berner Zibelewaie und schmeckt herrlich nach Sonne im Herzen und Teig im Bauch!

Zum ersten Mal durfte ich diese Spezialität in Südfrankreich in der Nähe von Nizza geniessen, wo sie auch heute noch auf Märkten und in diversen Bistros täglich frisch zubereitet wird. Die Basis bildet ein frischer Hefeteig mit Olivenöl. Darauf kommt anschliessend eine dicke Schicht im Ofen karamellisierter Zwiebeln, mit Kräutern und Butter verfeinert. Schwarze Oliven und Sardellen machen das Geschmackserlebnis perfekt!

Ich bin froh, dass ich mich diesem Rezept, welches ich mir damals von einer alten Marktdame verraten liess, endlich einmal angenommen habe. Und ich werde wohl zum Wiederholungstäter, es führt kein Weg daran vorbei, denn mir läuft beim blossen Gedanken daran schon wieder der Speichel aus den Mundwinkeln.

Also dann, werft eure Öfen an und probiert’s aus!
Aber vorsichtig, vielleicht seit ihr auch bald so besessen wie ich!
Es lohnt sich in jedem Fall zum Weiterlesen. Versprochen. Glaube ich. 

Ich schlage vor wir beginnen mit den Zwiebeln, die dauern nämlich! Sie sollen während 2 Stunden im Ofen bei mittlerer Hitze langsam vor sich hin schmoren. Dadurch karamellisiert der in den Zwiebeln enthaltene Zucker langsam und voilà, wir erhalten wunderbar weiche, süsse und mit Kräutern fein aromatisierte Zwiebelringli. Dazu braucht ihr folgendes:

Zwiebelbelag

  • 1,2 kg Zwiebeln
  • 60g Butter
  • 3 EL Olivenöl
  • ein paar Zweige Thymian
  • ein paar Zweige Bohnenkraut
  • Salz und Pfeffer

Die Zwiebeln werden geschält und anschliessend in feine Ringe geschnitten. Bei dieser Menge verwende ich dafür ganz gerne einen entsprechenden Gemüsehobel, dann geht das nämlich ratzfatz!

Gegen die vielen Tränen beim Zwiebelschälen habe ich bisher noch kein ultimatives Patentrezept entdeckt. Wie ich aber feststellen musste hilft es, während dem Schälen einen grosszügigen Schluck Wasser im Mund zu halten, das blockiert die Atemwege, so dass ihr die intensiven Dämpfe nicht abkriegt. Oder was ist eure Methode?

Immer wieder mal im Ausland entdecke ich zudem in Supermärkten bereits geschälte Zwiebeln (und mitunter sogar auch Knoblauch, wie praktisch!) in Säcken abgefüllt zum Verkauf. Gibt’s bei uns leider nicht, aber macht ja nix! Das Weinen lohnt sich nämlich in jedem Fall!

Die Zwiebelringe gebt ihr anschliessend mit den restlichen Zutaten und einem guten Schuss Salz und Pfeffer in eine ofenfeste Form. Diese wandert bei 150°C in den vorgeheizten Backofen, wo die Zwiebeln nun während 2 Stunden langsam vor sich hin karamellisieren. So alle 10 Minuten die Zwiebelmasse kräftig durchrühren, ansonsten wäre dieser Teil bereits erledigt. Nach zwei Stunden könnt ihr die Zwiebeln aus dem Rohr holen und abkühlen lassen. Und bitte nicht alle essen, wir brauchen noch welche! Aber ich weiss, die Dinger schmecken so gut, die könnte man gleich einfach so verputzen!

So, aber wenden wir uns nun dem Teig zu:

Hefeteig

  • 2 Packungen Trockenhefe
  • 1 TL Zucker
  • 1 TL Salz
  • 2 EL Olivenöl
  • 450g Weizenmehl

Für den Teig zunächst die Hefe in in 250ml lauwarmem Wasser auflösen und einige Minuten stehen lassen, bis die Mischung leicht Blasen wirft. Anschliessend die Hefemischung zusammen mit Salz, Zucker, Olivenöl und dem Mehl in einer Schüssel von Hand oder mit einer Küchenmaschine vermengen. Es soll ein kompakter, elastischer Teig entstehen und dafür muss die Geschichte ordentlich durchgeknetet werden. Je nach dem müsst ihr vielleicht noch etwas mehr Mehl oder etwas zusätzliche Flüssigkeit beigeben.

Sobald ihr mit dem Teig und dessen Konstistenz zufrieden seit, könnt ihr ihn von allen Seiten mit Olivenöl benetzen und anschliessend zugedeckt während
1 ½ Stunden in einer Schüssel gehen lassen. Ich liebe diesen Moment, wenn man den Teig in seinem Schüsselchen mit einem Tuch zudeckt und ihm seine wohlverdiente Ruhezeit gönnt, nur um eine Stunde später zurückzukehren und festzustellen, dass der anfänglich so kleine Kerl mittlerweile beinahe die Schüssel sprengt und die Küchenluft mit würzigen Hefenoten parfümiert hat.

Nach 1 ½ Stunden könnt ihr den Teig nochmals kurz und kräftig durchkneten und ihn erneut 30 Minuten ruhen lassen. Den Backofen in der Zwischenzeit auf 260°C vorheizen. Anschliessend den Teig erneut kräftig durchkneten und auf einer bemehlten Arbeitsfläche zu einem Rechteck ausrollen. Danach ein genügend grosses Backblech bemehlen, den Teig darauf auslegen, Rand hochdrücken und mit dem Zwiebelconfit dick bestreichen.

Köstlich! Nun fehlen nur noch die Oliven und die Sardellen. Und hier sollte man -wie auch bei den meisten anderen richtig guten Lebensmitteln- nicht knausern! Die Bandbreite an Qualitäten auf dem Markt ist ziemlich enorm: Von igitt bis hmmm!

Den Teigfladen also mit Oliven und Sardellen nach Gusto belegen und dann heisst es Abschied nehmen und der Fladen wandert in den vorgeheizten Ofen. Aber keine Sorge, dies ist kein Abschied für immer! Spätestens nach 12-15 Minuten, wenn der Teig schön knusprig und kross ist, werden wir uns wiedersehen – auf meiner Zunge!

Zum Schluss noch etwas Olivenöl über das Ganze träufeln und mit fein gehacktem Majoran oder Oregano bestreuen!
Was für ein Spektakel! Dolce vita!

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8 Antworten to “Pissaladière”

  1. kekstester 2. September 2012 um 20:29 #

    Oh super, nach einem Rezept für Pissaladière habe ich die Tage gesucht, stolpere über dein Blog und finde prompt das Rezept! Danke, werde ich die Tage mal ausprobieren!

    • marco 2. September 2012 um 21:22 #

      Freut mich, dass ich dir weiterhelfen konnte! Es lohnt sich in jedem Fall und die Hütte stinkt (oder war es duftet verführerisch?) noch Tage danach herzhaft nach Zwiebeln und Butter! Und schön, dass bald die kalte Zeit kommt! Dann weiss ich wo ich mir nächstens Inspiration für neue Kekse hole… auch wenn du wohl beteuerst, dass man Kekse all year round auch im Sommer essen kann 🙂

  2. kekstester 3. September 2012 um 22:08 #

    Mist, den Duft hättest du nicht erwähnen dürfen! Ich habe jüngst meine Küchentür entsorgt. Ergo: Wenn mein Pfannen-/Ofeninhalt „duftet“, „duftet“ die ganze Wohnung. Aber ich werde einen Weg finden …

    • marco 3. September 2012 um 22:18 #

      Ha! Na das klingt doch ganz nach meinem Geschmack! Am besten gleich noch ein paar Kekse in den heissen Ofen hinterherschieben, das könnte Abhilfe schaffen…probier ich definitiv demnächst aus! Und woher mein Rezept stammt weiss ich auch schon 🙂

  3. lisa-cuisine 13. Mai 2013 um 19:32 #

    Hi Marco,

    super Rezept, muss ich probieren. Ich liebe Sardellen und schwarze Oliven, deshalb esse ich auch meist eine Pizza Napoli beim Italiener ;-))
    Schönen Blog hast Du 🙂

    Gruß aus Berlin
    lisa-cuisine

    • marco 14. Mai 2013 um 15:35 #

      Liebe Lisa,

      schön von dir hier zu lesen! Die Pissaladière solltest du demnach unbedingt ausprobieren, du wirst sie lieben 😉
      Wenn du über einen Pizzastein verfügst, dann wird die Geschichte noch besser und knuspriger!

      Kompliment zum Blog kann ich übrigens nur retournieren 😉
      Schaue ab jetzt gerne öfter bei dir vorbei!

      Grüsse aus Zürich,
      *marco

  4. beckysdiner 19. Januar 2014 um 13:14 #

    Hallo, ich habe noch nach einem schönen Rezept aus der Provence gesucht und dieses hier klingt fein. Danke dafür. 🙂
    LG, Becky

    • marco 20. Januar 2014 um 07:27 #

      Na, das passt doch perfekt 🙂 Ich wünsche dir jetzt schon guten Appetit! Bin gespannt wie dir die Pissaladière schmecken wird 😉

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