Saté Ayam

6 Aug

Indonesisch tafeln – Teil 1

Mein Handy klingelt! Welch Überraschung! Am anderen Ende der Leitung meldet sich mein Freund Pädde vom anderen Ende der Welt. Er verbringt auf Java gerade seine letzten erholsamen Tage einer mehrmonatigen Indonesienreise. Und er hat an mich gedacht! Er werde gleich den lokalen Markt besuchen, um einige Köstlichkeiten für daheim zu ergattern. Was er mir denn mitbringen soll?

Seine Stimme klingt wie Musik in meinen Ohren. In meinem Kopf sprudeln sintflutartig die Begrifflichkeiten. Kecap, Sambal, Keluak, Daun salam, Bebek batalu… Bring mir von allem etwas mit!
Und trassi nicht vergessen, das kann ich gut gebrauchen!
Trassi? Was soll denn das sein?

Fermentierte Garnelenpaste mit Salz und viiiel Chili!
Essentiell für eine jede Menge südostasiatischer Gerichte.
„Alles klar!“ klingt es aus der Hörermuschel. „Wird besorgt!“

Keine Stunde später meldet sich mein Handy erneut.
SMS-Nachricht. Von Pädde.
„Alter, das Trassi-Zeugs stinkt ja zum Himmel und noch weiter!
Kannst du vergessen, da müffelt ja mein Koffer auf Lebzeiten!“

Nun. Recht hat er schon. Ähnlich thailändischer oder vietnamesischer Fischsauce fordert das Aroma den Geruchssinn auf eine ganz schön harte Probe. Aber wie so oft verflüchtigt sich der Geschmack nach dem Garen und es bleibt ein
intensiv-würziges und unverwechselbares Bouquet. Habe ich gerade wirklich Bouquet geschrieben?
Ich bin ein Fan davon, ihr merkt es schon…

Wenige Tage später steht Pädde vor meiner Tür. Wir treffen uns heute zum indonesischen Gelage. In seiner Hand eine verheissungsvolle Tüte, aus welcher es herrlich nach Gewürzen und Kräutern duftet. Mein Gaumen kitzelt mich schon vorfreudig. Wir haben uns heute für einen einfachen indonesischen Dreigänger entschieden.

Erster Gang: Saté ayam, marinierte Pouletspiessli mit Erdnusssauce.

Saté-Spiessli (manchmal auch Satay genannt) haben sich in den letzten Jahren zu einem weltweiten kulinarischen Renner entwickelt. Sogar auf diversen Firmenapéros und Hochzeitsfeiern trifft man die Dinger mittlerweile an; manchmal auch unter dem Deckmantel des japanischen Pendant: yakitori.
Die Kluft zwischen simplen Pouletspiessli und wirklich gut gemachten Saté ist dabei aber stets einigermassen gross. In Indonesien selbst, aber auch in den umliegenden Nachbarstaaten, werden die über Holzfeuer grillierten Bambusspiesschen an beinahe jeder Strassenecke angeboten.

Saté bedeutet übrigens „grilliert“ und ayam gleich „Hühnchen“.

Zweiteres nimmt entsprechend auch einen grossen Stellenwert bei dem Gericht ein. Am besten kauft ihr mir Schweizer Poulet, vielleicht sogar direkt vom Bio-Hof. Aber lasst mir um Himmels Willen die Finger von dem hochgezüchteten Mist aus Slowenien, Brasilien oder Ungarn.
Auch China oder Deutschland (sorry, liebe Nachbarn!) muss nicht sein.
Unseren Bauern, den Hühnerviechern und euch selbst zuliebe!

Aber wagen wir uns nun an weiter oben erwähnte Gewürztüte, welche schon sehnsüchtig darauf wartet von mir gründlich inspiziert zu werden. Ich fühle mich wie ein Kleinkind auf dem Jahrmarkt. Schnell wird der betörend dufetende Inhalt der roten Plastiktüte auf dem Küchentresen ausgebreitet. Meine Adleraugen erblicken frischen Palmzucker, welcher sogleich verkostet wird. Herrlich! Karamellnoten, etwas Butterscotch, voller Geschmack und cremige Süsse. Herrlich! Gleich nochmals!

Was noch? Tamarindenpaste. Lecker! Kemiri-Nüsse. Au ja!
Frische Kurkumawurzel. Fantastisch! Green Ginger. Spannend!
Nur leider tatsächlich kein Trassi. Aber trotzdem.
Meine Begeisterung befindet sich auf dem Höhepunkt. Dem Pädde sei gedankt!

Aber nun schnell an die Arbeit.

Als Appetizer für 2 Personen benötigt ihr folgende Zutaten:

  • 1 grosse Pouletbrust
  • 1 kleine Schalotte
  • 2 Knoblauchzehen
  • 1 kleines Stück grüner Ingwer
  • 1 kleines Stück weisser Ingwer
  • 2 Chilis
  • ½ Kaffirlimette, nur Schale
  • 1 kleines Stück Tamarindenpaste
  • 2 EL Palmzucker
  • ½ TL Salz
  • 4-5 EL geröstete Erdnüsse
  • 1dl Wasser
  • 1 EL geröstetes Sesamöl
  • 1 EL kecap manis (indonesische Sojasauce)

Zunächst bereiten wir die Erdnusssauce zu. Dafür werden alle Zutaten bis und mit 1dl Wasser in einem Mixer zu einer geschmeidigen Paste verarbeitet. Für eine etwas dunklere und kräftigere Sauce können die Erdnüsse auch gerne in einer Pfanne ohne Öl nochmals einige Minuten geröstet werden.

Über grünen Ingwer musste ich mich übrigens auch erst etwas belehren lassen. Fündig wurde ich schliesslich (wo sonst?) im Internet. Anscheinend handelt es sich dabei um „normalen“ weissen Ingwer, welcher jedoch besonders jung geerntet wird und oft sogar ohne vorher zu schälen verwendet werden kann. Er ist im Geschmack wesentlich milder als weisser Ingwer und findet sich auch hierzulande im Asia Market. Ansonsten kann man natürlich auch getrost den normalen Ingwer verwenden.

Von der nun entstandenen Paste behält ihr einen Esslöffel zurück und mischt ihn mit Sesamöl und kecap manis oder ersatzweise regulärer japanischer Sojasauce (Kikkoman über alles!). Damit mariniert ihr nun das vorher in mundgerechte Happen geschnittene Poulet für eine gute halbe Stunde.

Den Rest der Sauce über mittlerem Feuer langsam leicht erwärmen und einige Minuten sanft simmern lassen. Anschliessend die Pouletwürfel auf Holz- oder Bambusspiessli pfählen und am besten auf Holzkohle fertig grillen. Damit die Spiesschen nicht verbrennen könnt ihr sie vorher einige Minuten in kaltem Wasser einweichen.

Ob ihr’s glaubt oder nicht: Aber vor lauter Euphorie über die bevorstehende Schlemmerei haben wir tatsächlich die ach so wichtigen Bambusspiesschen beim Einkauf vergessen. Dummerweise hatte ich nicht mal metallene Spiesse zur Hand. So richtig authentisch wird’s dann wohl doch nicht heute, aber was soll’s! Tut der Stimmung und dem Geschmack keinen Abruch. Und sowieso: Authentizität (das Wort heisst tatsächlich so!) wird ohnehin überbewertet. Die Pouletwürfel schmecken auch wunderbar in der Pfanne gebraten und anschliessend mit Zahnstöcherli zur Sauce serviert.
Fast wie auf Java. Wir sind gespannt auf mehr…

Advertisements

3 Antworten to “Saté Ayam”

  1. Jasmin 20. August 2012 um 11:38 #

    hihi, das sind ja die Zahnstocher wo ich Euch geschenkt hab 🙂

    • marco 20. August 2012 um 12:14 #

      genau diä! 🙂 wie froh simmer gsi hehe

  2. Jasmin 12. September 2012 um 19:37 #

    gseht mega fein us…..

dein Senf dazu...

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: