Würstchen im Teig

6 Feb

Kulinarische Sünde?

Der Blick auf den Kalender verrät: es ist Februar und das neue Jahr ist auch schon wieder die eine oder andere Woche alt. Kann man die Zeit verlangsamen? Oder zumindest sein eigenes Zeitgefühl? Die Wochen hauen sich nur so um meine Ohren und das Gefühl eigentlich erst kürzlich mal ausgelassen Sylvester gefeiert zu haben, ist schon beinahe wieder inexistent. Nun denn… meist vergeht die Zeit ja besonders schnell, wenn man etwas Schönes erlebt. Ich nehme das mal als Indiz dafür, dass ich auch im neuen Jahr zufrieden bin und weiterhin gut esse…

Wie sieht’s denn bei euch aus? Vorsätze fürs neue Jahr? Hhm, ja… die hatte ich mir genommen. Die selben zwei wie eigentlich immer: mehr kochen und weniger essen. In sich der pure Widerspruch. Und wie jedes Jahr funktioniert es auch diesmal nicht. Und wie jedes Jahr ist es mir eigentlich schon nach kurzer Zeit Wurst. Und um genau die geht es heute.

Die ursprünglich geplanten kleinen, feinen Würstli im Teig präsentierten sich schlussendlich zwar mehr als das, was man wohl diskret ausgedrückt als Kampfwurst in der Bomberjacke bezeichnen könnte. Dafür haben sie aber geschmeckt und mir so richtig den Bauch gefüllt! Und: sie waren hausgemacht!

Ich bin ja immer wieder erstaunt, was Menschen sich und ihren Mägen so antun. Montag bis Freitag Convenience-Mist aus der Mikrowelle, aufgeweichte Sandwiches über der Tastatur und am Wochenende Döner, Fritten, Currywurst und Burger. Wieso wohl die Wölbung am Bauch stetig anwächst?

Zugegeben: auch mein Speiseplan ist nicht komplett frei von kulinarischen Sünden. Heute lege ich die Karten offen auf den Tisch und präsentiere euch meine Top Five der vermeintlich ganz, ganz schlimmen Dinge, die ich meinem Magen in einigermassen regelmässigen Abständen antue…

1. McDonald’s
Welcher Gourmand würde schon von sich behaupten, dass er bei McDonald’s einkehrt? :) Ich nicht oft – aber immer wieder mal! Gemischte Teile von hormongeladenen Tieren, fein gehackt und handgerollt in gebleichtem, kalorienreichem und nährstoffarmem Weissgebäck angeboten. Lecka!

2. Beutelsalat
Jemand hat mal gesagt: “Echte Männer kaufen Beutelsalat. Echte Weicheier waschen ihn vor Gebrauch!” Damit wir uns richtig verstehen, wir sprechen hier von grünem Blattsalat. Die Luxusvariante unter den anspruchsvollen angemachten Salaten wäre dann wohl fixfertig gekaufter Wurstsalat… äääh, nein danke!

3. Brunos Salatsauce, fixfertig
Ich und Salatsaucen, das ist so eine Sache. Aber mit Bruno’s schmeckt’s eigentlich immer! Man möge mir verzeihen, aber ich finde, die schmeckt echt gut. Ob das wohl am Natriumglutamat liegt?

4. Asia Instant Noodles
Noch mehr Geschmacksverstärker und noch viel fiesere Dinge, von denen ich gar nicht erst wissen will. ABER: Der ultimative 2-Minuten-Mitternachts-Imbiss im Falle eines knurrenden Magens bei Heimkehr zu nachtschlafender Stunde vom Ausgang. Und glaubt mir – es wirkt immer!

5. Ofen-Pommes
Schnell, einfach und in jedem Fall gesünder als ihre in Öl gebadeten Kollegen. Wieso eigentlich nicht?

So, und nun zur Rettung meiner Ehre fünf Dinge, die ihr in meiner Küche in tausend Jahren nicht anfinden werdet:

1. Aromat
In dieser Hinsicht bin ich durch und durch Nicht-Schweizer!
Äxgüsi, aber das Zeugs schmeckt einfach nicht!

2. Red Bull
Schmeckt es echt so eklig, dass es schon wieder gut ist? Nein – definitiv nicht! Pfui!

3. Mariniertes Fleisch von der Tanke
Alleine der Gedanke daran lässt meine Geschmacksknospen gefrieren.
Würde ich nicht mal unter Folter einnehmen!

4. Jodiertes Salz
Jurasel, der Klassiker jedes Schweizer Haushaltes – schmeckt metallisch, bitter, unangenehm. Mein Tipp: eine Kartoffel schälen, in leicht gesalzenem Wasser gar kochen, halbieren und mit wenig Butter bestreichen. Eine Hälfte mit jodiertem Salz würzen, die andere mit einem qualitativ guten Meersalz. Dann, reinbeissen und vergleichen. Das sind Welten, liebe Freunde! Der Rest ist dann Geschichte…

5. gut 99% aller Fertiggerichte
Ich hab davon gehört… wer’s essen will…

6. Dosenravioli
Viele Kindheitserinnerungen sind damit verbunden…
Zum Glück bin ich kein Kind mehr…

 

So, das war mein Coming-Out! Ich bin gespannt auf eure Liste und eure kulinarischen Sünden :)

Und für alle anderen, hier mein Rezept für meine echt brachial guten Würstchen im Teig:

Für 3-4 Personen

  • 6 Schweinsrauchwürstli
  • 2 Pack Kuchenteig
  • 300 g Kalbsbrät
  • 1 Wirz
  • 2 Stangen Lauch
  • 1 rote Chili
  • 18 Tranchen Räucherspeck
  • grobkörniger Senf
  • Kümmel
  • 1 Eigelb
  • 100 g Gruyère

Die Geschichte geht kinderleicht, daher halte ich mich kurz und lasse mehrheitlich die Bilder sprechen.

Vom Wirz die äusseren Blätter ablösen, waschen und beiseite stellen.

Wirz und Lauch

In der Zwischenzeit den Lauch und die Chili putzen, möglichst fein hacken und anschliessend zusammen mit etwas Kümmel unter das Brät mischen.

Brätmischung

Den Kuchenteig auf einem mit Backpapier belegten Backblech ausbreiten, grosszügig mit grobkörnigem Senf bestreichen und die geputzten Wirsingblätter darauf verteilen.

Wirz meets Teig

yummy :)

Nun die Specktranchen darauf ausbreiten, löffelweise mit Brät bedecken und anschliessend die Schweinwürstchen (vorher mit dem Messer mehrmals einstechen) darauf verteilen. Mit etwas zusätzlicher Brätmasse abdecken und in den Kuchenteig einschlagen.

Zum Schluss mit Eigelb bepinseln, mit Gruyère bestreuen und im vorgeheizten Ofen bei 180°C etwa 40 bis 50 Minuten goldgelb backen.

Kampfwurst in der Bomberjacke

Schmeckt echt lecker! Davon dürft ihr so viel essen wie ihr wollt!

Würstli im Teig

 

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10 Antworten to “Würstchen im Teig”

  1. tomatenblüte 6. Februar 2013 at 22:13 #

    Dass der Kommentar für deine tollen Würstchen eher mager ausfällt…da bist du selber schuld ;)

    Sünden beichten geht vor:

    Pommes von McDonalds mit Ketchup

    Röstzwiebeln aus der Büchse

    Fleischsalat…

    Wurstbrot mit Ketchup

    Spaghetti mit Ketchup

    liest du jetzt noch bei mir??

    • marco 7. Februar 2013 at 21:13 #

      Du hast wohl recht, schuldig im Sinne der Anklage :)

      Hast aber Glück… ich hatte es zwar nicht explizit erwähnt, aber Ketchup gehört auch zu einem dieser No-Go’s meiner Küche…
      Und dann noch mit Spaghetti?! Und trotzdem lese ich noch bei dir :)

  2. magentratzerl 7. Februar 2013 at 05:22 #

    Das wäre ja dann wohl eine Luxusvariante der Würstchen im Schlafrock.
    So jetzt zur Beichte.
    Ich mache mit bei den Instantnudeln. Fischstäbchen und Ofenpommes für den kulinarisch anspruchsvollen Nachswuchs. Als Kind diese Dosenravioli – daas hat sich aber gelegt. So, und jetzt oute ich mich als anonyme Kartoffelchipabhängige. Suche grade eine Selbsthifegruppe…

    • marco 7. Februar 2013 at 21:15 #

      Au ja, Fischstäbchen, da mache ich auch gleich mit. Am besten mit viel Butter gebraten und zusammen mit hausgemachtem Basilikum-Aioli im Sandwich versteckt! Pimp your convenience food! Und – nichts gegen Kartoffelchips ;)

  3. salzpfefferkokos 7. Februar 2013 at 23:00 #

    TOP 4 Sünden…

    … Burger King Pommes, die saugen den Alkohol im Magen einfach am besten auf in den frühen Morgenstunden. Mit Instant-Nudeln habe ich auch so meine Erfahrungen Marco :D
    … Dosenravioli. Kein Festival ohne, die Campingtradition will das so. Gibt’s auch vegetarisch.
    … Überraschungs-Ei, Spannung! (nein), Spiel! (selten) und Schokolade (wenigstens ein Versprechen wird gehalten)
    … Coke-Zero. Der Chemie Super-Gau, den ich brauche, um lange Uninächte durchzustehen.

    Und jetzt setze ich mich erstmal mit Herrn Lehman (Buch^^) in den Nachtzug nach Budapest. Ein schönes Wochenende!!! :)

    • marco 12. Februar 2013 at 22:30 #

      Nette Sünden, die du uns da auftischst! Nur mit den Dosenravioli kann ich mich nun echt wirklich nicht so recht anfreunden :)
      Dafür spricht definitiv rein gar nichts gegen ein Ü-Ei! Rein rein gar nichts!

      Und zu Budapest… da schreib ich dir gleich noch was auf deinen eigenen Blog ;)

  4. Irene 8. Februar 2013 at 00:03 #

    Die würstli sehen ordentlich gepimt auf. Sünden gibt es demfall einige bei mir resp. uns. Ich habe den Eindruck einige sind auch den Kindern zu liebe gemachte Kompromisse. Jedoch Sünden wurde ich sie nicht nennen. Aromat finden bei mir alle 5 fein, in Kombination mit Ei vorallem und auf Salatgurkenrädchen einfach toll. Habe ich auch gerade in den Skiferien mit dabei ;-) Salat aus dem Beutel schmeckt für mich ecklig, dann lieber keinen. Mc D besucht familie widmatt auch ab und zu.
    Grüessli Irene

    • marco 12. Februar 2013 at 22:32 #

      Den Kindern zuliebe gemachte Kompromisse, hübsch wie das ausdrückst! Und wenn’s den Eltern auch gleich noch schmeckt, umso besser :)

      Aromat in den Skiferien, da spricht die Eidgenössin in dir, liebe Irene :)

  5. Kekstesterin 9. Februar 2013 at 10:33 #

    Würstchen im Schlafrock ist einer meiner liebsten Kindererinnerungen! Werde ich mir beim nächsten Heimatbesuch direkt wünschen, Sünde hin oder her! Und endlich weiß ich, welchen Kohl Schweizer mit Wirz meinen, danke ;-)

    • marco 12. Februar 2013 at 22:33 #

      Früher gab’s bei uns immer Wienerli im Teig. Ich erinnere mich vage daran, einmal satte 5 Stück verputzt zu haben, bevor meine Mutter mich stoppen musste! Und ja, ihr Nachbarn nennt das glaub ich Wirsing bei euch ;)

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